Gottesdienstordnung • Kirche St. Thomas v. Aquin • Dezember 2019

02 Dezember, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung der Kirche St. Thomas v. Aquin / Graz, von Pater Elias Stolz.

Liebe Gläubige!

Während der Adventzeit tritt unter anderen auf besondere Weise die Person des hl. Johannes des Täufers hervor. Er ist der letzte große Prophet, Vorläufer und Verwandter des kommenden Erlösers.

Der Mann, der von Gott gesandt wurde in diese Welt, um Zeugnis zu geben, das Kommen des Erlösers vorzubereiten, den die Menschheit mit Sehnsucht erwartete, während sie noch in der Dunkelheit taumelte...
Der Prolog des hl. Johannes, der uns bekannt ist als Schlussevangelium in der Hl. Messe, erinnert uns jedes Mal von Neuem an diese Wahrheit:

„... Da ward ein Mann von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Dieser kam als Zeuge; er sollte Zeugnis geben von dem Lichte, auf dass alle durch ihn zum Glauben gelangten.
Er selbst war nicht das Licht, er sollte nur Zeugnis von dem Lichte geben ...“

Der Herr findet im Evangelium Worte hohen Lobes für seinen Vorläufer, er nennt ihn den größten unter den Menschenkindern.
Als Prophet steht der hl. Johannes noch im Alten Bund. Als raue und komplexe Person, die lauen Gewohnheiten aller Zeiten geißelnd, ist er gewissermaßen der Prototyp, das Modell für alle Zeugen Gottes, die immer einen gewissen Widerspruch ausgelöst haben. Damals wie heute, versucht man, die von Gott kommende Wahrheit, welche an sich klar und deutlich ist, der Welt und ihrem Geist anzupassen. Dem tritt der Prophet entschieden entgegen! „Bereitet den Weg des Herrn, machet

gerade seine Pfade. Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden!“

Vor dieser nahezu „radikalen“ Aufforderung erbleicht unser “Pantoffelchristentum”, kommen unsere angenehmen Frömmigkeits- übungen ins Schwanken.
Sind wir aufgrund unserer Überzeugung und unseres Glaubens schon mal Gegenstand von Gelächter geworden, von spöttischem Mitleide...?

“Wehe, wenn alle gut über euch reden werden” - Seit den Worten des Propheten sind über 2000 Jahre verstrichen. Was würde er sagen, welche Worte würde er in den Mund nehmen, wäre er heute unter uns...?!
Er, der zum Ehebruch des Herodes ganz klare Worte fand: “Es ist dir nicht erlaubt...!” sandte ihm keine Brieftaube mit der Nachricht: “Wir sind alle Brüder... oder wer bin ich, um jemanden zu verurteilen...!” Sondern: “Es ist dir nicht erlaubt...!”
Eine heilige Klarheit, die hervorquillt aus der göttlichen Gerechtigkeit, und letztendlich, aus seiner barmherzigen Güte, denn “Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe!”

Damit wir uns bekehren und dem Glauben gemäß leben können, damit wir uns gut vorbereiten können auf das Kommen des Herrn, müssen wir die Ratschläge seines Vorläufers befolgen, die auch in der heutigen Zeit ihre konkrete Bedeutung beibehalten haben!
Es geht darum, dass wir unsere Fehler verbessern, unsere Schwachheiten besiegen, das christliche Leben nicht einschränken auf die notwendigen Pflichten. In wenigen Worten müssen wir alles ausreißen, was in uns die Heiligung der Seele verhindert!
Das Leben ist ein fortlaufender Kampf, eine Schlacht, die wir in vorderster Linie gegen uns selbst führen müssen. Wir müssen uns also wappnen mit den mächtigen und wirksamen geistigen Waffen, die wir zur Verfügung haben, vor allem den Rosenkranz und das Opfer, das Gebet und die Buße. Bereiten wir uns vor, Zeugnis abzulegen für unseren Glauben, allein schon durch das Beispiel eines wahrhaft christlichen Lebens.

Zu den Zeiten des Vorläufers taumelte die Welt im Dunkeln, heute befindet sie sich gleichsam von neuem umhüllt von einer großen Finsternis, am Rande des Abgrundes. Die Kirche, der Mystische Leib Christi Unseres Herrn, ist aufs Tiefste erschüttert durch eine furchtbare Krise, Opfer von menschlichen Machenschaften, die alles auszulöschen drohen, was ehrbar und heilig ist.
Folgen wir also der Aufforderung des hl. Johannes des Täufers: bereiten wir die Wege des Herrn, bei uns selbst beginnend!
Auf diese Weise können auch wir Zeugen werden von unserem Herrn, teilnehmen am Werk der Erlösung, das die göttliche Vorsehung im Laufe der Zeit auf geheimnisvolle Weise fortführt!

Die allerseligste Jungfrau Maria wandte sich in Fatima an die Seherkinder mit dem Aufruf um Gebet und Buße! Beten wir also, und opfern wir uns auf für unsere eigene Heiligung und die Bekehrung der Sünder!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr P. Elias Stolz

Quelle: Gottesdienstordnung • Dezember 2019 • Kirche St. Thomas v. Aquin • Graz