Drittorden: Rundbrief Nr. 42

14 Juni, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

42. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.

In den letzten Rundbriefen wurde der Ablauf und der Inhalt der Professablegung auf den Dritten Orden vom hl. Pius X. beschrieben und etwas näher erklärt, mit deren Abschluss wir uns diesmal befassen wollen, um diese Anmerkungen und Ausdeutungen zum Versprechen und damit zur vollen Mitgliedschaft im Dritten Orden abzurunden. Vorbereitet durch eine Predigt über die große Gnade des Dritten Ordens und einer Profess im Dritten Orden , durch die Anrufung des Hl. Geistes, die Segnung von Kreuz und Medaille, die Bitte zur Allerseligsten Jungfrau um ihren Beistand und ihre Hilfe mit der Lauretanischen Litanei erfolgt die eigentliche Professablegung und deren Annahme durch den beauftragten Priester. Dann überreicht der Zelebrant dem neuen Mitglied des Dritten Ordens die vor der Profess bereits geweihten heiligen Gegenstände, nämlich eine Medaille vom hl. Pius X., des Patrons der Priesterbruderschaft und unseres Dritten Ordens, und ein Kreuz. Dies sollen einerseits sicherlich Erinnerungsstücke an diese heilige Stunde der Versprechensablegung sein, aber genauso sicher auch Zeichen und Merkmal des Standes, dem sich der Sodale mit der Profess und dem Eintritt in den Dritten Orden vom hl. Pius X. verschrieben hat.

Die Medaille steht für den besonderen Schutz des Patrons, unter dessen Schirmherrschaft sich der ganze Dritte Orden und eben auch jedes einzelne Mitglied gestellt hat. Der Zelebrant segnet den Empfänger mit der geweihten Medaille und übergibt sie ihm mit den Worten:

„Empfange diese Medaille, die Dich dem besonderen Schutz des heiligen Papstes Pius X. anheimstellen soll. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Dabei rufen wir den hl. Pius X. nicht nur einfachhin als Fürbitter, als Heiligen, als einflussreichen Fürsprecher bei Gott an und um seine Schutz, sondern schon mit seinem Schutz zugleich seine Hilfe, den ihn auszeichnenden Eifer und den Mut für den geistigen Kampf in der heutigen Kirchenkrise, im Ringen gegen die modernen Irrtümer in Kirche und Welt, im unausgesetzten Bemühen um den Wiederaufbau in der Kirche, für die Rettung der Seelen und in der Treue zu Glauben und Gnade, im steten Bemühen um die Gebote Gottes und die Bewahrung übernatürlichen Geistes im Christentum und in unserem eigenen christlichen Leben. Die Medaille ist also nicht nur ein Andenken, sondern wie schon das Patronat des heiligen Pius X. für die Bruderschaft und den Dritten Orden ein Programm, ein Auftrag, eine Gesinnung und auch ein Standpunkt im Leben unserer Kirche in dieser Zeit. Daher ist die Medaille nicht nur ein Erinnerungszeichen, sondern mit dem Segen bei der Übergabe auch ein Leitgedanke unseres Daseins für Gott, die Kirche und im Dienste der Seelen; das soll durch die Medaille versinnbildet werden, mit der wir in der Nachfolge des hl. Pius X. für diese Aufgaben ermutigt und gesegnet werden.

Vervollständigt wird diese Sendung des Dritten Ordens zur eigenen Heiligung, zum kraftvollen, zeugnisgebenden Ringen für die Kirche, im Einsatz für Glauben, Tugend, Gebote und letztlich die unsterblichen Seelen durch die Übergabe des Kreuzes, denn nur im Kreuze Christi ist Heil:

„Empfange das Kreuz des Heilandes. Es soll Dein Herz mit einem unauslöschlichen Merkmal bezeichnen. Es möge Dir Schutz sein und Dich zum Sieg führen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Das christliche Leben und zumal das Leben eines besonders gottgeweihten Menschen ist nun einmal vom Kreuz geprägt, nicht nur und ausschließlich – der Herrgott schenkt auch viele Freuden, Gnaden, Tröstungen –, aber doch wesentlich. Und zwar so wesentlich, dass es wie ein unauslöschliches Merkmal, ähnlich den Siegeln, die wir in den Sakramenten der hl. Taufe und der hl. Firmung erhalten, sich unserer Seele quasi einbrennen soll: Diese Seele gehört Jesus, und zwar Jesus dem gekreuzigten Erlöser und Heiland! Sein Kreuz, Seine Verdienste, Seine Liebe bietet Schutz gegen die Sünde, den Widersacher, die Irrtümer, auch gegen die eigene Schwachheit und Leichtfertigkeit. Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Sieg: „In der Welt habt ihr Drangsal, doch seid getrost: Ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16/33) Und das ist es, was wir zur Stärkung im Guten auf das Ewige hin brauchen: „Alles, was aus Gott geboren ist (durch die Gnade, die uns nach dem Sündenfall nur durch das Kreuz Christi wieder zuteilwird), besiegt die Welt; und das ist der Sieg, der die Welt überwindet: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt besiegt, wenn nicht jener, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht im Wasser (der Taufe) allein, sondern im Wasser und Blut (des Kreuzes).“ (1. Joh.5, 4 – 6) Pater Pio hat dies einst so ausgedrückt und als Ordensmann gerade uns Ordensleuten zugerufen: Jesus ist niemals ohne das Kreuz, und das Kreuz ist niemals ohne Jesus… Um eines beneiden uns selbst die Engel: Nicht für Gott leiden zu können. Nur dies (das Kreuz, der Schmerz) erlaubt einer Seele mit Gewissheit sagen zu können: Mein Gott, Du siehst, dass ich Dich liebe! … Und solange ein Tropfen Blut in unseren Adern fließt, solange wird der Kampf zwischen Gut und Bös dauern.“ Für diesen Kampf, für dieses Ringen erhält der Professe das Kreuz und mit dem Kreuz den Segen. Und er weiß, dass dies so seine Richtigkeit hat und erklärt zu dem allen seine Bereitschaft, was Medaille und Kreuz ihm sagen und ihm segnen. Deshalb antwortet er hier und zum Abschluss seines Versprechens und der ganzen Zeremonie der Profess mit einem einzigen zustimmenden Wort:

„Amen.“

Sodann wird im Normalfall, wenn – wie üblicherweise vorgesehen – die Profess im Rahmen einer hl. Messe stattfindet, nun die hl. Messe mit dem Offertorium fortgesetzt und geht der unblutigen Erneuerung des Kreuzesopfers Unseres Herrn auf dem Altar entgegen. Anteil an Jesus gewinnt der neue Sodale aus der Frucht des hl. Opfers, der heiligen Kommunion, wo er den Gekreuzigten und siegreich Auferstandenen in sich, in seinen Leib und mehr noch in sein Herz und seine Seele aufnimmt! Daher ist es für gewöhnlich sehr erwünscht, wenn das neue Mitglied in dieser Professmesse Jenen in der hl. Kommunion empfängt, Dem es sich gerade zuvor im Versprechen geistig hingegeben hat.

Die gesamte Feier soll sodann am Ende der hl. Messe mit dem Magnifikat mit den dafür angeführten Orationen zur allerseligsten Jungfrau und vom hl. Pius X. ihren Ausklang und ihre Vollendung finden, worüber der nächste Rundbrief noch berichten soll.

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 8. Juni 2018