St. Josephs-Blatt • September 2019

01 September, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige,

liturgisch stehen im September neben anderen schönen Festen vor allem und speziell für unsere jetzige Situation in Kirche und Welt die Gedenktage des heiligen Papstes Pius X., des wunderbaren Vorbildes und Patrons unserer Priesterbruderschaft, das Kreuz Christi (Kreuzerhöhung), die allerseligste Jungfrau (Geburt, Namen, Sieben Schmerzen, von der Erlösung bzw. vom Loskauf der Gefangenen) und Sankt Michael im Vordergrund. Die Feste von zwei Kämpfern für die rechte Gottes, für die Kirche, für das Gottesvolk rahmen quasi diesen spätsommerlichen, frühherbstlichen Monat ein: Papst Pius X. zu Beginn und der Engelsfürst am Ende. Inmitten des Monats feiern wir das heilige Kreuz als Inbegriff und Sinnbild der Erlösung, des Heilswirkens Jesu, der Gnadenursache für unsere Versöhnung vor Gott. Von dort geht Heil und Segen und Rettung aus, nur allein von dort! Deshalb feiern wir in der heiligen Messe nicht bloß eine Erinnerung an Jesu Güte, ein Gedächtnis seiner Frohbotschaft und Aufforderung zur Liebe, sondern sein Opfer, das Kreuzesopfer auf unblutige Weise im wirklichen, realen Geschehen am Altar, die Erlösungstat Jesu wird gegenwärtig und ihre Frucht macht uns zu Kindern Gottes und zu Erben des Himmels. Freilich ist darin eingeschlossen – anders geht es gar nicht – die Freude und Verehrung der unsagbaren Güte Jesu und an der Verkündigung der göttlichen Geheimnisse sowie unser festes Bewahren der Lehren und Gebote unseres Heilandes, besonders des Hauptgebotes der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Doch Ausgangspunkt, Kraftquelle, Segensspender für dies alles ist und bleibt das Kreuz Christi auf Golgatha, nun auf dem Altar und auch in unserem Herzen und unserer Seele aufgerichtet. Die umgebenden Feste unserer lieben Gottesmutter zeigen die Wirkungen und Früchte des Erlösungsgeschehens, wenn der Glaube an Jesus, an den Gottes- und Menschensohn, an Leiden, Tod und Auferstehung Christi, am Erlösungsplan Gottes das Herz öffnet für Gottes Gnade und Wirken. Daher pries Elisabeth die schönste Blüte des Menschengeschlechtes, unsere Gnadenmittlerin und Fürsprecherin gerade dahingehend: „Selig, die Du geglaubt hast, daß in Erfüllung gehen wird, was Dir vom Herrn gesagt wurde …. Du bist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes (und Deines Glaubens – wenn man das gemäß der Lehre der heiligen Väter hier anfügen darf) … Woher kommt mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk.1,42-45) Dabei, das ist das Herrliche, kam Maria nicht nur zu Elisabeth, sondern es gilt auch uns. Sie kommt auch gerne zu uns, wenn wir im Glauben ihre treuen Nachahmer sind und wie sie den Lehren, Geboten und den Leiden des Herrn (Fest der Sieben Schmerzen Mariä!) ebenso treu ergeben sind. Und sie bringt uns – wie damals Elisabeth und Johannes im Schoße Elisabeths – den Heiland mit!

Alle diese Feste strömen übernatürlichen Geist aus. Stets geht es um den Glauben, das Erlösungswerk Jesu, die Gnade, die Kirche und die Seelen. Jedoch wird das Natürliche, Irdische nicht völlig vernachlässigt oder ausgeschaltet; diese heiligen Personen waren ja auch auf Erden, lebten auf dieser Welt, kümmerten sich um Brot und Wein (man denke an die wunderbaren Brotvermehrungen durch den Heiland, an das Wunder der Weinverwandlung zu Kana und vieles andere mehr – bis hin zu den Steuermünzen, die selbst der Herr zahlte), um den Beruf und den Unterhalt der Familie und  der Kirche. Selbst der heilige Erzengel Michael schützte das Gottesvolk schon im Alten wie dann auch im Neuen Bunde, stand in Kriegsgefahren bei und die Reisenden verehren eh‘ die heiligen Erzengel und Engel, speziell auch die Schutzengel für eine gute Fahrt. Doch stand dies alles eindeutig im Dienste der viel wichtigeren, bedeutsameren Sphäre des übernatürlichen Lebens, weil dies zum Ewigen hinführt und das Irdische in dessen Dienst als Werkzeug und Mittel steht. Denn schließlich erinnert die Heilige Schrift oft daran, daß einst „die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1.Kor.7,31). „Du hast im Anfang, o Herr, die Erde gegründet, und Deiner Hände Werke sind die Himmel. Sie werden vergehen, Du aber wirst bleiben…“ (Hebr.1,10f.), „der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Da wird der Himmel mit Sausen vergehen. Die Elemente werden sich in Gluthitze auflösen, und die Erde samt allem, was darauf ist, wird verbrennen“ (2.Petr.3,10), „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt.24,85), „dann sah ich (Johannes) einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Himmel und die erste Erde sind dahin, und auch das Meer ist nicht mehr. Darauf sah ich die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabsteigen. Sie war ausgestattet wie eine Braut, die sich für den Bräutigam geschmückt …. Der auf dem Throne saß, sprach: ‚Sieh, ich mache alles neu.‘“ (Apok.21,1ff.)

Gott hat die Schöpfung gut gemacht, wie es auch das erste Buch der Heiligen Schrift, die Genesis, wieder und wieder bezeugt, wenn sie beschreibt, wie Gott selbst auf Sein Schöpfungswerk herabblickt und es für gut befindet, sogar für „sehr gut“ befindet (Gen.1).

Deshalb, und weil der Mensch als Verwalter und Pfleger von Gott für die Erde eingesetzt wird (Gen.2,15: „Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und erhalte“), bedeutet es klarerweise für den Menschen eine wichtige Aufgabe, seine „Hausaufgabe“, für die Erde zu sorgen, sie zu hegen und zu pflegen und ihre Schätze vernünftig und verantwortungsvoll zu nutzen – denn dafür hat Gott dem Menschen die Erde anvertraut. Trotzdem bleibt sie aber Werkzeug und Mittel für höhere Ziele – und außerdem seit dem Eintritt der Sünde in die Welt auch eine der Vergänglichkeit unterworfene Schöpfung: „Denn das Harren der Schöpfung ist ein Warten auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Der Hinfälligkeit ist die Schöpfung unterworfen – nicht aus sich heraus, sondern nach dem Willen Dessen, Der sie unterwarf, aber zugleich die Hoffnung gab, daß auch sie, die Schöpfung, von der Knechtung an die Vergänglichkeit befreit wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ in der neuen Schöpfung Dessen, Der alles neu macht, „denn wir wissen, daß bis zur Stunde die gesamte Schöpfung in Seufzen und Wehen liegt.“ (Röm.8,19ff.) Durch die Sünde, die ja eine Abkehr von Gott – eben von dem eigentlichen, höheren Ziel, der eigentlichen Berufung des Menschen ist – in der Hinkehr zur Welt, die eigentlich „nur“ Mittel und Dienstaufgabe hat, ist Unordnung in die Ordnung Gottes eingedrungen. Der Mensch wendet sich zunehmend und furchtbarerweise sehr oft sogar ausschließlich, wesentlich dem Irdischen zu, setzt es an die Stelle Gottes – Götzendienst eigentlich! Deshalb wird diese Erde und dieser Himmel vergehen und Gott sie durch eine neue Erde und einen neuen Himmel nach Seinem Wunsch und Willen ersetzen: „Der Himmel aber und die Erde, wie sie jetzt sind, werden durch dasselbe Wort (Gotteswort) aufgespart für das Feuer und bewahrt für den Tag des Gerichtes und des Untergangs der gottlosen Menschen“ (2.Petr.3,7); „Seht (dann) das Zelt Gottes unter den Menschen! Er wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird jede Träne wegwischen von ihren Augen; der Tod wird nicht mehr sein, und nicht Trauer und Klage und Mühsal; denn was vorher war, ist vergangen.“ (Apk.3,3f.)

Daher erfüllt es einen überzeugten Katholiken mit einigem Unbehagen, wenn er die vorbereitenden Texte, Ansprachen und Kommentare zur im Oktober stattfinden (freiwöchigen) Amazonas-Synode liest bzw. studiert, worin u.a. festgehalten wird, daß „Umwelt- und Kirchenthemen nicht zu trennen“ seien. Das kann man richtig, aber auch falsch verstehen; wie bei vielen ähnlichen Äußerungen zu dieser anstehenden Synode begegnet man, gleich wie wir es vom modernistischen Umfeld gewohnt sind, zweideutigen, mehrdeutigen, ungenauen und unverbindlichen Stellungnahmen, der Verharmlosung mancher Gegenstände („Es geht gar nicht um das Zölibat“), die aber ganz offensichtlich, im Hintergrund zwar, aber doch eindeutig, zu den dominierenden gehören werden, wobei nach außen hin die ökologischen, sozialen, menschenrechtlichen Dimensionen den Ton angeben und daneben sicher auch ein paar kirchliche Fragen Erwähnung finden werden. Doch soll darauf Thema im engen Anschluss an dieses Vorwort im nächsten Josephs-Blatt noch etwas näher eingegangen werden.

Mit priesterlichen Segen grüßt Sie, liebe Gläubige, von Herzen

Ihr

P. Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • September 2019 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien