Erzbischof - Predigten | Drucken |

Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre

am 29. Oktober 1981 in München

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Meine geliebten Brüder!

Zunächst werde ich einige Worte an die Personen richten, die in wenigen Augenblicken das Sakrament der Firmung empfangen werden. Anschließend kann ich Sie anläßlich meines Besuchs in Ihrer schönen Münchener Gemeinde nur dazu ermutigen, die heilige Treue im Glauben zu bewahren.

Meine lieben Freunde, Sie werden das Sakrament der Firmung empfangen. Ich zweifle nicht daran, daß Sie von Ihren Eltern und Priestern richtig vorbereitet wurden. Diese Menschen haben sich bemüht und Ihnen geholfen, das Wesen der heiligen Firmung besser zu verstehen. Nach dieser Zeremonie werden Sie selbst beurteilen können, was das Sakrament der Firmung für Sie bedeutet.

Unser Herr Jesus Christus wollte das Sakrament der Firmung selbst einsetzen. Dies geschah nicht ohne Grund. Schon der Name „Sakrament der Firmung“ bedeutet, daß Sie in der Gnade, die Sie bereits in der Taufe empfangen haben, gefestigt werden, daß der Heilige Geist, den Sie am Tage Ihrer Taufe empfangen haben, zukünftig in einem noch höheren Maß in Ihnen wohnen wird. Eines Tages werden Sie Hindernissen die Stirn bieten müssen, die sich Ihnen in Ihrem Leben als Christ entgegenstellen werden, weit größeren, schwierigeren Hindernissen. Dann werden Sie diese besondere Gnade des Heiligen Geistes benötigen. Vor allem werden Sie die Gabe der Stärke benötigen, die der Heilige Geist Ihnen beim Empfang des Sakramentes auf eine hervorragende Weise geben wird.

Zu Beginn der Zeremonie wird der Bischof seine Hände ausstrecken und den Heiligen Geist herabrufen, damit Er in Ihr Herz einzieht. Dabei zählt der Bischof alle Gaben des Heiligen Geistes auf. In diesem Augenblick werden Sie jedoch noch nicht die Gnade des Sakramentes empfangen. Anschließend knien Sie zu den Füßen des Bischofs nieder, begleitet von Ihrem Firmpaten. In dem Moment, wenn der Bischof die Hand auf Ihr Haupt legt, Ihre Stirn mit dem Kreuzzeichen bezeichnet und die Worte des Firmsakramentes ausspricht, wird der Heilige Geist auf besondere Weise in Ihre Seele herabkommen und Ihre Seele prägen. Ihrem Herzen wird ein unauslöschliches Merkmal, gleich dem Merkmal der Taufe, eingeprägt. Es wird ein Zeichen sein, das allen Engeln und Heiligen des Himmels sichtbar ist und offenbar wird. Sie werden erkennen, daß Sie die Gnade des Firmsakramentes empfangen haben.

Was werden die Wirkungen dieser Firmgnade sein? Es sind ganz besonders zwei Wirkungen. Die erste Wirkung ist die Hilfe zu Ihrer Heiligung und Vervollkommnung als Christ. Sie wird Ihnen eine Hilfe in Ihrem Leben als Christ sein. Sie werden bemerken, daß der Bischof Ihre Stirn mit dem Kreuzzeichen bezeichnet. Damit zeigt er Ihnen, daß Sie keine Angst haben dürfen, das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus zu bezeugen. Sie dürfen keine Angst haben, Ihren Glauben an dieses Kreuz öffentlich zu bezeugen. Dieses Kreuz muß sich in Ihr Herz einprägen, damit Sie eine immer größere Liebe zu Unserem Herrn Jesus Christus erhalten. Alle teuflischen Einflüsse und die bösen Einflüsse der Welt, die Ihre Seele verderben wollen, wird dieses Kreuz von Ihnen fernhalten. Sie werden dadurch mehr Mut und Kraft erhalten, gegen die Einflüsse des Teufels und gegen die Einflüsse der Welt anzukämpfen.

Die zweite Wirkung besteht darin, daß Sie ein Missionar sein werden. Sie sollen Missionar sein. Wer gefirmt wurde, wird zum Missionar, zum Soldaten Unseres Herrn Jesus Christus, der seinen Glauben in der Öffentlichkeit bekennt. Ohne Angst werden Sie allen, die Sie umgeben, zeigen, daß Sie katholisch sind und den Glauben besitzen. Sie werden Ihr Glaubensbekenntnis mutig vortragen, wie am Ende dieser Zeremonie. Vor der versammelten Gemeinde, im Angesicht der Kirche, der hll. Engel, der Heiligen des Himmels, werden Sie das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und das Gegrüßet seist du Maria beten, und so Ihren Glauben bekennen. Seien Sie Missionare und Kämpfer für Unseren Herrn Jesus Christus! Wandeln Sie auf den Spuren derjenigen, die ihren Glauben selbst mit ihrem Blut bezeugt haben. Wandeln Sie auf den Spuren der Märtyrer, junge Menschen wie Sie, die allen bösen Einflüssen widerstehen konnten. Lieber haben sie ihr Leben gelassen, sich dahingegeben und geopfert, als Unseren Herrn Jesus Christus zu verraten.

Das sind die Wirkungen des Sakramentes der Firmung. Sie sehen, wie wichtig das Sakrament der Firmung besonders in der heutigen Zeit ist. Der Teufel hat heute mehr Einflußmöglichkeiten als je zuvor. Bisher standen diese ihm nicht so reichlich zur Verfügung. Die Einflußmöglichkeiten, denen er sich heute bedient, finden sich überall. Er findet sie selbst in unseren Wohnungen. Überall finden sich Einflüsse, die uns zur Sünde anreizen und uns von Gott und Unserem Herrn Jesus Christus abbringen. Dank der Stärke, die Sie vom Heiligen Geist empfangen werden, können Sie Ihr Leben zu einem christlichen Werk machen. Folgen Sie dem Beispiel Ihrer guten christlichen Eltern. Folgen Sie dem Beispiel der Menschen, die Ihnen in der heiligen Kirche vorangegangen sind und die ebenfalls, wie Sie, die Gnade des Sakramentes der Firmung empfangen durften.

Meine lieben Freunde, die Kirche befindet sich in der heutigen Zeit in einer sehr schmerzlichen und mühevollen Lage. Ich möchte daher einige Worte der Ermutigung an Sie richten. Eine der hauptsächlichsten Eigenschaften der Katholiken, die den Glauben bewahrt haben, ist die Treue. Seien Sie treu! Unser Herr Jesus Christus selbst ermutigt uns, treu zu sein. „Euge, serve bone et fidelis! – Trefflich, du guter und getreuer Knecht!“ (Mt 25, 21). Unser Herr erwartet von uns, daß wir treu sind. Sie wurden vom lieben Gott auserwählt, liebe Freunde. Ich bezweifle nicht, daß Sie dem katholischen Glauben treu bleiben und auch wirklich treu sind. Sie werden dem Glaubensbekenntnis treu bleiben, das Sie durch Ihre Eltern gelernt haben. Bleiben Sie dem Glaubensbekenntnis und dem Katechismus der katholischen Kirche treu.

Es scheint mir jedoch, daß es nicht ausreichend ist, nur im Glauben treu zu sein. Es genügt nicht, nur der Überlieferung treu zu bleiben. Wenn wir wirklich dem Geist Jesu Christi in jeder Hinsicht treu sein wollen, der dem Geist der Kirche entspricht, dann müssen wir auch der Heiligkeit der Kirche treu sein. Wir dürfen nicht nur im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe treu sein, sondern wirklich in der Heiligkeit der Kirche. Die Kirche ist an die Überlieferung gebunden. Wenn es ein Merkmal der überlieferungstreuen Kirche gibt, dann ist es dieses Merkmal der Heiligkeit.

Gott sei gelobt, daß die überlieferungstreuen Gruppen der Kirche, wie Sie und Menschen in allen Ländern, die sich um treue Priester scharen, die Heiligkeit der Kirche offenbaren. Glücklich können wir feststellen, daß in diesen Gruppen, die der katholischen Überlieferung treu sind, das Wesen der Heiligkeit der Kirche zu finden ist.

Ganz in Ihrer Nähe, in Zaitzkofen, finden Sie ein überzeugendes Beispiel der Heiligkeit. Gruppen, die die Überlieferung der Kirche bewahren. Die Berufungen zum Priestertum, zu einem geweihten Leben als Ordensbruder oder als Ordensschwester sind ein Offenbarwerden der Heiligkeit der Kirche. Die Kirche erhält dadurch eine beweiskräftige Offenbarung ihrer Heiligkeit.

Das gläubige Volk und selbst Ungläubige erkennen die Echtheit der Kirche in ihrer Heiligkeit an. Sie erkennen ihre Heiligkeit am Vorhandensein heiligmäßiger Priester, Ordensbrüder und Ordensschwestern, die keine Angst davor haben, ihren Stand zuzugeben.

Beachten Sie bitte, dieses Vorbild der Heiligkeit zeigt sich nicht nur innerhalb der Gruppen, die der katholischen Überlieferung treu bleiben. Sie zeigt sich auch in den wahrhaft christlichen Familien und in den guten christlichen Ehen. Es ist für uns eine große Freude und Genugtuung, wenn wir feststellen dürfen, daß diese Familien und jungen Ehepaare mit ihren Kindern glücklich sind und die Tugenden einer christlichen Familie oder christlichen Ehe üben. Auf der ganzen Welt sieht man diese Beispiele, selbst in den Gebieten Nordamerikas, wo die sittliche Verdorbenheit wahrscheinlich schlimmer ist, als irgendwo sonst auf der Welt. Aus diesen Familien werden wieder Berufungen zu Priestern, Ordensmännern oder Ordensfrauen hervorgehen. Davon sind wir überzeugt. Wir sehen darin die Zeichen der Heiligkeit der Kirche.

Bitte bleiben Sie dieser Heiligkeit treu. Helfen Sie gerade durch diese Heiligkeit und ihren Wirkungen, den Menschen in ihrer Umgebung, die den Glauben aufgegeben haben. Überall herrscht Ausschweifung, Ehescheidung, Absagen an ein christliches Familienleben und an christliche Grundsätze. Denken Sie daran, wie viele Personen das Priestertum oder das Ordensleben aufgegeben haben. Beweisen Sie diesen Menschen, daß sich die Treue im Glauben und in der Heiligkeit zeigt.

Ein zweiter Beweis der Heiligkeit ist das Gebet, das allen hilft, die die Treue zum katholischen Glauben aufrechterhalten wollen.

Wir können es voll und ganz bestätigen. Gruppen, die beten, bewahren die Überlieferung der Kirche und den katholischen Glauben. Sie erhalten die Heiligkeit der Kirche aufrecht. Diese Gruppen bewahren die Andacht zur allerheiligsten Eucharistie und üben ein tiefe Andacht zum heiligen Meßopfer. Man erkennt dies an der Ehrfurcht, mit der sich Gläubige dem Sakrament der Eucharistie nähern. Diese Zeichen trügen nicht. Zeichen der Andacht der Heiligkeit der Kirche sind die Andachten zur allerheiligsten Eucharistie und zur allerseligsten Jungfrau Maria.

In unseren Gruppen wird gebetet. Wir beten den Rosenkranz. Viele beten ihn in der Familie und in ihren Gemeinschaften. Sie kommen, wenn der Priester den Rosenkranz vorbetet. Sie können sich diesen Priestern anschließen, um die allerseligste Jungfrau Maria um ihre Fürbitte anzuflehen. Das ist die Kirche!

Wir wollen nicht nur dem Glauben in der Lehre treu sein. Sicherlich ist das unerläßlich und wichtig. Vor allem müssen wir im Beweisen des Glaubens treu sein, in den Folgerungen, die sich aus unserem Glauben ergeben und in den Schlußfolgerungen der Heiligkeit. Ich möchte Sie ganz besonders dazu ermutigen, täglich in diese Kapelle zu kommen, selbst wenn es nur eine bescheidene Kapelle ist. Es ist notwendig, daß Sie hierher kommen. Sie finden Unseren Herrn Jesus Christus hier wahrhaft gegenwärtig. Hier finden Sie das wahre heilige Meßopfer. Sie finden hier die Andacht zu den Sakramenten, zur heiligen Kommunion und die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. Ganz besonders möchte ich Sie dazu ermutigen, dabei zu bleiben und zu verharren! Das ist die Kirche. Sie sind die Kirche. Sie setzen die Kirche fort und Sie sind Zeugen der Kirche. Damit beweisen Sie auch, daß Sie die Gnade der Firmung empfangen haben. Heute Abend, im Verlauf dieser Feier, werden wir gemeinsam die Messe beten, damit die Kirche fortbesteht und sich noch viele Gruppen an anderen Orten bilden. Nicht allzu weit entfernt, in Stuttgart, konnte ein neues Priorat gegründet werden, in dem sich Priester unserer Bruderschaft befinden. Etwas weiter entfernt, in Wien/Österreich, werden zwei Priester die katholische Tradition aufrechterhalten. Was für eine große Freude.

Am letzten Sonntag war ich in Essen, mitten im Ruhrgebiet. Ich konnte einen großen Eifer dieser Gruppe feststellen. Auch dort werden in Zukunft Priester sein, die die Sakramente spenden.

Wie tröstlich und erhebend ist das alles! Es ermutigt uns weiterzumachen!

Haben wir Vertrauen! Übergeben wir uns vor allem dem Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria. Kämpfen wir unverdrossen weiter, bis zu dem Tag, an dem der liebe Gott erlaubt, daß der überlieferte Glaube wieder in seine öffentlichen und staatlichen Rechte innerhalb der Kirche eingesetzt wird.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.