Amerikanische Wallfahrt - Von Wien nach Altötting über Zagreb

09 Juli, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vom 4. bis zum 13. Juni 2019 pilgerte eine Gruppe von 44 US-Amerikanern und 2 Kanadiern durch die ehemaligen habsburgischen Länder zu verschiedenen Marienwallfahrtsorten.

Organisiert wurde die Wallfahrt vom Reisebüro Regina Coeli Pilgrimages, mit Sitz in St. Mary’s, Kansas. Dieses gibt traditionsverbundenen Katholiken die Möglichkeit, in geschlossenen Gruppen zu reisen, unter Begleitung von Priestern der FSSPX. Seelsorger unserer Gruppe waren P. Stephen Webber und P. Joseph Stannus.

Angefangen bei Maria Pötsch und der Dienstbotenmadonna im Wiener Stephansdom, kamen wir (nach weiteren kulturellen Bereicherungen) am dritten Tag per Bus zum ersten Marienheiligtum Österreichs, Mariazell. Die Pilgermesse fand in der nahegelegenen Michaelskapelle statt, anschließend konnten alle ihre Verehrung der Magna Mater Austriae am Gnadenaltar vortragen und die Pracht dieses bevorzugten Ortes bewundern. Die grüne obersteirische Landschaft gewann sofort die Herzen der Gesellschaft.

Abends ging es per Schiff von Melk nach Krems, durch die Weinberge der Wachau. Man kann nur staunen, wie Landschaft und Bauten hier harmonieren. Ohne Zweifel ist dieser kulturelle Mikrokosmus Auswirkung des christlichen Glaubens.

Die nächste Etappe ging durch Ungarn, zuerst nach Györ zur Kathedrale, wo die ‚irische Madonna’ verehrt wird. Dieses zarte Bild wurde von Bischof Walter Lynch mit ins Exil gebracht, als sein Heimatland von Oliver Cromwell 1649 überfallen wurde. Noch am selben Tag kamen wir zum Sitz des Primas von Ungarn, Esztergom. Die gewaltige Domkirche ist der Himmelfahrt Mariens geweiht. In der Krypta derselben liegt der Helden-Kardinal Mindszenty begraben, der jahrelang den Kommunisten getrotzt hat. Noch bitterer als seine Folter in kommunistischer Haft war ihm der Verrat seitens des Vatikans, der mit dem roten Regime einen Dialog (die sogenannte Ostpolitik des Vatikans) eingegangen ist und den Rücktritt Mindszentys 1973 verlangt hat. Wir konnten an seinem Grab das Credo singen, sein Beispiel ehren, ihn auch ein wenig um seine Fürsprache bitten, dass wir seine Treue und seinen Mut auch erhalten.

Von Esztergom ist es nicht mehr weit in die Hauptstadt Ungarns. P. Wilhelm öffnete uns die Kapelle der Priesterbruderschaft in der Thököly Strasse für die Herz Jesu Messe, dann ging es zur Ruhe ins Hotel.

Die Reichtümer Budapests kann man kaum aufzählen. Die Matthias-Kirche auf dem Buda-Hügel beherbergt eine wunderbare Marienstatue, die die Türken in die Flucht gejagt hat. Der Dom in Pest besitzt die Reliquien des hl. Königs Stefan von Ungarn, der Vorläufer der Bekehrung Ungarns. Das neugotische Parlamentsgebäude am Ufer der Donau strahlt edle Heimatliebe aus.

Viel zu früh hieß es weiterreisen. Am Pfingstsonntag kamen wir über die Grenze nach Kroatien. Der hl. Antonius fügte es, dass wir beim Blutwunder in Ludbreg ein Hochamt feiern konnten. Der Pfarrer war sehr überrascht, dass seine Kirche auch in Übersee bekannt sei und gewährte uns bereitwillig Rauchfass und Ministrantentalare.

In Maria Bistrica (das wichtigste Marienheiligtum Kroatiens) konnten wir an der rührenden Verehrung der Schwarzen Madonna teilnehmen. Die Bevölkerung zog beim Gesang um das Standbild am Hochaltar und schritt dann rückwärts aus der Kirche, als Huldigung ihrer Majestät, ein Zeugnis der tiefen Gläubigkeit Kroatiens. Ein Rundgang durch Zagreb mit Verehrung des sel. Aloisius Stepinac im Dom war der Abschluss des Tages.

In Slowenien hat die Muttergottes große Heiligtümer, Maria Brezje und Maria vom See in Bled. Die Bootfahrt zur Insel Bled bei strahlender Sonne, türkisfarbenem Wasser, das ganze umrahmt von mächtigen Hügeln bleibt unvergesslich. Die Muttergottes weiß ihre Häuser gut zu wählen.

Die schöne St. Hemma Kapelle am Villacher Ring in Klagenfurt öffnete uns seine Tore am Pfingstdienstag. P. Regele erteilte den Wallfahrern den Primizsegen bevor wir nach Salzburg weiterzogen. Die Kirche Maria Plain ertönte mit dem (neu-erlernten) Ave Maris Stella, der Gruß an die wiedergefundene Mutter an der Salzach.

Auch Salzburg ist marianisch geprägt, wenn man an die Michael Pacher Statue denkt in der Franziskaner Kirche, an die Mariensäule auf dem Domplatz. Ein Ausflug ins Salzkammergut erweckte erneut großen Beifall.

Den Abschluss fand die Wallfahrt beim deutschen Lourdes: das Heiligtum von Altötting. Die zahlreichen Ex-Votos, die Geschenke der Fürsten, die zahlreichen Besucher zeugen von der großen Güte Mariens. Nach der Messe in der schmucken Kapelle Maria Hilf tischte uns Pater Jasny ein bayerisches Festmahl auf, eine sehr willkommene Stärkung.

Eine solche Reise öffnet die Augen für die Wirksamkeit Mariens, ihre Eingriffe im Türkenkrieg oder im Kampf gegen die Irrlehre. Die Vertreibung der Kommunisten aus Wien (1955) ist auch ihr zu verdanken. Sehr deutlich scheint auch der Segen auf, den eine katholische Regierung bringt. Wenn man Alt-Wien mit den Bauten der Sozialisten vergleicht, ist es wie Tag und Nacht: Architektur als Erhebung der Seele, oder reiner Materialismus. Überall auf dieser Reise begegnet einem der barocke Stil, als Bekräftigung der Glaubenswahrheiten, als geschwungene Bejahung der Schöpfungs- und der Gnadenordnung, als Hinweis auf das Jenseits. Man kann die Organisatoren nur beglückwünschen zu einem so reichhaltigen, erbaulichen Programm, und der Muttergottes danken, dass wir sie in ihren Höfen besuchen durften.

Quelle: Pater Joseph Stannus