Die Liebe zur Kirche muss wieder wachsen, auch bei uns! 

31. Januar 2024
Quelle: Distrikt Österreich
Fastentuch in der Kirche Dreifaltigkeit am Gray, Kärnten

Das Wort des Distriktoberen - Gedanken zur Fastenzeit 2024 

Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter! 

In wenigen Tagen beginnt mit dem Aschermittwoch die heilige Fastenzeit. Wir wollen in der Fastenzeit durch die besonderen Übungen des Betens, Fastens und Almosengebens Jahr für Jahr vor allem in der Liebe wachsen. Wenn ich auf die Katholiken in unseren Tagen blicke, so sehe ich einen großen Mangel, es mangelt sehr an einer tiefen Liebe zur Kirche, an einer echten kirchlichen Gesinnung. Dies ist auf allen Seiten festzustellen, besonders natürlich an den Extremen. Manche glauben, gute Katholiken zu sein, sie täuschen sich aber sehr, es gibt bei vielen nur Anmaßung, Besserwisserei und Lieblosigkeit. 

Die Bedeutung Roms – die Kathedra Petri 

Mehrmals im Jahr feierten die Katholiken früher ein besonderes Fest zu Ehren des hl. Apostelfürsten Petrus, und wir werden sehen, dass es genau so sein sollte. Es ist das große römische Patronatsfest am 29. Juni, das Fest der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus, in Erinnerung an ihr glorreiches Martyrium, ein gebotener Feiertag für alle Katholiken. Zum anderen sind die beiden sogenannten Thronfeste des hl. Petrus (auch Fest der Kathedra Petri oder Petri Stuhlfeier genannt) am 18. Jänner und am 22. Februar. Am Beginn der großen liturgischen Reformen im vorigen Jahrhundert hat man dann das Fest am 18. Jänner gestrichen, das alte Fest Petri Stuhlfeier zu Rom. Im traditionellen Festoffizium (in der Matutin) dieses Tages spricht der hl. Papst Leo der Große zu uns:  

„Der hl. Petrus, der erste in der Reihe der Apostel, wurde für die Hauptstadt des römischen Reiches bestimmt. Das Licht der Wahrheit, das zum Heil aller Völker geoffenbart war, sollte auf diese Weise um so wirksamer vom Haupte aus über den ganzen Körper der Welt sich ergießen. … Hier mussten die Theorien der Philosophen widerlegt werden, hier musste die eitle irdische Weisheit vernichtet, der Götzenkult beseitigt, alle falschen Opfer abgeschafft werden. Hier hatte man ja auch im blinden Unglauben alles zusammengetragen, was irgendwo von irgendeiner falschen Religion eingeführt worden war. In diese Stadt also kamst du ohne Furcht, heiliger Apostel Petrus. Während dein ruhmvoller Mitapostel Paulus noch mit der Gründung anderer Kirchengemeinden beschäftigt war, gingst du hinein in diesen Wald voll wilder Tiere, betratest du diesen stürmischen, abgrundtiefen Ozean; mutiger tatest du es als damals, wo du auf dem Meere wandeltest. Schon hattest du die Völker belehrt, die vom Judentum zum Glauben gekommen waren; schon hattest du die Gemeinde zu Antiochia gegründet, wo zum ersten Male der ehrenvolle Name „Christen“ gebraucht wurde; schon hattest du in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien die Lehren und Satzungen des Evangeliums verkündet; nun trugst du, ohne an dem glücklichen Gewinnen deines Werkes zu zweifeln, wohl wissend, welche Lebenszeit dir beschieden sein wird, das Siegeszeichen Christi hinein in die Hauptstadt der Römer; Ehre und Macht, aber auch ruhmvolles Leiden ging nach Gottes Anordnung dir dorthin voraus.“ 

Diese beiden wunderschönen Feste sollen uns in unserer Liebe zur heiligen Kirche ermuntern, auch in unserer Liebe zum Nachfolger Petri, zum Papst, trotz allem, was wir heute in Rom wahrnehmen. Rom ist der Mittelpunkt der katholischen Welt, gestern, heute und bis zum Ende der Zeiten. Wir Katholiken sind alle in gewissem Sinne Römer, wir sollen römisch gesinnt sein, wir sollen eine tiefe Sehnsucht in uns tragen, nach Rom zu fahren zu den Apostelgräbern, zu den Gräbern der Großen Heiligen, wir sollen dem Stellvertreter Christi auf Erden, dem Heiligen Vater wirklichen Respekt und Ehrfurcht und echte Liebe entgegenbringen.

Das beste Beispiel in der extremen Krise der Kirche 

Einer der ältesten Priester unserer Priesterbruderschaft, P. Emmanuel du Chalard, legte vor einigen Jahren ein sehr schönes Zeugnis über den Gründer unserer Priesterbruderschaft Erzbischof Marcel Lefebvre ab: „Ich kenne keinen Prälaten, der römischer war als Monseigneur Lefebvre. Er war eng mit Rom verbunden, hatte er doch in der Ewigen Stadt im Priesterseminar Santa Chiara seine Ausbildung erhalten…  Für den Erzbischof gab es keine größere Ehre, als der Kirche unter der Führung des Nachfolgers des hl. Petrus zu dienen. Es war für den Erzbischof eine bestürzende Erfahrung, als er den „Rhein in den Tiber“ fließen sah, als der Modernismus so offensichtlich in Rom eindrang. Erzbischof Lefebvre hatte den alleinigen Wunsch, den katholischen Glauben ungeschmälert zu bewahren. Als er dann aus Rom im Jahr 1976 mit der Suspendierung a divinis und 1988 durch die Exkommunikation geschlagen wurde, hielt er diese Akte zwar für ungültig, aber er litt unter der Situation…  Aber der Erzbischof blieb ein Römer bis zu seinem letzten Atemzug. Vergessen wir nicht, dass das letzte Schriftstück, das er uns hinterlassen hat, ein Kapitel über den Römischen Geist in seinem Geistlichen Wegweiser ist.“ (Interview aus dem Jahr 2020). 

Folgen wir bitte dem Erzbischof, nach über 50 Jahren sehen wir so klar, dass sein Weg der gute Weg war, es war ein Weg der echten Liebe zu Gott und zur Heiligen Kirche. 

Passion Christi und Passion der Kirche 

In der Fastenzeit haben wir immer auch die Passion Christi vor Augen. Vergegenwärtigen wir uns in diesen Tagen immer wieder den Leidensweg Christi. Fragen wir uns, wie viele Treue standen unter dem Kreuz? Wie viele sind dageblieben? Wir sehen auf dem Kalvarienberg mit Christus die Allerseligste Jungfrau Maria, den hl. Apostel Johannes und die hl. Maria Magdalena. Maria, die Schmerzensmutter ist zugegen und es erfüllt sich die Prophezeiung Simeons: „Ein Schwert wird auch deine Seele durchbohren...“ Das Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens sind untrennbar verbunden. Denken wir hier auch an die vereinten Herzen im Wappen unserer Priesterbruderschaft St. Pius X. 

Die hl. Maria Magdalena ist die Sünderin, die sich bekehrt hat und dann Christus nachfolgt. Sie ist eine der ganz großen Heiligen, wenn sie angerufen wird, erzittert die Hölle. Durch ihre echte Buße erfüllt sie, was der hl. Paulus schrieb, dass sie „ergänzt, was an den Leiden Christi noch mangelt“ (Kol 1,24). Die hl. Maria Magdalena tut Buße am Fuß des Kreuzes, während die Mutter Gottes mit ihrem Sohn mitleidet. 

Die dritte wichtige Gestalt ist der hl. Apostel und Evangelist Johannes, der Lieblingsjünger des Herrn.  Christus weihte am Gründonnerstag zwölf Männer zu Bischöfen, und am Karfreitag war nur noch einer an Seiner Seite, auf Kalvaria. Der Apostel Johannes war nicht der Papst, das war Petrus. Es war aber Petrus, der den Herrn vor Sonnenaufgang dreimal verleugnete. Nicht weil sie von Petrus, vom Papst, getrennt sein wollte, ging die hl. Maria Magdalena mit Johannes zum Kreuz. Ebenso tun Katholiken, in dieser Passionszeit der Kirche im 21. Jahrhundert, dies nicht, um sich von dem Nachfolger Petri zu trennen. Auch wir nehmen heute mit enormen Schmerzen, aber echten und geläuterten Schmerzen aus Liebe, sowohl die Leiden Christi als auch den unfassbaren Verrat Petri und einiger seiner Nachfolger hin. Wenn unser Herr Jesus Christus, der Bräutigam, gekreuzigt wird und die Kirche, Seine Braut, mit Ihm leidet, harren wir in Schmerzen und in Liebe aus und wollen nicht fliehen, sondern bei Jesus bleiben. 

Betrachten wir oft die Passion Christi und machen wir die richtige Anwendung auf die heutige Zeit, auf die gegenwärtigen Umstände. Hüten wir uns durch ein tiefes geistliches Leben vor so furchtbaren Anmaßungen, wie dem Sedisvakantismus, dem dauernden Nachsinnen über nicht approbierte und daher höchst gefährliche Privatoffenbarungen, dem Folgen von Personen und Gruppierungen (gerade auch im Internet), die nur aus Hass und Rache, aus schrägen Spitzfindigkeiten und nichtkirchlichen Theorien agieren.  

Befreien wir uns vom Hass im Internet – aus Liebe zur Kirche  

Viele scheinbar gute und traditionell gesinnte Katholiken gehen dem Teufel voll in die Falle. Sie sitzen Stunden über Stunden vor dem Bildschirm und surfen in scheinbar katholischen Foren, Internetseiten, Blogs herum. Leider auch viele Priester. Es ist eine furchtbare Pest. Man kann diesen armen Menschen nur zurufen: Hört endlich damit auf und stehlt Gott nicht mehr die Zeit damit! Bei diesen armen Menschen türmen sich die Sünden der Ungerechtigkeit, der Lieblosigkeit, der Ehrabschneidung, der Verleumdung, des Hochmutes etc. Vor allem finden wir einen immer größeren Mangel an Liebe zur Kirche. Und ein echtes inneres Leben ist, mit einigen Ausnahmen, kaum noch vorhanden. Hört endlich damit auf!  

Das Verhalten des echten Katholiken sollte ein anderes sein: Täglicher Messbesuch, ein reiches Gebetsleben, vor allem die Anbetung, der Besuch beim Allerheiligsten, der Rosenkranz und die tägliche Betrachtung, die häufige Beichte, ein Leben der Sühne, der Buße, des Almosengebens. Dann auch die gründliche Erfüllung der Standespflichten und ein Streben um die Tugenden, ein dauerndes Streben um die Liebe, wie der Pulsschlag des Herzens. Lieben wir unsere Mutter, die hl. Kirche täglich mehr. Selbstverständlich sehen wir all das Böse, all die Unwahrheit, aber mit ganz anderen Augen. Flehen wir Gott um Erbarmen an und um Liebe. 

Manche lieben es, radikale Predigten zu hören, das kann manchmal schon hilfreich sein, wenn es zu einer echten, tiefen Bekehrung des Herzens und zu einer kirchlichen Gesinnung führt, aber meist geht es leider schief. Diese Menschen haben den Ruf des Herrn in Wirklichkeit gar nicht verstanden, denken und agieren mehr politisch, links oder rechts und kümmern sich nicht um oben und unten, vor allem nicht um ihr eigenes Seelenheil und auch das ihrer Nächsten. Mittelpunkt des katholischen Lebens sollte die Hl. Messe sein, der gute und häufige Sakramentenempfang. Dann eine gute katholische Bildung für alle. Das gilt es vor allem anzustreben für die Laien und sich nicht zu verzetteln in theologischen Spitzfindigkeiten und Beurteilungen, für die die Laien nicht zuständig sind. 

Fastenzeit – Geistlicher Kampf und Notwendigkeit der Loslösung  

Militia est vita hominis super terram (Iob 7,1). Das Leben des Menschen auf Erden ist ein Kriegsdienst, so heißt es schon im Buch Hiob, im Alten Testament. Um die christliche Vollkommenheit zu erringen, muss man kämpfen. Der hl. Papst Gregor der Große bringt es einmal sehr treffend auf den Punkt: „Wir sind in diese Welt gekommen, um mit dem Teufel Krieg zu führen. Dieser aber besitzt nichts von allen Dingen dieser Welt. Deshalb müssen auch wir uns von allem entblößen, wenn wir siegreich mit ihm kämpfen wollen. Denn wenn ein Bekleideter mit einem Unbekleideten ringt, wird er leicht zu Boden geworfen, da man ihn an den Kleidern packen kann. Willst Du also siegreich mit dem Teufel kämpfen, so wirf all diesen unnützen Ballast von Dir, damit Du nicht zu Boden geworfen werdest! Denn was sind all die irdischen Güter anderes als unnötiger Ballast? Je mehr einer davon besitzt, umso leichter wird er zu Boden geworfen.“ (Hom. 32 in Evang. 2) 

Wir müssen immer wieder aufs Neue bedenken, mit welchen Worten Jesus Seine Bergpredigt beginnt: „Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich“ (Mt 5,3). Es ist die erste der acht Seligkeiten. Damit ist gewiss im geistigen Sinne immer auch die Demut gemeint, wie es viele der alten Lehrer der Kirche sagen, aber es ist durchaus auch die freiwillige Loslösung und Arbeit gemeint, im geistigen Sinne, da ist dann natürlich auch die ganze materielle Ebene eingeschlossen (Internet, Handy etc.) Die freiwillige Armut ist fundamental für ein echtes christliches Leben. Die Tugend der Armut und der Loslösung sind Bedingung für einen guten geistlichen Kampf, für das Niederringen des Bösen. Der hl. Ignatius von Loyola sagt in den Konstitutionen seiner Gründung, der Gesellschaft Jesu: „Alle sollen die Armut als eine feste Schutzmauer ihres Ordensstandes lieben und in ihrer Reinheit erhalten, so weit das mit Hilfe der göttlichen Gnade geschehen kann“ (Inst. SJ Constitutiones). In einer gewissen Weise gilt das für alle Christen, nicht nur für die Ordensleute, die Gelübde ablegen. 

Eine gnadenreiche Fastenzeit, sinken wir alle auf die Knie und tun wir Buße!  

Gottes reichen Segen, 

Ihr
P. Johannes Regele 
Jaidhof, 1. Februar 2024