Dramatische Gründung in Ungarn

15. Oktober 2020
Quelle: Distrikt Österreich
Frau und Herr Kessel, Pater Wilhelm und Pater Simon in der Kapelle in Farkasgyepü

Am 17. August treffen P. Wilhelm und ich uns mit unseren Klerikerfreunden, einigen Priestern und einem Diakon aus der Erzdiözese Veszprém, mit welchen wir seit einem Jahr enge Kontakte pflegen. Damals wandten sie sich an uns mit der Bitte, sich uns anschließen zu dürfen, da sie befürchteten, aufgrund ihrer Traditionstreue aus dem Diözesandienst entlassen und suspendiert zu werden. Denn in der Diözese stehen die Zeichen auf Sturm! Der ehemalige Erzbischof war als einziger Bischof in Ungarn den „Tradi-Priestern“ gegenüber tolerant. Sein Nachfolger hingegen erweist sich seit einem Jahr als leidenschaftlich tyrannischer Unterdrücker jeglicher traditionellen Tendenzen.

Zwei Pfarrer, Simon Gábor und Aradi Lászlo, deren Pfarreien „zufällig“ in der Nähe des uns geschenkten großen Anwesens in Farkasgyepü liegen, sind willens, mit den beiden Patres Wilhelm und Tilošanec die Gemeinschaft des geplanten Vor-Priorates zu bilden, mit uns zusammenzuarbeiten und die FSSPX als ihre neue kirchliche Autorität zu akzeptieren. Diakon Kopácsi Máté, aus der Pfarrei von Pfr. Simon stammend, wechselt im September in unser Priesterseminar Zaitzkofen über. Unsere ungarischen Klerikerfreunde sind sich des Ausmaßes der Krise bewusst, haben die Problematik des Vatikanums II. eingehend studiert, sind theologisch gut gebildet, beschäftigen sich seit langem mit der traditionellen theologischen Literatur. Sie bezeugten uns, dass ein wahres priesterliches Apostolat und eine Erneuerung der Kirche (in Ungarn) im Rahmen des Diözesandienstes nicht mehr möglich seien. Sie geben ihr Bestes, haben an Sonntagen volle Kirchen und hoffen, nach ihrer Entlassung möglichst viele Gläubige bei der Tradition halten zu können. Darum wollen sie die Pfarrei auch nicht aus eigenem Antrieb verlassen, sondern warten auf ihren „Rausschmiss“, der nicht lange auf sich warten lässt, da sie zu keinen faulen Kompromissen [1] bereit sind.

Am 21. August ist es dann soweit: Der Erzbischof von Veszprém besucht die Pfarre von Hochw. Aradi, um den Pfarrer sowie seine Gläubigen auf Linie zu bringen. Er fordert unerbittlich die Zelebration der Neuen Messe, die Einführung der Handkommunion und die Aufstellung des Volksaltars in der Kirche, was von den Angesprochenen unter Berufung auf das Kirchenrecht und Gewissensgründe zurückgewiesen wird. Außer sich geraten, suspendiert der Bischof auf der Stelle den Pfarrer, entlässt ihn fristlos aus dem Diözesandienst und „exkommuniziert“ die störrischen Gläubigen.

Sonntags, zwei Tage später, erscheint der neue Pfarrer, doch nur 15 Gläubige kommen zu seiner Messe, während die meisten Pfarrkinder Pfarrer Aradi die Treue halten, nachdem sie ihn angefleht haben, sie weiterhin seelsorglich zu betreuen, was bis heute geschieht. Der Bürgermeister höchstpersönlich ist besorgt, einen würdigen Saal für die Sonntagsmessen zur Verfügung zu stellen.

Pfr. Aradi, gezwungen seine Koffer zu packen, siedelt nach Farkasgyepü über, wo nun dank des erzbischöflichen Eifers rascher als erwartet das neue Vor-Priorat eröffnet wird. Am 14. September findet die offizielle Eröffnungsfeier statt, da unser erstes Priorat in Ungarn dem Heiligen Kreuz geweiht wird. Pfarrer Simon aus dem Nachbardorf Városlöd wird sich in Bälde auch endgültig der neuen Kommunität anschließen. Seine Tage als Pfarrer sind gezählt, da er am 1. Oktober vor einem „Diözesantribunal“ erscheinen muss, wo der Ordinariatsvikar ihn für sein Denken und Handeln nicht nur maßregelt, sondern auch übel verspottet. Zudem hat sich der Erzbischof bei einem Priestertreffen ziemlich deutlich geäußert: „Eigentlich war es nicht gerecht, Pfr. Aradi zu suspendieren, da Pfr. Simon mindestens genauso schlimm ist!“ – 

Tatsächlich wird Pfr. Simon am 9. Oktober genauso „gefeuert“ wie sein Pfarrerkollege. Doch die angegebenen Gründe sind happiger: Die Suspendierung erfolge wegen Ungehorsam, Schisma, Häresie und Apostasie!! Die Worte Jesu bewahrheiten sich aufs Neue: „Der Knecht ist nicht mehr als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20).

Unser Haus in Farkasgyepü ist inzwischen beliebter Treffpunkt traditioneller Priester geworden. Zwei haben bereits ihr konkretes Interesse kundgetan, sich uns anzuschließen.

Die Gottesmutter, Schutzherrin Ungarns, segne durch die Kraft des Heiligen Kreuzes und ihres Mitleidens das neue Priorat, Gott segne die ungarische Nation, damit sie eine wahre Auferstehung im Glauben erlebe.

Quelle: Pater Stefan Frey

[1] Das Anwesen wurde uns von Herr und Frau Kessel geschenkt, die in 23jähriger unermüdlicher Aufbauarbeit alles hergegeben, um die Infrastrukturen zu schaffen, die für ein geräumiges Priorat ideal sind. Dem Ehepaar aus Aachen sei für ihr so opfervolles „Ruhestandsleben“ sehr herzlich gedankt. Gott vergelte ihnen alle Mühen tausendfach!