Messe und Fegfeuer

19 November, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Um Ihr Mitleid gegenüber den armen Seelen zu erregen, bedenken Sie doch, dass das Feuer, in welchem sie leiden, nach den Worten des heiligen Gregor dem der Hölle gleichkommt, und es als Werkzeug der göttlichen Gerechtigkeit so gewaltig wirkt, dass es Ihnen unerträgliche Martern verursacht, die alle auf dieser Welt vorstellbaren Qualen übertreffen.

Sie leiden noch viel mehr unter der Entbehrung der Anschauung Gottes, wie der Doctor angelicus (der hl. Thomas von Aquin) sagt. Die Unmöglichkeit, in der sie sich befinden, jenes Höchste Gut zu schauen, nach dem sie sich sehnen, stürzt sie in unerträgliche Ängste.

Gehen Sie hier ein wenig in sich selbst! Sähen Sie Ihren Vater oder Ihre Mutter in einem Teich, dem Ertrinken nahe, und brauchten Sie ihnen zur Rettung nur die Hand hinzustrecken, wären Sie nicht aus Liebe und Gerechtigkeit zugleich verpflichtet, es zu tun?

Nun sehen Sie aber mit den Augen des Glaubens so viele arme Seelen, unter denen sich vielleicht ihre nächsten Verwandten befinden, in einem Teich von Feuer brennen, und Sie möchten es nicht auf sich nehmen, für sie auch nur eine Messe mit Andacht zu hören?

Wo haben Sie denn Ihr Herz? Wer kann daran zweifeln, dass die heilige Messe diesen armen Seelen eine beträchtliche Erleichterung verschafft? Hören Sie den heiligen Hieronymus, einen der großen Kirchenlehrer, der Ihnen ausdrücklich sagt, dass bei der Feier des hochheiligen Opfers für eine Seele im Reinigungsort dieses verzehrende Feuer ihre Schmerzen aufhebt, und während der ganzen Dauer der heiligen Messe die Strafe unterbrochen ist. Des weiteren behauptet er, dass bei jeder heiligen Messe viele Arme Seelen den Ort der Sühnung verlassen, um in die Freuden des himmlischen Paradieses zu fliegen. Fügen Sie dem hinzu, dass Ihre Liebe zu den Seelen des Fegfeuers ganz und gar zu Ihrem Vorteil ausschlagen wird. Zum Beweis könnte ich Ihnen eine große Zahl von Beispielen anführen, ich will mich jedoch damit begnügen, eine einzige Begebenheit zu erzählen, die dem heiligen Petrus Damianus widerfuhr:

Nachdem er in einem noch zarten Alter zum Waisenkind geworden war, nahm ihn einer seiner Brüder zu sich, der ihn unglaublich schlecht behandelte. Da fand er eines Tages unterwegs irgendein Geldstück. Er glaubte, einen Schatz in Händen zu halten. Was aber damit anfangen? Die Not, in der er war, ließ ihm viele Verwendungsmöglichkeiten in den Sinn kommen, indes beschloss er nach reiflicher Überlegung, diese Münze einem Priester zu bringen und ihn um eine heilige Messe für die Armen Seelen zu bitten.

Von diesem Augenblick an änderten sich seine Verhältnisse: Er wurde von einem anderen Bruder aufgenommen, einem besseren als dem ersten, der ihn wie seinen eigenen Sohn liebte, ihn anständig kleidete, ihn auf die Schule schickte, wonach er jener große Mann und jener große Heilige wurde, der eine Zierde unter den Purpurträgem und eine Stütze der Kirche ward.

Sehen Sie, zur Quelle welchen Segens für ihn diese Messe und die Entbehrung, die er sich auferlegte, geworden sind! O, welch kostbarer Schatz, der den Toten und Lebenden in Zeit und Ewigkeit zugleich dient!

Quelle: Hl. Leonhard von Porto Maurizio