Gottesdienstordnung • Kirche St. Thomas v. Aquin • März 2019

2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung der Kirche St. Thomas v. Aquin / Graz, von Pater Elias Stolz.

Liebe Gläubige!

Der hl. Augustinus fordert uns auf, zu lieben, was Gott gemacht hat, und zu hassen was wir gemacht haben.

Gott hat die menschliche Natur in ihrer Güte und Vollkommenheit geschaffen, der Mensch hat durch die Erbsünde und deren Folgen diese Ordnung zerstört. Er ist nun zur Sünde geneigt und erliegt oft den eigenen Leidenschaften.

Die Kirche kennt die menschliche Seele mitsamt ihren Schwächen! Mit der Fastenzeit gibt sie uns ein wirksames Mittel in die Hand um unsere Natur wiederum zur christlichen Würde zu erheben, die Früchte der Sünde zu tilgen, die schlechten Neigungen zu bekämpfen und sämtliche Hindernisse zu beseitigen.

Es ist also wichtig, dass wir den Wert und die Notwendigkeit der Fastenzeit erkennen! Diese Übung der vierzig Tage soll nicht wie eine

Last über uns schweben, vielmehr soll sie wahrhaft eine Hilfe sein für eine geistige Erneuerung, gewissermaßen eine geistige (und letztendlich auch körperliche) „Entschlackungskur“.
Durch die Taufe sind wir wiedergeboren in Christus, wir haben den „alten Menschen“ ausgezogen und uns angetan mit dem „Neuen Menschen“ durch die Gnade Jesu‘. Aber auch nach der Taufe bleibt in uns jene dreifache Begierlichkeit von der wir in der Heiligen Schrift lesen, die Augenlust, die Fleischeslust und die Hoffart des Lebens. Mit dem „alten Menschen“ meint die Heilige Schrift die gefallene Natur, die sich gegen die Gnade erhebt. Ihn gilt es abzutöten: der alte Mensch darf seine Frucht, nämlich die Sünde, nicht mehr hervorbringen!

Die Gleichförmigkeit mit dem Herrn erreichen wir nur durch die Abtötung, „durch das tägliche Martyrium kreuzigen wir in uns die ungeordneten Leidenschaften zur größeren Ehre Gottes.“ (Hl. Bernhard)

Diese christliche Abtötung muss den ganzen Menschen, alle inneren und äußeren Handlungen umfassen, damit wir ganz umgewandelt werden können durch die Gnade!
Wir sollten also die Fastenzeit wahrhaft lieben und schätzen lernen als ein wirksames Mittel zur Heiligung!

Letztlich ist die christliche Abtötung auch ein Zeichen der Treue zum mystischen Leib Christi, der Kirche, die besonders in der heutigen Zeit ihre Passion durchlebt. Kardinal Ottaviani sagte in einer Ansprache an die Jugendlichen von Rom: „Die Leiden der Kirche sind gewissermaßen auch unsere Leiden, da wir Glieder sind eines einzigen mystischen Leibes. Wenn nun ein Glied leidet, so wird der ganze Leib in Mitleidenschaft gezogen.“

Beten und opfern wir in dieser Fastenzeit für die Kirche. Nach seinem Tod am Kreuz ist der Herr auferstanden; auch der mystische Leib Christi wird sich nach seiner Passion in neuem Glanz erheben!

Ihnen allen wünsche ich eine segensreiche Fastenzeit!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr P. Elias Stolz

Quelle: Gottesdienstordnung • März 2019 • Kirche St. Thomas v. Aquin • Graz