Überwindung des Pessimismus in unserem Apostolat

04 Oktober, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Gedanken zum Fest der hl. Theresia vom Kinde Jesu

Die hl. Theresia vom Kinde Jesu ist 1927 von Papst Pius XI. zur Patronin aller Missionen neben dem hl. Franz Xaver erklärt worden. Vielleicht ist es angebracht, heute über ein Haupthindernis in unserem apostolischen Wirken zu sprechen und uns von unserer Heiligen dann schließlich kurz und klar den rechten Weg weisen zu lassen, zu erkennen, dass wir Werkzeuge sind, dass Misserfolg und Leiden, ja jedes kleinste Kreuz die großen Gnaden unseres apostolischen Wirkens sind.

„Habt Vertrauen, ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33), spricht der Herr als von einer vollendeten Tatsache. An diesem eindeutigen Sieg Gottes rüttelt keine Macht der Hölle mehr.

So sehr sich heute unzählige Menschen, ja vielleicht ganze Völker von Gott und seinem Gesetz entfernt haben, so ist dennoch die Ausrichtung der Menschennatur auf Gott, die Sehnsucht nach allem was wahr, gut und schön ist, nicht völlig austilgbar und sicher nicht dauerhaft unterdrückbar. Und schließlich ist auch die heutige Zeit keine gnadenlose Zeit.

Auch wir stehen in der Gnadensonne des heiligen Kreuzes, auch für unsere Sünden ist Christi Blut geflossen aus seinem durchbohrten heiligsten Herzen. Und wir glauben an die ewige Jugend und Lebenskraft der heiligen Kirche, auch wenn sie heute an einen Tiefpunkt Ihrer Geschichte steht, wie nie zuvor.

Wir brauchen unbedingt ein kräftiges, junges und frohes Herz, wir besitzen es auch, wenn wir nur dem Willen Gottes treu und ganz hingegeben folgen. Darüber hinaus steht es uns nicht zu, die Zeit und Stunde zu erforschen, die Gott für seinen Sieg bestimmt hat. Vielleicht ist sie näher als wir denken. Als Katholiken sind wir immer missionarisch eingestellt, der Missionsbefehl Christi bleibt aktuell und dringlich bis zur letzten Stunde, bis zum Ende der Zeiten.

Um dem Pessimismus im apostolischen Wirken gut entgegenzutreten, muss man an seine Wurzeln gehen. Welche sind sie?

  1. Eine falsche Erwartung hinsichtlich des Erfolges der missionarischen Arbeit in dieser Zeit. Wir Christen sind Optimisten, aber keine Phantasten und Illusionisten. Ein gesunder Realismus zeichnet jeden guten Missionar aus. Wir versprechen uns keinen größeren Erfolg, als ihn uns der Herr wirklich in Aussicht stellt. Der Herr sagt klar voraus, dass das Reich Gottes auf Erden immer ein Weizenfeld bleiben wird, in dem auch das Unkraut wuchert. Wer etwas anderes erwartet, als eine ständig mit dem Bösen ringende Kirche, der läuft einer Illusion nach.
  2. Mangelnde Glaubensgesinnung. Wissen, Rhetorik, Organisation sind zweifellos Dinge die gebraucht werden, aber sie in der Wirksamkeit so in den Vordergrund stellen, als ob davon das ganze Heil abhinge, heißt das Apostolat auf ein falsches Fundament zu stellen. Die Versuchungen in diesem Bereich sind heute sehr groß. Eine solche Haltung muss früher oder später zu schweren Enttäuschungen und auch inneren Krisen führen. Denn die Aufbauarbeit in der Kirche vollzieht sich nach anderen Gesetzten als jenen der irdischen Unternehmen. Der gläubige Optimismus rechnet vor allem - und hier unterscheidet er sich am tiefsten von jenem bloß natürlichen Optimismus - von vornherein das Kreuz in allen seinen Formen als stärkste Hilfe für den apostolischen Erfolg ein. Also genau das, was der irdische Unternehmer als negativ und als Verlust bucht. Darum zerbricht etwa ein tiefgläubiger Priester nicht an der rauen Wirklichkeit des Lebens, sondern läutert sich gerade an ihr zu immer reinerer Liebe und Hingabe. Er ist als wahrer Jünger Christi auf den Widerspruch und den Misserfolg gefasst. Die irdische Gesinnung unserer Zeit verlangt mehr denn je den raschen, möglichst in Zahlen greifbaren Erfolg. Das ist ein weiterer Grund vieler Entmutigungen. Wer hingegen in Gottes Gedanken und Perspektiven zu denken gelernt hat, weiß, dass der eigentliche apostolische Erfolg sich meist ganz dem Blick entzieht, nur allmählich ausreift. Das Leben so vieler Heiliger zeigt es uns mit aller Deutlichkeit. Die Quellen eines apostolischen Optimismus fließen nur dem, der in tiefem und lebendigem Glauben steht.
  3. Unerfüllte Geltungssucht. Prüfen wir ehrlich unsere Verstimmungen, unsere Niedergeschlagenheit und Resignation im apostolischen Wirken auf ihre wahre Ursache und wir werden doch auch auf diese Sucht stoßen. Es bleibt ewig bewundernswert, wie die Erbauer der mittelalterlichen Dome sich an ihr Werk machten mit dem sicheren Bewusstsein, dass erst spätere Generationen vollendet schauen werden, was sie begonnen haben. Generationen, die nicht mehr die Namen der Meister kennen würden. Effekthascherei in der Seelsorge, Neuerungssucht, die ständig in der Arbeitsweise alles ändern will, unmäßige und unangebrachte Überprofessionalität sind völlig fehl am Platz in einem apostolischen Unternehmen. Nie darf der persönliche Erfolg, die eigene Geltung zur offenen oder geheimen Triebfeder unseres Wirkens werden.

So bleibt es dabei, dass das letzte Geheimnis des apostolischen Erfolges in der Selbstlosigkeit des Apostels liegt, dass er sich sieht als das, was er in Wirklichkeit ist, als Werkzeug in den Händen des allmächtigen Gottes. Darin, dass einer es versteht, sich selbst aufzugeben und sich vollständig als Werkzeug Christus zu überlassen. Apostolischer Optimismus ist keine Sache unseres Temperaments oder des Gefühls der blinden Begeisterung oder des jugendlichen Elans, der sich bald verbraucht, wenn er nicht aus den tiefen übernatürlichen Quellen schöpft.

Als die hl. Theresia vom Kinde Jesu am 11. Juni 1895 den Text ihrer Aufopferung an die barmherzige Liebe verfasste, schrieb sie folgendes nieder: „Ich danke Dir, o mein Gott, für alle Gnaden, die Du mir verliehen, ganz besonders dafür, das Du mich durch den Glutofen der Liebe hindurchgehen ließest.“ Zu begreifen, dass Kreuz und Leiden die große Gnade eines apostolischen Lebens sind, dazu sind wir alle dringend aufgerufen. Die hl. Theresia durfte bis auf den Gipfel der vollkommenen Hingabe gelangen, sie hat die Bedeutung des Leidens begriffen und schließlich zu ihrer Freude gemacht. „Unter der Kelterpresse des Leidens werde ich Dir meine Liebe beweisen; ich will keine andere Freude kennen als mich hinzuopfern jeden Tag.“ Hier haben wir die tiefe übernatürliche Quelle die uns zu frohen Aposteln macht, die jeden Pessimismus beseitigt. Folgen wir hierin, so gut wir nur können, unserer kleinen hl. Theresia! Amen.

Quelle: P. Johannes Regele, Priorat St. Klemens Maria Hofbauer, Wien.