Dreitägige Fußwallfahrt von Föhrenau nach Mariazell

13. August 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Wallfahrt JA! - aber was machen mit der schier unerträglichen Hitze? Am Montag, 25. Juli, dem „Jakobitag“, sprach man von einem der heißesten Tage des bisherigen Hitzesommers bei 35 Grad Celsius! Überhaupt wurde in diesem Monat Juli das doppelte an Hitzetagen als sonst üblich verzeichnet.

Die plötzliche „Stimmungsänderung“ von Montag auf Dienstag kann man sich in frommer Gesinnung wohl so vorstellen: Jakobus, der Patron der Wallfahrer, im römischen Heiligenkalender am 25. Juli verzeichnet, hatte sich wohl an die himmlischen Mächte gewandt und sprach: „Das kann nicht so weitergehen! Morgen ist Wallfahrt nach Mariazell!“ Der Patron ward erhört und Sankt Anna, die Heilige des 26. Juli und Patronin gegen Gewitter, sorgte für einen linden Sommerregen bei angenehmen Temperaturen. Kein Donner und Blitz bedrohte die 38-köpfige Pilgerschar aus Österreich und Ungarn. Deo gratias! Das war wirklich Hilfe von oben!

Die Feldmesse um 6 Uhr in Föhrenau konnte wegen des Regens noch schnell unter die Hausveranda verlegt werden, sodass Priester und Gläubige ein Dach über dem Kopf hatten. Das fürstliche Frühstück bei Familie Stiglmair und der Aufbruch erfolgten ohne Verzögerung. Welch ein Segen die Sprache der Kirche, die die Österreicher und Ungarn beim gemeinsam lateinisch gebeteten Rosenkranz verband! Keine Nation brauchte sich bevorzugt oder benachteiligt fühlen! Die Sprache der Kirche erwies sich als völkerverbindende Brücke.

Wäre so mancher Pilger bereits nach den ersten drei Stunden Fußmarsch durch die trockene Ebene des Steinfeldes mehr oder weniger „fertig“ gewesen, von Durst und erster Erschöpfung geplagt, so waren es jedenfalls die meisten Pilger trotz günstigen Wetters am Ende des Tages nach über 40 km Marsch mit Gepäck. Das auf die Wallfahrer wartende Massenquartier auf der Maumauwiese, oberhalb von Puchberg am Schneeberg gelegen, war noch dazu nicht so ganz bequem. Aber eine richtige Wallfahrt ist mit Buße verbunden! So war das immer die Auffassung der früheren Generationen.

Der zweite Tag von der Maumauwiese über die Hubertuskapelle in Vois nach Schwarzau, dann vom steil ansteigenden Weg zum „Gscheidl“ bis zum schier nicht enden wollenden „Hatscher“ entlang der munter plätschenden „Stillen Mürz“ bis Frein verlangte manches mal ein „Durchbeißen“. Das komfortable Quartier und die freundliche Bedienung im „Freinerhof“ waren eine ersehnte Belohnung für die Strapazen.

Der dritte und letzte Tag brachte einen Zuwachs an Pilgern, insbesondere einige Eltern mit kleinen Kindern, die sich dem Gang zu unserer Lieben Frau von Mariazell anschlossen. Vom „Freinerhof“ ging's über eine wunderschöne Almwiese mit einer erfrischenden Wasserquelle zum „Mooshubenwirt“ und weiter bis zum letzten Anstieg über den Kreuzberg nach Mariazell. 

Oben angekommen steht der Wanderer vor einem großen Bildstock mit einem offenen Torbogen. Bei den Eltern und Großeltern hieß es: „Wer durch diesen Torbogen geht, findet einen Partner und wird bald heiraten.“ Das heißt: Gibt es unter den Wallfahrern ein Paar, von dem man annehmen kann, dass es zusammenpasst, muss es gemeinsam durch das Tor gehen. Oft wird von guten Freunden auch etwas nachgeholfen. Wie schon in den vergangenen Jahren, so hatten auch wir heuer wieder junge Paare, die das Tor durchschritten… 

Vom Bildstock zogen die 62 Wallfahrer in Zweierreihe geordnet betend und singend durch den Ort zur Basilika und vor den Gnadenaltar. Knieend konnten sie nun der Gnadenmutter ihr Herz öffnen und sich auf's Neue ihr anvertrauen.

Infolge des päpstlichen Schreibens „Traditionis Custodes“ wurde die Zelebration der tridentinischen Messe seit einem Jahr in der Basilika und in der Michaelskapelle unmöglich gemacht. Darum marschierte die Pilgerschar steil bergauf zur Kreuzigungsgruppe oberhalb der Basilika, um dort die hl. Messe zu feiern. Erinnert uns das nicht ein wenig daran, wie der Heiland vom Hohepriester und von den Schriftgelehrten und Pharisäern verbannt, außerhalb der Mauern Jerusalems sein Opfer vollbrachte? Ähnlich dürfen die glaubenstreuen Katholiken ihrem Herrn und Meister folgen und vom Papst, den Bischöfen und anderen Amtsträgern der Kirche verstoßen, das hl. Opfer, die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers Christi, außerhalb der Mauern feiern.

Allerdings tut sich hinter dem provisorisch aufgebauten Altartisch und den drei mächtigen Kreuzen die herrliche Bergkulisse Mariazells auf und kündet die Auferstehung! Diese Komposition finden wir bei den Apsismosaiken oder -fresken der altehrwürdigen Kirchen: sie eröffnen den Blick in den Himmel! Nach der Passion kommt die Auferstehung - das ist die frohe Botschaft! Courage, also! Wir stehen nicht am Ende der Kirche, sondern vor der Auferstehung derselben! Wer sollte sich inmitten der Prüfung nicht freuen, wenn er an die Zukunft denkt?

Die Pilger dürfen den himmlischen Mächten für die vielen empfangenen Wohltaten und Gnaden danken! Für die Organisation gebührt ein großer Dank und ein herzliches Vergelt's Gott der Familie Jeindl!

So Gott will, wird die Fußwallfahrt zu unserer Lieben Frau von Mariazell nächstes Jahr wieder stattfinden und wir können in den großen und kleinen Anliegen bitten und danken. 

Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib! Amen!