Gottesdienstordnung • Priorat Maria Hilf • Juni - Juli 2019

2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung des Priorates Innsbruck, 
von Pater Joseph Stannus.

Seines Herzens Sinnen waltet von Geschlecht zu Geschlecht“ Introitus des Herz-Jesu-Festes

Liebe Gläubige

am 30. Juni dieses Jahres erneuern wir den Herz-Jesu-Bund Tirols in unserer Kapelle. Dieser Bund bedeutet, dass wir uns unter den Schutz des Herzens Jesu stellen, dass wir seine Untertanen sein wollen. Wir wollen, dass das Herz-Jesu in Tirol herrsche.

Wenn wir um uns herumschauen, sind die heutigen Gefahren größer als 1796, als der Bund erstmals geschlossen wurde. Damals standen die Franzosen vor der Grenze. Napoleon wollte seine Ideen, die Ideen der französischen Revolution in Europa verbreiten. Seine Absicht war es, die Schulen, die Regierungen, die Öffentlichkeit mit freimaurerischen Ideen zu prägen. 

 eitdem sind diese Ideen schleichend in die westliche Gesellschaft eingedrungen, leider auch in Tirol. Wir atmen heute die Ideen der Revolution. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind Selbstverständlichkeiten geworden, die kaum jemand hinterfragt. Sie sind aber mit dem Herz-Jesu-Bund unvereinbar, und deshalb werden wir sie hinterfragen.

Die Worte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kann man richtig gebrauchen, sie können einen christlichen Sinn haben. Meist werden sie aber in einem aufklärerischen Sinn verstanden.

Freiheit - für einen Christen - ist die Möglichkeit das Ziel, das uns Gott gegeben hat, mit Verstand und Willen anzustreben. Gute Erziehung macht frei. Beherrschung der Triebe macht frei. Christliche Ordnung macht frei. Für den modernen Menschen bedeutet Freiheit: "Ich mache, was ich will, abgesehen vom Ziel, wozu ich erschaffen bin“. Deshalb will er keine Gebote, keine Beherrschung, keine vorgegebenen Lehren, keine geoffenbarte Wahrheit. Freiheit bedeutet für ihn ungebunden sein. Ungebundenheit führt zu geistigem und gesellschaftlichem Chaos.

Gleichheit ist ein Schlagwort aller linken Parteien. "Alle Menschen sind gleich, alle haben gleiche Rechte", sagt man. Die Natur sagt etwas Anderes. Eine Rose ist nicht gleich einem Veilchen. Ein Elefant ist nicht gleich einer Maus. Die Ungleichheit ist in der Natur vorgegeben. Das ist kein Baufehler. Gott wollte es so haben, damit die Liebe sich entfalten könne. Wie es verschiedene Glieder im Leib gibt, so gibt es auch verschiedene Aufgaben in der Gesellschaft. Es wäre absurd, überall Gleichheit zu fordern: „Es gibt Verschiedenheit der Gnadengaben, doch ist es derselbe Geist" (1 Kor 12,4). Je nach Aufgabe, haben wir auch verschiedene Rechte. Gleich sind wir höchstens vor dem Tod und vor dem Gericht. Der Tod macht vor niemandem halt. Vor Gottes Thron wird es einzig und allein auf den Grad unserer Liebe ankommen, ob wir im Leben mächtig oder arm gewesen sind. Wir werden nach einem gleichen Maßstab gerichtet werden. In dieser Welt gibt es hingegen viele Ungleichheiten.

Das Wort "Brüderlichkeit" wird heute genauso missbraucht wie die zwei anderen Begriffe. Brüder sind Menschen mit einem selben Vater. Wahre Brüderlichkeit gründet auf eine gemeinsame Herkunft. Brüder streben gemeinsam ein Ziel an. Wahre Brüderlichkeit unter den Menschen gibt es nur in Jesus Christus, wie unser Generalobere vor kurzem erinnert hat (Artikel auf der Seite fsspx.news vom 25. Feber 2019). Heute versteht man unter Brüderlichkeit ein kumpelhaftes Verhalten, das alle geistigen Fragen ausklammert, ein Zusammenleben ohne andere Grundlage als Wohlstand, als Vergnügen, als "Cool-sein". Das ist keine Brüderlichkeit, denn es führt zur Gleichgültigkeit gegen Gott, der unser Vater ist.

Die Herz-Jesu-Weihe ist ein Heilmittel für diese Übel, die sich mit der Revolution entfaltet haben. 

Das Herz-Jesu befreit, indem es uns erinnert: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Wir finden bei Ihm alles, was wir notwendig haben zu unserer Vollkommenheit, zu unserem Glück.

 Das Herz-Jesu zerstört das falsche "Gleichheitsideal" mit dem schönen Wort:

„Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“ (Mt 11,29). Der Christ erkennt, dass Autorität von Gott kommt, dass der Weg zu Gott über den Gehorsam geht.

Das Herz-Jesu ist die Grundlage für wahre Brüderlichkeit. Brüder sind wir, weil wir Gott als Vater haben, weil wir durch die Taufe adoptiert werden, weil wir Brüder Jesu Christi sind.

 Es ist ein großes Glück, dass Tirol dem Herzen Jesu gehört. Als erstes Land der Welt wurde es dem Herzen Jesu geweiht. Bemühen wir uns, dass es auch ihm geweiht bleibt, dass es zu ihm zurückkehrt, nicht nur in den Prozessionen, auf den Lippen, sondern auch in den Herzen. Lieben wir die Autorität, den Gehorsam. Sie stellen die Ordnung Gottes her. Bemühen wir uns wahre

Brüderlichkeit zu pflegen, indem wir im Nächsten eine erlöste Seele sehen, unser Möglichstes tun, um andere zu retten. Das Heilmittel, das Rettungsmittel, wie vor zweihundertdreiundzwanzig Jahren bleibt die Liebe des Herzens Jesu.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Joseph Stannus

Quelle: Gottesdienstordnung  • Juni - Juli 2019 • Priorat Maria Hilf • Innsbruck