Drittorden: Rundbrief Nr. 45

29 Juni, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

45. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.,    

nicht selten widerfährt dem Dritten Orden eine etwas mangelnde Wertschätzung, obwohl die Zugehörigkeit eine besondere Berufung beinhaltet und eine große Gnade für die Seele darstellt, die sich ihm anschließen. Nicht von ungefähr hat unser Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre schon bald nach der Stiftung der Priesterbruderschaft St. Pius X. einen Dritten Orden vom hl. Pius X. ihr angefügt. Sein kirchlicher Geist, seine Erfahrung im geistlichen Beruf und im geistlichen Leben, sein Weitblick als Missionar, Priester, Bischof – Missionsbischof, als Delegat des Apostolischen Stuhles hat ihn gelehrt, einen Dritten Orden noch höher zu schätzen als er es bereits zurzeit seiner Jugend tat und früh dem Dritten Orden des hl. Franziskus beitrat. Sowohl für die einzelnen Seelen – das erste Hauptziel eines Dritten Ordens ist ja die eigene Heiligung und die Heiligung jener Seelen, welche den  Mitgliedern des Dritten Ordens anvertraut sind (vgl. Regel 1 der Regeln für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X.) – als auch für die Kirche, für die Festigung des religiösen Lebens wie für die kirchlichen Anliegen insgesamt, einschließlich Mission und Apostolat, für die geistigen Kämpfe und das Ringen in der Kirche und in der Gesellschaft, für den Glauben, für die Moral und die Gebote Gottes, für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen bildet der Dritte Orden einen starken Unterbau. Er sorgt wie eine Heerschar im Hintergrund für die Unterstützung, den geistig-geistlichen Nachschub der Fronttruppen; ohne diese Versorgungslinie wird – wir erleben es heute in vielen Bereichen in Staat und Kirche, Gott sei es geklagt! – die Streitmacht bald erlahmen und vielleicht sogar auseinanderfallen.

Erzbischof Lefebvre hatte diese bedeutsame Notwendigkeit erkannt, auch über die Priesterbruderschaft St. Pius X. und ihren Aktivitäten hinaus ein Regiment von Gläubigen zu sammeln, die durch Gebet und Opfer, Treue im geistlichen Leben und in eifriger Ordensgesinnung, durch guten Wandel und vor allem Vorbild die Werke der Bruderschaft in und für die Kirche stärken, unterstützen und begleiten. Daher hat der Gründer nicht umsonst die Regeln für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. selbst verfasst, sie ganz dem kirchlichen Geist und Gehaben der Tradition angepasst und sie dennoch so weit und milde gehalten, dass sie auch dem Teil der sog. modernen Menschen, der sich doch Glauben, Geist, Überzeugung und Ideal nicht nehmen lassen möchte, den Eintritt zum eigenen Nutzen der Seele wie zum Dienst in der Kirche und für die Seelen  ermöglichen. Daher waren sowohl die Regeln des Dritten Ordens wie die Voraussetzungen für den Eintritt, für das Postulat und vor allem die schönen Zeremonien der Professablegung auch die vorzüglichen Themen vieler Drittordensrundbriefe, vieler Vorträge bei Gesamt- und Regionaltreffen. Wie wichtig ist es doch, den Geist näher kennenzulernen, den kirchlichen und zugleich kämpferischen Geist angesichts der Krise der Kirche und des Glaubens, den Erzbischof Lefebvre dem Dritten Orden und damit auch allen Sodalen dieses Ordens vermitteln wollte. Da lernt man erst schätzen, was eigentlich so nahe liegt und zugleich so wertvoll, ja herausragend ist, da der Gläubige mit Gottes Gnade und unter der Leitung des Dritten Ordens an sich und für sich selbst an seiner eigenen Reifung, aber auch für den Glauben und die Kirche wirksam wird und im Dienste Christi für den Leib Christi an hervorragender Stelle beteiligt sein darf.

Was macht darüber hinaus den Dritten Orden und speziell unseren Dritten Orden vom hl. Pius X. so überaus wertvoll?

Zum einen verbindet er die verschiedenen Stände der Kirche und vereint dabei wie mit einer Schnur die diversen Einrichtungen der Kirche, die Stufen der Hierarchie, die vielen kirchlichen Aufgaben und Anliegen. Daher steht der Dritte Orden grundsätzlich ja allen offen, auch Priestern und Seminaristen, Ordensleuten und angeschlossenen Familiaren (Laien, die einem kirchlichen Haus angeschlossen  sind und dort für dieses Haus und die Kirche Dienst tun), Laien fast jeden Alters (ab 12 Jahren) und jeden Standes, jeden Berufes, jeder Bevölkerungsgruppe. Damit verbindet der Dritte Orden insbesondere sowohl Klerus wie Orden als auch Laien beiderlei Geschlechtes, ist gegenseitige Stütze, geistiges  Schutzseil, Hilfe in den Anliegen der Seele wie der Kirche, und zwar vorrangig in der geistig-geistlichen Not und Krise unserer Zeit. Menschen in der Welt mit einem Zug zum Ordensleben, d.h. zur Weihe im Sinne der Hingabe an den Dienst Gottes bereit, mit Sehnsucht nach einem vertieften Gebetsleben, mit Eifer für die Kirche und die Seelen – das macht den Dritten Orden aus.

Da dieser Dienst vor Gott, für die Kirche, für die Heiligung der eigenen wie der Mitmenschen und Anvertrauten in der Jetztzeit geschieht, in dieser Epoche der Geschichte und des kirchlichen Lebens, hat Monseigneur Lefebvre so viel Bedeutung darauf gelegt, auch im Ringen um Glaube und Kirche den guten Kampf zu kämpfen, hat den hl. Pius X. als vortrefflichen Schutzpatron gegeben – weil gerade bezüglich der heutigen Irrtümer bereits damals hellsichtigen Papst. Sich einfach nur ins Kämmerlein zurückziehen, im Herrgottswinkel beten und alles andere um sich herum quasi vergessen und abschalten, führt nicht zur Heiligung, zum Dienst vor Gott, für die Kirche und die Seelen, sondern zur Stagnation und Lähmung, nicht zur Bewährung und zum Wachstum, wie es Gottes Wille ist. Auch davor bewahrt der Dritte Orden, wenn man nicht nur statisch ihm angehört, sondern den Regeln, den Pflichten und dem Geiste des Dritten Ordens sich verpflichtet weiß und ihnen zu folgen bemüht ist. Die Regeln verlangen Gebet, Opfer und geistliche Regsamkeit, aber auch Treue im Zeugnis, im Beruf, im Stand, in den Geboten, in den Tugenden, im Alltag wie am Sonn- und Feiertag.

Welch ein Schatz liegt da vor uns? Welch ein Kleinod hat uns der Herrgott da anvertraut? Deshalb ist es so schade, dass nur verhältnismäßig wenige die verborgene Perle ergreifen, viele sich vor den ohnehin eigentlich nur sehr milde bemessenen Verpflichtungen abschrecken lassen oder ein tieferes geistliches Laien- und zugleich Ordensleben auf die ja gar nicht einmal sichere Zeit ihrer späteren Pension verschieben. Wer einen Schatz erkennt, ihn dann aber liegen lässt, muß sich nicht wundern, wenn er ihn vielleicht später einmal nicht mehr findet. Seien wir, die wir ihn gefunden haben, darum dankbar für ihn, halten wir ihn hoch in Ehren mit Herz und Sinn. – Der Herr wird durch den Dritten Orden uns dafür Gnade, Kraft und Segen erteilen, damit wir in dieser schweren und doch gerade deshalb auch gnadenschweren Zeit treu bleiben, denn – wie der Herr es ja bekanntlich nachdrücklich verkündete – wer ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.

Ihr

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 31. Mai 2019, Fest Mariä Königin