Vorwort: Die Engel in der hl. Messe Zum Monat der hl. Engel

31 August, 2019
Quelle: Distrikt Österreich
Die Neun Chöre der Engel preisen die Heiligste Dreifaltigkeit. Fresko von Thomas von Villach in der Pfarrkirche St. Andreas in Thörl, Kärnten (ca. 1470/1475).

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • September 2019

Die Engel in der hl. Messe Zum Monat der hl. Engel

Liebe Freunde und Wohltäter!

Die tridentinische hl. Messe führt uns in unübertrefflicher Weise in die Lehre der heiligen Engel ein. Wenn schon im alltäglichen Leben die Engel uns stets umgeben, uns den Segen Gottes vermitteln und jedem Menschen in seinem Schutzengel ein persönlicher Begleiter und Freund, Führer und Beschützer geschenkt ist, so intensiviert sich diese Gemeinschaft mit den seligen Himmelsgeistern in den heiligsten Augenblicken des Lebens, während der hl. Messe. In ihr verwirklicht sich das Wort des hl. Paulus: „Ihr seid hinzugetreten … zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zu den unzähligen Himmelsscharen …“

Geheimnisvolles Wirken der Engel im hl. Messopfer

Von Beginn der Messfeier bis zum letzten Gebet sind die Engel gegenwärtig. Unablässig wird uns ihr geheimnisvolles Wirken vor Augen gestellt und ihr Beistand angerufen. Wir müssen uns hier auf einige Andeutungen beschränken, welche aber doch klar verdeutlichen, welch wunderbare Bande der Liebe uns mit den so mächtigen himmlischen Freunden verbinden.

Bereits bei der feierlichen Besprengung mit Weihwasser vor Beginn des Sonntagsamtes wird Gott gebeten, Er möge seinen „heiligen Engel senden, damit er alle, die in diesem Hause weilen, behüte, bewahre, besuche und beschirme.“ Wie sehr bedürfen wir in unserer Schwachheit dieser Hilfe der Engel, damit unser Gebet frei von ungebührlichen Ablenkungen und beschirmt vor teuflischen Nachstellungen aus reinem Herzen zu Gott emporsteigen kann! Vor dem Allerheiligsten muss alles Unreine weichen.

Der gleich danach gesungene Introitus ist ein Ruf der Sehnsucht nach der Ankunft der Engel, wie die Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus darlegt: „Herr, unser Gott, du hast im Himmel die Ordnungen und Heere deiner Engel und Erzengel zum Dienste deiner Herrlichkeit aufgestellt. Gib, dass mit unserm Eingang heilige Engel Einzug halten, die mit uns den Dienst verrichten und deine Güte mitverherrlichen.“

Wenn der Priester zu Beginn der hl. Messe sich reuevoll vor Gott tief verbeugt, bekennt er seine Sünden – und danach ebenso die Gläubigen – auch dem Fürsten der himmlischen Heere, da wir mit unseren Sünden nicht nur Gott, sondern auch die Engel betrüben. Im Vertrauen auf die mächtige Fürsprache des Erzengels wendet er sich nach dem mea culpa nochmals an ihn, der sich im Kampf gegen die rebellischen Geister ausgezeichnet hat, um von Gott Verzeihung der Sünden zu erlangen.

Den Altar emporsteigend wird er gleichsam von den hl. Engeln zum Kyrie eleison empfangen, damit wir unsere Stimmen mit den ihrigen vereinigen, um im Gottes Erbarmen anzurufen. In der dreimal dreifachen Anrufung sind sehr schön die neun Engelschöre versinnbildet, die in drei Hierarchien gegliedert sind, mit denen wir die heiligste Dreifaltigkeit bekennen. Jede der Personen wird dreimal angerufen, was andeuten soll, dass die drei göttlichen Personen nicht getrennt voneinander sind, sondern jede in den anderen beiden wohnt. In der Neuen Messe wurde das Kyrie auf sechs Anrufungen reduziert und ging leider ihrer doppelten tiefsinnigen Symbolik verlustig!

Wie auf den Advent das Weihnachtsfest folgt, so schließt sich an den Kyrie-Ruf der erlösungsbedürftigen Menschheit das freudige Gloria an, das mit dem Engelgesang auf den Fluren Bethlehems beginnt. Selbstverständlich stimmen wiederum die Engelscharen mit uns in diesen herrlichen Lobgesang auf den menschgewordenen Erlöser ein. Sie wollen uns helfen, ihn mit der gleichen inbrünstigen Ehrfurcht und Andacht wie sie zu singen. Nicht minder wollen sie uns erleuchten und uns immer tiefer verstehen lassen, dass der Lobpreis Gottes unsere erste und höchste Aufgabe sowie unsere edelste und beseligendste Pflicht darstellt. Er wird fortgesetzt und vertieft in der Präfation mit den anschließenden Sanctus und soll schließlich unser Alltagsleben prägen, auf dass wir selbst den Engeln gleich in Christus ein lebendiges Lob- und Dankopfer werden. „So sollen wir zum Lobe seiner Herrlichkeit dienen.“[1]

Der erwähnte hl. Johannes Chrysostomus schildert mit beredeten Worten die Bedeutung der Engel während der hl. Messe: „Wenn der Priester das furchtbare und ehrfurchtgebietende Opfer vollzieht, da stehen die Engel bei ihm, und es ruft der ganze Chor der himmlischen Geister, und der Platz nahe beim Altar ist ganz erfüllt mit den Chören der Engel, zu Ehren dessen, der da geschlachtet wird.“ – „Zur selben Zeit rufen nicht allein die Menschen zu Gott, auch die Engel beugen vor ihm die Knie, und die Erzengel bitten für uns Menschen. Dann haben sie eine gelegene Zeit, dann kommt ihnen das Opfer zu Hilfe. Sie rufen gleichsam: Wir bitten, o Herr, für diejenigen, welche dein Sohn so sehr liebte, dass er für sie den Tod erlitt; für jene halten wir an, für welche dein Sohn sein Blut vergossen hat.“

Die Jakobsleiter

Dieser Dienst der Engel wurde von den Kirchenvätern nicht selten mit der Engelsleiter verglichen, die der Patriarch Jakob auf seiner Flucht vor Esau in einem Traumgesicht erblickte. Er sah, wie eine Leiter von der Erde bis zum Himmel reichte, auf der unzählige Engel auf- und niederstiegen. So tragen in der hl. Messe die Engel all unsere Gebete, Opfer und Anliegen zum Himmel empor und bringen von Gott dessen Gnaden und Erbarmungen. Tatsächlich entfalten die Messgebete diesen Gedanken bei der Altarberäucherung[2] und im dritten Gebet nach dem Kanon: „Dein hl. Engel möge dieses Opfer zu Deinem himmlischen Altar emportragen vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät, auf dass wir … mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden.“

Wenden wir uns schließlich noch zum letzten vom Priester bei der hl. Messe gesprochenen Gebet, jenes zum Erzengel Michael in den leonischen Schlussgebeten. Die Kirche ist sich des gewaltigen Kampfes bewusst, den sie und alle Gläubigen „gegen die Bosheit und die Nachstellungen des bösen Feindes“ auszufechten haben, und den sie nur bestehen können, wenn die himmlischen Heerscharen „den Satan und alle bösen Geister mit göttlicher Kraft in die Hölle hinabstoßen.“ Papst Paul VI. hat dieses kraftvolle Gebet 1964 leider ersatzlos gestrichen.

Bedeutung der Engel für die heutige Zeit – Defizite in der Neuen Messe

In der heutigen Zeit, in welcher vor unseren Augen die höllischen Agitationen ihrem Höhepunkt entgegensteuern, die Menschen aber gottvergessen und ins Materielle versunken dahinleben, täte es höchste Not, ihnen die wunderbare Welt der Engel nahezulegen, damit sie sich wieder ihrem Schutz empfehlen und erneut lernen, nach dem himmlischen Ziel zu streben! Es ist darum aufs Höchste zu bedauern, wenn in der Neuen Messe leider das Gegenteil erreicht wird. Wenn auch die Engel nicht geleugnet werden, so wird von der tiefgreifenden Vereinigung von irdischer und himmlischer Liturgie kaum noch ein schwacher Eindruck vermittelt.

„Lieben wir es, in der Gemeinschaft der heiligen Engel zu leben. Bemühen wir uns, in die wunderbare Welt aller jener Geister einzudringen, die voll des Lichtes und der Liebe des Heiligen Geistes sind und die brennen vor Liebe zu Gott und zum Nächsten … Wie schön sind die Lehren, die sie uns durch ihr Beispiel und ihre Worte erteilen! Wie ermutigend ist der Glaube der Kirche an die heiligen Engel! Bewahren wir ihn sorgfältig. Das Denken an die heiligen Engel müsste uns zur Gewohnheit werden und uns so auf die himmlische Wirklichkeit vorbereiten, ebenso wie wir alles tun müssen, um den schlechten Einfluß der Dämonen zu vermeiden.“[3]

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • September 2019

[1] Eph 1,12.
[2] Ein weiteres Mal wird die Fürsprache des hl. Erzengels Michael angerufen, wenn der Priester den Weihrauch segnet, damit dieser als lieblicher Wohlgeruch für Gott emporsteige und dessen Barmherzigkeit auf uns herabkomme.
[3] Geistlicher Wegweiser, S. 43-45