Die Handkommunion 1. Teil

15 Mai, 2019
Quelle: Eucharistic Crusade

Hintergründe - ein Kardinal berichtet

Von Mutter Theresa wird die Aussage einer Gruppe von Bischöfen gegenüber berichtet, die Handkommunion sei das schlimmste Übel in der heutigen Kirche. Kardinal Alphons Maria Stickler sagte zum Verfasser dieses Beitrages, durch die Handkommunion sei für die Kirche schwerer Schaden entstanden und von Rom aus müsse eine Korrektur erfolgen. Bei Papstmessen ist neuerdings die Mundkommunion vorgeschrieben.

Wie aber kam es nach dem II. Vat. (Pastoral-) Konzil überhaupt zur Handkommunion? Vom tief frommen und gelehrten Kardinal Stickler erfuhr der Verfasser die teilweise dramatischen Hintergründe dieses folgenschweren Bruches mit der liturgischen Überlieferung. Auf das II. Vatikan. Konzil können sich die Verfechter dieser verhängnisvollen Neuerung jedenfalls nicht berufen.

Ein (fast) unbekanntes Dokument und seine Folgen.

Die römische Instruktion „Memoriale Domini“ (über die Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion) trägt das Datum vom 29. Mai 1969.

Sie ist unterschrieben von Benno Kardinal Gut als Präfekt der Gottesdienstkongregation und Annibale Bugnini als Sekretär. Die Approbation Pauls VI. erfolgte am 28. Mai.

Nach einer liturgie- und dogmengeschichtlichen Einleitung, welche besonders den Glauben an die Realpräsenz (Gegenwart) Christi auch in den kleinen Teilchen der eucharistischen Gestalten und die Notwendigkeit, den überlieferten Kommunionritus (der Mundkommunion) zu bewahren, betont, heißt es in diesem Dokument: „Weil einige wenige Bischofskonferenzen und einige einzelne Bischöfe gewünscht haben, daß in ihren Gebieten der Brauch zugelassen werde, das konsekrierte Brot in die Hand der Christgläubigen zu legen, hat der Heilige Vater angeordnet, daß alle Bischöfe der gesamten lateinischen Kirche befragt werden sollen, was sie von der Angebrachtheit der Einführung eines solchen Ritus halten. Eine Änderung nämlich in einer Sache von solcher Tragweite, die sich außerdem auf sehr alte, ehrwürdige Überlieferung stützt, berührt nicht nur die Disziplin, sondern bringt die Gefahr mit sich, daß aus der neuen Weise der Austeilung der hl. Kommunion die Ehrfurcht dem erhabenen Sakrament des Altares gegenüber verringert werden könnte, oder daß zu befürchten wäre, daß Sakrilegien geschehen, oder aber, daß die rechte Lehre verfälscht wird. Aus diesem Grunde wurden den Bischöfen 3 Fragen vorgelegt, auf die bis zum 12. März dieses Jahres (1969) folgende Antworten gegeben wurden.“

Es folgen nun die 3 Fragen mit den Abstimmungsergebnissen seitens der Bischöfe. Nun heißt es weiter: „Aus den eingegangenen Antworten ist also klar, daß die weit größere Mehrheit der Bischöfe der Auffassung ist, daß man die gegenwärtige Disziplin keinesfalls ändern soll. Wenn diese geändert werden sollte, wird dies dem Empfinden wie dem Geist der Anbetung derselben Bischöfe und vieler Gläubiger Ärgernis bereiten. Aus diesem Grunde sah der Heilige Vater - unter Beachtung der Bemerkungen und der Ratschläge derer, die vom Hl. Geist als Bischöfe eingesetzt sind, die Kirche zu leiten - unter Beachtung der Bedeutung der Sache und des Gewichtes der vorgebrachten Gründe - es als nicht angebracht an, die herkömmliche Weise der Austeilung der Hl. Kommunion zu ändern. Aus diesem Grunde ermahnt der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck, dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen: Sei es, weil diese Entscheidung auf dem Urteil des größeren Teiles des katholischen Episkopates gründet, sei es, weil der gegenwärtige Ritus der heiligen Liturgie dies so vorsieht, sei es schließlich, weil das gemeinsame Wohl der Gesamtkirche zu berücksichtigen ist.“

Ein widersprüchlicher Zusatz als Einfallstor für den Umbruch.

Das Dokument findet hier eigentlich seinen klaren Abschluß. Nun folgt aber ein offenbar später hinzugefügter Absatz, der in der Praxis das Einfallstor für das Gegenteil des vorher Angeordneten wurde: „Wenn aber irgendwo der entgegengesetzte Brauch, nämlich, die hl. Kommunion in die Hand zu legen, schon überhand genommen hat, wird der Apostolische Stuhl, um den Bischofskonferenzen in der Erfüllung ihres pastoralen Amtes zu helfen, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen erschwerten Lage der Dinge, diesen Bischofskonferenzen die Last und den Auftrag erteilen, die besonderen Umstände - wenn solche vorhanden sind - zu erwägen, jedoch unter der Bedingung, daß jede Gefahr, sei es der Verringerung der Ehrfurcht, sei es die des Einreißens falscher Meinungen von der Heiligsten Eucharistie, abgewehrt wird und unter der Bedingung sorgfältiger Beseitigung auch der übrigen Unzukömmlichkeiten. (Zwischenbemerkung der Redaktion: Alle diese Bedingungen sind heute nachweislich praktisch nirgends gegeben, ja unerfüllbar! Dies allein macht diese Ausnahmebestimmung nichtig!) In solchen Fällen, um den neuen Brauch richtig zu ordnen, sollen die Beschlußkonferenzen nach kluger Prüfung die angebrachten Entscheidungen fällen, die in geheimer Abstimmung mit 2/3 Mehrheit zu beschließen sind. Diese Entscheidungen sind dann dem Hl. Stuhl für die notwendige Bestätigung mit der genauen Angabe der Gründe, die zu ihnen geführt haben, zu unterbreiten. Der Hl. Stuhl wird jeden einzelnen Fall genau erwägen …“

Das Ergebnis ist bekannt. So wie Dominosteine der Reihe nach fallen, so wie eine Türe, einen Spalt geöffnet, durch den Wind aufgerissen wird, wurde die Handkommunion der Reihe nach in allen westeuropäischen Ländern eingeführt, und ist die Praxis der Mundkommunion weitgehend verschwunden. Auch die italienische Bischofskonferenz schaffte es nach Jahren im 3. Anlauf, bei der 3. Abstimmung.

Welche Erklärung gibt es für den folgenschweren Widerspruch zwischen dem Hauptteil und dem Anhang im obigen Dokument? Gemäß der Aussage eines absolut zuverlässigen, mir bekannten Zeitzeugen (Kardinal Alphons Maria Stickler) war Kard. Döpfner von München kurz vor Erscheinen der Instruktion „Memoriale Domini“ bei Papst Paul VI. und konnte mit massiver Intervention obigen Zusatz erreichen. 3 Monate vor Erscheinen des Dokumentes hatte sich Kardinal Gut dem Papst zu Füßen geworfen und dringend gebeten, an der Kommunionpraxis nichts zu ändern. Der Papst hob ihn gütig auf und versicherte, es bleibe alles beim alten. Tatsache ist, daß die traditionelle Form der Kommunionspendung zugunsten der Handkommunion weitgehend verschwunden ist.

Eine verräterische kleine Änderung.

Am 3. April 1985 erließ die Gottesdienstkongregation eine „notificatio“, sozusagen Ausführungsbestimmung zur Handkommunion. Hier wird die Anweisung aus der 5. mystagogischen Katechese des hl. Cyril von Jerusalem (gest. 386) zitiert, „beide Hände so zu halten, daß die linke Hand einen Thron für die rechte Hand bildet, denn diese empfängt den König“. So sollten es nun die Empfänger der Handkommunion von heute auch machen. Allerdings wird in dem Dokument auf eine Anmerkung verwiesen, in der es heißt: „Praktisch muß man die Gläubigen heute das Gegenteil lehren: die linke Hand muß auf der rechten liegen, damit die Hostie leichter mit der rechten Hand zum Mund geführt werden kann.“ Eine eigenartige Anmerkung, denn die Mehrzahl der Leute damals waren ebenso wenig Linkshänder wie heute. Genau diese Stelle ist der Beweis, daß die konsekrierte Hostie in der frühen Kirche von den Gläubigen nicht ergriffen, sondern mit dem Mund sorgfältig aufgenommen wurde. Die Hand war vielfach noch durch ein spezielles Tüchlein verdeckt, das sogenannte „Dominicale“.

Quelle: Auszug aus dem St. Athanasius Boten