Novus Ordo und der Glaube

14 November, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Geliebte in Unserem Herrn, treue Katholiken!

Bewußt nenne ich Sie nicht Traditionalisten; denn wir wollen nichts als katholisch sein, den Glauben unserer Väter bewahren und leben, nichts anderes. Wenn wir in der heutigen Welt ‘lebende Fossilien’ sind, so bleibt doch der Glaube der gleiche, wie auch Gott sich nicht ändert.

I) Einleitung: Über den Glauben

‘Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen’ (Hebr 11,6), sagt der hl. Paulus, und er meint selbstverständlich den einen wahren, katholischen Glauben. Und ‘wer diesen Glauben nicht unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel für immer verloren gehen’, fügt Gregor XVI hinzu (Enzyklika ‘Mirari Vos’). Deshalb hat der Widersacher immer alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Glauben aus den Angeln zu heben, da dieser die Grundlage der heilsnotwendigen Übernatürlichen Tugenden, und auch der Gaben des Heiligen Geistes ist. Das geistliche Gebäude ist wie ein materielles Haus. Wenn die Bodenplatte nachgibt, der Glaube, dann fällt alles zusammen, was darauf aufgebaut ist.

Mit dem II. Vaticanum ist es dem Teufel gelungen, die letzten offiziellen Bastionen der Wahrheit zum Einsturz zu bringen. Es gibt unter den modernen Katholiken fast niemanden mehr, der noch den integralen Glauben hat. Wie der hl. Paulus sagt, haben manche noch die Erscheinung von Frömmigkeit, lassen aber im Leben deren Kraft missen (vgl. II Tim 3,5). Wir dürfen uns da keinen Illusionen hingeben. Groß angelegte Umfragen unter modernen Katholiken in verschiedenen Ländern haben das erschreckende Fazit gebracht, daß die Dogmen, die Zehn Gebote, die Kirchengebote und die christliche Ehemoral nur noch von einer verschwindend kleinen Minderheit als verbindlich angenommen werden. Die jährlichen Kirchenaustritte sind erschütternd (2018 war ein Rekordjahr: in D. über 216 000 = 590/Tag; in Ö. 58 000 = 158/Tag). Und mit der Katholischen Kirche zerfallen auch die protestantischen Kulte, wie ein Schimmelpilz, der auf seinem faulen Baumstamm keine Nahrung mehr findet.

I A) Was ist denn der heilsnotwendige Glaube eigentlich?

Der Christliche Glaube ist die von Gott eingegossene Theologische Tugend, durch die wir alles als unverbrüchlich wahr annehmen, was Jesus Christus uns (durch das unfehlbare Lehramt Seiner Kirche) zu glauben vorlegt; und zwar allein aufgrund der Autorität des offenbarenden Gottes; und nicht, weil wir diese Dinge begreifen. Wo man etwas versteht, nachvollziehen kann, ist ipso facto der Glaube ausgeschlossen. Den Babies werden die übernatürlichen Tugenden bei der Taufe mit dem Glauben der Eltern als Bürgschaft verliehen; jeder andere muß das notwendige Wissen haben, bevor er getauft werden kann.

I B) Wie kann einer, der den Glauben einmal gehabt hat, ihn verlieren?

Hier ist es ähnlich wie mit unserem Körper. Wer durch einen Unfall ein unbedeutendes Glied verliert, z.B. der Schreiner einen Finger in der Bandsäge, stirbt nicht davon. Wird aber ein großer Teil oder ein lebenswichtiges Organ, etwa der Kopf oder der ganze Unterleib bei einem Unfall abgetrennt, so ist der Leib nicht mehr fähig, die Seele an sich zu binden; und Gott nimmt diese weg, mit der Konsequenz, daß der Mensch stirbt. Genauso ist es mit dem Glauben – wenn jemand etwa die Acht Seligkeiten oder die Fünf Kirchengebote nicht auswendig kennt, verliert er damit nicht den Glauben. Da aber die Glaubenssubstanz eine kompakte Einheit ist, genügt es, bewußt ein einziges Dogma (einen unfehlbaren Glaubenssatz) zu leugnen, um die Tugend des Glaubens in seiner Seele zu zerstören (z.B. die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens; die reale Gegenwart Jesu Christi in jedem Partikel der konsekrierten Hostie; oder daß außerhalb der Kirche kein Heil ist). Um den Glauben zu konsolidieren ist es nötig, täglich Akte des Glaubens zu machen.

Andererseits entzieht Gott die übernatürliche Tugend dem zur Strafe, der sich derselben über längere Zeit hinweg unwürdig gemacht hat durch ein Leben im Laster, auch wenn er kein Dogma positiv bestreitet. Wie der hl. Jakobus sagt: “Auch die Teufel glauben, und zittern” (Ja 2,19); diese besitzen die übernatürliche Tugend des Glaubens nicht, obwohl sie den Katechismus besser kennen als irgendeiner von uns.

Das bedeutet, daß niemand, der im vollen Besitz der Vernunft ist und den Glauben einmal wirklich besaß, ihn verlieren kann, ohne eine Todsünde zu begehen. Da hilft die Ausrede nichts, daß es ja allen anderen genauso geht; es ist umsonst, die schlechten Bischöfe zu beschuldigen, oder auf die falschen Religionen zu schimpfen. Wer Lügenzungen Gehör schenkt, muß die Konsequenzen selbst tragen. Es ist dem Katholiken nämlich nicht erlaubt, glaubensfeindliches Material zu lesen, anzuhören, anzuschauen oder gar zu verbreiten, selbst wenn es von Amtsträgern der Kirche kommt. Hören wir den hl. Paulus: ‘Wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium predigte, er sei verflucht’ (Gal 1,8).

Es ist erschütternd, sich mit diesem Wissen umzublicken, denn wir alle haben wohl unter unseren Verwandten und Freunden Personen, die sich selbst noch katholisch wähnen und so bezeichnen, die man aber in Wahrheit zu den ‘schweigenden Apostaten’ zählen muß, um mit Johannes Paul II zu sprechen. Weniger Schuld trifft jene, die nach dem II. Vaticanum den Glauben nie mehr wirklich gelernt haben, das Neuheidentum; da liegt eine große Verantwortung bei den Eltern und Erziehern. Doch hat jeder, der heranreift, persönlich die Pflicht, sich um die Wahrheit und das Gute zu mühen; und Gott kommt jedem mit Seiner Gnade entgegen, der dies ernsthaft tut, und wird ihn auf den Weg der Rettung führen.

I C) Was sind die Hauptmittel, die der Teufel in unserer Zeit anwendet, um eine solche apokalyptische Katastrophe heraufzubeschwören?

1.) Ohne Zweifel steht ganz oben auf der Liste die Duldung oder gar Verbreitung von falschen Lehren in Wort und Tat unter der Flagge der Gewissensfreiheit und einer falschen Barmherzigkeit durch die Diener der Kirche, allen voran alle Päpste seit Johannes XXIII.

2.) Sehr wirksam für den flächendeckenden Glaubensverlust war auch ganz einfach die Vernachlässigung der systematischen katholischen Christenlehre; oder der Ersatz derselben durch Ethik oder eine diffuse Religiöse Erziehung. Noch gefährlicher ist der neue Katechismus KKK, in welchem, wie auch im neuen Kirchenrecht (von 1983), die Irrtümer des II. Vatikanums so subtil unter die wahren Aussagen gemischt sind, daß sie oft nicht leicht erkenntlich sind.

3.) Auf dem moralischen Sektor haben die Skandale der Kirchenmänner, und die Duldung, Relativierung und Akzeptanz schwerer, ja, himmelschreiender Sünden, sowie die quasi Abschaffung des Beichtsakramentes dazu gedient, die Geister zu verblenden, die Herzen zu verhärten und so die Seelen dem Glauben zu entfremden.

4.) Vielleicht aber das schlagkräftigste praktische Mittel, den Glauben zu zerstören, war und ist weiterhin der neue Messritus, was wir im Folgenden beleuchten wollen.

Da haben wir dieses Jahr ein furchtbares Jubiläum zu beweinen, 50 Jahre Novus Ordo Missæ. Es ist ein halbes Jahrhundert her, seit der unselige Papst Paul VI. einen Messritus eingeführt hat, der von einem Hochgradfreimaurer fabriziert worden war. Daß der Papst erst nachträglich erfuhr, daß sein persönlicher Freund Bugnini ein Kirchenfeind war, und ihn strafversetzt hat, rechtfertigt das Zerstörungswerk nicht, das trotzdem mit aller Konsequenz in seinem Namen vollendet wurde. Umsonst jammerte er daher, daß der Rauch Satans durch den Spalt in die Kirche eingedrungen war, den er selbst geschlagen hatte.

Noch kann das reichlich späte Eingeständnis Benedikts’ XVI. von 2007, daß das Missale von 1962 nie abgeschafft worden sei (Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’), die Wahrheit vertuschen, daß Paul VI. den neuen Ritus nicht nur den Geistlichen, sondern auch den Gläubigen kraft seiner mißbrauchten päpstlichen Amtsgewalt nicht angeboten, sondern wirklich aufgezwungen hat. Am 24. Mai 1976 hatte der Pontifex vor dem versammelten Kardinalskonsistorium klar gesagt: “Es ist im Namen der Tradition, daß Wir allen Unseren Kindern, allen katholischen Kommunitäten befehlen, in Würde und Eifer die erneuerte Liturgie zu zelebrieren. Die Annahme des neuen Ordo Missæ ist nicht dem freien Willen der Priester oder der Gläubigen anheimgestellt, ... weil der neue Ordo promulgiert worden ist, um den alten zu ersetzen...” – –

Wir verstehen vielleicht intuitiv, daß der altehrwürdige Messritus das größte von Gott inspirierte Kunstwerk ist, in welchem Dogma, Spiritualität, Mystik, Liebe und Poesie zu einer vollkommenen Einheit verwoben sind. Es ist für uns offensichtlich, daß er viel würdiger, schöner und besser ist als der Novus Ordo. Aber nur wenige haben das Mysterium Iniquitatis, das Geheimnis der Bosheit der neuen Messe in seiner ganzen

Tragweite begriffen. St. Leo der Große sagt: ‘Wenn der Teufel das Tugendleben von rechtschaffenen Menschen nicht überwinden kann, untergräbt er ihren Glauben.’

So ist es fast allen Katholiken ergangen – bevor sie es sich versahen, hatten sie den Glauben verloren; und gemeinsam mit dem Glauben sind die Theologischen und die Kardinal-Tugenden den Bach runter gegangen; und jetzt merken sie es garnicht mehr. Sie meinen, sie wären noch katholisch, ihr Glaube ist aber modernistisch, d.i. neo-protestantisch. Und nun, im Zuge des Ökumenismus, erscheinen ihnen jene als die schlimmsten Feinde, die genau den Glauben bekennen, der ihnen zwischen den Fingern zerronnen ist.

Da könnten Sie sagen, das hat mit der Messe nichts zu tun. Leider doch. Mir liegt eine Umfrage unter Katholiken aus dem Jahr 1994 vor (also 25 Jahre nach der Einführung des N.O.), bzgl. der Hlst. Eucharistie, dem zentralen Sakrament. Von denen, die jeden Sonntag zur neuen Messe gingen, glaubten nur noch 49% an die wahre Gegenwart des Gottmenschen. Während von den älteren katholischen Karteileichen, die bei Einführung des N.O. den regelmäßigen Kirchgang eingestellt hatten (nur noch ein-/ zweimal im Jahr gingen), bekannten noch 55 % den wahren Glauben! Also, die Gläubigen, die ihre Sonntagspflicht verrichteten, hatten noch weniger Glauben als jene, die nicht mehr gingen! Das bedeutet doch nichts anderes, als daß jene durch den N.O. und sein Umfeld effektiv vom Glauben abgebracht worden sind.

Erklärung: Ich beziehe mich im Folgenden auf die Heilige Messe im Gegensatz zur unheiligen neuen Messe. Da könnte nun einer sagen, Jesus ist doch auch in der neuen Messe, daher ist auch sie heilig. Nein. Es ist dasselbe wie mit dem Tempel – Jesus war tatsächlich häufig dort, und hat sogar viele Unschuldige und Unwissende geheilt und gesegnet. Doch war gerade der Tempel der Ort, wo der Haß gegen den Erlöser ausgebrütet, und Sein Mord beschlossen wurde; in ihm wurde Gott nach der Kreuzigung noch 37 Jahre mit theatralischen, sinnentleerten Zeremonien beleidigt bis zu seiner endgültigen Zerstörung (im Jahre 70 A.D.). Auf ähnliche Weise muß man den N.O. bewerten, der nur Minderbemittelten und unschuldig Ignoranten noch gewisse Gnaden vermittelt, die ahnungslos an der Verspottung und Demütigung des Sakramentalen Heilands teilnehmen. Sich selbst ignorant halten, um sein Leben nicht ändern zu müssen, rechtfertigt niemanden.

II) Hauptteil: Der Glaube im Alten Messritus und im Novus Ordo

Das Wort ‘Häresie’ kommt vom griechischen Wort ‘ηρειν’, was soviel bedeutet wie ‘herauspicken’ was ich will. Häresie geschieht also nicht nur durch Veränderung der wahren Lehre durch Fälschung, sondern vor allem durch Weglassen von Notwendigem. Darin liegt auch die Definition des Übels – das Übel, das Schlechte, das Böse hat nämlich kein aktives Sein in sich selbst, sondern ist der Mangel an einer wesentlichen Gutheit, die vorhanden sein müßte. [So ist z.B. AIDS der Mangel an Immunität, die der normale Mensch besitzt; Lüge die Abwesenheit der geschuldeten Wahrheit; kaputte Bremsen ein Mangel an der nötigen Verkehrstüchtigkeit.]

Die neue Messe ist und bleibt in sich selbst schlecht, nicht weil der Zelebrant unandächtig ist, sondern weil sie durch ihren ganzen Aufbau und Ablauf Wahrheiten verdunkelt, bzw. unterdrückt, die notwendig zum Wesen der Heiligen Messe und zum Glauben gehören, und so den Glaubensakt im Entstehen abwürgt. Das ist bewiesen dadurch, daß praktisch keiner, der sie besucht, sich noch darüber im Klaren ist • daß die Messe die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi ist, und kein Mahl • daß der Gottmensch Jesus Christus in jedem einzelnen Partikel der Hostie gegenwärtig ist • daß der Priester durch seine Weihevollmachten über alle Menschen und Engel erhoben ist, etc. Selbst der frömmste Priester könnte also die neue Messe nicht würdig und gottgefällig feiern; sie bleibt immer ein sakrilegisches Greuel vor dem Herrn. Der schönste gelbe Anstrich macht eben aus einem Warzenschwein keine Giraffe.

Um dies tiefer zu verstehen, werden wir nun unseren Augenmerk darauf richten, durch welche Mittel der Glaubensakt im wahren Heiligen Messopfer transportiert, ja, geradezu aufgezwungen wird; eine Applikation auf die neue Messe ist dann evident. Diese Mittel sind im Wesentlichen das Mysterium, die Gebetstexte und die Handlungen.

II A) Das Mysterium: Wir müssen verstehen: Wo kein Mysterium, da kein Glaube; ganz einfach, weil das Erklärbare den Glauben ausschließt. Die Tridentinische Messe ist ganz eingetaucht in das Mysterium, das Geheimnis. Wer mit offenem Herzen daran teilnimmt, sei er auch ein Heide, wird normalerweise berührt durch eine Atmosphäre des Geheimnisvollen. Selbst wenn sie in einem unscheinbaren Raum zelebriert werden muß, ist es vom ersten Augenblick klar: Die Hl. Messe ist kein formloses menschliches Miteinander, wie schon das Letzte Abendmahl nach einem strengen Ritus ablief; noch ist sie eine theologische Konferenz mit organisierten Programmpunkten. Die Heilige Messe ist und bleibt immer aus dem familiären, beruflichen und sozialen Alltag herausgehoben – man tritt in eine andere Welt. Sie ist ein Ort der Theophanie, der Gottbegegnung, der persönlichen Gottesoffenbarung. Und diese findet niemals statt im rauschenden Sturmwind von weltlichen Vergnügungen, oder im Erdbeben stimmungs- geladener Großveranstaltungen, noch im Feuer der Leidenschaften, sondern in der sanften Brise des mystischen Schweigens, welches Elias auf dem Gottesberg Horeb erleben durfte (I Kö 19). Moses erstieg den Heiligen Berg Sinai, wendete dort seinen Begleitern den Rücken zu und verschwand allein im Wolkendunkel, um Gott zu begegnen (Ex 24). Auch U. H. Jesus Christus führte Petrus, Johannes und Jakobus aus der Tiefebene menschlichen Getriebes auf den Berg Tabor der übernatürlichen Gottesoffenbarung (Mt 17).

Diese Geschehen sind in gewisser Hinsicht Vorbilder der Heiligen Messe. In den Ostriten ist das Mysterium, das Geheimnis des Glaubens, durch die Ikonostase zugleich dargestellt und verhüllt. Man sieht von dem heiligen Geschehen überhaupt nichts, jedoch singt der Priester alles laut. In der Tridentinischen Messe dagegen ist das mystische Wolkendunkel des Gottesberges auf mannigfache andere Weise repräsentiert und verwirklicht.

Der Hauptakteur: Im öffentlichen Leben ist der Priester ein Gezeichneter, ein Abgesonderter, durch die schwarze Soutane und den Zölibat, ein Geheimnis und Rätsel für die Weltkinder; von Menschen guten Willens angezogen, von den Bösen gemieden und gehaßt. Hier am Altar seines Amtes waltend, ist er schrecklich und herrlich durch seine göttlichen Gewalten, die beim erhabenen Opfer aufleuchten. Obwohl umgeben von den Ministranten und vor vielen Menschen, ist der Zelebrant allein wie Christus am Kreuze, wenn er, gebeugt unter der Last seiner eigenen und der Sünden und Sorgen seiner Herde, zur Feier der Hl. Messe den mystischen Kalvarienberg besteigt. (Dieser ist angedeutet durch die Erhöung des Suppedaneums. In den alten Kirchen waren es sieben Stufen, welche die Sieben Weihestufen darstellen.) Er ist ‘segregatus in Evangelium Dei’ (Ro 1,1), abgetrennt und herausgehoben aus allem Volke, und er muß es sein. Im Alten Testament steht wegweisend für den Neuen Bund über den Altar: ‘Jeder der ihn berührt, muß heilig sein’ (Ex 29,37). Ebenso auf die Altargeräte bezogen: ‘Jeder der sie berührt, muß heilig sein’ (Ex 30,29). Und ‘seid rein, die ihr die Gefäße des Herrn tragt’ (Is 52,11). Die Priester ‘müssen heilig sein, weil Ich heilig bin, Der Herr, Der sie heiligt’ (Lev 21,8). Da liegt die größte Spannung des Priesterlebens – heilig sein zu müssen, und doch ein Sünder unter Sündern zu sein. [Luther hatte das Priesteramt gut verstanden; er war sich seiner Sünden voll bewußt, aber zweifelte so an Gottes Erbarmen, daß er fast nur mit Gewalt dazu gebracht werden konnte, seine Primiz zu zelebrieren, bei welcher er vor Angst schwitzte und zitterte wie Espenlaub.]

In der ganzen Heiligen Messe ist der Priester auf den Altar, auf das Zentrum des Geschehens ausgerichtet; wie eine Kompaßnadel wendet er sich immer wieder zum Tabernakel, sogar wenn er die Lesungen hält. Doch bleibt er in der Vormesse, oder der Messe der Katechumenen vorerst noch irgendwie greifbar. Er wendet sich sogar mehrfach an die Anwesenden mit dem Segensgruß des ‘Dominus vobiscum’. Nach dem Credo, dem Eingangstor zur Messe der Gläubigen versinkt die Handlung dann in gespannte Sammlung. Nun beginnt geheimnisvoll die Opferhandlung mit dem Offertorium, der Voropferung. Diese entspricht mystisch der Aufopferung des Jesuskindleins durch Maria im Tempel. Noch ein letztes Mal vor dem erhabenen Höhepunkt des Geschehens taucht der Priester auf, und bittet um die Gebetsbegleitung der Anwesenden mit dem ‘Orate Fratres’. Damit wendet sich durch eine volle Drehung ganz von der Welt ab (sonst macht er nur halbe), um allein ins Allerheiligste einzutreten; wie Jesus sogar Seine drei Lieblingsjünger zurückließ, als Er am Ölberg Seinen Tod seelisch im Voraus durchlitt. [Der jüdische Hohepriester trat nur einmal im Jahr ins Allerheiligste ein; und unter absolut keinen Umständen durfte es jemand anderes je betreten. So wurde ihm ein Band an den Fuß gebunden, damit er herausgezogen werden konnte, falls er einen Schlaganfall hätte.]

Das Sanctus, der seraphischen Lobgesang erklingt; und danach verschwindet der Zelebrant völlig im schweigenden Wolkendunkel des Canons. Der gregorianische Chorgesang breitet mancherorts den akustischen Schleier heiliger Harmonien über das mystische Geschehen, im Idealfalle ohne das Geheimnis zu stören. Das Übernatürliche scheint ein paarmal auf wie ein Blitz aus einer Wolke, wenn der Priester in seiner göttlichen Amtsgewalt in Persona Christi das große Opfer gegenwärtig macht. Moses schlug den Felsen in der Wüste (Ex 17,6), und Wasser trat hervor. Der Moses des Neuen Testamentes schlägt den Felsen Christus nicht erneut, d.h. Jesus wird nicht nochmals blutigerweise gekreuzigt; sondern er spricht zweimal zu Ihm (vgl. Nu 20,8): Bei der ersten Konsekration kommt der lebendige Gottmensch vom Himmel herab; bei der zweiten wird das Blut sakramental getrennt – ‘Consummatum est’ – es ist vollbracht! Das Gotteslamm liegt geschlachtet auf dem Altar. Die Wasser der Erlösung für den Durst der Sünder fließen über die Erde, und bis hinab ins Fegfeuer.

Die Glocken verklingen; Gott ist auf dem Altar in sichtbarer Gestalt – allerdings in einer Gestalt, die Seine wahre Natur verhüllt. Noch einmal hört man wie aus weiter Ferne den Demutsseufzer des seine Sündhaftigkeit beklagenden Priesters; und tiefes Schweigen verhüllt die restliche Handlung bis zum Vaterunser.

Kommunion. Es folgt die Anwendung und die Austeilung der Früchte dieses Opfers, allen voran die Herzensvereinigung mit Gott in Christus. Dazu muß der Priester aus dem Wolkendunkel hervortreten, bleibt aber ganz gesammelt im Zentrum des Geschehens. Er, der den Ewigen Hohenpriesters vertritt, muß nun als erster mit dem Opferlamm auch materiell ganz eins werden, nachdem er nochmals vor allen seine Unwürdigkeit bekannt und bereut hat. Und nach ein paar zu kurzen in Christus versunkenen Momenten, läßt er alle, die es möchten, und sich für würdig erachten, teilhaben an dem Mysterium in der Hl. Kommunion, des wirklichen Eingehens in Gott.–

Dies ist in etwa die äußerlich sehr einfache Szenerie der Heiligen Messe. Doch sowohl dem Priester selbst und dem gebildeten Professor, als auch dem frommen Mütterlein in der letzten Bank mit dem Rosenkranz in der Hand, ist fraglos klar: Was hier geschieht, ist menschlich nicht verständlich, es ist ein Geheimnis, das jenseits jeden Verstandes ist. Daß das Geschehen auch wirklich weitgehend den Augen und den Ohren verborgen ist durch das Stillgebet und die Hinwendung zum Tabernakel, ist eine große Stütze für den Glauben; so wird man nicht irregeleitet zu denken, hier gebe es etwas zu verstehen.

Mit der Heiligen Messe verhält es sich wie damals mit Jesus Christus in Seiner Menschengestalt. Als Philippus den Heiland bittet, Er möge ihnen den Vater zeigen – er meinte damit die Gottheit –, antwortet ihm Jesus die monumentalen Worte: “Wer Mich sieht, sieht den Vater!” Oder der Ausruf des hl. Thomas: “Mein Herr und mein Gott!” Diese Merkwürdigkeit, dieser scheinbare Widerspruch! Sie sahen wirklich und wahrhaftig die Zweite Göttliche Person, aber Gott sahen sie nicht. Man könnte sagen, mit den Augen des Leibes sahen sie den wahren Menschen Jesus, und mit den Augen des Glaubens sahen sie die Gottheit, beide vereint in der Person des Göttlichen Wortes.

So ist auch in der Heiligen Messe das Unsichtbare das Entscheidende, die Kraft, die göttliche Macht und Gnade, die wir glauben müssen. Diese Dinge werden durch die Zeremonien geheimnisvoll dargestellt und durch dieselben vermittelt. Aber kein leibliches Sehen, keine wissenschaftliche Konklusion oder mathematische Berechnung können uns Zutritt zur Übernatur geben, sondern einzig und allein die Theologische Tugend des Glaubens. Und weil daher dieser Glaube heilsnotwendig ist, ist die heilige Liturgie so angelegt, diesen zu befördern in all ihren Teilen. Sie verbirgt das, was den Sinnen zugänglich ist, um jede Ablenkung oder Täuschung zu vermeiden, und dadurch die Sicht auf das wesentliche Geschehen für die Augen des Glaubens zu öffnen.

Wie schaut es bezüglich des Mysteriums im Novus Ordo aus? Im neuen Ritus sind nicht nur einige unwichtige Details verändert oder überflüssige Wiederholungen gestrichen, wie manche meinen, sondern ihm liegt ein vollständig anderes Konzept zugrunde. Dieses nicht mehr theozentrisch, sondern anthropozentrisch, wie der Volksaltar schon deutlich macht. Das Mysterium ist ganz bewußt ausgeschlossen, sowohl auf der Ebene der äußeren Zeremonien, als auch der persönlichen Gottesbegegnung. Das Prinzip ist nämlich: Es gibt kein Geheimnis; denn es darf kein Geheimnis geben. Wir aufgeklärte Menschen wissen alles, wir verstehen alles, und haben ein Recht auf alles, und zwar hic et nunc. Glaube ist nicht mehr gefragt; wir sind schon in der Zeit des Sehens, der wissenschaftlichen Beweise.

Da gibt es natürlich auch keinen Platz mehr für die mystischen Kirchengebäude unserer Väter. Seien es die erhabenen, dunklen Gotteshäuser der Frühromanik, wo nichts den Blick vom übernatürlichen Zentrum ablenkte; oder die zum Himmel reißenden, unweltlichen gotischen Kathedralen; die gewaltigen Gottes-Kunstwerke der Renaissance; oder auch die üppigen, bildreichen Barockkirchen, die von der verjüngten Frömmigkeit der Gegenreformation Zeugnis ablegen – alles spiegelte auf seine Weise zu seiner Zeit nicht die Talente der Architekten oder Maler, sondern den Katholischen Glauben wider. So drückt sich dann auch der neue Glaube der Konzilskirche in der neuen Kirchenarchitektur aus. Frustrierende graue Betonbunker, professionelle kalte Konferenzhallen, Seelenabschußrampen und andere abstrakte Monströsitäten spiegeln genau das wider, was darin vor sich geht, den Novus Ordo. Die neue Messe in einer alten Kirche ist immer ein schreiender Anachronismus.

Mit dem Ausschluß des Mysteriums, mit dem Verschwinden des Unsichtbaren und des Unantastbaren im Denken des Menschen, hat man Gott Selbst auf eine natürlich-menschliche Ebene erniedrigt. Damit ist Er und das Meßopfer überflüssig geworden. Was geblieben ist, ist der Mensch, Brot und Wein. Und da der Priester voll und ganz in der Übernatur definiert ist, ist deshalb natürlich auch von ihm nichts übriggeblieben als der Sepp, der Herbert, oder der Franz. In der Zeremonie liegt nun alles in liturgischer Unschamhaftigkeit nackt vor dem Betrachter oder Teilnehmer. Der Vorsitzende der Versammlung, gekleidet in seinen liturgischen Kartoffelsack, hat keinen Blick, und wohl auch nur wenige Gedanken für Gott, sondern nur seine Rückseite. Wie sollte er sich auch in irgendeiner Weise sammeln können, wenn ihn dauernd die Leute von allen Seiten anstarren? Um das sichtbare Zeichen des Sakramentes, das Brot, ‘Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit’ macht man manchmal Aufhebens, nimmt unförmige Riesenhostien oder schmackhafte Waffeln; aber der unsichtbare Wesenskern des Sakramentes, der Personale Gottmensch, ist aus den Augen verloren. Selbst im feierlichsten Moment der Messe steht der Priester aufrecht vor den ‘Gläubigen-ohne-Glauben’ mit einer Oblate oder einem Keks in der Hand; er spricht oder singt lauthals komische Worte ohne Anbindung an greifbare Realitäten: ‘Das ist mein Leib’, ‘das ist mein Blut’. – Wie, das soll dein Körper sein? Haha – wer’s glaubt, wird selig. Was sollen denn diese Worte bedeuten, wenn man nicht mehr an das Mysterium, an das Sakrament glaubt? Was muß ein Heide denken, der zufällig dabei ist, wenn ihm der profane äußere Rahmen nicht den geringsten Hinweis darauf gibt, daß es sich hier um ein übernatürliches Geheimnis handelt?

Wenn das alles ist, wenn hinter dem Sichtbaren nichts ist, dann ist der Exodus der Katholiken aus der Amtskirche völlig verständlich und nur konsequent. Denn mit Freunden ein Gläschen Wein trinken und gemütlich Weißbrot knabbern, das geht im Bistro nebenan viel besser. Dort wird man auch nicht genervt mit leeren Phrasen der emanzipierten Pfarreireferentin über eine Nächstenliebe ohne Gottesliebe, oder mit sozial-ökonomischen Allgemeinplätzen. Und, wie mir kürzlich jemand sagte, “beten kann man sowieso viel besser daheim, da herrscht nicht so eine Unruhe und weltliche Atmosphäre”. Ich selbst habe es tatsächlich in der Stadt-Pfarrei meines Studienortes als das Normale erlebt, daß vor, oder gar während der Messe die Leute miteinander redeten, lachten oder umhergingen, ohne daß es irgendjemandem störte, daß Der Gottmensch Selbst im Tabernakel anwesend war. Kurz, eine innere Mitfeier war nicht möglich; und das ununterbrochene Gerede und ‘Action’ ließ einem nicht einmal einige tröstliche Augenblicke bei Jesus, fern von den Alltagssorgen.

Wenn also der Sinn der Messe auf das natürlich-menschliche beschränkt ist, da muß man sich natürlich auch was einfallen lassen und Abwechslung bringen, um die Leute zu amüsieren; sonst ist das ganze enttäuschend wie eine drittklassige Operninszenierung. Der wahren Heiligen Messe dagegen tut es nicht den geringsten Abbruch, daß die Zeremonie jeden Sonntag genau dieselbe ist; nichts Wesentliches fehlt, wenn man in einem bescheidenen Rahmen zelebrieren muß; und nichts ist verloren, wenn der Priester (wie der Autor) nicht die hellste Kerze auf dem Leuchter ist, und die Predigt mal in den Sand setzt. Die Substanz und die Frucht, den Sinnen wohl verborgen, bleibt im vollem Umfang dem Glauben zugänglich.

II B) Die Texte: Das Mysterium in der Liturgie ist also der äußere Rahmen, der immer zum Glaubensakt zwingt, denselben erleichtert und vertieft. Allerdings ist das Mysterium allein, das Wolkendunkel nicht genug, wenn es abstrakt bleibt. Was wir nun glauben müssen, wird uns durch die erhabenen Texte der altehrwürdigen • Gebete • Lesungen und • Gesänge aufgeschlüsselt. Das ist im wesentlichen:

• das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit,
• die Menschwerdung und die Doppelnatur Jesu Christi,
• die wahre, wirkliche und wesenhafte Gegenwart Jesu im Sakrament,
• die Notwendigkeit der Erlösung von der Sünde durch den Kreuzestod des

Gottmenschen und der Mitarbeit bei unserer persönlichen Rettung,

• die Gegenwärtigsetzung dieses Todes in der Hl. Messe durch die Trennung der Gestalten, und die Anwendung seiner Früchte auf uns.

Diese Geheimnisse kommen (neben anderen) in der Heiligen Messe vom ersten ‘Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes’ bis zum Abschlußevangelium dauernd vor, sie sind allgegenwärtig; sei es im Schuldbekenntnis, im neunfachen Kyrie und im Gloria, in den Orationen, die fast immer an den Vater durch den Sohn in der Einheit des Hl. Geistes gerichtet sind; in den Doxologien (expliziter Preis der Drei Göttlichen Personen); in den Zwölf zentralen Glaubenssätzen im Credo; usw. – Beachten Sie bitte besonders die herrlichen Opfer-Gebete des Offertoriums: Diese sind in der richtigen Reihenfolge an je Eine der Drei Göttlichen Personen gerichtet; und das abschließende an die Heiligste Dreifaltigkeit als Solche. Es ist auffällig und vielsagend, daß es schon beim Voropfer einzig und allein um das göttliche Opferlamm (Hanc Immaculatam Hostiam) und Sein kostbares Blut geht (Calicem Salutaris). Da ist nicht ein einziges Mal die Rede von Brot und Wein!

Die trinitarischen Präfationen mit dem Sanctus und alle Canongebete, das Paternoster bis zu den Kommuniongebeten... Kurz, vom Stufengebet bis hin zum Segen und dem ‘et Verbum Caro factum est’ – alles stellt uns die großen Geheimnisse, einschließlich des persönlichen Gerichtes mit der Möglichkeit der Verdammung ununterbrochen vor die Augen des Glaubens.

Allerdings geschieht die Mitteilung der Glaubenswahrheiten nicht in einer Weise, daß uns dies den Katechismus ersparen würde, wie ich in Australien und anderorts handgreiflich erfahren habe. Dort gab es nach dem II. Vaticanum nämlich eine Reihe von verdienten Priestern, die die neue Messe nie angenommen hatten, oder bald zur Heiligen Messe zurückgekehrt waren. Sie wurden von frommen Gläubigen im ganzen Land gerufen, und versahen diese mit dem traditionellen Meßopfer. Da aber diese Geistlichen in den 70er Jahren noch auf die alte Generation der präkonziliaren Katholiken zurückgreifen konnten, die den Glauben noch hatten, ist praktisch ihnen allen entgangen, daß die Krise nicht beschränkt war auf die Liturgie, sondern der ganze Glaube mehr und mehr einbrach. Sie verließen sich illusorisch noch auf den Schulunterricht und vernachlässigten die systematische traditionelle Glaubenslehre. Die Folge ist eine verlorene Generation, nämlich die erste nach dem Konzil. Das bedeutet, daß die Heilige Messe wohl den Glauben derer bewahrt und festigt, die ihn einmal gelernt haben. Sie vermittelt aber wie die Bibel aus sich heraus das Glaubenswissen nicht in der notwendigen Systematik, um die großen Geheimnisse in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. – Erst als die Priesterbruderschaft St. Pius X. alle diese Meßzentren erbte, begann die Glaubensschulung wieder und die Kinder der zweiten Generation wurden an den Glauben ihrer Großeltern angekoppelt.

Wie steht es mit den Texten im N.O.? Schon öfter ist mir ein altes Altarmissale in die Hand gefallen, in welchem ein Priester mit einem Filzstift verzweifelt versucht hatte, die Tridentinische Messe den ersten modernistischen Zensuren von 1965 anzupassen.

Da war das Stufengebet und das Letzte Evangelium bereits ausgestrichen, sowie viele kleine Gebete des Priesters und der größte Teil der Segnungen. In der folgenden Nacht, nachdem der heilige Pater Pio gezwungen wurde, anscheinend diesen verstümmelten Ritus gegen das Volk hin zu zelebrieren, verlor er seine Wundmale und starb. Ich zweifle nicht, daß er das Fehlende so weit möglich, still rezitiert hat, auch wenn ihn seine Mitbrüder, die ihn zum Altar getragen hatten, nach Kräften dabei behinderten.

Da nicht wenige Fromme hier eine falsche Vorstellung haben, ist es wichtig Folgendes anzumerken: Trotz ‘Quo Primum’ vom hl. Pius V. kann der Papst wohl einen uralten Ritus nicht abschaffen, aber er kann durchaus einen neuen machen! Und man muß dem Vater der Christenheit auch grundsätzlich folgen, wenn er etwas befiehlt. Da reicht es nicht aus, daß ich die alte Messe ‘schöner finde’, um den Gehorsam zu verweigern. Nur dann, wenn er etwas befiehlt, was gegen den Glauben und die Sitte geht, muß man Gott mehr gehorchen als dem Menschen, sei es auch der Papst. Daher ist auch unser gottselige Erzbischof Lefebvre bis zum 62-Ritus gefolgt (was ihm viele vorgeworfen haben), weil dieser dem Glauben noch keinerlei Abbruch tat. Aber die Veränderungen von 1965 waren für ihn und seine Priesterbruderschaft nicht mehr akzeptabel, da der Ausdruck des Glaubens bereits zu weit verkrüppelt war, obwohl noch zu erkennen ist, daß es sich um die Ruinen der Tridentinische Messe handelt.

Zu Bugninis Meisterstück von 1969: Beim Novus Ordo dagegen standen die gotteslästerlichen Zeremonien von Calvin und Luther Pate, denn hier ist fast alles, was an Opfer und Sühne erinnern könnte, wegzensiert worden. Die Protestanten akzeptieren ja mit Hängen und Würgen gerade noch ein Dankopfer; daher nennt man das neue Spektakel ja auch offiziell ‘Eucharistiefeier’, was genau das ausdrückt. [Ich beziehe mich im Folgenden auf das, was offiziell im N.O. Missale vorgesehen ist, obwohl ich von mehreren Priestern weiß, daß einer, der sich noch an jene neuen Rubriken hält, als reaktionär und verschroben gilt.] Der N.O. sieht kein stilles Gebet mehr vor. Alles ist mit lauter Stimme vorzutragen. Zusätzlich zu der 65er Zensur fällt der Introitus weg, wenn der Chor ihn nicht singt; falls doch, gibt es das Gloria Patri und die Wiederholung der Antiphon nicht mehr; das Confiteor wird nur noch einmal vom Priester und den Gläubigen ohne Unterscheidung zusammen gesprochen; die priesterliche Absolution ‘Indulgentiam Absolutionem...’ ist ausradiert; das Kyrie auf je eine Anrufung mit Antwort der Gläubigen reduziert. Während das Tagesgebet nach den Rubriken die Dreifaltigkeitsformel noch theoretisch zuließe, enden Sekret und Postcommunio grundsätzlich nur noch ‘per Christum Dominum nostrum’, oder ‘Qui vivis et regnas in sæcula sæculorum’, unter gänzlicher Unterdrückung der Dreifaltigkeitsformel.

Die herrlichen Opfergebete des Offertoriums zu den Drei Göttlichen Personen sind verschwunden, und durch jüdische Tischgebete ersetzt, die ergänzt sind durch die lapidaren Worte, ‘damit es uns werde Brot des Lebens’ und beim Wein, ‘damit er uns ein geistlicher Trank werde’. Frappierend ist hier der Rückfall in heidnische Naturalienopfer, denn es heißt dort: ‘das Brot, das wir Dir opfern, Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit...’; genauso beim Wein. Das ist dogmatisch falsch, denn wir opfern im Rahmen des hochheiligen Messopfers überhaupt kein Brot oder Wein, sondern nur und ausschließlich Jesus Christus. Gott nimmt seit dem Kreuzesopfer keine anderen Opfer mehr an. Wie wir gesehen haben, ist in der Heiligen Messe keine Rede von Brot und Wein. Die neuen Rubriken sehen theoretisch wohl noch die schönen Gebetlein ‘In Spiritu humilitatis’ und das ‘Orate Frates’ vor, wo vom Opfer die Rede ist; das erste davon habe ich allerdings nie gehört in meinen 20 Jahren N.O., das andere selten. Mit dem Lavabo, was rubrizistisch auch noch erlaubt wäre, ging es mir so: Als ich 1973 ins Kleine Seminar der Diözese München-Freising in Traunstein kam, war ich als Ministrant noch gewöhnt, für das Lavabo zum Priester zu gehen. Da schalt mich der Zelebrant, ich solle den ‘Sologang’ unterlassen. Ich verstand garnicht was er meinte, so kam ich nächstes Mal wieder, und lud den Zorn des Priesters auf mich, bis ich merkte, daß es um die Händewaschung ging. Diese ist praktisch abgeschafft.

Präfationen hat man eine Unmenge zur Auswahl (allein ‘Per Annum’ gibt es acht und ‘Communis’ fünf, insgesamt 50!) – wie beim Sommerschlußverkauf! Die Kirche hatte diese Unsitte vernünftigerweise im Zuge des Tridentinums autoritär abgeschafft, und die Präfationen auf eine überschaubare und sinnvolle Anzahl reduziert. [Es ist ein Gesetz der Liturgie, daß etwas, was einmal von der Kirche abgeschafft wurde, niemals wieder aufgenommen darf.]

Der Canon wird nun konsequenterweise nicht mehr so genannt; denn Canon bedeutet eine festgeschriebene, allgemeingültige Regel, nach der sich alle zu richten haben; und so eine gibt es nicht einmal mehr auf dem Papier. Nun sind dem Erfindungsreichtum der Zelebranten fast keine Grenzen mehr gesetzt, wie er die ‘Geschichte vom letzten Abendmahl’ am publikumswirksamsten an den Mann bringt. In der letzten modernen Messe, der ich beigewohnt habe, erzählte der Kaplan anstatt der Wandlung wie in der Märchenstunde mit freien Worten das Abendmahl, während die Kinder lärmend den Altar umsprangen. [Mir ist so schlecht geworden, daß ich geflohen bin vor diesem Greuel an Heiliger Stätte.] Oder denken wir an den österreichischen Bischof, der sich nicht entblödete mit Meßgewand und roter Clownsnase den ‘dummen August’ zu spielen, und so ausgestattet, nicht nur im Altarraum mit Frauenpersonen herumhampelte, sondern auch die Wandlungsworte hersagte... Aber an solche und noch schlimmere Exzesse ist der N.O.-Gläubige mittlerweile ja gewöhnt, und man hat sich eine ziemlich dicke Haut zugelegt.

Für den, der sich fantasielos an die Rubriken des neuen Missale halten möchte, gibt es vier normale und sechs weitere Varianten der ‘Prex Eucharistica’ (ehem. Canon), die zusätzlich zahlreiche Alternativen beinhalten. Man spricht nicht auch mehr von ‘Wandlung’, sondern vom Einsetzungsbericht; denn daß hier real etwas geschieht, glaubt doch meist selbst der Priester nicht mehr – wie könnte er sonst Hand- und Fuß-Kommunion austeilen? Auf die wahre und substantielle Herabkunft des Gottmenschen auf den Altar, die trotz allem in den meisten Fällen noch stattfindet, folgt nach den Rubriken die Ausrufung der Gemeinde: ‘Deinen Tod o Herr verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du wiederkommst’. Klingt das nicht so, als wenn man einem Gast, der gerade angekommen ist, sagte: “Ich wäre froh, wenn du ein anderes mal wiederkommst”, mit dem Sinn: “Jetzt kann ich dich nicht recht brauchen”?

Von den drei überaus schönen Vorbereitungsgebeten zur Kommunion ist nur noch eins geblieben (mit einer Alternative); beide ohne trinitarische Endung. Das zweite Schuldbekenntnis ist natürlich ersatzlos gestrichen, zusammen mit der priesterlichen Absolution. Das ‘Herr, ich bin nicht würdig’ gibt es nur noch ein einziges Mal (sonst könnte man ja einen Minderwertigkeitskomplex bekommen), welches der Priester gemeinsam mit den Leuten betet. Bei seiner und der Kommunion der Gläubigen gibt der Priester auch den Segen nicht mehr mit der Hostie, noch betet er ‘Corpus Domini nostri Jesu Christi custodiat...’, sondern sagt nur noch unhöflich und unverbindlich ‘Leib Christi’, was wie die Wandlungsworte substanzlos im Raum steht, da nur noch so wenige den integralen Glauben an die Gegenwart Christi haben. So schert sich dann natürlich auch niemand darum, wenn jede Menge Brösel zu Boden fallen – die Putzfrau kommt ja nachher und kehrt alles in den Abfall.

Danksagung ist in der neuen Messe nicht vorgesehen. Wenn die Band nicht spielt, muß irgend etwas in der Landessprache gesungen oder geredet werden, falls genügend Zeit bleibt. Dann folgt das Schlußgebet, wie immer nicht zu Gott gewendet, sondern zum Volk; und der Segen. Ein Priester sagte einmal, erhabe das Gefühl, er ‘zelebriere zur Tür hinaus’. Das deutsche ‘Gehet hin in Frieden’ hat nichts mehr zu tun mit der lateinischen Formel ‘Ite Missa est’. Diese erinnert uns nämlich daran, daß wir gesandt sind, um in der Welt Licht zu sein durch unseren Glauben und die Liebe.

Um den Glauben zu assimilieren und um die rechte Disposition angesichts des Allmächtigen Gottes zur Erlangung der Erlösungsgnaden sicherzustellen, bedürfen wir der Reue und der Demut; denn den Demütigen gibt der Herr Seine Gnaden, und ohne Reue kann keine Sünde vergeben werden. Diese Tugenden werden daher vor allem dem Priester in der altehrwürdigen Heiligen Messe vom Beginn bis zum Schluß durch die feststehenden Gebete beständig nahegelegt. Sie erinnern ihn immer wieder an die unendliche Diskrepanz zwischen seiner eigenen Unwürdigkeit und der Erhabenheit seines Amtes. Sie können genauso mit Gewinn von den Gläubigen gebetet werden und vergewissern uns immer auch der Größe des göttlichen Erbarmens. Der hl. Augustinus lehrt uns: ‘Das Eingeständnis der eigenen bösen Werke ist der Beginn der guten Werke’. Es ist nicht nötig auf die bekannten Gebete einzugehen; aber ich möchte kurz Ihr Augenmerk auf die unauffälligen Gebetlein lenken, die der Priester still betet:

Messe der Katechumenen
• beim Besteigen des Altares: ‘Nimm unsere Sünden von uns weg ...
• beim ersten Altarkuß: ‘Verzeih mir gnädig meine Sünden ...
• vor dem Evangelium: ‘Reinige mein Herz ...
• nach demselben: ‘Durch die Worte des Evangeliums mögen getilgt werden unsere Sünden ...’

Zum Offertorium
• ‘...bringe ich Dein unwürdiger Diener sie dar für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten ...’
• ‘... im Geist der Demut und mit zerknirschtem Herzen ...’
• ‘...damit mein Herz sich nie zu Worten der Bosheit neige, um einen Vorwand zum Sündigen zu finden ...’

Im Canon
• ‘Memento... – damit ihre Seele gerettet werde...’
• ‘Hanc igitur... – bewahre uns gütig vor der ewigen Verdammnis ...’
• ‘Simili modo... – für viele vergossen zur Vergebung der Sünden ...’
• ‘Nobis quoque... – Auch uns Sündern... schenke gnädig Verzeihung ...’

Kommunionvorbereitung
• ‘Libera nos... –... damit wir von Sünden frei seien ...’
• ‘Domine Jesu Christe... – schaue nicht auf meine Sünden ...’
• ‘Domine Jesu Christe, Fili Dei vivi... – erlöse mich... von allen meinen Sünden... und laß nicht zu, daß ich mich jemals von Dir trenne ...’
• ‘Perceptio... – Den ich Unwürdiger zu empfangen wage, gereiche mir nicht zum Gericht und zur Verdammnis ...’
• ‘Corpus Tuum...– laß keine Sündenmakel in mir bleiben ...’
• ‘Placeat...– das ich Unwürdiger Deiner Majestät dargebracht habe ...’

Von diesen so erleuchteten und hilfreichen Anmutungen, welche die Tugenden der Demut und der Reue, der Herzensreinheit und der Buße sanft ins Herz träufeln, sind im N.O. kaum noch Spurenelemente zurückgeblieben. Dagegen wird der Eitelkeit, dem Unglauben und der Verblendung geschmeichelt, indem man die Barmherzigkeit Gottes zum Diskountpreis ohne Reue und Vorsatz feilbietet; unangenehme Wahrheiten werden schlichtweg unter den Teppich gekehrt. Ein Seminarist aus Bombay sagte mir, daß er in 7 Jahren Diözesanseminar nicht ein einziges Mal die Worte ‘Teufel’, ‘Hölle’, ‘Verdammung’ und ‘Todsünde’ gehört habe. Diese Worte sind tatsächlich fast gänzlich aus dem Vokabular der neuen Kirche gestrichen (außer, wenn es um die FSSPX geht). Und ein Priester, der so etwas noch in den Mund zu nehmen wagt, rennt seinem Oberen ins offene Messer, wie mir von mehreren Priestern geklagt wurde. Das ist eben keine ‘integrale Sprache und politisch nicht korrekt’. Das Problem ist, daß diese bedrohlichen Tatsachen damit nicht beseitigt sind, sondern mit absoluter Sicherheit früher oder später auf den Unvorbereiteten mit erdrückender Macht hereinstürzen werden. Es ist, wie wenn man Krebs im Körper so lange ignoriert, bis er unheilbar metastasiert ist und das Blut, das Knochenmark und das Lymphsystem ruiniert hat.

Als letzte Vorbereitung für die Kommunion kann man nun oft irgendwelche aus dem Kontext gerissenen Bibelzitate oder selbstgemachte Phrasen hören, von denen vielleicht die orginellste von einem französischen Priester stammt. Er lud nämllich die Gläubigen folgendermaßen zur Kommunion ein: “Kommt nur alle nach vorn, ich will nicht allein frühstücken”! Selbst falls einer noch etwas Glauben hätte, müßte eine Kommunion, wie auch alle anderen Gnadenmittel ohne wirkliche Vorbereitung des Herzens und Danksagung notwendigerweise fruchtlos bleiben, wenn sie nicht gar zum schlimmeren Gericht gereichen würden.

Durch die wechselnden Eigengebete der einzelnen Sonn- und Wochentage dagegen legt uns die Kirche ins Herz und auf die Zunge, was wir als Früchte des Erlösungsopfers erhoffen und erbitten sollen:

• würdige Anbetung und Dank zu verrichten,
• angemessene Sühne darzubringen zur Vergebung unserer eigenen Sünden und die der ganzen Welt, um Gottes Strafen abzuhalten oder zu mildern,
• um eine fruchtbare Hl. Kommunion,
• für unsere eigene Heiligung und die Rettung vieler Seelen durch die Kirche.

Mit gleichem gläubigen Vertrauen dürfen wir aber auch um natürliche Güter beten. Neben den normalen Tagesgebeten gibt es einen ganzen Katalog von Orationen in den verschiedensten Anliegen, für Frieden, Eintracht, Enthaltsamkeit, Demut, Geduld und Liebe, um Regen und heiteres Wetter, gegen Tierseuchen und Krankheiten, gegen Versuchungen, für Freunde und Feinde, für Reisende, Kranke und Gefangene, zur Danksagung und zur Abwehr böser Gedanken etc. Dabei betet die Kirche aber immer mit Blick auf das ewige Ziel, nämlich daß die natürlichen Güter uns den Weg dahin erleichtern mögen. Die traurige Tatsache ist, daß ohne diese übernatürliche Perspektive natürlicher Wohlstand und Gesundheit den erbsündlichen Menschen leider oft in Gottvergessenheit abrutschen lassen, wofür unsere Zeiten beredt Zeugnis ablegen.

Meine Erfahrung aus dem N.O. ist, daß dort häufig völlig horizontal und banal um innerweltliche Güter gebetet wurde, ohne einen übernatürlichen Aspekt, oder gar um Dinge, die der katholischen Moral entgegengesetzt sind (etwa die Sakramente für öffentliche Sünder und abartige Randgruppen), ganz besonders bei den Fürbitten, die nicht selten sogar dem Dogma widersprachen. Die Landessprache wurde angeblich eingeführt, damit die Gläubigen besser verstehen, um was es geht. Die Früchte, vor allem die völlige Ehrfurchtslosigkeit dem Allerheiligsten gegenüber, beweisen, daß genau das Gegenteil eingetreten ist.

Die Schriftlesungen und Gesänge: Die Schriftlesungen in der Hl. Messe beleuchten verschiedene Punkte des Glaubensgutes und der damit verbundenen Verhaltensregeln,

während die Gesänge einzelne Gedanken und die Andacht im Allgemeinen vertiefen. Die Lateinische Kirche hat sich in der Liturgie immer im Wesentlichen der Texte der Vulgata (vom hl. Hieronymus) bedient. Die Vulgata ist die lateinische Bibelübersetzung aus dem Griechischen, und stützt sich beim Alten Testament auf die Septuaginta.

Die Septuaginta (LXX) ist die älteste existierende Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes, und zwar aus dem 3. Jahrhundert vor Christus. Es wird angenommen, daß sie auf Bitten des griechischen Königs von Ägypten, Ptolemäus’ II. angefertigt wurde – ob aus Frömmigkeit oder weil er sie für seine weltberühmte Bibliothek von Alexandria haben wollte, spielt keine Rolle. Der Hohepriester stimmte gerne zu, da Hebräisch seit dem Babylonischen Exil eine tote Sprache geworden und nur noch gebildeten Menschen verständlich war. Mit einer griechischen Übersetzung konnte somit den Juden in der gesamten Diaspora, als auch in Palästina das Alte Testament leichter vermittelt werden. Wie der Babylonische Talmud sagt, wurden zu diesem Zweck je sechs Schriftgelehrte aus den 12 Stämmen Israels separat mit der Übersetzung betraut. Alle 72 hätten durch göttliche Intervention wörtlich dasselbe Resultat erzielt. Wie auch immer, diese griechische Version wurde vom Tempel approbiert, und parallel zu den hebräischen Texten im ganzen Mittelmeerraum im Synagogengottesdienst und bei der Belehrung verwendet. Die Septuaginta ist daher, wie einige der Kirchenväter sagen, das von Gott inspirierte wahre Alte Testament, zusammen mit den noch folgenden, jüngeren Büchern, die schon in Griechisch abgefaßt wurden (bis 132 v.C.). Das ist wesentlich bekräftigt durch die Tatsache, daß Christus und die inspirierten Autoren des Neuen Testamentes nach der Septuaginta zitieren.

Wie steht es mit dem Novus Ordo?

Nun bitte aufgepaßt! Versuchen Sie das Folgende gut zu verstehen. Die griechische Septuaginta stimmte also eins zu eins mit dem hebräischen Original des Alten Testamentes überein – aber nur bis in die 90er Jahre des ersten Jahrhunderts nach Christus! Zu der Zeit fand in Jamnia eine Synode von einflußreichen Rabbinern und Schriftgelehrten statt, welche die Zerstörung Jerusalems (20 Jahre vorher) überlebt hatten. Dort wurde nun der hebräische Urtext bewußt verkürzt und abgeändert, weil die Prophezeiungen über den Messias zu deutlich in Erfüllung gegangen waren. In dieser überarbeiteten hebräischen Ausgabe des Alten Testamentes fehlen daher sieben Bücher vollständig; Jeremias ist 20% kürzer; Ester hat sechs, und Daniel über zwei Kapitel weniger. Von den etwa 350 Zitaten Jesu und der Apostel stimmen 300 nicht nicht mehr mit dem überholten hebräischen Text des AT überein! Diese Tatsache konnte durch die Qumranrollen bekräftigt werden. (vgl. Hershel Shanks: The Mystery and Meaning of the Dead Sea Scrolls, Random House 1998)

Luther hatte in seinem ‘Weg-von-Rom-Wahn’ gemeint, er müsse sich auch von der katholischen Bibel-Übersetzung distanzieren und seine eigene herstellen. Dazu griff er (wohl aus Unwissenheit) auf die frisierte und verkürzte hebräische Version des AT zurück. Die fehlenden Bücher laufen bei den heutigen Protestanten unter ‘Apokryphen’ (nicht-authentische Texte). Dazu hat Luther noch eine eigene Übersetzung des Neuen Testamentes gewagt, und dabei nicht nur einiges einfach rausgeworfen, was ihm nicht paßte (z.B. den Brief des hl. Jakobus); sondern hat sogar die Originaltexte mit Gewalt seinen neuen Lehren angepaßt. Hören wir zwei unverdächtige Zeugen, die protestantischen ‘Schriftgelehrten’ Schulz und Bunsen, über Luthers’ Bibel-Übersetzung: “An hundert Stellen ist der Sinn des Originals nicht getroffen, keine andere (Übersetzung) ist vom Urtext so sehr abgeirrt, (sie) ist die ungenaueste aller Übersetzungen; über 3000 Stellen bedürfen der Berichtigung”. (Paulus Deusdedit: Luther, wie er lebte, leibte und starb, 6. Auflage 2017). Es ist also reine Illusion, wenn sich die armen Protestanten als ‘evangelisch’ bezeichnen, da in ihrer Bibel vom wahren Evangelium sowohl im Wort als auch im Geist nur noch Ruinen enthalten sind. Ohne die Katholische Tradition sind sie wie Ertrinkende, die sich an ein Rettungsboot klammern, das sie selbst durchlöchert haben. Und da gibt es gewisse katholische Würdenträger, die Luther als ‘Lehrer der Gesamtkirche’ feiern wollen!

Was aber hat das mit uns zu tun? Glauben Sie es oder nicht, dieser ganze Apparat von Irrtümern, einschließlich der falschen Psalmenzählung ist im Zuge des gottlosen Ökumenismus in die sogenannte ‘Einheitsübersetzung’ eingeflossen; und dieselbe ist nicht nur die Grundlage der landessprachlichen Meßbücher des N.O., sondern anscheinend sogar für die Rückübersetzungen ins Latein geworden. Also, wenn Sie so eine haben, benützen sie sie nach dem Wortlaut ‘Einheiz’-Übersetzung, und nicht, um sich in Irrtümer verführen zu lassen. Um sich noch mehr den Protestanten und ihrem ‘Sola Scriptura’-Prinzip anzupassen, hat man im N.O. die Schriftlesungen vervielfältigt; man hat nicht nur oft in einer Messe mehrere Lesungen, sondern diese sind auch jedes Jahr unterschiedlich, in einem drei-Jahres-Zyklus. Die Art der Sprache ist, wie auch im neuen deutschen Stundengebet, von unangenehmer Banalität; sie entbehrt gänzlich des Adels und der Ehrfurcht, die man von traditionellen Übersetzungen gewöhnt ist.

[Als Katholiken sind wir nicht wie die Protestanten ausschließlich auf fragwürdige Bibelübersetzungen angewiesen. Wir besitzen die Tradition der Kirche, die schon lange bevor das letzte Buch der Bibel überhaupt geschrieben war, von Schottland bis tief nach Afrika, und von Spanien bis nach Indien florierte. Nachdem der hl. Johannes die Apokalypse zu Papyrus gebracht hatte (≈ 97 A.D.), dauerte es noch über 300 Jahre, bis die Kirche aus der Vielzahl der Texte über U. H. Jesus Christus die nicht inspirierten ausgeschieden hatte, und den Umfang des Neuen Testamentes dogmatisch festlegte, nämlich bis zum Jahre 400 A.D.. Folglich ist auch kein katholischer Laie verpflichtet, persönlich in der Bibel zu studieren. An und für sich reicht das, was wir im wahren Katechismus (nicht KKK) lernen, zusammen mit dem, was uns die Kirche allsonntäglich präsentiert. Natürlich ist es trotzdem gut, die Heiligen Bücher zu lesen, aber es muß eine wirklich katholische Bibel sein, mit Imprimatur und einem traditionellen Anmerkungsapparat (also vor 1960); alles andere, einschließlich der Einheitsübersetzung, verbietet sich für solche, die den Glauben bewahren wollen.]

Außerbiblische Texte: Auch die meisten anderen Texte unserer Heiligen Liturgie, die nicht der Bibel entlehnt sind, gehen nachweislich in der Tat wörtlich vor das Mittelalter zurück, ein Teil reicht bis in die Ära der Apostel und frühen Kirchenväter. Diese Worte wurden keiner Veränderung oder Anpassung unterworfen, da sie immer für heilig und unantastbar gehalten wurden; und auch tatsächlich unzählige Heilige hervorgebracht haben. ‘Es ist üblich, daß die Menschen durch das Heilige verändert werden, und nicht das Heilige durch die Menschen’, ist das Prinzip, wie Kardinal Ægidius von Viterbo es bei der Öffnung des V. Laterankonzils so schön ausdrückte.

Die Kirchenväter, die noch direkt oder indirekt Kontakt hatten mit den Aposteln und Augenzeugen, sind offensichtlich die authentischsten Ausleger der Hl. Schrift und der apostolischen Tradition; sie haben uns viele Bücher hinterlassen, die beweisen, daß unser Glaube heute noch identisch ist mit dem ihrem. Das bedeutet, diese wunderbaren Texte der Liturgie verbinden uns in Glaubens- und Herzenseinheit mit den Aposteln, den Kirchenvätern, allen christlichen Märtyrern und Bekennern, Jungfrauen und Witwen, ja 75 Generationen wahrer Katholiken und unzähliger Heiligen im Himmel. Diese Gewißheit haben wir vermittelst des geheiligten Kirchenlateins, das genau dasselbe ist, wie zur Zeiten der ersten Päpste. [Es ist nämlich eine tote Sprache, die keiner Änderung unterworfen ist; während das gesprochene Latein sich erstaunlich entwickelt hat in das Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch u.a.] So viel zu den Texten der Hl. Messe.

Zum gregorianischen Gesang, dem genuinen Gesang der wahren Kirche, kann ich mich heute nicht weiter auslassen, das würde den Rahmen sprengen. Nur soviel sei gesagt: Die Blume des Katholischen liturgischen Gesanges war aus den Wurzeln des jüdischen Tempelgesanges entwachsen, der im Wesentlichen aus den Psalmen bestand. Dieser war zwar edel und hatte ohne Zweifel auch seine Schönheit, aber er trug in allem die bedrückende Note der unerlösten Menschheit. So ist es mit der jüdischen Musik bis heute geblieben; selbst die Klesmer-Musik zu fröhlichen Anlässen hat immer diesen tragischen Unterton. Die Kirchenmusik dagegen entwickelte sich unter dem Einfluß der Gnade zu einem überweltlichem Ausdruck der christlichen Freude. Erstaunlich schnell ließ sie die den Heiden, wie auch den Juden anhaftende Sinnlichkeit zurück, und erreichte bereits zu Beginn des Mittelalters den absoluten, nicht überbietbaren Höhepunkt allen Gesanges (während Philosophie und Theologie mit dem hl. Thomas von Aquin im 13. Jh., und die Architektur ihre Vollendung in der Hochgotik finden werden). Vom heiligen Papst Gregor dem Großen, der von 590 – 604 regierte, hat diese Musik ihren Namen, die Gregorianik. Er war auch Komponist, hat aber vor allem bereits vorhandene Vorgaben kompiliert, geordnet und vervollständigt. Die Grundlagen dieser Gesangsweise verdanken wir dem hl. Ambrosius von Mailand, der knapp 200 Jahre früher lebte, und anderen. Ich glaube es war Mozart selbst, der gesagt hatte, er würde gerne alle seine Werke dafür geben, der Komponist des gregorianischen Präfationstones zu sein.

3) Die Handlungen und Zeremonien:

Da war einmal ein ehrwürdiger, älterer Pfarrer auf eine vornehme Gesellschaft eingeladen. Bald fing eine edle Dame an, mit dem Priester über die Religion zu diskutieren. Sie kritisierte vor allem auch die Zeremonien der katholischen Liturgie:

“All diese Zeremonien müßten abgeschafft werden”, behauptete sie, “die Religion würde nur gewinnen, wenn sie diese Äußerlichkeiten nicht hätte.” Der Pfarrer, der sich bisher sehr höflich zu der Dame verhalten hatte, stand nun auf, klopfte ihr burschikos auf die Schulter und rief aus: “Es ist doch erstaunlich, was so eine Gans für Ideen hat!” Die Frau wurde rot vor Zorn und sprach entrüstet: “Mein Herr, Sie verletzen die einfachsten Formen des Anstandes. Wissen Sie nicht, wie Sie sich in der Gesellschaft zu betragen haben?” Der Geistliche lächelte und sprach: “Wie? Ihnen gegenüber soll man die Regeln des Anstandes einhalten und höflich sein. Wenn es sich aber um Gott handelt, sagen Sie, sei so etwas überflüssig? Vielleicht bekommen Sie jetzt eine andere Ansicht.”

Man kann alte S/W-Mitschnitte der Zeremonien am englischen Königshof finden. Das ganze ist extrem kompliziert, elegant und ehrfürchtig; und in allen Einzelheiten vorgeschrieben. Es bedarf mehrerer Zeremoniare; und überall steht die Hofgarde still und wacht, daß niemand einen Fauxpas macht, oder aus der Reihe fällt. Wehe dem, der sich da unpassende Umgangsformen erlaubt, oder etwa laut zu reden wagt, oder nicht die vorgeschriebenen Verbeugungen macht! – Es handelt es sich nur um einen menschlichen König, Staub, der wieder zu Staub wird; dennoch ist es angemessen, den König wegen seiner Exzellenz und seinem Amt auf solche Weise zu ehren.

Was schulden wir dann erst dem König der Könige, Gott von Gott, Der unser Schöpfer und Erlöser ist? Seine freiwillige unendliche Erniedrigung in eine menschliche Natur, und die noch größere Selbstverdemütigung in die Gestalt von Brot gibt uns keinerlei Recht, IHM Seine zustehenden Ehren vorzuenthalten. Das Alte Testament gibt uns bereits verschiedene Anhaltspunkte bezüglich der allgemeinen Disposition, die wir in der Kirche haben sollen: ‘Habe Ehrfurcht vor Meinem Heiligtum. Ich bin der Herr’ (Lev 19,30). ‘Der Herr aber ist in Seinem heiligen Tempel. Vor Seinem Angesicht schweige die ganze Erde’ (Hab 2,20). ‘Alles Fleisch schweige im Angesicht des Herrn, denn Er ist erstanden aus Seiner heiligen Wohnstatt’ (Zach 2,13). ‘Betet den Herrn an in Seinem heiligen Hof. Die ganze Erde zittere vor Seinem Angesicht’ (Ps 95,9). – Erinnern wir uns auch: Gott vollstreckte auf der Stelle die Todesstrafe, als Oza die heilige Bundeslade berührte, weil sie auf dem Wagen verrutscht war (2 Kö 6,7). Und als 250 Leviten sich den Priesterdienst des Inzensieren anmaßten, wurden die Anführer Core, Dathan und Abiron lebend in die Hölle verschlungen, und die anderen von einer Feuerflamme vernichtet (Nu 16).

Wir müssen uns dabei vor Augen halten, daß das alte Bundeszelt und der Tempel nur schattenhafte Vorbilder der katholischen Gotteshäuser waren, und Gott dort nur durch Symbole (Feuer/Wolke/Nebel) oder durch Engel repräsentiert war – und doch hat der Allmächtige schon damals so große Ehrfurcht und Andacht gefordert. Hier, in der Katholischen Kirche, in der Heiligen Messe aber ist Gott wahrhaft, persönlich und materiell gegenwärtig – muß Er da nicht noch viel tiefere Ehrfurcht erwarten? Du könntest sagen: “Wir sind jetzt in der Zeit des Neuen Bundes, da braucht man Gott nicht mehr zu fürchten.” Lesen wir was der Lieblingsjünger Johannes, der am Herzen Jesu ruhte, von seiner Begegnung mit Jesus nach der Himmelfahrt zu berichten hat: ‘Und als ich Ihn sah, fiel ich wie tot zu Seinen Füßen nieder. Und Er legte Seine Rechte auf mich und sprach: “Fürchte dich nicht; Ich bin der Erste und der Letzte...”’ (Apok 1,17). Es stimmt natürlich, daß der Heiland uns zu einer persönlichen Liebesbeziehung einlädt, aber diese kann nicht ohne Ehrfurcht existieren. Ja, wir dürfen uns Jesus von Herz zu Herz nahen; aber dies geschieht im Brautgemach des persönlichen Gebetes. Die ehrfurchtsvolle Liturgie stellt dabei kein Hindernis dar für die Intimität mit unserem Erlöser; sie ist vielmehr das notwendige Korrektiv, welches uns davor bewahrt, in illusorischen Charismatismus oder fruchtlose Sentimentalität abzurutschen.

Wenn also die Texte von Gott inspiriert sind, und das Mysterium dem Geschehen selbst entwächst, so müssen wir Menschen in der Liturgie das Beste aufbieten, was unsere Gebrechlichkeit vermag, um unsere Gerechtigkeits- und Liebespflicht zu erfüllen. Das haben die Kirchenmänner von jeher verstanden, und haben mit Gottes Gnade von Generation zu Generation die Heilige Messe zu jenem vollkommenen liturgischen Kunstwerk anwachsen lassen, welches sie bis zum Tridentinum geworden ist, welches nicht mehr verbessert werden kann (siehe St. Pius V., ‘Quo Primum’, 1570).

Die Liturgie der Tridentinischen Messe spiegelt in der Tat den wahren Glauben in wunderbarster Weise in jeder ihrer Handlungen wieder, welche durch die Rubriken minutiös vorgeschrieben sind. Das umfaßt alle Bewegungen, Gesten, Handhaltungen, Verneigungen, Aufblicke, Küsse, Berührungen, Kniebeugungen der Altardiener; aber auch das Stehen, Knien, Verbeugen, an die Brust schlagen, Kniebeugen und die Kreuzzeichen etc., welche die Gläubigen miteinbeziehen.

Wir wollen an diesem Punkt einige Gesten des Priesters betrachten, die nicht so ins Auge fallen, die jedoch sehr zu einem tieferen Verständnis der Heiligen Messe beitragen. Ich schicke voraus, daß in der Heiligen Messe – wie auf dem Kalvarienberg – Jesus Christus der wesentliche Opferpriester, das Schlachtopfer und der Altar Selbst ist, obwohl Er hier durch die Instrumentalität des menschlichen Priesters wirkt. Der Heiland besitzt in Seiner Person sowohl die Göttliche, als auch die Menschennatur, und ist daher von Natur aus der Mittler zwischen Gott und dem Menschen. An dieser Personalunion zwischen Gott und Mensch hat der Priester in einzigartiger Weise Anteil und ist damit über alle Menschen und Engel erhoben. In dieser Mittler-Eigenschaft handelt er sowohl, wenn er als Vertreter der sündhaften Menschheit in Persona Christi das Opfer darbringt; als auch, wenn er umgekehrt den Segen und die Gnaden von Gott über die Gläubigen ausgießt, z.B. bei jedem ‘Dominus Vobiscum’.

• Die Grundstellung des Zelebranten ist die stramme ‘Adsum’-Position; diese manifestiert die gleiche Bereitschaft, mit der sich der Prophet Isaias Gott zur Verfügung stellte, als Dieser fragte: “Wen werde Ich senden? und wer wird für Uns gehen?”, worauf der Prophet ausrief: “Siehe, hier bin ich, sende mich!” (vgl. Is 6,8).

• Dabei hält er den rechten Daumen über den Linken, was in etwa das gleiche ausdrückt wie die Kniebeuge auf das rechte Knie, und das Kreuzzeichen von der linken Schulter zur rechten, nämlich: Wir werden von der linken Seite des Richters, wo die Böcke sind, durch die Gnade Gottes auf die rechte Seite der Unschuldigen und der im Blute des Lammes gewaschenen Schafe versetzt.

• Der Priester hält abgesehen von den vorgeschriebenen Aufblicken zum Altarkreuz grundsätzlich das Haupt leicht geneigt, um seiner Unwürdigkeit und seiner vollkommenen Unterwerfung Ausdruck zu verleihen. [So gehört es sich ja auch im menschlichen Leben, daß man einen Vorgesetzten oder Priester im Gespräch nicht dauernd anstarrt, sondern hin und wieder Augenkontakt aufnimmt, und sonst die Augen niedergeschlagen hält.]

• Die wichtigste äußere Handlung unseres Glaubens ist das Kreuzzeichen. Dieses hat seine Wurzeln schon im Alten Testament, vor allem im Buchstaben Tau, den der Cherub auf die Stirn der zu Rettenden schrieb (vgl. Ez 9,4), und in der Gebetsposition des Moses beim Kampf gegen die Amalekiter (Ex 17). Die Heilige Messe beginnt mit diesem Bekenntnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, welches ‘die Breite und die Länge, die Höhe und die Tiefe’ der Liebe Christi ausdrückt (vgl. Eph 3,19), sowie das ganze Erlösungswerk beinhaltet. Es ist anzunehmen, daß Unser Herr bei Seiner Himmelfahrt die Anwesenden mit dem Kreuzzeichen gesegnet hat (vgl. Lk 24,51). Das Kreuzzeichen war mit einer gewissen Entwicklung immer das typische Erkennungszeichen der Katholiken. Im Feierlichen Hochamt macht der Priester auf verschiedene Weise nicht weniger als 59 Kreuzzeichen; bei der Stillen Messe sind es einige weniger.

• Die Liturgie schreibt sodann verschiedene Arten von Kopfverneigungen vor, die die Gläubigen an sich mitmachen sollten (außer beim Knien). Nämlich eine tiefe Verneigung mit Schulterbewegung zum Namen Jesu und dem Gloria Patri; eine tiefe Kopfverneigung ohne Schulterbeteiligung zum Namen Mariä, und eine leichte Kopfverneigung zu Ehren des Tagesheiligen. Dem Zelebranten gebührt dieselbe Reverenz wie Christus Selbst.

• Was gewisse jüngere Theologen bemängelt haben, ist, daß in der katholischen Kirche soviel geküßt wird. Das stimmt, aber ich bin überzeugt, daß jeder wirkliche Katholik diese liebenswürdige Geste richtig einzuordnen versteht. Es ist dem Lieben Gott eben nicht genug, mit kalten Formeln abgespeist zu werden, Er möchte auch von Herzen geliebt sein. Jesus hatte dem Pharisäer Simon vorgeworfen: “Du hast Mich nicht geküßt.” Diesem Tadel ist die Braut Christi immer zuvor gekommen, indem sie ihren Bräutigam tatsächlich häufig küßt, und zwar hauptsächlich durch ihre Altardiener. Aber auch die Gläubigen küssen ja gerne und öffentlich den Ring des Bischofs (sogar mit Ablaß); sie küssen die gesalbten Finger des Primizianten, die Palmen am Palmsonntag, die Füße des Gekreuzigten am Karfreitag, die geweihten Kerzen in der Osternacht und anderes; in südlichen Ländern küssen die Gläubigen häufig die Hände des Priesters, da sie wirklich gnadenhaft Jesu Hände sind.

Der Priester selbst gibt in der Heiligen Messe Jesus, Der durch den Altar repräsentiert ist, einen Begrüßungskuß, und jedes Mal quasi einen Abschiedskuß, bevor er Ihm den Rücken zuwendet, um dem Volk den Segensgruß ‘Dominus vobiscum’ etc. zu erteilen. Er küßt aber auch manche andere Dinge, die mit Unserem Herrn zu tun haben, das Evangelium, die Patene, die Kreuzreliquie, u.a.. Der gottselige Mystiker, Pater Johann Reus, erfuhr in der Hl. Messe immer die geistlichen Realitäten hinter den Zeremonien. So durfte er oft schauen, wie er beim Altarkuß seinen Mund auf die anbetungswürdigen Lippen des Heilands drückte.

Was einem als Priester auffällt, ist daß dieser kleine Liebesakt nach Vorschrift mit einer gewissen zarten Scheu gegeben wird, denn man küßt niemals die konsekrierte Hostie, den Gottmenschen direkt, obwohl man es vielleicht gerne täte. Beim ‘Supplices Te rogamus’ wird der Kuß auf den Altar, nahe der Hostie gegeben; und nach dem Vaterunser dort auf die Patene, wo der Sakramentale Heiland gleich liegen wird.

• Die feierlichsten, intimsten Momente sind so weit wie möglich der Öffentlichkeit entzogen. Das ist vor allem, wenn die Zweite Göttliche Person durch den Mund des Menschen die Wandlungsworte flüstert; da bedeckt der Priester mit seiner Gestalt die neue Geburt Gottes in diese Welt, fällt auf die Knie, um Ihn dann den Gläubigen zur Anbetung zu zeigen, verhüllt in die Gestalt des Brotes wie in Windeln. Die zweite Konsekration, welche den Kreuzestod vergegenwärtigt, geschieht ebenso den Blicken entzogen; und, erst nach einer weiteren Kniebeuge wird der Gekreuzigte erhöht, damit wir liebend auf Den schauen können, Den wir durchbohrt haben, und Er uns an Sich ziehen kann.

• Wenn dann der Gottmensch die Liebesbezeigungen des Menschen erwidert durch den Eucharistischen Kuß der Hl. Kommunion, beugt sich der Priester so tief wie möglich, um die Liebesvereinigung zu verbergen. Darüber singt schon David sehr schön: ‘Das Sehnen seines Herzens hast Du ihm gewährt, und das Verlangen seiner Lippen hast Du ihm nicht vorenthalten; Du bist ihm zuvorgekommen mit den Segnungen Deiner Süßigkeit’ (Ps 20). Jede liebende Seele kann diese Worte leicht auf sich selbst beziehen in der Hl. Kommunion. Es ist ganz richtig, wenn jeder Kommunikant sich etwas abschottet nach außen, um dem geliebten Gast im Inneren aufzuwarten, und sich Seiner zu erfreuen. Nur wenig Zeit ist allerdings dem Priester gegönnt für einen Liebesaustausch, (nach Vorschrift) etwa die Länge eines Paternoster; dann tritt er aus der Intimität wieder heraus in die Objektivität der Zelebration.

• Und da wir glauben, daß Jesus Christus voll und ganz in jedem einzelnen Partikel der konsekrierten Hostie ist, ist es nur angemessen, daß der Zelebrant nach der Wandlung immer die zwei gesalbten Finger, die den Gottmenschen berühren, zusammenhält, daß nur ja nicht der kleinste Krümel verloren gehe. Die Kommunion auf die Zunge mit Kommunionpatene ist eine Selbstverständlichkeit, um den Heiland davor zu bewahren, unter den Füßen zertrampelt zu werden. Auch verehrt der Priester beide Eucharistischen Gestalten immer einzeln mit Kniebeuge; das Kostbare Blut jedesmal wenn er die Palla vom Kelch nimmt, und bevor er sie wieder darauflegt.

Sie sehen, die Liturgie der Heiligen Messe stellt eine bemerkenswerte Vermählung von ritueller Strenge und objektiver Klarheit mit keuscher, glühender Liebe dar. Damit ist die Heilige Messe die wichtigste Stütze nicht nur des Zölibates, sondern des ganzen priesterlichen Glücks, welches dazu befähigt, freiwillig und freudig auf die Freuden der Welt und vor allem einer liebenden Ehefrau zu verzichten. Es ist offensichtlich, wie diese Handlungen die Heilige Messe auch für die frommen Gläubigen erlebbar machen, und den Glauben eines frommen Herzens vertiefen müssen. Und das durch eine aktive Teilnahme ohne vermessentliche Anmaßung priesterlicher Funktionen.

Machen wir jetzt noch einen letzten kurzen Sprung ins kalte Wasser der neuen Messe. Da gibt es eigentlich nicht mehr viel dem Gesagten hinzuzufügen, denn fast jede Form von liturgischer Strenge und Ehrfurcht vor Gott und den heiligen Dingen ist einfach verschwunden. Genau das hat wesentlich dazu beigetragen, daß die modernen Priester überhaupt keine Ahnung mehr haben von der übernatürlichen Größe ihrer Berufung, von der furchteinflößenden Macht, die in ihre Hände gelegt ist, und von ihrer Verantwortung von Ewigkeitsbedeutung vor Gott und für die Seelen. [Nicht wenige Priester, die bei uns die Tridentinische Messe gelernt haben, haben bestätigt, daß sie erst durch die Zelebration derselben verstanden haben, was der Priester ist.] Die neue Messe ist so aufgebaut, daß es geradezu unpassend und theatralisch wirkt, wenn ein Priester oder Altardiener sich wirklich Mühe gibt, gesammelt und ernst zu erscheinen – für was denn, für ein Mahl? Ich erinnere mich leider nur zu gut: Wenn unser alter Pfarrer seinen Auftritt machte zur Abendmesse, begrüßte er die Gläubigen mit einer Kopfverneigung, und begab sich dann ohne Kniebeuge hinter den Luthertisch, obwohl hinter ihm der Tabernakel war. Manchmal küßt der Priester noch den Tisch ohne Reliquien (nicht selten sogar ohne Kreuz), was fast so unangebracht erscheint, als wenn der Hausvater vor dem Mittagessen den Eßtisch küssen würde.

Es geht um den Mensch, ja nicht einmal um den Priester; der ist nur der Showmaster, der die Gäste amüsieren muß, bevor man einen kleinen Imbiß einnimmt. Nach ein paar Worten des Priesters kommt die Mesnerin, die langhaarige Ministrantin oder ein Laie, um formlos eine oder mehrere Episoden aus der Einheitsübersetzung vorzutragen. Dann liest der Priester meist selbst das Evangelium, wenn er nicht einen verheirateten Diakon an der Hand hat. Anschließend gibt die Pfarreireferentin eine Ansprache. Da die aktive Teilnahme der Gläubigen erwünscht ist, melden sich bei den törichten Fürbitten nicht selten sogar Gläubige aus den Bankreihen zu Wort. Zur Gabenbereitung kommt der Sakristan mit dem Brotkorb oder Tonschälchen, in das jeder der Anwesenden zu Beginn am Eingang eine bräunliche Oblate oder ähnliches gelegt hat. [Daß allein das weiße, ungesäuerte Brot (wie es bei uns üblich ist) dem Letzten Abendmahl Jesu entspricht, erhellt aus der Tatsache, daß die Israeliten für die Passah-Oktave unter Todesstrafe überhaupt nichts Gesäuertes im Hause haben durften (Ex 12,15).] Während der Priester das Tischgebet verrichtet, kommt bei der sitzenden Gemeinde Stimmung auf, und die Leute singen ein Lied aus dem Gotteslob oder antworten auf eine Anrufung des Zelebranten.

Nach der Präfation kommt das ‘Sanctus’, das in der Regel von deutschen Liedern verbanalisiert ist, und so eher vom Heiligen ablenkt, als darauf vorbereitet. Während die Leute sitzenbleiben oder stehen, und auf den Mahltisch oder anderswohin schauen, ist der Priester bereits beim Einsetzungsbericht. Da gibt es selbstverständlich keinerlei Geheimniskrämerei mehr, denn die war ja schon Luther so verhaßt. [Die gotteslästerlichen Worte, die man häufig bei Amateurzauberern hört, ‘Hokus pokus fidibus’, sind eine protestantische Verhöhnung der Wandlungsworte.] Man hat sich in den offiziellen Rubriken der neuen Messe den strengen Lutheranern angepaßt (was trotzdem keinen Applaus verdient), welche die Illusion nähren, es fände durch den Glauben der Leute eine ‘Konsubstantiation’ statt; das heißt Jesus wäre zusammen mit dem Brot in der Oblate. Das passierte natürlich erst, wenn die Oblate hochgehalten wird, damit auch die Hinterbänkler durch ihr Wunschdenken diese Herabkunft Christi bewirken könnten. In Anlehnung daran macht man deshalb auch in der neuen Messe die Kniebeuge (wenn überhaupt) erst nach der Elevation! In der Heiligen Messe dagegen beugt der Priester sofort das Knie, sobald er die Wandlungsworte gesprochen hat, und hebt sie erst dann hoch zur Anbetung.

Man sieht überhaupt im N.O. nur noch selten, daß sich irgendwelche Katholiken mit nostalgischen Anwandlungen zur ‘Eucharistiefeier’ hinknien – warum auch? Für ein gesegnetes Brot vielleicht? Für solche Nebensächlichkeiten verschwendet man grundsätzlich keine Zeit mehr, was zählt ist die ‘innere Haltung’; die Äußerlichkeiten sind überflüssig. Von den fast 60 Kreuzzeichen im Levitierten Hochamt ist nur noch ein beschämender Rest geblieben. Im Kanon haben rubrikgemäß ganze 2 von früher 18 überlebt. Das bedeutet, nicht bloß die außerordentliche 9-fache Weihe der sakramentalen Gestalten vor der Wandlung, sondern auch die vielen Segnungen über den Mystischen Leib Christi nach der Wandlung sind verschwunden. Alles geht ruck-zuck und schon ist man beim Vaterunser. Dieses hat man meines Wissens an den meisten Orten noch einigermaßen unbeschadet beibehalten.

Es folgt dann der Friedesgruß. “Gebt einander ein Zeichen des Friedens!” Was folgt, hat nun wenig zu tun mit der Aufforderung des hl. Paulus: “Grüßt einander mit heiligem Kusse”. Ich gestehe aus eigener Jugenderfahrung, daß bei der Sonntagsmesse die Plätze in der Nähe der hübschen Blondine schnell ausverkauft waren, während das pickelbedeckte Pummelchen oder der uncharismatische, bebrillte Büroangestelle sich immer genügender Bewegungsfreiheit erfreuen konnten.

Zur Kommunion: Durch die Worte des Psalmisten lädt uns der Liebe Gott in rührender Weise zur Kommunion ein: “Öffne deinen Mund, und Ich werde ihn füllen” (80,11). Doch der heutige Mensch ist zu ‘aufgekärt’ (= zu verdorben), um sich füttern zu lassen wie ein unschuldiges Kind. Er muß die Hostie selbst ergreifen, und kräftig reinbeißen. Auf der anderen Seite lassen sich selbst hohe Würdenträger herab zu den kindischsten Geschmacklosigkeiten, wie der oben erwähnte Bischof im Faschings-Outfit. Zudem hat das neue Missale den Laienkelch wieder eingeführt, und damit die Verunehrung des Sakramentes gefördert und den Glauben an die Realpräsenz weiter untergraben; ein unnötiger Brauch, der bereits im Mittelalter aus vernünftigen Gründen von der Kirche abgeschafft worden war. Wer Wein trinken will, soll das daheim tun; wer Christus empfangen will, empfängt Ihn voll und ganz in der Hostie.

Manche traditionelle Katholiken sagen: “Das macht nichts, die Wandlung ist ja eh’ nicht gültig, und Jesus ist nicht da.” So leicht ist es aber nicht. Es gibt wohl Fälle, in denen das Sakrament nicht mehr zustande kommt durch eine verkehrte Intention oder ungültige Materie, und folglich einzelne, die noch glauben, Götzendienst begehen und wie die ‘frommen’ Anglikaner ein Stück Brot anbeten. Aber das ist meiner Überzeugung nach immer noch sehr selten, da die Worte für die Spendung der notwendigen Sakramente so einfach sind, daß man sie kaum falsch machen kann. Es wäre selbst für einen einfältigen Priester schwierig, die Worte: ‘Das ist mein Leib, das ist mein Blut’ falsch auszusprechen. Und für die Intention ist es ausreichend, gar keine zu fassen, indem man nur das tun will, was die Kirche immer getan hat.

Das ist ja gerade das Furchtbare bei all diesen zahllosen Mißbräuchen, daß Jesus trotzdem noch da ist mit Seinem blutenden Herz, wahrhaft, wirklich und wesenhaft, obwohl man Ihn behandelt wie der Reiche den armen Bettler Lazarus. Und zwar manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe gelesen über eine Haustiermesse, wo der Fiffi nachher tatsächlich die Partikel vom Boden abgeleckt hat, die bei der Handkommunion runtergefallen waren. Es ist die makabre Frage, ob das nicht noch die bessere Behandlung des Gottmenschen war, als, wie gewöhnlich, aufgesaugt und in die Mülltonne geschmissen zu werden. Einer meiner Gläubigen von Sri Lanka in Perth hatte in seiner Übergangszeit vom Modernismus zur Tradition immer knieend die Mundkommunion empfangen. Das hat den austeilenden Kaplan einmal derart in Rage gebracht, daß er die Hostie absichtlich auf den Boden warf, um Erik zu zwingen, sie aufzuheben. Er beugte sich nieder und nahm sie mit der Zunge auf.

In einer Kirche, wo Handkommunion ausgeteilt wird, trampelt man notwendig über ein Minenfeld von Partikeln des Allerheiligsten Sakramentes; und das passiert genauso bei randversiegelten Hostien, wenn auch etwas weniger. Es spielt überhaupt keine Rolle ob es 100 oder nur 20 Partikel sind. Es ist ein satanischer Schachzug, daß selbst wir das gezwungenermaßen tun müssen, wenn wir zum Schrein der Gnadenmadonna von Mariazell oder einem anderen alten Gnadenort gelangen wollen. Tun wir dies aber wenigstens mit zutiefst blutendem Herzen und weinender Seele. Stellen wir uns nicht blind und taub. Generell kann ich nur raten, alle diese entweihten Gotteshäuser nicht zu betreten, oder ganz hinten zu bleiben, wo man hoffen darf, daß man nicht seine Ferse gegen das Heiligste Antlitz unseres Erlösers erheben muß.

Das ist in etwa die neue Messe, einige von Ihnen kennen das ja auch noch. Alles wirkt zusammen, den Glauben auszulöschen. Zusammenfassend kann man sagen, daß durch die Beseitigung des Übernatürlichen der Glaube als notwendige Grundlage für Hoffnung, Frömmigkeit und Liebe in der neuen Messe radikal zerstört worden ist. Sie läßt keinen Raum für den Glauben, da ich ja alles sehe und verstehe. Alle Zeichen der Reverenz, die den Glauben ausdrücken würden, sind gestrichen; die ehrwürdigen Texte, einst in heiliger Sprache vorgetragen, werden nun runtergelesen und bestenfalls erlebt als nette innerweltliche Episoden, ohne bleibenden Nährwert. Damit ist es klar, daß kein Katholik, der den Glauben besitzt, an der neuen Messe teilnehmen kann, ohne das Erlösungswerk zu verspotten und Jesus zutiefst zu beleidigen.

Doch möchte ich diese Überlegungen mit einer positiven Note beenden. Wir haben auch ein glorreiches Jubiläum zu feiern – der Kampf um die Heilige Messe ist gewonnen – ein entscheidender Schritt zur Restauration der Kirche. Diesen Sieg verdanken wir einzig und allein unserem heiligen Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre. Mit Gottes Gnade und seiner Treue ist es ihm gelungen durch seine Priesterbruderschaft St. Pius X. das schlagende Herz der Katholischen Kirche, das hochheilge Messopfer zu retten. Dazu hat er uns den jungfräulichen Glauben, die unverfälschten Sakramente, das schöne altehrwürdige Stundengebet, das Rituale und die ganze traditionelle Disziplin erhalten. Und was viele nicht recht wahrnehmen: Allein durch seine Anstrengungen wurden sogar alle entscheidenden alten Orden mit ihren ganz speziellen Spiritualitäten aus dem Grabe des Modernismus zu neuem Leben erweckt, die nun als Töchter der Bruderschaft den verschiedensten Berufungen ein Heim geben. Danken wir dem Lieben Gott von ganzem Herzen für das Geschenk des Glaubens, und bitten wir unsere Himmlische Mutter um die Gnade, als wahre Katholiken bis zu unseren Ende auszuharren.

Quelle: Pater Rainer Becher

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