56. Wer leugnete, daß die Messe ein Opfer ist?

15 August, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Der Opfercharakter der hl. Messe war über 1000 Jahre lang unbestrittenes Glaubensgut der Christen. Erst im 12. Jahrhundert begann die Leugnung dieser Wahrheit bei einigen Sekten. Vor allem war es dann Martin Luther und mit ihm der ganze Protestantismus, der zum Abfall vieler Christen von diesem Dogma führte.

Luther leugnete nicht eine gewisse wirkliche Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie, wenn er sie auch nicht im katholischen Sinn verstand. Was er aber leugnete und mit den wütendsten Ausdrücken beschimpfte, war die Lehre vom Meßopfer.

Der Opfercharakter der Messe geht dagegen aus den Offenbarungsquellen klar hervor. Zunächst weist die Prophezeiung des Malachias auf ein künftiges Opfer hin: «Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang ist mein Name groß unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht» (Mal 1,11).

Die Juden hatten nur einen Ort, an dem sie rechtmäßig opfern konnten, nämlich den Tempel zu Jerusalem. Für den Neuen Bund kündigt der Prophet aber ein reines Opfer an, das an allen Orten der Welt gefeiert werden wird. Unter diesem Opfer haben die Christen von alters her das Meßopfer verstanden. Auch das Opfer des Melchisedech, der Brot und Wein darbrachte (Gen 14,18), war ein Vorbild des Meßopfers. Darum wird Christus «Priester nach der Ordnung des Melchisedech» genannt (Hebr 6,20), da das Opfer, das er einsetzte, unter den Gestalten von Brot und Wein vollzogen wird.

Christus gebraucht sodann bei der Einsetzung der Messe Opfertermini: «Der Leib, der hingegeben wird – das Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden». Diese Ausdrücke stehen im Urtext im Präsens, beziehen sich also auf die gegenwärtige Abendmahlshandlung.

Auch der hl. Paulus stellt im 1. Korintherbrief dem «Tisch der Dämonen» den «Tisch des Herrn» gegenüber. Unter dem Tisch der Dämonen versteht er die Anteilnahme an den Götzenopfern, und er will damit sagen, daß diejenigen, die an den Götzenopfern teilnehmen, nicht am Opfer Christi anteilnehmen dürfen und umgekehrt. Wie unter dem «Tisch der Dämonen» die heidnischen Opfer verstanden werden müssen, so unter dem «Tisch des Herrn» das christliche Opfer (vgl. 1 Kor 10,18–21). Im Hebräerbrief 13,10 heißt es schließlich: «Wir haben einen Opferaltar, von dem diejenigen nicht essen dürfen, die dem Zelte (= dem jüdischen Kult) dienen.»

Es wäre auch merkwürdig, wenn die vielen Opfer des Alten Bundes im Neuen Bund keine Entsprechung hätten. In der damaligen Zeit hatten alle Religionen ihre Opfer, und eine Religion ohne Opfer wäre gar nicht vorstellbar gewesen. Daher sprechen auch die ältesten kirchlichen Schriftstücke immer von der Eucharistie als einem Opfer. So z. B. die Didache (um 100 n. Chr. geschrieben): «Am Herrentag versammelt euch, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr vorher eure Sünden bekannt habt, damit euer Opfer rein sei.»[149] Dieses Opfer wird auch klar als das von Malachias angekündigte bezeichnet. Papst Klemens (92–101 n. Chr.) schreibt: «Der Herr hat befohlen, die Opfer und die gottesdienstlichen Handlungen zu festgesetzten Zeiten und Stunden zu vollziehen.»[150] Der hl. Cyprian von Karthago († 258) widmet seinen 63. Brief der Lehre vom Meßopfer und betont hier, daß Christus seinen Leib und sein Blut dem Vater als Opfer dargebracht hat (n. 4), daß er dieses Opfer zu seinem Gedächtnis zu feiern befohlen hat (n. 14) und der Priester als Stellvertreter Christi fungiert (n. 9). Besonders schön ist auch ein Wort des hl. Gregor von Nazianz († 390). Er ruft dem Priester zu: «So lasse denn nicht ab, du frommer Mann, für mich zu beten und zu flehen, wenn du durch dein Wort den Logos herabziehst, wenn du auf unblutige Weise den Leib und das Blut des Herrn scheidest, indem du das Wort (= die Wandlungsworte) als Schwert gebrauchst.»[151] Hier wird ganz deutlich die Lehre von der unblutigen Hinopferung Christi durch die Trennung seines Leibes und Blutes vermittels der Doppelkonsekration zum Ausdruck gebracht.

Diese und unzählige andere Stellen zeigen deutlich, daß es ein Abfall von der christlichen Lehre war, als man anfing, den Opfercharakter der Messe zu leugnen.

[149] Didache c.14. RJ 8.
[150] 1. Korintherbrief c.14; RJ 19.
[151] 171. Brief, Ad Amphilochium; RJ 1019.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage