Vorwort: „Sieg der göttlichen Weisheit“ - Leitgedanken zum neuen Jahr

2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Jänner 2019

Liebe Freunde und Wohltäter!

Jeder Jahresbeginn lässt uns mit erwartungsvollem, vielleicht auch bangem Blick in die Zukunft blicken und in kindlichem Vertrauen Gott bitten, das neue Jahr möge ein von Ihm gesegnetes werden. Die gegenwärtige Lage der Welt ist ja durchaus nicht geeignet, unseren Optimismus anzuregen, doch in allem, was auch kommen mag, wollen wir uns als Christen wappnen mit frohem Mut und großherziger Hingabe an Gott, damit das neue Jahr 2019 ein Jahr des Heiles werde, und wir die zu erwartenden Prüfungen gelassen aus der Hand Gottes annehmen und mit seiner Hilfe bestehen.

Die hl. Gertrud berichtet im Gesandten der göttlichen Liebe, wie unser Herr ihr an einem zweiten Sonntag nach Epiphanie eine Jahreslosung gab und erklärte, dass diese hingebende Liebe Ihm nicht nur überaus wohlgefällig und uns heilsam ist, sondern auch von jeder Seele leicht zu üben ist:

«Während sie (die hl. Gertrud) am Sonntag Omnis Terra … durch eine geistige Beicht sich vorbereitete und bei der Erinnerung an ihre Sünden sich verunstaltet vorkam, schritt sie zu den Füßen des Herrn Jesus vor, um diese Verunstaltung abzulegen, und erflehte vom Herrn die Verzeihung aller Sünden. Dieser erhob seine ehrwürdige Hand und gab ihr den Segen mit den Worten: „Verzeihung und Nachlassung aller Sünden erteile ich dir aus dem Innersten meiner Liebe. Zur wahren Sühnung aller deiner Vergehen nimm von mir die dir aufgelegte Genugtuung an, nämlich während dieses ganzen Jahres an jedem einzelnen Tag irgendein gutes Werk zu verrichten in Vereinigung mit jener Liebe, in welcher ich dir alle deine Sünden nachgelassen habe.“

Sie nahm es dankbar an, war jedoch wegen der menschlichen Gebrechlichkeit ein Weilchen zweifelhaft und sagte: „Aber was soll ich tun, o Herr, wenn ich dies bei vorkommender Gelegenheit irgendwie vernachlässige?“ Worauf der Herr erwiderte: „Warum solltest du vernachlässigen, was du so leicht vollbringen kannst? Denn mir genügt es, wenn du auch nur einen Schritt in solcher Absicht tust oder einen Strohhalm von der Erde aufhebst oder ein einzig Wort redest oder jemand eine freundliche Miene machst oder das ,Gib ihnen die ewige Ruhe‘ für die Verstorbenen oder ein sonstiges Gebetchen für die Sünder oder auch für die Gerechten sprichst.“

Hierüber sehr getröstet, begann sie für ihre besonderen Freunde zu beten, damit auch sie von der göttlichen Barmherzigkeit solchen Trost empfingen. Ihrer Bitte zustimmend, sprach der Herr: „Alle, welche mit dir diese dir auferlegte Genugtuung verrichten wollen, sollen auch zugleich mit dir die Verzeihung aller ihrer Sünden durch diesen meinen Segen empfangen.“ Und abermals seine ehrwürdige Hand weithin ausstreckend, gab er den Segen. Darauf fügte er hinzu: „O mit wie reichem Segen möchte ich den empfangen, welcher nach Ablauf eines Jahres zu mir zurückkehrend solche Frucht brächte, dass seine Liebeswerke während des Jahres die Zahl der Sünden, die er in dem Jahr begangen, überträfen!“ Mit etwas Misstrauen sagte sie: „Wie kann das geschehen, da der Sinn des Menschen so sehr zum Bösen geneigt ist, dass er sogar in den einzelnen Stunden vielfach fehlt?“ Der Herr antwortete: „Aber warum erscheint dir dies so schwer, da ich, der allmächtige Gott, wenn der Mensch auch nur ein wenig Fleiß anwenden will, bereit bin, ihm so sehr zu helfen, dass meine göttliche Weisheit den Sieg gewinnen muss?“ Als sie hierauf sagte: „Was versprichst du, o Herr, dem zu geben, der dies mit deiner Hilfe vollbringt?“ erwiderte er: „Dies kann dir nicht passender beantwortet werden als mit den Worten: Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und es ist in keines Menschen Herz gedrungen.“

O wie glücklich wäre derjenige, der vor seinem Tode auch nur ein Jahr oder wenigstens einen Monat in solchem Streben der Liebe verbracht hätte! Auch er könnte sicher hoffen, von der Hand des gütigsten Herrn Ähnliches zu empfangen.»

Das göttliche Kind und seine hochheilige Mutter mögen Sie segnen und Ihnen helfen, jeden Tag in ihrer Liebe zu wachsen und ihnen immer treuer zu dienen.

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Jänner 2019