Im Wesentlichen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem Liebe (Teil 1)

05. Januar 2021
Quelle: FSSPX Spirituality

Gedanken zur Selbst- und Fremdwahrnehmung als katholischer Christ 

Katholische Kultur zeichnet sich durch Schönheit, Freude, Eleganz, Erhabenheit, gelassene Fröhlichkeit und Streben nach dem Edlen und Heiligen aus. Wenn wir uns vor Augen führen, welche Schönheit die katholischen Kirchen aller Jahrhunderte in ihrer Kunst, aber auch die katholischen Künstler im weltlichen Bereich schufen, dann bekommen wir eine Idee von unserer katholischen Sendung.

Schön und hässlich

Heute ist in unserer Welt viel Hässliches, Rücksichtsloses, Nachlässiges, Schlampiges und Unschönes als Leitbild eingekehrt. In Wahrheit braucht es auch wieder einen Aufbruch zu einem schönen Lebensgefühl, der auf die Schönheit der Schöpfung und auf die Schönheit Gottes hingeordnet ist. Die Schönheit der Schöpfung ist ja ein Abglanz der Schönheit Gottes. Daher bekommt die Schönheit an sich ja auch ihren Wert, weil sie eine Eigenschaft Gottes zum Ausdruck bringt.

Freude am Schönen

Denken wir hier an die Worte des heiligen Kirchenvaters Augustinus: „Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.“

Ja, ein Katholik soll regelrecht leuchten voll Freude an Gott, am Schönen, am gottgegebenen und gottgesegneten Leben und am Mitmenschen, der das Abbild Gottes ist. Denn durch die Pflege des Geschenkes (unsere Natur, die aus Seele und Körper besteht) wird dem Geber Respekt und Dankbarkeit erwiesen. 

Deshalb gilt: Der Katholik soll mit einem gepflegten Äußeren erscheinen, gute, freundliche und liebevolle Umgangsformen besitzen, sich um gebildetes Wissen bezüglich Gott, Kirche und Welt bemühen, wie auch um seinen persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg. Es ist also notwendig, sich verantwortliches Erfolgsdenken anzueignen, etwas im Leben zu erreichen und zwar zur höheren Ehre Gottes und zum Wohle von Familie, Gemeinschaft und Gesellschaft. Auch das ist katholisches Apostolat! Der Mensch hat in der Welt eine Sendung: Sich die Welt untertan zu machen, d. h. sie zu gestalten und sich mit ihr auseinanderzusetzen, sie jedenfalls keineswegs als nebensächlich zu vernachlässigen oder gar geringzuschätzen (Manichäismus, Spiritualismus, Jansenismus).

Technikfeindlichkeit ist verboten

Hier liegt der Schlüssel für die volle Legitimation aller menschlichen weltlich-natürlichen Künste: Handwerk, Technik, alle Arten der Wissenschaft. Dieser Auftrag Gottes verbietet wohl auch die absolute Technikfeindlichkeit und starke Formen der Sozialromantik („früher war alles/vieles besser“), weil es am Wesen des Menschen vorbeigeht: Er sucht von Natur aus nach Fortschritt in allen Bereichen und das ist gut so. Dabei muss er natürlich lernen, und Lernen geht durch die gefallene Natur per se schon nicht ohne Negativ-Erfahrungen.