Rundbrief des Kuraten Nr. 1 - KPJ - Stamm St. Notburga

13. September 2020
Quelle: Distrikt Österreich

+ Gelobt sei Jesus Christus!

Gut Pfad! Liebe Pfadfinderinnen des Stammes der hl. Notburga!

Liebe Eltern und Freunde!

Vor über 100 Jahren,  Anfang des 20. Jahrhunderts, hat der englische Lord Robert Baden-Powell (1857-1941) das System der Pfadfinder entwickelt, schon bald entstand dann auch die katholische Pfadfinderbewegung, die bald auch in Österreich tätig wurde. Historisch besonders wichtig war das „Österreichische Pfadfinderkorps St. Georg (ÖPK). In den 1930er Jahren schon war man überall im Land präsent, der damalige Erzbischof von Wien, Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955), sagte einmal: „Die Pfadfinderei ist ein gottbegnadetes Werkzeug der Jugendführung“.  Nach der Grundidee des katholischen Pfadfindertums gehört der praktizierte Glaube als selbstverständlicher Teil zum Leben der Pfadfinder dazu.

Meine Aufgabe als Pfadfinderkurat ist es, Euch mit meinen priesterlichen Diensten zu versorgen, die ja wesentlich zum christlichen Leben gehören. Die Pfadfinder machen in ihrem Frömmigkeitsleben  nichts außergewöhnliches, es ist das gewöhnliche christliche Leben, wie es in jeder christlichen Familie auch stattfinden soll. Der Kurat zelebriert die Hl. Messe, spendet die Sakramente, steht für Gespräche zur Verfügung, hält Katechesen und Vorträge. Vor allem betet er oft für Euch! 

Ihr habt bei Eurer Gründung am 14. Juli dieses Jahres die hl. Notburga zu Eurer Patronin gewählt. Dazu kann ich Euch nur gratulieren, eine gute Wahl! Ich wollte den Festtag dieser Heiligen am 13. September ausnutzen, Euch ein wenig über sie zu erzählen. Notburga wurde im Jahr 1265 in Rattenberg im Bezirk Kufstein in Tirol geboren. Sie wurde Dienstmagd bei Heinrich I. von Rottenburg, dem Hofmeister der Grafen von Tirol. Bald begann sie sich um Arme, Kranke, Behinderte, alle Arten von Bedürftigen zu kümmern, versorgte sie mit Essen und allem zum Leben notwendigen. Später fand sie in Eben am Achensee eine Anstellung als Bauernmagd. Schon zu ihren Lebzeiten wirkte sie viele Wunder.  Am 13. September 1313 verstarb sie in Buch in Tirol. Bald wurde sie als Heilige verehrt, Papst Pius IX. erhob die formell im Jahr 1862 als Heilige der katholischen Kirche. Ihre Reliquien befinden sich im Hochaltar der Kirche St. Notburga in Eben am Achensee. Der althochdeutsche Name Notburga bedeutet „Schützerin in bzw. vor Not“. Sie wird dargestellt mit Sichel, Schlüsselbund, Getreidegarben, Schürze mit Brot oder Wasserkanne. Die hl. Notburga ist Patronin der Bauern, Dienstmägde und der Armen; der Trachten- und Heimatverbände; der Arbeitsruhe und des Feierabends; für eine glückliche Geburt; bei Viehkrankheiten und allen Nöten der Landwirtschaft. Und sie ist jetzt die Patronin der Pfadfinderinnen in Österreich!

Neben vielen anderen Wundern ist Notburga für ihr „Sichelwunder“ bekannt:  Der Bauer, bei dem sie ihren Dienst versah, verlangte von ihr und den Dienstleuten, dass auch nach dem Feierabendläuten weitergearbeitet und das Getreide geschnitten werden sollte. Notburga warf ihre Sichel gegen den Himmel und stellte sich zum Gebet auf. Die Sichel blieb über ihrem Kopf wie an einem Sonnenstrahl aufgehängt in der Luft stehen. Möge das uns allen auch ein Vorbild sein, pünktlich unsere geistlichen Pflichten zu erfüllen! Ich lade Euch ein, Euch noch mehr über das Leben dieser unserer Heiligen zu informieren. Vielleicht können wir bei ihr in Tirol bald einmal beten! Ihr Fest feiern wir in der Kirche am 13. September!

Ich möchte Euch allen heute auch noch zwei Sätze aus einer Ansprache von Papst Pius XII. an die Teilnehmer des ersten Pfadfinderführertreffens in Rom im Jahr 1952 mitgeben:

1.) Liebe zum Heiland Jesus Christus:

„Die Liebe, welche die Pfadfinder für die göttliche Person des großen Führers (Jesus Christus) immer gehegt haben, der da der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, muss ihr Licht und ihr Halt bei ihren täglichen Bemühungen bleiben.“

2.) Pfadfinderapostolat:

„Das erste Apostolat für Pfadfinder ist das Beispiel in ihrer Gruppe. Wenn sie sich persönlich und gemeinsam heranbilden, befinden sie sich bereits im Dienste der Kirche und arbeiten am Werkzeug ihres künftigen Apostolates. Je breiter und tiefer die Fundamente gelegt sind, umso fester und großartiger wird das Gebäude ihres christlichen Lebens sein; je mehr die Ausstrahlung ihrer guten Eigenschaften zunimmt, umso mehr wird man sich zum Ruhme Gottes und zur Ehre der Kirche an ihre fachmännische Zuständigkeit wenden.“ … „Die Erfahrung hat den erzieherischen Wert des Pfadfindertums glänzend bewiesen. Wie viel schöne Gestalten großer Christen, von Helden und Führern, wie viele Berufe für das Ordensleben und das Priestertum sind in Euren Reihen groß geworden!“

Lieber Pfadfinderinnen! Fürs erste war das in diesem Rundbrief ein wenig viel, aber es sind die grundlegenden Gedanken der Kirche über die katholische Pfadfinderei. Das ist wichtig!

Ich wünsche Euch allen eine tiefe Verbindung zum Heiland durch Euer christliches Leben, durch Euer gutes Beispiel, durch Euren Einsatz für den lieben Gott und Eure Nächsten. Seid vor allem Pfadfinder die ein Leben des Gebetes führen, die Ihre Pflichten in der Familie und in der Schule gut Erfüllen! Das gute Beispiel, das Ihr gebt wird Euch zu anziehenden, jungen Menschen machen. Ich freue mich schon auf unsere nächsten Veranstaltungen! Gerne bete ich für Euch! Gottes reichen Segen und Gut Pfad!

Steyr, am 1. September 2020

P. Johannes Regele, Pfadfinderkurat