Predigt zur Vorbereitung des Festes Kreuzerhöhung – 14. September

13 September, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Meine lieben Gläubigen!

Die Hervorhebung des zentralen Geheimnisses unserer Erlösung durch Jesus Christus, den Gekreuzigten ist hauptsächliche Aufgabe eines jeden katholischen Priesters! Der Sieg über den Bösen, über die Sünde und den Tod wurde durch das Kreuz errungen, auf dem der Mensch gewordene Sohn Gottes gestorben ist.

Die Liturgie der Kirche betont es immer wieder und in besonderer Weise am Fest der Kreuzerhöhung: das Kreuz ist ein Geheimnis, das Mysterium, das Jesus Christus seinem Leiden verliehen hat, welches Geheimnis kein menschlicher Verstand begreifen und erklären kann. Das Mysterium der Erlösung, der Rettung als Geheimnis der unendlichen Liebe Gottes, das das Geheimnis des Bösen besiegt.

Diese Kreuzerhöhung meint tatsächlich einen Triumph, der aber glanzlos verhüllt bleibt mitten in einer völlig heidnisch gewordenen Welt und wir brauchen die ganze Kraft des Glaubens, um den Siegesjubel der Kirche weiter auch heute zu artikulieren. Und das ist es, was wir gegen alle himmelschreienden Grausamkeiten und überall auftauchenden Entwürdigungen des Menschen und gegen alle götzendienerischen Strukturen und Unternehmen unserer gottlos gewordenen Kultur doch an diesem Tag feiern: Wir glauben an den schon vorhandenen Triumph des Guten und des Heiligen mitten in dieser Welt, in der es vom Bösen und Teuflischen wimmelt. Es der endgültige Triumph der Erlösung unseres Herrn Jesus Christus!

Wie Christus selbst zittern und bangen wir alle vor dem Kreuz, aber wie Er, unser Herr und Meister, sollen auch wir es, das Kreuz, auf uns nehmen und vor dem Geheimnis niederknien und ausrufen, wie Er im Ölgarten:

„Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe!“ und mit der Kirche singen: Ave crux, spes unica! Sei gegrüßt, du Kreuz, unsere einzige Hoffnung!

Um diesen festen Glauben und diese Tapferkeit bitten wir heute und es lohnt sich. Denn nur diejenigen, die das Kreuz annehmen und besteigen und beide Arme großzügig darauf ausstrecken, werden Jesus am innigsten und liebevollsten begegnen.

Liebe Gläubige, wir müssen ganz praktisch werden: Wir müssen das Kreuz annehmen, unser Kreuz annehmen, das Kreuz, das uns der Herr auf unsere Schultern legt! Nutzen wir die kommenden Tage also aus, um in unserem täglichen Gebet auf den gekreuzigten Christus zu schauen. Betrachten wir das Geheimnis des Heiligen Kreuzes und ziehen wir praktischen Konsequenzen für unser Leben. Das wird uns auch wirklich helfen von den Versuchungen der Welt, von der Versuchung eines geteilten Herzens abstand zu nehmen. Nicht Resignation, Rückzug in die Höhle, Frustration brauchen wir. Wir müssen immer vor Augen haben, dass es gilt, die Seelen zu retten und die leben nun einmal in der Welt, auf den weltlichen Straßen, die auch die Apostel benutzt haben um sie zu bekehren.

Kreuz ist nicht nur physisches oder geistiges Leiden in unserem Leben; Verspottung, Widerwärtigkeiten erdulden etc.

Man stellt sich, Sie und ich, das Kreuz immer anders vor als es dann an den Tag kommt.  Und jeden von uns wird es treffen! Es kommt als Ermüdung im Guten, als Versagen des Eifers, als Schwäche derjenigen die uns führen und stützen sollten, als Erschütterung der Festung in der wir Geborgenheit zu finden hofften, als Schweigen und Schlaf Gottes mitten im Sturm, sogar  als Trockenheit und Finsternis im Geistlichen Leben, nicht Beten können usw.

Das Geheimnis des heiligen Kreuzes bedeutet gerade auch die Zerrissenheit, die Verwundung der Mystischen Leibes, der Kirche. Die Zerstreuung der Seelen, die Verleugnung der Wahrheit, der Angriff der Geschwister untereinander, die Schwachheit der Glieder, das nicht Geborgenheit finden, die Untreue der Vertreter Christi, … unsere dunkle Nacht, unsere Einsamkeit im Sturm dieser Zeit und dazu das Schweigen Gottes. Mein Gott mein Gott, warum hast Du mich verlassen?

Liebe Gläubige! Der Jünger steht nicht über dem Meister!

Wir sollen das Kreuz als Mysterium verehren und erhöhen im dunkelsten und zugleich hellsten Glauben, dass das Negative das Heil offenbart. Die Niederlage der Vernunft und des Herzens bejaht so den göttlichen Sieg über das Böse!

Machen wir uns den Vorsatz uns niemals entmutigen zu lassen. Entmutigung ist ein Werk des bösen Feindes, Entmutigung ist völlig sinnlos! Die Entmutigung vermindert nichts, leistet für nichts Genugtuung, bringt keinen Verdienst ein und erlangt nichts. Sie macht uns das nächste Mal nicht sorgfältiger, im Gegenteil, indem sie uns niedergeschlagen macht, gibt sie den Versuchungen einen leichtern Zutritt und beraubt uns der männlichen Kraft zum Widerstand. Dagegen ist es ein großer Vorteil, wenn wir nicht niedergeschlagen sind. Wir quälen uns weniger über die Unvollkommenheit, die wir in uns wahrnehmen, und beschäftigen uns mehr mit der Untreue, die wir Gott gegenüber begingen. Wenn wir fallen und darüber nicht niedergeschlagen werden, so behalten wir nicht nur den Mut, den wir schon hatten, sondern erlangen noch mehr. Es ist das demütigste Verfahren und deshalb Gott am angenehmsten; es ist am vernünftigsten und hat daher umso größeren Segen.

Wenn wir unser Herz hingeben, wenn wir es ungeteilt beim Heiland haben, wenn wir standhaft das Kreuz tragen in unserer entchristlichten Gesellschaft, so werden wir mit Gottes Gnade das Ziel erreichen.

Möge uns unsere Himmlische Mutter beistehen, unser Herz ungeteilt für den Heiland zu bewahren! Amen.

P. Johannes Regele, Priorat St. Klemens Maria Hofbauer, 2019