Das Wunder von Guadalupe

2016
Quelle: Distrikt Österreich

Das Gnadenbild von Guadalupe heilt Gottlosigkeit und Unglaube. Seit fünf Jahrhunderten.

Zweifellos unerklärlich

Das Gnadenbild unserer lieben Frau von Guadalupe steht nicht nur im Zentrum des größten Wallfahrtsortes der Welt, es ist auch eines der beeindruckendsten Wunder, die Gott seiner Kirche - durch Maria - je geschenkt hat. Im Folgenden seien die markantesten wunderbaren Eigenschaften kurz erläutert.

  • Das Gewebe: Das Bild besteht aus Maguey-Kaktusfasern. Die gewöhnliche Lebensdauer eines solchen Kaktusfaserstoffes in der Art der Tilma beträgt höchstens 20 Jahre! Das Bild ist nun schon fast 500 Jahre alt. Doch das Gewebe der berühmten Tilma weist nicht das geringste Zeichen eines Verfalls auf. Die Farben des Bildes sind bis heute leuchtend frisch und farbvoll, wie neu!
  • Die Farben: Keine Pinselstriche sind vorhanden. Es ist keine schützende Lackierung vorhanden, trotz der unerklärlich guten Erhaltung von Bild und Stoff. Keine Farbe ist identifizierbar, weder ein pflanzliches, ein tierisches oder ein mineralisches. Dies wurde eindrücklich durch den deutschen Nobelpreisträger für Chemie, Richard Kuhn, nachgewiesen.
  • Die Augen: In beiden Augen spiegelt sich die damalige Szene der Bildentstehung im Jahr 1531 vor dem Bischof. Nach modernster Computerbildanalyse kann man folgendes erkennen: einen sitzenden Indio; die Gesichter von möglicherweise Bischof Zumárraga und dem Dolmetscher Gonzales; dann Juan Diego, seine Tilma öffnend; die Büste einer Frau und einen bärtigen Spanier. In der Mitte: eine Eingeborenengruppe mit Kind.
  • Der Erhaltungszustand: Der unerklärlich gute Erhaltungszustand von Gewebe und Bild stellt ein weiteres Rätsel dar, für das die Forschung keine Erklärung hat. 

Das Fazit der Wissenschaft lautet somit: "Der Ursprung des Bildes der Madonna von Guadalupe ist unerklärlich". Für uns Katholiken steht deshalb umso eindeutiger fest: das Bild Unserer Lieben Frau von Guadalupe ist in seiner Entstehung nicht natürlich erklärbar, sondern bei dieser Abbildung handelt es sich um ein offenkundig übernatürliches Wunder.

Die Verehrung Unserer Lieben Frau von Guadalupe

Von Pater Klaus Wilhelm

Erst vor Kurzem begann ich mich eingehender mit der Marienerscheinung Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Mexiko vom 9. bis zum 12. Dezember 1531 zu befassen. Das ist ein großer geistlicher Gewinn. Man lese nur einmal das Zwiegespräch der Jungfrau Maria mit dem Seher, Juan Diego. Die Tugend der Demut drückt sich darin in herzerwärmender Weise aus, das Wort "Werdet wie die Kinder" zeigt sich am Seher Juan Diego und wirft ein Licht in die Seele desjenigen, der sich mit der Erscheinung befaßt.

Die Entstehungsgeschichte des Bildes

Maria erwählt sich einen armen Indio, der sich dem Auftrag gar nicht gewachsen fühlt. Er ist doch nur ein unbedeutender Mensch ohne Rang und Namen, ein Witwer von 57 Jahren! Wie soll er, ein armer, verachteter Indio vor den Bischof treten? Wird man ihn nicht zornig fortjagen?

Maria schickt aber gerade ihn zum Bischof von Tlatilolco (eine der beiden Städte, aus welchen die heutige Hauptstadt Mexiko-Stadt erwuchs) mit dem Auftrag, eine Kirche am Erscheinungsort zu bauen, das heißt am nahe der Stadt gelegenen Hügel Tepeyac. Die Diener des Bischofs behandeln ihn abweisend und lassen ihn lange warten. Der Bischof, der zwar gütig und höflich ist, will ihm nicht so recht glauben, daß ihm die Muttergottes erschienen ist und ihn mit einem hochoffiziellen Auftrag sendet. So kehrt Juan Diego noch am selben Abend verzagt und enttäuscht zum Hügel Tepeyac zurück, wo ihn die Muttergottes wieder erwartet. Er bittet sie, jemand anderen zu schicken, der geschickter, geachteter und höheren Standes ist. Aber nein, die heilige Jungfrau lächelt ihn zärtlich an und beharrt darauf, daß gerade er der vom Himmel auserwählte Bote an den Bischof sei.

"Sage ihm in meinen Namen und lasse ihn ganz genau meine Anordnung verstehen, daß er die Errichtung des Gotteshauses, worum ich ihn bitte, ausführen soll. Wiederhole ihm, daß ich persönlich es bin, die immerwährende Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, die dich sendet."

Gleich am nächsten Tag, einem Sonntag, begibt sich Juan Diego in aller Herrgottsfrüh zum Bischof. Die Diener empfangen ihn voll Ärger und lassen ihn einige Stunden draußen warten. Ohne von dieser Tortur zu wissen, empfängt ihn schließlich Bischof Zumárraga gütig, erstaunt darüber, ihn so schnell wieder in Audienz zu sehen. Juan Diego kniet nieder und wiederholt die Botschaft der Dame. Tränen stürzen dabei aus seinen Augen, und mit gefalteten und erhobenen Händen bittet er den Bischof, den Auftrag der Dame zu erfüllen. Bestürzt über dieses seltsame Verhalten legt ihm Zumárraga beruhigend die Hand auf die Schulter und stellt ihm viele Fragen, um die Wahrheit der Aussagen zu prüfen. "Wo hast du sie gesehen? Wie sah sie aus? Wie lange ist sie geblieben?" Ohne sich zu widersprechen, beantwortet Juan Diego alle Fragen. Zumárraga ist betroffen, will aber doch ein Zeichen vom Himmel haben, um sich von der Echtheit der Erscheinung überzeugen zu können.

So eilt Juan Diego davon, um für den Bischof ein Zeichen von Maria zu erbitten. Einige Leute des Bischofs, die ihm heimlich folgen, verlieren ihn aus den Augen und kehren verärgert zurück.

Wieder findet der arme Indio Maria in strahlendem Glanz, und sie verbirgt ihn vor den Spähern in einem lichten Nebel. Sie spricht zu ihm:

"Es ist sehr gut mein Söhnchen. Komme morgen hierher zurück, und du sollst das Zeichen erhalten, das er verlangt hat. Dann wird er glauben und nicht länger zweifeln oder dich verdächtigen."

Voll Freude über diese Worte kehrt Juan Diego nach Hause in das 12 km entfernt liegende Tolpetlac zurück. Dort findet er zu seiner großen Betrübnis seinen Onkel Juan Bernardino todkrank darniederliegen. Die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag sitzt er am Krankenlager und steht seinem Onkel so gut es geht bei. Der Todkranke bittet seinen Neffen, noch schnell einen Priester zu holen, der seine Beichte hören und ihm die Sterbesakramente spenden könne. So macht sich Juan Diego am Dienstag, den 12. Dezember, um vier Uhr morgens auf den Weg und geht so schnell er kann nach Tlatilolco. In kindlicher Einfalt will er die Dame nicht treffen, um keine Zeit zu verlieren, und so wählt er den Weg auf der anderen Seite des Hügels. Doch "der Mensch denkt, und Gott lenkt". Von Licht umgeben kommt die Dame den Hügel herab und schneidet ihm den Weg ab. Mit gütiger Stimme ruft sie ihn an:

"Was ist geschehen, mein Söhnchen, wohin gehst du?"

Verwirrt braucht er einige Zeit, um sich wieder zu fassen. Schließlich sagt er: "Edle Herrin, es wird dich betrüben zu hören, was ich zu sagen habe. Mein Onkel, Dein armer Diener, ist sehr krank. Er leidet an hohem Fieber und liegt im Sterben. Ich eile zur Kirche in der Stadt Mexiko, um einen Priester zu holen, der ihm die Beichte hören und die Sterbesakramente spenden soll. Wenn ich das getan habe, werde ich unverzüglich zurückkommen, um Deinen Auftrag auszuführen." Er schaut sie nun bittend an: "Bitte vergib mir und habe Geduld mit mir. Ich will Dich nicht betrügen. Ich verspreche Dir getreulich, morgen in aller Eile hierher zu kommen."

Maria zeigt sich voll Liebe und Mitgefühl und antwortet mit zärtlicher Güte:

"Höre und lass es in dein Herz dringen, mein liebstes kleinstes Söhnchen. Nichts soll dich erschrecken, nichts dich betrüben. Dein Herz beunruhige sich nicht. Fürchte nicht diese Krankheit noch irgendeine andere Krankheit oder einen Kummer. Bin ich denn nicht hier, deine Mutter? Bist du denn nicht in meinem Schatten, unter meinem Schutz? Bin ich nicht der Brunnen deiner Freude, dein Heil? Bist du nicht in den Falten meines Mantels, in der Beuge meiner Arme? Brauchst du noch mehr als das? Lass dich weder wegen der Krankheit deines Onkels noch wegen irgendetwas anderem beunruhigen, denn er wird daran nicht sterben. Sei gewiss, er ist schon geheilt.“ Im selben Augenblick ist sein Onkel geheilt, wie man später erfährt.

Die Dame wünscht nun, daß er auf den Gipfel des Tepeyac steige, um dort Blumen zu pflücken. obwohl dort normalerweise keine Blumen wachsen, sondern nur Feigendisteln, Kakteen und Mezquite-Sträucher auf spitzigem Felsengrund. Zudem befinden wir uns im Monat Dezember, wo alles von Frost erstarrt - durchaus keine Jahreszeit für Blumen. Doch, oh Wunder: er findet ein Paradies an Blumen vor, herrlich anzuschauen in ihren Farben und einen lieblichen Duft verbreitend! Er füllt seine Tilma, seine Schürze, mit Blumen und bringt sie der Dame. Diese ordnet sie sorgfältig mit eigener Hand und spricht:

"Mein Söhnchen, diese verschiedenartigen Blumen sind das Zeichen, das du dem Bischof bringen sollst... Ich befehle dir, die Tilma nicht zu öffnen und ihren Inhalt erst in Gegenwart des Bischofs zu enthüllen. Dann sage ihm alles der Reihe nach. Schildere, wie ich dich nach oben auf den Hügel geschickt habe, um die Blumen zu pflücken, und was du dort gesehen und bewundert hast, damit du den Bischof überzeugen kannst, meinen Wünschen nachzukommen und das Gotteshaus hier zu bauen, wie ich gebeten habe.“

Voll Freude nimmt Juan Diego die Richtung nach Tlatilolco., und obwohl die Diener des Bischofs ihn erbost verjagen wollen, läßt er sich in demütiger Hartnäckigkeit nicht abschütteln, sondern gelangt wiederum vor den Bischof, der von einer Anzahl hoher Persönlichkeiten umgeben ist. Dort entrollt er seine Tilma, um ihm die Blumen als das von ihm erwünschte "Zeichen von oben" zu präsentieren. Alle Anwesenden starren zuerst auf die herrlichen Blumen, die zu Boden fallen, dann aber heften sie - wie elektrisiert - die Blicke auf die Tilma: strahlend schön ist darauf das Bild der Muttergottes zu sehen. Alle sinken in Ehrfurcht und Verehrung auf die Knie.

Als sich Bischof Zumárraga wieder erhebt, umarmt er Juan Diego und bittet ihn um Verzeihung, daß er ihm misstraute. Er bringt die Tilma mit dem Wunderbild in seine Privatkapelle, und schon nächsten Tag wird es in einer Triumphprozession zur Kathedrale getragen. Die Botschaft von dem wunderbaren Ereignis verbreitet sich in Windeseile in der ganzen Stadt und im ganzen Land. Unverzüglich wird auf dem Hügel Tepeyac eine kleine Kapelle erbaut und gleichzeitig werden Pläne für eine große Gnadenkirche erstellt.

Ein Bild verändert das Antlitz der Erde

In den 10 Jahren seit der Eroberung Mexikos durch die Spanier unter Hernán Cortés 1519–21 hatten sich nur sehr wenige Bekehrungen zum Christentum ereignet. Doch das sollte sich jetzt schlagartig ändern. Unsere Liebe Frau von Guadelupe übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Während die katholische Kirche in Europa zur selben Zeit etwa sechs bis acht Millionen Katholiken durch die Reformation verlor, gewann sie in Mexiko binnen weniger Jahre neun Millionen Azteken dazu. Die wenigen Missionare waren mit Predigen, Unterrichten und Taufen überlastet, manche Priester mußten an einem einzigen Tag tausende Taufen spenden. Kirchen, Klöster, Hospitäler, Schulen und Werkstätten wurden im ganzen Land errichtet, und im Jahre 1551 wurde die Universität von Mexiko gegründet, die jetzt größte der Welt.

Unterdessen lebte der demütige Seher von Guadalupe die letzten 17 Jahre seines Lebens asketisch in einer kleinen Klause direkt bei dem damals noch bescheidenen Heiligtum am Hügel Tepeyac. Nie wurde er müde, den Tausenden Indios, die als Wallfahrer zum Gnadenbild kamen, die zärtlichen Worte der Muttergottes und die Geschichte des Bildes zu erzählen. Er trug mit diesem aufopferungsvollen Apostolat ganz wesentlich zur Massenbekehrung der Azteken bei. Juan Diego starb am 30. Mai 1548 im Ruf der Heiligkeit und wurde in der Gnadenkapelle bestattet.

Der Erscheinungsort auf dem Hügel von Tepeyac befindet sich übrigens an jener Stelle, wo zur Zeit der Azteken ein der Göttin Tonantzin geweihter Tempel stand. Dieser Göttin wie auch den anderen verschiedenen Göttern brachten die Azteken in grausamer Weise jährlich tausende Menschenopfer dar. Der mächtigste Gott war Quetzelcoatl in Gestalt einer gefiederten oder steinernen Schlange. Maria erwies sich wahrhaft als die Schlangenzertreterin, die diesem dämonischen Treiben der Menschenopfer ein Ende setzte.