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Die heilige Fastenzeit

19. Februar, 2015

von Franz Spirago

Als Christus 30 Jahre alt war, ließ er sich von Johannes im Jordan taufen und fastete hier­auf 40 Tage in der Wüste, wo er vom Teufel versucht wurde (Mt 4).

 

Christus war 30 Jahre alt, als er zu lehren anfing (Lk 3,23). Alle apostolischen Männer zogen sich in die Einsamkeit zurück, bevor sie öffentlich auftraten, so z. B. Moses, Johannes der Täufer und die Apostel vor dem Pfingstfeste. Durch sein Fasten und seinen siegreichen Kampf mit dem Teufel wollte Christus als der neue Adam für den sündhaften Genuss der verbotenen Frucht im Paradies und für den Fall Adams in der Versuchung Genugtuung. Die Zahl 40 kommt oft in der Religion vor; sie ist die Zahl der Buße.

 

Zur Erinnerung an das Fasten Christi setzte die Kirche die 40-tägige Fasten­zeit ein. In den ersten christlichen Jahrhunderten begann man an einzelnen Orten das 40-tägige Fasten schon am 70. Tage vor Ostern, an anderen Orten am 60., wieder an anderen am 50. Tage vor Ostern. Man ließ aber an einzelnen Wochentagen das Fasten aus, sodass die ganze Fastenzeit doch nur 40 Tage dau­erte. Daher die Bezeichnung Septuagesima, Sexagesima, Quinquagesima (= der siebzigste, sechzig­ste, fünfzigste Tag) für jene drei Sonntage, die unserem 40-tägigen Fasten vorausgehen. Jetzt beginnt die 40-tägige Fastenzeit überall mit dem Aschermittwoch, dem 46. Tag vor Ostern.

 

Da die sechs Sonntage in der Fastenzeit keine Fasttage sind, so dauert die Fastenzeit doch nur 40 Tage. „Aschermittwoch“ sagen wir, weil an diesem Tage der Priester den Gläubigen Asche auf die Stirne streut mit den Worten: „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst.“ Durch diese Worte, die Gott nach dem Sündenfalle Adams gesprochen hat (Gen 3,19), und durch die Asche will und die Kirche lebhaft an den Tod und das Grab erinnern und uns dadurch zu bußfertiger Gesinnung bewe­gen. Die Asche wird genommen von den verbrannten Palmen, die am Palmsonntage des vorausge­gangenen Jahres geweiht worden sind, um uns so die Nichtigkeit aller irdischen Freude und Herrlichkeit noch deutlicher vorzustellen.

 

Die Fastenzeit dauert vom Aschermittwoch bis zum Beginn des Osterfe­stes. In dieser Zeit sollen sich die Erwachsenen nur einmal täglich sättigen (3. Kirchen­gebot) und alle Christen sollen lärmende Lustbarkeiten vermeiden (5. Kirchengebot) und das Leiden Christi betrachten. (Daher die Fastenpredigten und das Verhängen der Altar­bilder.) Der Priester liest an den Sonntagen die hl. Messe im violetten Messgewande, um uns zur Buße zu ermahnen.

 

Statt mit den Worten „Ite missa est“ entlässt er bei der Messe das Volk mit „Bene­dicamus Domino“ (= Lobet den Herrn). Damit soll gesagt sein: „Vergesset nicht darauf, in dieser Zeit eifrig zu beten.“. Die drei Tage vor dem Aschermittwoch (oder überhaupt die Zeit vom Dreikönigs­feste bis zum Aschermittwoch) nennt man Fasching, welches Wort wahrscheinlich von Fastenschank, Verabreichung des üblichen Fastentrunkes, herkommt. (Das Wort „Bastschang“ findet sich bereits 1283 in einer Weberordnung der Stadt Passau.) Die drei Faschingstage vor dem Aschermittwoch heißen auch Karneval, vom lateinischen caro vale = Fleisch lebe wohl, oder von carrus navalis (Schiffs­wagen), da die Germanen besonders in der Nähe des Meeres und der Flüsse beim Einzug des Frühlings mit einem auf Räder laufenden Schiffe im feierlichen Umzug herumfuhren. (Sebastian Brand spielt in seinem „Narrenschiff“ darauf an.)

 

Um uns von übertriebenen Lustbarkeiten an diesen Tagen abzuhalten und Gott für die vielen Beleidigungen, die ihm in diesen Tagen zugefügt werden, Genugtuung zu leisten, setzt die Kirche das Allerheiligste aus und verrichtet das sogenannte 40-stündige Gebet. Die vielen Torheiten, die vor dem Aschermittwoch aufgeführt werden (namentlich Maskenzüge und Maskentänze) stammen aus den Zeiten des Heidentums. Die Heiden feierten nämlich im Monat Februar, wo der Tag wieder auffallend zunimmt, das neue Jahr oder die Wiederkehr des angeblich auf einem Wagen einherfahrenden Sonnengottes.

 

Am 5. Sonntag in der Fastenzeit werden die Kreuze verhüllt, um zu versinnbildlichen, dass sich Christus vor seinem Leiden verbergen musste, um nicht schon früher getötet zu werden (Joh 11,54). Der genannte Sonntag heißt Passionssonntag (Leidenssonn­tag), weil sich die Kirche von ganz besonders der Betrachtung des Leidens Christi hingibt. Deshalb lässt sie auch in der Woche vor Ostern viermal die Passion, das ist die Leidensgeschichte Christi, nach den vier Evangelien vorlesen und außerdem Trauermetten, d. i. Gesänge, die sich auf das Leiden Christi beziehen, abhalten.