35 Jahre Priesterbruderschaft im Schloss Jaidhof • 1985 – 2020

01. Juni 2020
Quelle: Distrikt Österreich
Schloss Jaidhof im „Dornröschenschlaf“, 1981.

Es war ein Meilenstein in der Geschichte der Priesterbruderschaft in Österreich, dass es am 25. März 1985, am Fest Mariä Verkündigung, gelang, ein Schloss im niederösterreichischen Waldviertel durch Pacht zu erwerben. Infolge der sowjetischen Besatzung in nicht bestem Zustand, musste es erst Stück für Stück bewohnbar gemacht werden, was durch das jahrelange Wirken von Bruder Anton Zihlmann auch schon zu einem großen Teil gelang. Später arbeiteten andere weiter, sodass es heute bereits als wahrer Prachtbau dasteht, was den damaligen Generaloberen P. Schmidberger zu der Bemerkung veranlasste, es sei dies das schönste Anwesen der Priesterbruderschaft in Europa.

Die erste Hl. Messe in der Schlosskapelle wurde am 12. Mai 1985 zelebriert. Die feierliche Einweihung erfolgte schließlich am 19. Oktober 1985 durch S. E. Erzbischof Lefebvre höchstpersönlich. In seiner Predigt wies er auf die geistige Ausstrahlung hin, die dieser Ort in Zukunft haben soll:

„Zuallererst soll dies ein Ort des Gebetes sein. ... Der zweite Zweck... ist, dass dieses Haus ein Haus der geistlichen Exerzitien wird. Es soll ein Haus sein, das ausstrahlt auf die ganze Region, ja auf ganz Österreich. Hier sollen diejenigen, die die Wahrheit verloren haben, die Wahrheit wiederfinden, oder jene, die schon in der Wahrheit stehen, in ihr befestigt werden.

Warum Exerzitien? Durch die Erbsünde ist der Verstand des Menschen verfinstert worden. Ja, der Mensch ist teilweise erblindet. Der Verstand, seine geistige Tätigkeit ist ganz dem Irdischen zugewandt. Nur schwer vermag er die übernatürlichen, die himmlischen Dinge zu betrachten. Die Wahrheit wird vergessen, vor allem jene Wahrheit, daß Jesus Christus unser Erlöser, unser Heiland ist, und er wird Derjenige sein, der uns verherrlicht.

In der geistlichen Betrachtung, in der Predigt, auch im Gebet vor dem Tabernakel, in der hl. Messe, in der hl. Beichte sollen die Seelen erleuchtet werden, zu Christus zurückgeführt werden, zu Ihm, der das Licht der Seelen ist.

Heut ist der Tag, daß wir hier das Werk in Angriff nehmen, auch für Österreich ein Exerzitienhaus aufzubauen. … Sie alle sind aufgefordert, hierher zu kommen, um an den Exerzitien teilzunehmen und sie sind weiter aufgefordert, andere Menschen zu finden und sie hierherzurufen. Es werden die Exerzitien vor allem nach der Methode des hl. Ignatius gepredigt werden. Die Seelen sollen also das Licht der Wahrheit erhalten, die Liebe zu Jesus Christus soll hier entflammt werden. Wozu das alles? Zu nichts anderem als dazu, daß die Seelen den einzigen und richtigen Weg zum ewigen Leben finden.“

Wir dürfen uns also heuer freuen, vom Altar der Schlosskapelle ausgehend, seit 35 Jahren für diese hohen Zwecke das Apostolat ausüben zu dürfen.

Quelle: Pater Klaus Wilhelm

Univ.-Prof. Dr. Herbert Hunger, Gründer der Wiener Schule der Byzantinistik, Erzbischof Lefebvre, in Jaidhof am 19.10.1985.