Die Sakramentalien und Corona – Verlorene Schätze der Tradition neu entdecken!

28. Januar 2021
Quelle: Distrikt Österreich
Engel mit Weihwasserbehälter, Kirche Beginenhof, Mechelen (Belgien)

Wer einen besonders wertvollen und geliebten Gegenstand verliert, leidet arg unter dessen Verlust und macht sich unverzüglich auf die Suche nach ihm in banger Hoffnung, ihn wiederzufinden. Hat er das Glück, ihn wiederzufinden, „ruft er“ – um mit unserem göttlichen Heiland zu sprechen – „seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf (bzw. das geliebte Gut) gefunden, das verloren war.“ 1

Die größte Freude!

Doch welch überwältigende Freude, wenn man die allerkostbarsten Schätze findet, die den Menschen alles zeitliche Glück und sogar noch das ewige Leben bescheren! Eine Freude, die noch weit intensiver wird, je mehr man deren unvergleichlichen Wert erkennt! In den vergangenen 50 Jahren wurde diese Freude Tausenden und Abertausenden zuteil, welche die göttliche Tradition der katholischen Kirche (wieder)entdeckten, oft nach langer, schmerzlicher Suche, zuweilen ohne wirklich zu wissen, wonach sie suchten. Und ausgerechnet die so leidvolle Coronakrise wirkte im vergangenen Jahr dabei als „Katalysator“. Die Priesterbruderschaft durfte weltweit einen oft substantiellen Zuwachs an neuen Gläubigen erfahren, von welchen uns viele bezeugten, wie überaus dankbar und glücklich sie seien, ganz unerwartet die Tradition entdeckt zu haben! Deo gratias! Wie souverän versteht es Gott, auf verschlungenen Wegen ein Übel zum Guten zu wenden! Er hat diese Krise (und die damit ursächlich zusammenhängenden dunklen Machenschaften) zugelassen, um an den Menschen seine Pläne unendlichen Erbarmens zu erfüllen. Dies gilt auch für die Zukunft, mag kommen, was will. Gott gibt das Heft nie aus der Hand. Bewahren wir ein unerschütterliches, kindliches Gottvertrauen. Gott lässt die Seinen niemals im Stich!

Herausforderungen der Coronakrise

Wissen Sie, was uns dies zu sagen hat? Millionen und Milliarden von Menschen ist das oben beschriebene Glück (noch) nicht beschieden worden. Sie kennen die göttlichen Schätze der Tradition nicht, „sitzen in Finsternis und Todesschatten“ 2, da „ihnen das der Aufgang aus der Höhe (noch) nicht leuchtet“. Sie sind in Gefahr, auf irgendwelchen Irrwegen ins Verderben zu schlittern. Sind da die ganz unverdient Beglückten nicht herausgefordert? Muss nicht Tag und Nacht die Frage in unserem Herzen brennen: Wie kann ich selber Wegweiser oder Begleiter auf der Schatzsuche sein? Seien wir durchaus selbstkritisch: Habe ich alles in meiner Macht Stehende getan, um dieses notwendigste Werk der Liebe zu üben? Habe ich die Gelegenheiten genutzt, gute Schriften weiterzugeben, die wundertätige Medaille zu verteilen, Freunde und Bekannte zur tridentinischen Messe oder zu Exerzitien einzuladen? Und vor allem: Wie steht es mit meinem Gebetseifer, meiner Bereitschaft zum Opfer, wissen wir doch aus dem Mund der Gottesmutter, dass so viele Seelen deswegen verloren gehen, weil niemand für sie betet und opfert. Möge der von unserem Generaloberen ausgerufene Gebetskreuzzug uns alle im Eifer beflügeln!

Dramatisch verkannte Schätze

Lassen Sie uns zum Schluss über traditionelle Gnadenschätze sprechen, die uns in der Coronakrise viel Schutz und Trost schenken können: die Sakramentalien. Sie sind weithin in Vergessenheit geraten, in ihrem wahren Wert verkannt und darum sehr oft der Geringschätzung preisgegeben. Dabei bergen sie ungeahnte göttliche Kräfte zu unserem Wohlergehen in sich. Leider ist ja seit dem Sündenfall im Paradies die Erde dem Fluch verfallen, der eine direkte Folge der Sünden ist. Bis heute sind die Menschen „in diesem Tränental“ unzähligen Übeln ausgesetzt, die namenloses Leid mit sich bringen. Daran sollen wir die Furchtbarkeit der Sünde besser erkennen können und durch die Geduld in den Leiden das Heil erwerben, indem wir uns mit der Passion Christi verbinden. Seit Beginn der Menschheitsgeschichte aber erbarmte sich Gott der Menschen und spendete ihnen in ihrer Not reichen Segen. Der Segen Gottes besteht in der Befreiung von irdischen Übeln wie Krankheit, Seuchen, Unglück, Versuchungen usw. und in Verleihung von zeitlichen Gütern: Wohlergehen und Gesundheit, Herzensfreude und Glück, Gedeihen der Früchte sowie helfende Gnaden. 3

In unserem gebenedeiten Erlöser ist uns die Fülle des Segens erschienen: „Er zog Wohltaten spendend umher und heilte alle, die vom Teufel geknechtet waren.“ 4 Seiner Kirche hat Er den Auftrag und die Vollmacht übertragen, diesen Segen überall bis ans Ende der Zeit zu spenden, was sie in ihren Sakramentalien tut. Sakramentalien sind religiöse Handlungen (Weihungen, Segnungen, Exorzismen) sowie der Gebrauch geweihter oder gesegneter Gegenstände. Hochfeierliche Zeremonien – die Dreikönigswasserweihe dauert „ausgesungen“ 50 Minuten – weisen auf die Heiligkeit und Segenskraft der Sakramentalien hin. 5 Nachfolgende Literaturhinweise mögen Ihnen eine Hilfe sein, sich in diese faszinierende Wunderwelt Gottes zu vertiefen, mit lebendigem Glauben diese heiligen Mittel zu gebrauchen und des Segens Gottes für sich und die Ihrigen in reicher Fülle teilhaftig zu werden. Mögen Sie mit der hl. Theresia von Avila sprechen können: „Oft habe ich erfahren, dass es kein wirksameres Mittel gibt, um die bösen Geister zu vertreiben, als das Weihwasser. Es muss also das Weihwasser eine große Kraft haben. Mir besonders verschafft es ganz offenbar einen außerordentlichen Trost, den ich in meiner Seele fühle, wenn ich es gebrauche; und es ist gewiss, dass ich sehr häufig ein Ergötzen dabei empfinde und eine innere Wonne, die ich nicht erklären kann, und wovon meine Seele ganz erquickt wird. … Es ist mir da wie einem, der in heißem Durst einen Trunk frischen Wassers nimmt und davon sich ganz erfrischt fühlt. Dabei erwäge ich, wie wichtig alles ist, was die Kirche angeordnet hat; und es tröstet mich zu sehen, wie ihre Segnungsworte dem Wasser eine so große Kraft mitteilen.“ 6

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey
 

Buchempfehlungen
Weihwasser und andere christliche Hilfsmittel, Ingeborg & Horst Obereder
Weihwasser, Johannes Chrysostomus Gspann
Weihungen und Segensgebete

  • 1. Lk 15,6
  • 2. Lk 1,79
  • 3. Franz Spirago, Katholischer Volkskatechismus
  • 4. Apg 10,38
  • 5. Im Februar folgen weitere feierliche Weihungen: die Kerzenweihe zu Mariä Lichtmess am 2. Februar; die Weihe der Blasiuskerzen mit der Erteilung des Blasiussegens ein Tag danach; die Weihe der Asche am Aschermittwoch. Man beachte die wunderschönen, tiefsinnigen Segensgebete, die bis ins 10. Jahrhundert zurückgehen.
  • 6. Theresia von Avila, Das Buch meines Lebens, 31. Kapitel