St. Josephs-Blatt • April 2019

2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort des St. Josephs-Blattes / Priorat Wien, von Pater Waldemar Schulz.

Liebe Gläubige,

das höchste Fest unserer heiligen Religion, das Zentrum des Christentums, aber zugleich auch der Höhe- und Kulminationspunkt unseres Glaubens ist die heilige Woche, in der wir Gläubigen liturgisch und vor unserem inneren Auge das Leiden, den Tod und die Auferstehung Unseres Heilandes betrachten und feiern. Denn der Herr Jesus ist ja gemäß unseres Glaubens als uns zur Erlösung gesandter Gottessohn, Der um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen und Mensch geworden ist – wie wir im Credo stets bekennen -, der einzige Mittler, Retter und Erlöser, ohne Den es kein Heil gibt, da es Gottes Ratschluß gefiel, „durch Ihn alles mit sich zu versöhnen – da Er den Frieden wirkte durch Sein Blut am Kreuze – alles durch Ihn, sei es auf der Erde, sei es im Himmel.“ (Kol. 1,10f.) Und „in keinem anderen ist das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der den Menschen gegeben wäre, daß wir in ihm sollten gerettet werden.“ (Ap. 4,12) Aus der durchbohrten Seite Christi aber entsprang die heilige Kirche als Sein Leib, Er aber ist das Haupt dieses Seines Leibes, der Kirche (Kol. 1,18ff.), die deshalb „die Kirche des lebendigen Gottes ist“ (1. Tim. 3,15). Für diese Kirche, diesen Leib des Herrn freut sich aber der Völkerapostel seiner Leiden, möchte das, „was an Christi Drangsalen noch aussteht, ergänzen an meinem Fleisch zum Besten Seines Leibes, das ist die Kirche.“ (Kol. 1,24)

Diese Aufgabe am Leibe Christi fiel aber nicht nur damals dem heiligen Paulus und seinen Mitaposteln und den Jüngern des Herrn zu, sondern ist auch uns heute als den jetzigen Jüngern des Herrn gestellt bei allen Einschränkungen unserer Schwachheit und Sündhaftigkeit. Dieser Christenpflicht und Christenberufung nachzukommen, erweist sich in unserer Zeit notwendiger denn je. Dabei wollen wir uns weder von dem aufklärerischen und liberalen Ideengut der modernen Welt noch – und dies geschieht leider immer wieder und sogar in letzter Zeit verstärkt und wiederholt – von Äußerungen der kirchlichen Hierarchie, und zwar bis ganz nach oben hin, irritieren lassen, die man so verstehen könnte, als habe Gott selbst diverse Wege des Heils und verschiedene Arten der Gottesverehrung geschaffen, zugelassen oder gutgeheißen, verschiedene Religionen und Kirchen. Indessen gibt es nur einen Weg zum Herzen des Vaters und dieser ist jener durch Seinen Sohn. Jesus hat es nicht umsonst Seinen Jüngern auch so klar und deutlich erklärt (Joh. 14,6): „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

Die heilige Woche bedeutet für den Christen Reue, Treue und Danksagung – durch Bewährung im Glauben und aus den Werken des Glaubens, auf denen die Liebe zu Gott, zum Heiland, zum Himmlischen wurzelt. Das heißt allerdings auch, die Bereitschaft für das Kreuz Christi als unserem Mittel zum Heil, dem wir wie Sankt Paulus verbunden sein müssen, stets wachzuhalten und zu vertiefen. Denn die Liebe zu Gott, zur Wahrheit und zum Leben wandelt nur auf dem Wege Christi.

Damals hatte Jesus mit Pilatus zu tun, mit Herodes, mit Annas und Kaiphas – und obwohl jene schon fast 2000 Jahre tot sind, gibt es sie noch immer. Drei entscheidende Fragen legte Pilatus Jesus vor, entscheidende Fragen für ihn selbst und seine Haltung – und für den Menschen auch von heute, ja, für uns alle.

Die erste Frage ging um die Stellung Jesu: „Bist Du der König der Juden?“ und wenig später: „Also bist Du doch ein König?“ – Und der Herr: „Du sagst es, ich bin ein König. Dazu bin geboren und in die Welt gekommen …“, doch „mein Königtum ist nicht von dieser Welt…“ (Joh. 18,33ff.) Er allein ist der König, der König der Zeit und der Ewigkeit. Er ist es aber nicht im rein weltlichen Sinne, sondern kam, „daß ich Zeugnis gebe für die Wahrheit. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“

Daran schließt sich die zweite Grundsatzfrage des Statthalters an: „Was ist Wahrheit?“ – Die Frage des denkenden Menschen überhaupt, der allerdings, wenn er den Glauben nicht findet, zum Agnostizisten wird, wie wohl Pilatus einer war, einer eben, der nicht weiß, ob es Wahrheit gibt und worin sie besteht. Und beachtenswerterweise antwortet ihm Jesus auf diese Frage nicht, denn wenn Seele und Herz sich nicht (durch die Lehre, die Persönlichkeit, die heiligen Schriften, die Wunder) für den Glauben öffnen, kann kein Wort und kein Licht der Wahrheit eindringen. Gottes Sohn ist die Wahrheit, „das Ebenbild Gottes, des Unsichtbaren, der Erstgeborene aller Schöpfung.“ (Kol. 1,15) Daher gibt es keine ewige, übernatürliche, endgültige Wahrheit ohne Ihn, den König der Herrlichkeit. Und deshalb gibt es auch keine Erlösung und keinen Heiland und keine wahre Religion und keine wahre Kirche ohne Ihn als Haupt und König.

Ist es daher nicht die dritte Frage des Landpflegers an Christus, die auch jetzt und gerade in dieser Fastenzeit sich die Menschen stellen bzw. stellen sollten, die Mächtigen in Land, Volk, Gesellschaft, Religion und Kirche genauso wie der je Einzelne unter uns, mag der auch einfach und schlicht sein: „Woher bist Du?“ (Joh. 19,9)

Liebe Gläubige, die Fastenzeit mit ihren Aufrufen zu kleineren und größeren Überwindungen im Sinne der Buße und Selbstzucht, wie die Gnade und Güte Gottes, die Liebe Unseres für uns leidenden, aber auch herrlich wiederauferstehenden Herrn mögen Ihnen die rechte Antwort ins Herz, auf die Zunge und auf die Hand legen, um allen Unbilden zum Trotz unbeirrt dem guten Hirten und Heiland Folge zu leisten.

Gesegnete heilige Fast- und Kartage und ein überreich gnadenvolles Osterfest wünscht Ihnen mit priesterlichem Segensgruß

Ihr

P. Waldemar Schulz

Quelle: Gottesdienstordnung • April 2019 • Priorat St. Klemens Maria Hofbauer • Wien