Predigt: Das Beste geben für die künftigen Priesterberufungen

05 Mai, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Predigt über das Thema Berufungen zum Gut-Hirt Sonntag.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Liebe Gläubige!

Was ist denn die Hauptaufgabe, die eigentliche Mission der Priesterbruderschaft St. Pius X.? - Die Priesterausbildung und die Erneuerung des katholischen Priestertums! Wir sind eine Priesterbruderschaft! Logischerweise brauchen wir dringend Berufungen.

Wer muss also die Berufungen suchen? Wer muss sie fördern, zur Reifung bringen und auch wecken? Ja auch wecken, manche muss man wirklich aufwecken. Wer ist das?

Nun, die Kirche hat da schon lange eine klare Antwort gegeben! Wir suchen einmal im katholischen Kirchenrecht und schlagen den Codex von 1917 auf und finden sie im Canon 1353: Wer muss Berufungen suchen? Wer ist dazu sogar verpflichtet? Es sind nicht zuerst Vater und Mutter einer katholischen Familie, es sind nicht die Lehrer einer katholischen Schule, oder irgendwelche sonst dazu besonders begabten Leute. Die Antwort lautet: Die Priester und insbesondere die Pfarrer haben die Pflicht für den nötigen Nachwuchs zu sorgen. Also zuerst die Priester, der Klerus. Sodann aber auch alle Gläubigen und besonders die katholischen Familien.

Mit zahlreichen Schanden beladen wandert heute unser einst tief katholisches Volk vor dem Angesicht Gottes. Zerfall der christlichen Sitte, Missachtung des menschlichen Lebens, Spaltung der Familien, Zusammenschrumpfung unserer Bevölkerung, totale Verwirrung in der religiösen Lehre.

Aber jene Schande, die uns am meisten vor Scham erröten lassen sollte, ist der damit verbundene Mangel an Priesterberufungen!

Wo ist heute jene alte Sehnsucht der christlichen Familien nach mindestens einem geweihten Sohn? Auch nach Kindern im Ordensstand? Sie ist fast völlig geschwunden! Sogar unter vielen noch katholisch gebliebenen Familien. Das ist ein eindeutiges Zeichen des Abfalles vom gelebten Glauben  bei einer Gesellschaft, die vor einiger Zeit noch christlich war.

Wir haben sicher immer wieder über die großartige Kirchengeschichte unseres Landes gehört, über unsere Heiligen, gerade aber auch über die Erneuerung nach dem Konzil von Trient. Denken wir an den hl. Karl Borromäus, denken wir – gerade auch in Österreich an das Wirken des hl. Petrus Canisius und der alten Jesuiten. Eines ist uns hoffentlich allen klar geworden: Wieviel Eifer, wieviel Einsatz gab es in nachtridentinischer Zeit bis ins 20. Jahrhundert hinein von Seiten der Bischöfe und des Klerus für ein gutes Priesterseminar! Wie oft hat man ein besseres und größeres Haus gesucht, umgebaut, angebaut, das Beste wurde für die Priesterausbildung gegeben. Vor allem aber, wie sehr war man bemüht die übernatürlichen Mittel einzusetzen. 

Was sollen wir dann tun als Priester aber auch als gläubige Laien mitten in der Welt?

1.)  Um Berufungen beten und beten lassen. Das wird das wichtigste Sein.

2.) Der Boden für die Berufungen muss auch bereitet werden durch das Vorbild des eigenen Lebens vor allem des priesterlichen Lebens aller Kleriker. Ein aufrichtiges Streben nach persönlicher Heiligkeit und eine wirkliches apostolisches Feuer muss unser Leben prägen. Der ehrwürdige P. Liberman schreibt einmal: „Ein Priester, der ein natürliches, irdisches Leben führt, scheint mir in der Tat eine Missgeburt zu sein; er besitzt das Äußere des Priestertums, aber nicht seinen Geist. Der Priester ist ein Stellvertreter Jesu Christi, er darf darum nicht wie ein natürlicher Mensch handeln, sondern der Geist Jesu Christi muss sein ganzes Leben beseelen. Es ist traurig, wenn ein Priester sich den Geschöpfen zuwendet, da sein Leib und seine Seele Gott geweiht sind, um in der Kirche übernatürliches Leben zu verbreiten. Was würde man von einem Menschen sagen, der einen konsekrierten Kelch zu einem irdischen Gebrauch benutzt? Ich finde dieses indessen viel weniger schmachvoll, als wenn ein Priester ein irdisches Leben führt.“ Ein Priester ist kein Sozialarbeiter, kein Professor für weltliche Wissenschaften, kein Psychiater oder Psychologe, kein zölibatär lebender Fußballtrainer für die Jugend und auch kein Animateur für die Seniorenrunde. Da könnten und müssten wir ja wirklich den Zölibat als furchtbare Dummheit sofort abschaffen. Nein: Es muss immer klar sein und jeder muss sich um diese übernatürliche Ausstrahlung bemühen: Der Priester muss ein Mann Gottes sein mit ungeteiltem Herzen, erfüllt mit einer tiefen übernatürlichen Freude die uns das letzte Geheimnis unseres Glauben, den Himmel, näherbringt.

3.) Es braucht eine Vertiefung der Familien- und Jugendseelsorge. In einem Vortrag aus den 50er Jahren habe ich kürzlich gelesen: „eine gut geführte Ministrantengruppe ist das beste Vorseminar.“ Das sollten wir einmal bedenken! Wir müssen sodann die entdeckten Berufungen gut betreuen. Die jungen Pflänzchen muss man bis sie kräftig sind vor dem Frost schützen.

4.) Die Priester müssen in dieser Frage in ständiger Verbindung mit dem Seminar sein. Die aktuellen Anliegen der Seminare muss ein Thema im Klerus sein und in der Gemeinde, die Gläubigen in unsren Kapellen müssen über die Seminare der Bruderschaft Bescheid wissen.

All diese Ratschläge sind keine Neuerfindung, sondern bewährte Erfahrung seit Jahrhunderten.

Nicht nur theologisch dumm, sondern auch psychologisch naiv ist jedes Nachtrotten, Nachäffen und Nachheulen hinter flüchtigen Moden und zeitgeistigem Glitzer. Die Interessen Gottes und der hl. Kirche werden heute auf die irdischen Interessen reduziert. Somit hat auch die Priesterausbildung ihre absolute Priorität in den Diözesen einbüßen müssen. Die Folgen sehen wir seit Jahrzehnten.

Bitten wir die Gottesmutter, dass sie allen Priester und vor allem auch den Bischöfen die Augen öffnen möge, damit sie erneut sehen und einsehen, worauf es ankommt. Amen.

Quelle: P. Johannes Regele