Predigt zum Fronleichnamsfest 2020 im Schloß Jaidhof

11. Juni 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstande, meine lieben Gläubigen!

Wir feiern heute, so dürfen wir es als gute Katholiken, mit großer Freude sagen, den schönsten, hochheiligen Tag des ganzen Kirchenjahres. Der Fronleichnamstag lässt uns seit 755 Jahren das heiligste Geheimnis des Altares, das Meßopfer und das Altarsakrament in angemessener Weise mit aller Herrlichkeit und Pracht feiern.

Es war am 11. August 1264, als Papst Urban IV. dieses Fest mit der Bulle „Transiturus de hoc mundo“ einsetzte: „An diesem heiligen Tage sollen aus dem Herzen der Gläubigen, aus ihrem Mund und von ihren Lippen Freudenhymnen ertönen. An diesem denkwürdigen Tage soll der Glaube triumphieren, die Hoffnung sich erheben, die Barmherzigkeit glänzen, die Frömmigkeit frohlocken, unsere Tempel von Freudengesängen widerhallen und die reinen Seelen vor Freude erzittern. Mögen an diesem Tage der Andacht alle Getreuen mit Herzensfreude in unsere Kirchen eilen, mit unbegrenztem Gehorsam sich da ihrer Pflichten entledigen, und so auf eine würdige Weise dieses große Fest begehen. Möge es Gott gefallen, sie zu einem so heiligen Eifer zu entflammen, daß sie durch Ausübung ihrer Frömmigkeit bei demjenigen, welcher sie wieder erkauft hat, am Verdienste zunehmen. Möge dieser Gott, der sich ihnen zur Speise gibt, auch ihr Lohn in der anderen Welt sein.“ Soweit Papst Urban IV.

Unser Herz sehnt sich nach Liebe und je größer die Liebe ist, die wir erfahren, und je vortrefflicher derjenige, der uns liebt, ist, desto größer ist unsere Freude. Das Allerheiligste Altarsakrament, der hochheilige Fronleichnam, ist der Beweis der größten Liebe, und zwar nicht eines Menschen oder Engels, sondern ein Beweis der größten Liebe Gottes zu uns – das ist also wohl die größte Freude die man sich überhaupt vorstellen kann. Wie sehr haben so viele Generationen unserer Vorfahren das erfasst. Mit welcher Pracht wurde in unseren Ländern früher Fronleichnam gefeiert. Ich erinnere mich selber noch an ganz andere Zeiten, als wir den ganzen Vortag über die Straßen mit hunderten Birken geschmückt haben, mit Blumenteppichen, Fahnen, Heiligenbildern in den Fenstern, Levitenamt, großer Orchestermesse, 4 herrliche Altäre mit Baldachinen. Die Kirche war voll, dass man auch stehend nicht umfallen konnte. Es waren die letzten vorkonzilaren Erscheinungen vor 30 Jahren in unserem Land, die sich gerade an diesem Tage noch gehalten haben und dann leider durch wenig feinfühlige Oberlaien und auf den Zeitgeist abgerichtete Geistliche auch verschwunden sind. Mit großer Dankbarkeit dürfen wir heute hier in Jaidhof doch dieses größte Geheimnis der Liebe in wahrer, echter und katholischer Weise feiern.

Der heilige Apostel Johannes, der von Jesus besonders geliebt wurde, war so voll Freude über dieses Glück, dass er sich immer nur den Jünger, den Jesus lieb hatte, genannt hat (Joh 21,20). Wenn wir das Allerheiligste Sakrament des Altares recht betrachten, so können und müssen wir uns alle nennen, „die Jünger, die Jesus lieb hat“ und uns über diese Liebe innigst freuen.

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahin gab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben besitze“ (Joh 3,16) Und was dieser eingeborene des Vaters am Kreuze in blutiger Weise getan hat,  das tut er noch fort in unblutiger Weise beim Heiligen Meßopfer. Er opfert Sicht mit all Seinen Verdiensten dem Vater für uns auf dem Altare auf. Welch eine Liebe! Er geht täglich auf unseren Altären mit Seinem eigenen Blute in das Allerheiligste Gottes hinein, mit jenem Blute, das mehr um Gnade für die Menschen zum Himmel schreit, als das Blut Abels um Rache geschrien hat. Welch eine Liebe! So oft wir zur Hl. Messe gehen, gehen wir nach Jerusalem zum Kalvarienberg hinauf!

Es ist dem Heiland aber nicht genug, nur Sein Opfer auf unseren Altären zu erneuern: Er bleibt in diesem erhabensten aller Geheimnisse auch außerhalt der Hl. Messe fortwährend mitten unter uns mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele. „Meine Lust ist es, sagt Er im Buch der Sprichwörter (Prov 8,31) bei den Menschenkindern zu wohnen.“ Wie ein guter Vater gerne im Kreis seiner Kinder sich aufhält, so bleibt Jesus mitten unter den Seinen im Tabernakel. Für uns Katholiken gilt wohl vorzüglich das Wort des Moses: „Es ist kein anderes Volk so groß, dem sein Gott so nahe wäre, wie Er, unser Gott, uns nahe ist.“ (Deut.4,7).

Und noch immer ist die Liebe Gottes zu uns nicht gesättigt. Es drängt Ihn, nicht nur unter uns, sondern auch in uns zu sein. Er will von uns genossen werden, und mitten in unseren Herzen Platz nehmen durch die Heilige Kommunion. „Esset – dieses ist Mein Leib – trinket alle darauf, dieses ist mein Blut“ (Mt 26,26f). Welch eine große Liebe der unendlichen Majestät, des lieben Gottes, zu uns armen Menschenkindern.

Jeder denkende und fühlende Christ erkennt, mit welchem Recht das Konzil von Trient sagt: „Der Gottmensch Jesus Christus habe in diesem Geheimnis des Altares gleichsam ausgegossen den Reichtum Seiner göttlichen Liebe gegen die Menschen.“ (sess.13 cap2.)

Das Altarsakrament ist, kraft der hl. Wandlung, durch die sog. Transsubstantiation (wir sollten dieses wichtige theologische Wort, der Gipfelpunkt der katholischen Theologie, oft und oft in den Mund nehmen als Katholiken, es ist eine Qual für den Teufel und all die seinen) der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi unter den Gestalten des Brotes und des Weines, es ist Jesus Christus Selbst, wahrer Gott und wahrer Mensch, hochgelobt und gebenedeit in Ewigkeit!

Zum heiligen König Ludwig IX. von Frankreich, kamen einmal mit großer Eile Boten um ihm von einem eucharistischen Wunder zu berichten, es hat sich an einem bestimmten Ort der göttliche Heiland selbst in der Hostie wirklich gezeigt. Er – der König – möge doch kommen, um selber auch dieses Wunders zu sehen. Der tiefgläubige Katholik hat dies abgelehnt. „Nein, ich gehe nicht; da mögen diejenigen hingehen, die an der wirklichen Gegenwart Jesu Christi im Allerheiligsten Altarsakrament zweifeln. Ich zweifle nicht daran!“ Liebe Gläubige, ebenso fest wie dieser große heilige König, glauben auch wir den deutlichen Worten Christi und der untrüglichen Auslegung unserer heiligen Kirche an diese wunderbare Gegenwart des Herrn und rufen am heutigen Festtag mit jubelndem katholischem Herzen wie der hl. Apostelfürst Petrus unser Bekenntnis: „Du bist Christus der Sohn des lebendigen Gottes.“ Das Altarsakrament ist also nicht nur ein Geheimnis der Liebe, es ist vielmehr die Liebe selbst, Gott Selbst, der wegen der unermesslichen Liebe, mit der Er seinen Geschöpfen zugetan ist, Sich die Liebe nennt und auch in der Tat ist.

Liebe Gläubige, wir sehr haben wir, ja auch wir, eine gute Erneuerung in unserer eucharistischen Frömmigkeit notwendig. Hören wir doch endlich auf oberflächliche Minimalisten zu sein und flehen wir den lieben Gott um die Gnade an, Ihn immer recht anbeten zu dürfen. Unser Herz muss sich in Tränen auflösen vor dem großen Gott, der uns im Fronleichnam, im allerheiligsten Altarsakrament liebt und alles gibt! Mögen wir doch tief begreifen, dass allein von hier die wahre Erneuerung der Kirche ausgehen wir, wir es uns unser Gründer Erzbischof Lefebvre so klar gesagt hat. Werden wir Apostel der überlieferten Heiligen Messe, werden wir Apostel des katholischen Kultes der Anbetung, der Sühne und des rechten Empfanges des Altarsakramentes. Das ist der einzige Weg. Mögen doch unsere Kirchen und Kapellen viel mehr glänzen, und noch mehr unsere Herzen. Ein jeder von uns, Priester und Gläubige stehen hier in schwerer Verantwortung, weil es um das höchste Gut selbst geht. So wird unser katholisches Leben fruchtbar, so lösen wir all unsere Probleme.

Schließen wir mit bekennenden Worten des großen lateinischen Kirchenvaters, des hl. Ambrosius von Mailand: „Vieles, o Herr, hast Du für mich getan, und ich beugte meine Knie nicht um Dich anzubeten; Du hast die Welt erschaffen, und mich, und hast zum ersten der irdischen Geschöpfe zum Menschenkind mich gemacht, und ich  beugte die Knie nicht, Dich anzubeten. Aber! als ich endlich Dich sah, gedemütigt, verwundet, gekreuzigt für mich, da konnte ich nicht länger stehen, sondern vom Gewichte so großer Liebe überwunden, fiel ich auf die Kniee und betete Dich an.“

Möge der Liebe Gott den alten Menschen in uns bald endgültig überwinden, damit wir Ihn, die ewige Liebe, in alle Ewigkeit anbeten dürfen. Möge uns die allerseligste, allzeit reine Jungfrau Maria die Lehrmeisterin sein, fortan Ihren Sohn mit der reinen, demütigen Herzengesinnung recht und fruchtbar zu empfangen. Amen!

Im Namen des Vaters … Gelobt sei Jesus Christus!

Quelle: Pater Johannes Regele