Vorwort: Achtung vor der Wahrheit

01 Februar, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Februar 2019

 

Achtung vor der Wahrheit

Zum Zusammenbruch eines Lügengebäudes

Liebe Freunde und Wohltäter!

Gott verpflichtet uns Menschen zur unbedingten Wahrhaftigkeit. Er selbst ist die Wahrheit, das Licht, in dem keine Finsternis ist. Als seine Kinder, denen dieses Licht leuchtet, sollen wir die Wahrheit achten und lieben, in ihr und aus ihr leben. Niemals ist es erlaubt, die Wahrheit zu verdrehen, selbst dann nicht, wenn man damit beabsichtigt, Gutes zu stiften oder Schaden abzuwenden. Der Lügner richtet immer Schaden an: Er schadet seiner eigenen Seele und er schadet seinen Mitmenschen. Denn er greift einen Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft an: die Wahrhaftigkeit. Wie der hl. Thomas von Aquin lichtvoll darlegt, kann eine Gemeinschaft auf Dauer nicht Bestand haben, wenn die Menschen sich gegenseitig nicht vertrauen können, als solche, die die Wahrheit offenbaren.

„Wahrheitsethos“ der Aufklärer

Voltaire, einer der Väter der heute alles beherrschenden Ideologie des Liberalismus, war diesbezüglich anderer Ansicht. In seinem Brief vom 21.10.1736 an Thierot schrieb er: „Die Lüge ist nur dann ein Laster, wenn sie Böses stiftet; sie ist eine sehr große Tugend, wenn sie Gutes bewirkt.“ Er war es auch, der seinen gegen die Kirche kämpfenden Kameraden den Rat erteilte: „Brüder, lüget nur, aber recht frech. Es bleibt immer etwas hängen.“

Offenbar hat Voltaire heutzutage viele treue Schüler, insbesondere in der Medienlandschaft und in der Politik. Seit längerem kursiert hartnäckig der Begriff „Lügenpresse“, die sich in den Dienst der politischen Korrektheit und des linksliberalen Mainstream gestellt hat. Vor kurzem bekam er eine erschütternd-beeindruckende Bestätigung. Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL musste seine jahrelang gepflegte Fassade hoher moralischer Integrität im Nu in sich selbst zusammenstürzen sehen, als sein mehrfach preisgekrönter Starjournalist Claas Relotius als chronischer Lügner entlarvt wurde.

Die Phantasie-Reportagen

Jahrelang schrieb er nicht nur für den Spiegel, sondern auch für zahlreiche „Qualitätsmedien“ frei erfundene oder getürkte Reportagen, obwohl seine Betrügereien eigentlich bekannt waren. Der Relotius-Skandal scheint indes nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Inzwischen wurden ähnliche Märchen-Reportagen seit den 60er Jahren nachgewiesen. Der ehemalige SPIEGEL-Volontär Thomas Knüwer kommt auf seinem Blog in einer einschlägigen Analyse zum Ergebnis: „Wahrheitsverdrehungen stecken in der SPIEGEL-DNA.“ Hinter der „arroganten Haltung sehr vieler Journalisten“ stehe die Weigerung zu dem Eingeständnis, dass der Berufsstand ein schmutziges Geheimnis besitze: „Seine Vertreter fälschen ständig, sie erfinden, tricksen und halbwahrheiten vor sich hin.“

Mediale Hinrichtungen

Weit grausamer als bei erdichteten „Tatsachen“ zeigt allerdings die Lüge ihre teuflische Fratze, wenn sie zu schmutzigen Rufmordkampagnen gegen unliebsame Gegner herangezogen wird. Christian Wulff und Bischof Tebartz-van Elst waren in den vergangenen Jahren zwei prominente Opfer solcher medialen Hinrichtungen[1],  die nicht minder verwerflich zu bewerten sind als eine physische Mordtat.

Der oben erwähnte Aquinate weist in einem überraschenden Vergleich auf den höllischen Ursprung der Lüge hin, indem er den Lügner mit einer falschen Münze gleichsetzt, worauf das Bild des Teufels ist. Wenn diese Münzen am Gerichtstag hervorgezogen werden, wird der Richter fragen: „Wessen ist dieses Bild?“ Da es heißen wird: „Des Teufels“, wird er unverzüglich sprechen: „So gebt dem Teufel, was des Teufels ist.“

Des Teufels Anteil werden in der Tat all jene, die Gott verlassen und darum die Liebe zur Wahrheit verlieren. Wo Gott vor die Türe gesetzt wird, kommt der Teufel zum Fenster herein, lautet eine alte Weisheit. Entweder herrscht Christus, die menschgewordene Wahrheit und das Licht der Welt, oder der Fürst der Finsternis errichtet seine tyrannische Herrschaft der Lüge. Da gibt es keine neutrale Zone.

Alles in Christus erneuern

Die gegenwärtige abgrundtiefe Krise in Gesellschaft und Kirche kann einzig durch eine aufrichtige Rückkehr zu Gott überwunden werden. Nur wer alle modernen Lügengötzen von sich wirft, jede Lüge und Verstellung verabscheut und sich in echter Herzensreue zu Gott bekehrt, wird die Freude an der Wahrheit finden, in ihr befestigt werden und einen aktiven Beitrag zur so dringenden Erneuerung aller Dinge in Christus leisten.

Möge Gott mit seiner allmächtigen Gnade einen solchen Umschwung bewirken. Mögen uns doch bald glücklichere Zeiten geschenkt werden, in denen auch der Presse-Ehrenkodex wieder voll zu Ehren kommt, welcher mit folgenden Worten beginnt: „Die Achtung vor der Wahrheit (…) und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“[2]

Ihr Pater Stefan Frey

[1] Siehe: Hugo Becker, Mit VorSPIEGELeien lügen, katholisches.info, 8.1.2018.
[2] Pressekodex des Deutschen Presserates, Ziffer 1.

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Februar 2019

Liebe zur Wahrheit

O Jesus, sei du das einzige Licht, das mein Leben erhellt; der einzige Meister, der meine Schritte lenkt. Ich bedarf deiner, ewige Wahrheit, um aus der Versklavung an so viel Schwäche, Elend und Leidenschaft befreit zu werden, die mein inneres Auge blenden und mich hindern, dem Guten und Wahren, das du mich lehrst, ganz anzuhangen.

Hilf mir, die Wahrheit auch dann zu suchen und zu lieben, wenn sie weh tut und gleich wie mit einem zweischneidigen Schwert mein Elend, meine Fehler und mein Unrecht bloßlegt. Lass deine Wahrheit mein ganzes Sein und Tun durchdringen! Lass mich mutig jedes Licht abweisen, das nicht von dir kommt.

Du einziger Lehrmeister, lass mich die Eitelkeit jedes Wissens, jedes Denkens erkennen, das nicht deine Wahrheit widerstrahlt. Tauche meine Seele in dein Licht; durchdringe meinen Geist und mein Herz mit deiner Wahrheit; vereinige mich dir, ewige Wahrheit! O Jesus, menschgewordenes Wort meines Gottes, unterweise meine Seele. Ich will alles von dir lernen; „ich will mein Leben damit zubringen, dir zu lauschen“ (Sel. Elisabeth von der Dreifaltigkeit).

P. Gabriel a S. Maria Magdalena