Erzbischof Lefebvre und die Sedisvakantismus-Krise

06. Januar 2015
Quelle: Distrikt Deutschland

Im Jahr 1983 machte die Priesterbruderschaft St. Pius X. eine schwere Krise durch. Die ältesten amerikanischen Mitglieder der Priesterbruderschaft, der Distriktobere und der Regens des Seminars eingeschlossen, erhoben sich gegen den Gründer.

Sie erhoben im Bereich der Lehre und der Liturgie Vorwürfe gegen ihn, vor allem aber wegen seiner Position hinsichtlich des Papstes. Für sie hatte der Papst, der Nachfolger Petri, nicht mehr Autorität als irgendein Ungläubiger, und man schuldete ihm keinerlei Beachtung. Erzbischof Lefebvre hatte bis dahin allzu große Nachsicht geübt, nun handelte er entschlossen: er verlor einen ganzen Distrikt, dutzende von Seminaristen und hunderte Gläubige. Energisch wies er den schismatischen Geist zurück, den diese förderten, und rief seine Priester auf, loyal zu bleiben. Das Gleiche trifft für die Katholizität der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu.

„Viele unserer Mitbrüder in den Vereinigten Staaten hatten diesen Geist, diesen sedisvakantistischen Geist, und ich habe sie vor drei oder vier Jahren sogar einen Brief unterschreiben lassen. Ich habe sie eine Verpflichtung unterschreiben lassen, dass sie nicht mehr offen, in der Öffentlichkeit, gegen den Papst sprechen würden, und zwar dauerhaft, dass sie nicht mehr sagen würden, es gäbe keinen Papst, dass dieser Papst häretisch sei, und dass sie es akzeptieren würden, auf die Frage der Leute ‚Gibt es nun einen Papst oder gibt es keinen Papst?‘ die Antwort zu geben, welche die Priesterbruderschaft gibt. Da haben sie dann eine Nacht lang überlegt, ob sie das annehmen oder ob sie es nicht annehmen. Und da habe ich ihnen gesagt: ‚Wenn Sie nicht annehmen, dann sind sie morgen nicht mehr in der Priesterbruderschaft, dann stehen sie außerhalb der Priesterbruderschaft! Ich habe genug von den Beschwerden, alle Gläubigen beschweren sich bei mir, schicken mir Briefe: ‚Ist das die Position der Priesterbruderschaft, dass es keinen Papst gebe, dass es keine Sakramente mehr gebe?‘ Dabei ist das ganz und gar nicht unsere Position, was unsere Mitbrüder gepredigt haben. Ich habe gesagt: Ich habe genug davon. ‚Schluss damit, ich will, dass das aufhört!‘ So haben sie dann am folgenden Tag das Papier unterschrieben. Sie haben sich mehr oder weniger daran gehalten, jedenfalls dem Anschein nach, aber privat, für sich, war ihre Einstellung noch immer dieselbe, ihre Gefühle waren noch immer dieselben. Ihre Gefühle haben sich nicht verändert. Nicht nur, dass sie ihre Gefühle nicht geändert haben, sondern – das habe ich erst neulich erfahren – der Regens im Seminar, Pater Sanborn, dem ich meine Seminaristen anvertraue, die doch Seminaristen sind, welche zur Priesterbruderschaft kommen, die Vertrauen zu mir haben, die in unser Seminar der Priesterbruderschaft kommen – ich vertraue sie Pater Sanborn an, der Vorträge gegen die Liturgie hält, die in Ecône gefeiert wird, um zu beweisen, dass die Liturgie, die in Ecône gefeiert wird, schlecht sei! Hören Sie, also so geht das ja nicht. Ich war durchaus tolerant, und jetzt stelle ich fest, dass ich im Grunde unrecht hatte, tolerant zu sein […].

Ich habe gesagt: ‚Hören Sie, es tut mir sehr leid‘ – es gab kein Geschrei, es gab keinen Streit, das Ganze geschah sehr ruhig – ‚hören Sie, was mich angeht, so ist jetzt Schluss. Diese ganze Angelegenheit dauert nun schon zehn Jahre. Ich habe Sie beobachtet, ich kenne Sie, ich habe mit Ihnen gesprochen, und ich sehe sehr wohl, dass jedes Mal, wenn ich hierher kam, die Atmosphäre immer unangenehm war. Man spürte ständig Opposition, Verhärtung und Misstrauen der anderen Seite gegen mich und gegen die Priesterbruderschaft. Das war ganz und gar nicht einfach, alles lief hintenherum, etwas geschah hintenherum, das nicht mit dem Geist der Priesterbruderschaft übereinstimmte. Ich habe gesagt: ‚Das dauert nun zehn Jahre, so kann es nicht weitergehen. Und nun treiben Sie die Dinge auf die Spitze mit dem Ungehorsam, zu dem Sie die beiden jungen Priester verleiten. Und nun, mit dieser Forderung, nehmen Sie in Amerika das Heft in die Hand, und dann verlangen Sie von uns, dass wir dieses oder jenes tun sollen. Ich habe gesagt: Nein, es ist aus! Lieber verliere ich alles in den Vereinigten Staaten, wenn es sein muss, das ganze Apostolat, alles, und beginne wieder ganz von vorn, als dass ich mich vor einer solchen Situation befinde! Das ist nicht möglich, das ist absolut unmöglich! Tun Sie, was Sie wollen, aber für uns ist das jetzt vorbei, Schluss! Es geht nicht mehr! […].‘

 

Ich will kein Schismatiker sein. Sie jedoch sind praktisch Schismatiker, denn sie erkennen den Papst nicht an, sie beten nicht für den Papst, es gebe kein gültiges Sakrament, und sie wollen die Liturgie Johannes’ XXIII. nicht anerkennen, welche die tridentinische Liturgie ist. Also sagen sie dann, Papst Johannes XXIII. sei nicht Papst gewesen. Und wie weit geht man da? Also, Papst Pius XII. – denn sie akzeptieren die Liturgie Pius’ XII. für die Karwoche und Ostern nicht –, war also Pius XII. auch kein Papst? Also, wie weit soll das alles gehen? So geht das nicht, das ist verrückt, man denkt nicht mehr nach... Also, das ist nun wirklich das Schisma.

Ich möchte einerseits nicht, dass sie alle Gläubigen in meinem Namen, im Namen der Bruderschaft, im Namen Erzbischof Lefebvres ins Schisma mitreißen. So etwas kann ich nicht zulassen. Ich will nicht, dass die Menschen Häretiker werden, aber ich möchte auch nicht, dass sie Schismatiker werden. Wir wollen in der katholischen Kirche bleiben. Und das verstehen die Leute sehr gut. Wenn wir dort unten zehn Priester hätten, die die Dinge dort wieder zurechtrücken würden, dann würden alle Leute bei uns bleiben, die meisten, 90 %... Die Leute begreifen diese Dinge sehr wohl. Sie wollen auch keine Schismatiker werden. Sie wollen sich nicht vom Papst trennen. Sie wollen nicht sagen, dass es keinen Papst gebe. Sie wollen sehr wohl, dass wir mit dem Papst nicht einig sind, wie wir ja eben nicht einig mit ihm sind, aber sie wollen nicht, dass es keinen Papst gibt. Das akzeptieren sie nicht.“