Drittorden: Rundbrief Nr. 47

20 Dezember, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

47. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Gelobt sei Jesus Christus! Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.!

Das Jahr 2020 ist für alle Mitglieder, Gläubigen und Freunde der Priesterbruderschaft St. Pius X. ein Jubiläumsjahr. Am kommenden 1. November 2020 feiern wir den 50. Jahrestag der kanonischen Errichtung der Bruderschaft durch den damaligen Diözesanbischof von Fribourg in der Schweiz Mgr. François Charrière (1893-1976). Damit erkannte die Kirche die Gründung von Erzbischof Marcel Lefebvre an. Am 18. Februar 1971 schickte der Kardinalpräfekt der Kongregation für den Klerus ein Schreiben, welches das vollbrachte Werk lobte. Bereits seit Oktober 1969 studierten die ersten Seminaristen, die sich um den künftigen Gründer der Bruderschaft geschart haben an der katholischen Universität der Stadt Fribourg. Der Erzbischof bringt sie in wechselnden Häusern unter. Sie bitten um eine wirklich katholische, geistliche Ausbildung. Es lohnt sich, einen kurzen Blick auf die ersten Rundbriefe des Erzbischofs an die Freunde und Wohltäter zu werfen, um zu erkennen, welch ein schönes Ideal unserem geliebten Erzbischof mit seiner Gründung vorschwebte. Hier einige Zitate:

„Wir haben keinen anderen Ehrgeiz, als heilige Priester heranzubilden, so wie sie Unser Herr herangebildet hat. Die heiligen Traditionen der Kirche sind einfach und klar auf diesem Gebiet, das ihr wesentliches ist.“ (Aus dem Rundbrief von Erzbischof Marcel Lefebvre an die Freunde und Wohltäter Nr. 1 vom 1. November 1971)

„Die Bildung, die die Seminaristen erhalten, ist, was die Lehre und den Geist betrifft, diejenige, die von jeher in der Kirche vermittelt wurde. Wir legen besonderes Gewicht auf die Gesinnung. Deshalb geht den fünf Jahren Philosophie und Theologie ein Jahr der Spiritualität voraus. Die Liturgie spielt im Leben unseres Priesterseminars eine sehr große Rolle. Sie wird nach den kirchlichen Traditionen vollzogen. Die Sprache ist Latein. Der gregorianische Gesang steht hoch in Ehren. Das heilige Messopfer ist das Herz des Seminars, denn vor allem dafür werden die zukünftigen Priester ausgebildet. Sie wissen, dass der Priester für das Opfer am Altar bestimmt ist.“ (Aus dem Rundbrief von Erzbischof Marcel Lefebvre an die Freunde und Wohltäter Nr. 2 vom 1. März 1972)

„Unsere Zukunft liegt in Gottes Händen. Er wird mit diesen Priestern tun, was Ihm beliebt. Sie werden aus den reinsten Quellen des kirchlichen Lehramtes geformt, dem Sitz und dem Priestertum Petri in Rom aus ganzem Herzen verbunden, beseelt von einem wahrhaft priesterlichen Geist, der sich aus dem heiligen Messopfer, wie es das Konzil von Trient für alle Zeiten definiert hat, aufbaut und Männer eines lebendigen Glaubens schafft, die an die Kraft des Messopfers und an die Gnade der Sakramente glauben. So werden sie vorbereitet sein, an allen Orten und in jeglicher Gesellschaftsschicht Aufgaben zu übernehmen. Denn es sind Priester von dem Schlag, wie sie die Gläubigen und die Ungläubigen mit Ungeduld erwarten.“ (Aus dem Rundbrief von Erzbischof Marcel Lefebvre an die Freunde und Wohltäter Nr. 3 vom 1. November 1972)

Bischof François Charrière von Fribourg war überzeugt, dass dieses neue Institut einen großen Gewinn für die katholische Kirche bringen würde, und erteilte so seine offizielle Genehmigung. Das wahre Ziel dieser neuen priesterlichen Gemeinschaft wurde jedoch nach kurzer Zeit missverstanden. Immer mehr kirchliche Autoritäten dachten, dass Erzbischof Marcel Lefebvre sich gegen den Papst wandte, weil er ausschließlich den alten lateinischen Ritus der Messe in seinem Seminar zuließ.

Mgr. Bernard Tissier de Mallerais, einer der ersten Seminaristen in jener Zeit, berichtete vor kurzem in einem Interview: „Ich kann mich gut an den Vorabend des 1. Advent 1969 erinnern: Msgr. Lefebvre sagte uns: „Morgen kommt eine neue Messe“. Und er fragte uns: „Was wollen wir tun?“ – als wenn er nicht gewusst hätte, was er tun sollte! Und er gab die Antwort: „Wir behalten die alte Messe, nicht wahr?“ Wir Seminaristen waren alle einverstanden, denn dazu waren wir ja gekommen. In der Tat es handelte sich in dieser Frage nicht nur um die hl. Messe, sondern um eine allgemeine Revolution, die im Gegensatz stand zur ganzen Tradition der Kirche.“

Erzbischof Lefebvre beteuerte stets seinen Respekt und seine Ehrfurcht für den Heiligen Vater. Bald begann die turbulente Geschichte unserer Bruderschaft. Nach 50 Jahren sehen wir mehr denn je Gottes Segen über seinem Werk.

Liebe Terziaren, liebe Freunde! Wir wollen im kommenden Jahr besonders auf das Leben und Beispiel unseres verehrten Gründers Erzbischof Lefebvre blicken. Nehmen Sie gerne die von Mgr. Tissier verfasste Biographie über ihn in die Hand und lesen sie gerne auch wieder die Schriften des Erzbischofs selbst! Es ist wichtig für unser Apostolat den Gründer selbst gut zu kennen und was er mit seiner Gründung beabsichtigt hat.  Haben wir in diesem Sinne auch immer die Worte aus der Grundsatzerklärung von 1974 vor Augen:

„Die einzige Haltung der Treue gegenüber der Kirche und der katholischen Lehre besteht, um unseres Heiles willen, in der kategorischen Weigerung der Annahme der Reform. Deshalb setzen wir unser Werk der priesterlichen Ausbildung unter dem Stern des Lehramtes aller Zeiten fort, ohne Bitterkeit, Rebellion oder Groll. Wir sind davon überzeugt, dass wir der heiligen katholischen Kirche, dem Papst und den zukünftigen Generationen keinen größeren Dienst erweisen können.“

Der 3. Orden der Priesterbruderschaft ist ein wesentlicher Teil unserer ganzen Familie. Von Ihrem Streben nach Heiligkeit, Ihrer Treue und Ihrer apostolischen Gesinnung hängt viel ab für das Wohl der Bruderschaft und der ganzen heiligen Kirche. Nützen wir alle dieses Jubiläumsjahr zu einer guten geistlichen Erneuerung unsererseits, zu neuem Eifer, Gottes heiligen Willen immer besser und treuer zu erfüllen. Wir wollen unsere geistlichen Pflichten besser erfüllen, unser Gebetsleben gut pflegen. Ganz besonders möchte ich Sie an die regelmäßige heilige Beichte erinnern. Bitte nutzen Sie das kommende Jahr auch aus, wieder einmal Exerzitien zu besuchen, sofern sie in den letzten Monaten keine gemacht haben.

Die verheirateten Terziaren mögen sich in der Gewissenserforschung prüfen, wie es um ihre familiären Verpflichtungen steht. Ist das eigene Heim wirklich ein Heiligtum der Herzen Jesu und Mariä? Wird das Beispiel der Heiligen Familie von Nazareth wirklich nachgeahmt?

Die im Berufsleben stehenden oder sonst in der Gesellschaft wirkenden mögen sich immer wieder fragen, was sie tun, um das Soziale Königtum unseres Herrn Jesus Christus in der Gesellschaft zu errichten, zu verteidigen.

50 Jahre nach der fürchterlichen sogenannten Liturgiereform geht es für uns erneut auch darum, die einzigartige Wichtigkeit des hochheiligen Meßopfers und seines Geheimnisses wieder zu entdecken, um darin die Quelle unseres christlichen Lebens zu finden, das eben ein Leben des Opferns und des Miterlösens sein soll, wie es die Regeln für den 3. Orden ganz klar sagen.

Beten wir für neue Mitglieder; in den letzten Wochen haben die fünf ersten Kandidaten in Kroatien ihr Postulat begonnen. Somit ist der 3. Orden in allen Ländern unseres Distrikts vertreten. Auch in Innsbruck hat eine gute Zahl an Kandidaten zum Fest Mariä Empfängnis mit dem Postulat begonnen. In Tschechien ist das Werk mittlerweile auch gut gewachsen.

Beten wir sodann auch für unsere verstorbenen Terziaren. Ich möchte ausdrücklich hier die im letzen Jahr verstorbenen anführen, Herrn Johann Haslwanter aus dem Priorat Innsbruck und Frau Susanna Hornegger aus Salzburg.

Ich wünsche Ihnen allen eine frohe und gnadenreiche heilige Weihnachtszeit. Wir wollen das Christkind, den wahren und ewigen Hohenpriester, unseren Heiland bitten, er möge uns tiefer und tiefer in Geist und Haltung der hl. Drei Könige einführen, damit wir in der Anbetung Gottes uns und unsere irdischen Armseligkeiten leichter vergessen, aber auch unsere inneren und äußeren Nöte überwinden können. Haben wir ein großes katholisches Herz, das die ganze Kirche immer vor Augen hat! Mögen der hl. Josef und die allerseligste Jungfrau Maria uns da auch gut zu diesem Ziel führen.

Mit meinen priesterlichen Segenswünschen!

Ihr

P. Johannes Regele

Wien, am Quatembermittwoch im Advent, 18. Dezember 2019