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Vorwort: Padre Pio – seine Mission für die heutige Zeit

23. September, 2018

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • September 2018

Zum 50. Todestag

Liebe Freunde und Wohltäter!

Am 23. September 1968 ist der weithin bekannte Padre Pio aus dem Kapuzinerkloster San Giovanni Rotondo in Süditalien im Ruf außergewöhnlicher Heiligkeit verstorben. Als visionärer Beichtvater, der die Seelen erleuchtete und bekehrte, als machtvoller Beter, der bei Gott scheinbar alles erreichte, als Wundertäter, der jeglicher Not abzuhelfen wusste, wurde er überall als ebenso außergewöhnliches Geschenk der göttlichen Vorsehung wahrgenommen und verehrt.

Erst nach seinem Tod begann man indes seine eigentliche Sendung für die heutige Zeit zu erfassen: In seinem Leben hat er nämlich genau das verwirklicht und vorgelebt, was der modernen Kirche und Gesellschaft verlorengegangen ist.

1) Das Wissen um die Macht der göttlichen Gnade

Der moderne Mensch ist ganz ins Materielle versunken. Er weiß weder um seine übernatürliche Sendung noch um die umgestaltende Kraft der göttlichen Gnade. Er rechnet darum nicht mehr mit ihr. Geistlich völlig verarmt und verkümmert, lebt er nur noch fürs Irdische, das ihm alles bedeutet.

Pater Pio war nun eine lebendige Offenbarung der Macht der göttlichen Gnade. Unzählige Sünder und Ungläubige, die mit ihm in Berührung kamen, wurden von der Gnade getroffen und bekehrten sich. In ihm geschah so etwas wie eine Explosion der Gnade. Unzählige Wunder und mystische Ereignisse wirkte Gott handgreiflich durch ihn. Ganz zurecht sagte man, er sei durchsichtig auf Gott hin gewesen, ein offenes Fenster zum Himmel.

2) Der Sinn des Kreuzes

Man will heute ein Christentum ohne Kreuz. Das Zentrum und die Lebensquelle der Christenheit wurde eliminiert. Man hat die Kreuzwegstationen aus den Kirchen und die Kruzifixe aus den Klassenzimmern und Amtsstuben entfernt. Man will von Kreuz und Leid nichts mehr wissen.

Pater Pio hingegen war hier auf Erden das lebendige Abbild des gekreuzigten Heilandes. Er hat sich so innig mit dem gekreuzigten Jesus vereinigt, dass man sagte, er sei eine mystische Menschwerdung Jesu gewesen. Der Gekreuzigte von Golgotha war gekommen, um auf geheimnisvolle Weise im Gekreuzigten von Gargano weiterzuleben.

Pater Pio schrieb am 18. März 1915: „Ich bin aus Liebe gekreuzigt!“ Und so war es in der Tat.

50 Jahre trug er sichtbar die Wundmale Christi an seinem Leib und verkündet so der Welt die vergessene Wahrheit: Allein im Kreuz, in der Nachahmung des leidenden Herrn, ist Friede und Heil. Wir müssen das Kreuz tragen, um in den Himmel zu kommen.

3) Das Bewusstsein der Gefahr teuflischer Umtriebe

Die moderne Kirche hat vom Teufel Abschied genommen. Man glaubt nicht mehr an die Existenz des Menschenverderbers und somit auch nicht mehr an die Gefahr, ewig verloren zu gehen.

Im Leben Pater Pios ist die Grausamkeit des Teufels augenscheinlich geworden. Von seiner Kindheit an bis zum Tod ist P. Pio von den Dämonen oft gequält worden. Sie konnten es nicht ertragen, dass er ihnen so viele Seelen entriss. Oft erschienen sie ihm in scheußlicher Gestalt, um ihn zu erschrecken und zu schlagen. 1912 schrieb P. Pio an seinen Beichtvater: „Blaubart will sich nicht geschlagen geben. Er hat nahezu alle Gestalten angenommen. Seit mehreren Tagen kommt er mich besuchen mit andern von seinen Satelliten, bewaffnet mit Stecken und Eisengerät. Wer weiß wie oft er mich aus dem Bett geworfen hat, wobei er mich durch das Zimmer schleifte. Aber Geduld! Jesus, die liebe Muttergottes, der kleine Engel, der heilige Joseph und der hl. Vater Franziskus sind nahezu immer bei mir.“ – etwas später: „Ich war noch im Bett, da wurde ich von diesen Kosaken heimgesucht. Sie verprügelten mich auf eine so barbarische Weise, dass ich es als eine gar große Gnade erachte, dass ich es ertragen konnte, ohne daran zu sterben.“

P. Pio hat überreich erfahren, wie grausam der Teufel wütet, um die Seelen zu verderben. Und er wusste ganz klar: Nur durch Gebet und Opfer, durch ein hl. Leben, können die Seelen dem Untergang entrissen werden. Und darum, aus Mitleid zu den Menschen, die in Gefahr sind, verloren zu gehen, hat er sich ganz und gar aufgeopfert, und die Leiden bedingungslos angenommen, die Jesus zuließ. Im gleichen Jahr 1912 schreibt er sehr schön: „Im Leiden ist Jesus noch näher; Er schaut her, er ist es, der um Mühen, um Tränen bettelt; Er braucht sie für die Seelen ...“

4. Die Hochschätzung des hl. Messopfers

Leider brachte die moderne Theologie und die von ihr beseelte Liturgiereform als bittere Frucht eine neue Messe hervor, die, ihres wahren Inhalts entleert, zu einem platten, nichtssagendem Gemeinschaftsmahl verarmt ist. Die Gläubigen wissen nichts mehr von der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi und können erst recht nicht daraus leben.

Bei Pater Pio ist diese Wahrheit jedoch hell aufgestrahlt. Die unzähligen Besucher in San Giovanni Rotondo, die der Messe Pater Pios beiwohnten, waren bestürzt, wie P. Pio die hl. Messe mitlebte und sich in ihm das Leiden Christi nachvollzog, indem er dessen Todesangst und Qual am Kreuz mitlitt. Es vollzog sich eine mystische Vereinigung mit dem Leiden Christi. So wurde er zum Miterlöser und öffnete in der Messe einen überreichen Quell von Gnaden. Die Pilger begriffen auf diese Weise, was die hl. Messe ist und wie wir sie mitfeiern sollen. Nicht nur dadurch, dass wir die Messgebete mitbeten, sondern vor allem durch das Mitopfern und Sich-Vereinigen mit dem leidenden Christus.

5) Der Gebetsgeist

Die Menschen wissen nicht mehr zu beten. Pater Pio war der große Beter, der stunden- und nächtelang ins Gebet versunken war und zutiefst erfahren hat, was er oft bezeugte: „Das Gebet ist ein Schlüssel, der uns Zugang zum Herzen Gottes verschafft. Nur das Gebet ist imstande, die Welt zu verwandeln.“

Pater Pio ist wirklich ein Heiliger für unsere Zeit. Sein Leben wäre ein Programm zur Erneuerung der ganzen Welt. Hätten die Päpste des Konzils sich dieses Programm zu eigen gemacht, welch großartige Erneuerung der Kirche hätte stattfinden können.

Wer mit ihm in Kontakt kommt oder etwas aus seinem Leben liest, kann sich der Faszination seiner Persönlichkeit nicht entziehen. Die Macht seiner Liebe reißt ihn mit. Wer ihn anruft und verehrt, wird nicht enttäuscht, wer sein Beispiel und seine Ratschläge beherzigt, wird die Macht seiner Hilfe beglückend erfahren.

Mit herzlichem Gruß und priesterlichem Segen

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • September 2018