Mitteilungsblatt Juni 2017

„Gegen Fakten gibt es keine Argumente“ • Fatimatag in Innsbruck • Nationales Drittordenstreffen in Jaidhof • Ankündigung: Familientreffen in Jaidhof • Einladung zur Priesterweihe • Unsere Weihekandidaten • Im Dienst des katholischen Priestertums • Drei neue Novizinnen • Geistliches Brief des Generaloberen • 100 Jahre Fatima – Das Unbefleckte Herz Mariä in der Erscheinung vom 13. Juni 1917 • Msgr. Marcel Lefebvre – Wir müssen in der Liebe bleiben • Liturgischer Kalender • Exerzitien und Einkehrtage • Heilige Messen • Buch des Monats • Zeugnis geben

Liebe Freunde und Wohltäter!

Es ist mir ein gewichtiges Anliegen, auf die Weltpilgerreise U. L. Frau von Fatima von 1947 bis 1959 zurückzukommen. Zum einen ist dieser in der Geschichte einmalige Triumphzug der Gottesmutter weithin in Vergessenheit geraten, zum anderen wird seine eminente historische Bedeutung für die heutige Zeit meist völlig verkannt. Um diesem bedauerlichen Manko abzuhelfen, sei in der Folge die Ansprache zum Beginn der Pilgerreise der Fatima-Madonna durch unseren Distrikt am 7. Mai in Wien in leicht verändertem Wortlaut wiedergegeben.

Für jeden Menschen und jede Gemeinschaft bedeutet es eine Freude und Ehre, hohen Besuch zu erhalten. Der Gipfel der Ehre und Freude ist aber erreicht, wenn der vornehmste Besuch den man sich denken kann, eintrifft. Dieses Glück ist uns heute zuteilgeworden.

Niemand anderes als die Königin der Welt, die Mutter des Erlösers und unsere himmlische Mutter, hat sich gewürdigt, hier in Wien ihre Reise durch die Länder unseres Distrikts anzutreten. Die Segnung der Fatima-Statue und ihre Pilgerfahrt sind nicht einfach nur fromme religiöse Übungen, oh nein, seien wir überzeugt, dass an allen Orten, wo die Statue eintreffen wird, die Gottesmutter selbst sich würdigt, den Ort gnadenhaft heimzusuchen und in besonderer Weise bei ihren Kindern zu weilen.

Die Erfahrung früherer Jahrzehnte beweist, dass die Reisen der Pilgermadonna von Fatima immer von außerordentlichem, ganz unerwartetem Segen begleitet waren. Wo die himmlische Pilgerin auch hinkam, welches Land sie auch besuchte, überall hat sie die Menschenherzen berührt, wurde sie mit Jubel empfangen, und als die freigebigste Königin hat sie in ganz ungeahnter Fülle Gnadengeschenke vom Himmel mitgebracht.

Diese heute beginnende Pilgerreise der Fatima-Statue möchte eine bescheidene Fortsetzung der berühmten Pilgerfahrt U. L. Frau von Fatima vergangener Jahrzehnte sein. Wenn Sie also wissen möchten, was Sie in den kommenden Tagen erwartet, welches die tiefere Bedeutung der marianischen Mission ist, brauchen wir nur einen Blick auf die Geschichte der großartigen Weltpilgerschaft Mariens werfen, welche im Jahre 1947 ihren Anfang genommen und die Pilgermadonna durch zahlreiche Länder auf allen Kontinenten der Erde geführt hat.

Weltpilgerschaft Mariens

Wie kam aber die Muttergottes überhaupt auf die Idee, Ihr Heiligtum in Fatima zu verlassen und auf Reisen zu gehen? Es scheint, dass es ihr nicht genügte, einfach in ihrem Heiligtum zu bleiben, um ihre Kinder, die aus aller Welt zu ihr kamen, zu empfangen. Ihre mütterliche Liebe drängte sie, sich selber auf den Weg zu machen, um ihre Kinder zu besuchen, aus Mitleid, im Wissen, dass so viele von ihnen in großer Not lebten. Und in der Tat, die Not war in mehrfacher Hinsicht riesengroß:
 

  • Der Zweite Weltkrieg hatte die Völker zerrissen und in tiefes Elend gestürzt. Kein Jahrhundert hatte so schreckliche Kriege gesehen wie das zwanzigste.
  • Noch größer war aber die geistige Not, die Gefahr der Gottentfremdung. In vielen Ländern war der Glaube bedroht, er war in Gefahr, zu erkalten und verloren zu gehen. Gottfeindliche Ideologien vergifteten überall die Geister. Und es gab viele Völker, die noch vom Licht des Evangeliums ausgeschlossen waren und unter dem Joch des Aberglaubens schmachteten.

Das war ohne Zweifel der Grund, warum die himmlische Mutter sich selbst aufmachen wollte, um die Menschen in allen Ländern, die ja ihre Kinder sind, zu besuchen, ihnen ihr mütterliches Erbarmen zu schenken und die Botschaft des Heils und des Friedens zu verkünden.

So begann also die Reise der heiligsten Jungfrau am 13. Mai 1947 in Fatima und führte sie zunächst durch die europäischen Länder und dann in alle Kontinente bis an die Grenzen der Erde, nach Afrika, Asien, Australien, zu den Pazifik-Inseln bis nach Amerika.

Was nun die Augenzeugen dieser Reise erlebten, übertraf schlicht und einfach bei weitem die kühnsten Erwartungen. Die Pilgerschaft durch die Länder der Erde wurde zu einem Triumphzug, den die Welt noch nie gesehen hatte und der als einmalig in der Geschichte bezeichnet werden kann. Alle Menschen ohne Ausnahme wurden in den Bann der schönen, lächelnden Madonna gezogen. Die Herzen flogen ihr zu, da sie ja auch selbst in verschwenderischer Fülle ihre Liebeserweise auf ihre Kinder ausgoss. Der Jubel und die Begeisterung in den Städten und Ortschaften kannten keine Grenzen. 

Indes nicht nur gläubige Katholiken waren es, die ihrer Königin huldigten, beileibe nicht, auch jene, deren Glauben seit langem abgestorben war, sowie Andersgläubige und Ungläubige, alles wetteiferte, wer seine Liebe und Huldigung der himmlischen Königin am besten beweisen könne. Da war jener kommunistische Bürgermeister in Frankreich, der der Madonna bei deren Ankunft die Schlüssel der Stadt überreichte, um sie als Herrin der Stadt auszurufen, und der es sich nicht nehmen ließ, bei allen Feierlichkeiten zu Ehren der allerseligsten Jungfrau den Vorsitz zu führen. In Mozambique waren es die Moslems, die begeistert mithalfen, die Stadt festlich für den Empfang der Madonna zu schmücken, ja, sie baten um die Gunst, die Statue tragen zu dürfen. Und die Präsidenten der beiden islamischen Gemeinschaften baten um die Erlaubnis, während der feierlichen Prozession ein Grußwort öffentlich vortragen zu dürfen. In diesem Grußwort verliehen sie ihrer Ergriffenheit und Verehrung Ausdruck und bezeichneten diesen Augenblick als den bedeutendsten in der Geschichte von Mozambique. Sie schlossen mit den Worten: „Unsere Liebe Frau von Fatima, segne diese Stadt! Segne die ganze Menschheit! Erlaube, dass wir Dir diese bescheidene Verehrung entgegenbringen, sie entströmt unmittelbar unseren Herzen, die erfüllt sind von Verehrung und wahrer Liebe. Amen! Amen!“

Wer hätte so etwas je für möglich gehalten? Eine solch inbrünstige Huldigung der Gottesmutter von unzähligen Menschenscharen, die dem katholischen Glauben ja noch fernstanden. Das war ein Wunder der Gnade! Es schien allen ganz klar zu sein oder zumindest spürten sie es, dass die Mutter des Erlösers der Welt auch Mutter der ganzen Menschheit sein müsse, und somit auch Königin und Herrin der Welt.

Und ohne Zweifel wollte die Gottesmutter auf ihrer Reise in aller Deutlichkeit unter Beweis stellen, dass sie allen Menschen die zärtlichst liebende Mutter und mildeste Königin ist, die nur von einem Wunsch beseelt ist, ihre Kinder glücklich zu machen und ihnen vor allem das größte und letztlich einzige Glück zu schenken, nämlich Gott und den Himmel.

Es ist überaus faszinierend festzustellen, wie die herrlichen Wahrheiten über die allerseligste Jungfrau Maria auf ihrer Pilgerschaft überall so augenscheinlich, ja handgreiflich aufleuchteten. So konnte man hören: „Wir können nicht mehr glauben, dass Maria unsere mächtige Fürsprecherin ist, denn wir sehen es überdeutlich mit unseren eigenen Augen.“

Verweilen wir zu unserer Freude ein klein wenig bei diesen großen Wahrheiten über die Muttergottes, bei ihren Privilegien:

Vermittlerin aller Gnaden

Sie ist die Vermittlerin aller Gnaden. Nach dem göttlichen Ratschluss gibt es keine einzige Gnadengabe vom Himmel, die nicht durch die reinsten Hände Mariens zu uns gelangt. Wer auch immer auf dieser Welt irgendeine Gnade oder göttliche Hilfe bekommt, verdankt sie der Vermittlung und der Fürsprache Mariens.

Dass dem wirklich so ist, darüber konnte auf ihrer Weltpilgerreise bei niemandem auch nur der geringste Zweifel aufkommen. Überall weckte die himmlische Pilgerin in den Herzen der Menschen tiefste Freude und Begeisterung; sie goss zudem über sie einen solch überreichen Strom von natürlichen und übernatürlichen Gnadenwundern aus, dass – wie Pius XII. sagte – man es kaum glauben konnte, was man mit eigenen Augen gesehen.

Die Madonna kam beispielsweise in die kommunistische Stadt Charleroi in Belgien mit gottferner Bevölkerung. Doch wie im Flug eroberte sie die Herzen. Alles drängte sich zu ihr. Keiner wollte fehlen. Die Kirchen konnten die Menschenmassen nicht mehr fassen. So war man gezwungen, auch auf den Plätzen der Stadt Beichtstühle aufzustellen, wo Tag und Nacht Beichte gehört wurde und die Büßenden oft nach Jahrzehnten wieder mit Gott versöhnt wurden. Auch für die Kommunionausteilung griff man zu ungewöhnlichen Mitteln: Man wandelte kurzum die Einkaufsgeschäfte in provisorische Kirchen um, und an den Ladentischen wurde rund um die Uhr die hl. Kommunion ausgeteilt, damit jeder den eucharistischen Heiland empfangen konnte. Nach dem Besuch der Pilgermadonna konnte jeder feststellen: Die Stadt ist vollständig umgewandelt worden.

Hier sehen wir übrigens sehr schön, wie die Muttergottes die Menschen nur deshalb an sich zieht, um sie dann zu Jesus, ihrem göttlichen Sohn zu führen. So geschah es überall auf ihrer Pilgerreise. Es erfüllte sich abertausendfach, was wir im Salve Regina beten: „Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor.“

In Südafrika erlebte man in der protestantischen Bevölkerung so viele Bekehrungen, dass man viele alte Missionäre unter Tränen ausrufen hörte: „Das ist der schönste Tag unseres Lebens. Was wir in vielen Jahren nicht vollbringen konnten, erreicht die Madonna in einem Augenblick sozusagen im Vorübergehen.“

Aber nicht nur geistige Gnaden teilte Maria aus. In Hülle und Fülle überschüttete sie die Menschen mit ihren Gebetserhörungen und Wundern. Sie erbarmte sich nicht nur der Seelen, sondern auch der kranken Leiber, die sehr oft augenblicklich die Gesundheit wiedererlangten. 

In Birma näherte sich eine Buddhistin der Gnadenstatue. Sie hatte als Folge eines Unfalles ein entstelltes Gesicht, konnte den Mund nicht mehr schließen. Sie küsst die Füße der Gnadenstatue, fühlt den Verband herunterrollen und sieht sich vollständig geheilt. Voll Freude und Dankbarkeit meldete sie sich zum Eintritt in die katholische Kirche.

Wahre Ökumene

Durch all diese Tatsachen erteilt uns die Gottesmutter übrigens eine wichtige Lehre über den Sinn der Ökumene. Wahre Ökumene kann nur darin bestehen, den Irrgläubigen den wahren Glauben nahezubringen und sie zur Bekehrung, zum Eintritt in den einzigen Schafstall Christi zu bewegen. Der Weg zum Erlöser der Welt führt uns über Maria: Sie ist es, die durch ihre mütterliche Güte die Menschenherzen anzieht, erleuchtet und zur Umkehr bewegt. Hätten die Konzilsväter des Vatikanum II beherzigt, was U. L. Frau ganz offenkundig tausendfach unter Beweis stellte, wären uns die unseligen Konzilsdokumente, die einen falschen Ökumenismus einführten, der die falschen Religionen glorifiziert und deren Anhänger in ihrem Irrglauben bestärkt, erspart geblieben.

Mächtige Königin

Eine zweite Eigenschaft Mariens sei noch erwähnt: Sie ist die mächtige Königin der Welt. Sie übte in der Tat eine Macht über die Herzen aus, der niemand widerstehen konnte, auch die ihrer Feinde nicht. Verständlicherweise erregte der Triumphzug der Madonna zunächst nicht bei allen Begeisterung. Mancher Gottlose fühlte sich provoziert und heckte Pläne aus, um die Prozessionen zu stören oder die Gnadenstatue zu zerstören. Doch keiner der Feinde Mariens konnte seinen Plan ausführen. Maria wollte es nicht. Im Gegenteil, die meisten von ihnen wurden von einem Gnadenstrahl getroffen und fielen besiegt auf ihre Knie. 

In Vitoria in Brasilien ärgern sich zwei Kommunisten über die jubelnden Marienlieder der Volksmasse. Einer von ihnen hebt einen großen Stein auf und sagt zu seinem Kameraden:

„Ich werfe ihr diesen Stein ins Gesicht, und sie wird in Scherben zerbrechen.“ – „Tu es nicht! Sie lynchen dich!“ – „Es ist nicht gefährlich. Wenn ich werfe, wird es niemand bemerken. Siehst du nicht, dass alle schreien und beten? Ich entwische dann in der Menge.“ – „Also gut! Wirf!“, sagt der andere und sucht das Weite, um aus der Ferne zuzusehen. Aber er sieht kein Wurfgeschoß fliegen. So kehrt er an den früheren Platz zurück. Der Stein liegt am Boden, und der Schleuderer kniet in Tränen aufgelöst daneben.

„Was ist? Wirfst du nicht?“ – „Was willst du? Als ich sie anblickte, um nach ihr zu zielen, lächelte sie mich in einer Weise an, dass mir der Arm herabsank und ich mich niederknien musste. Und jetzt, weißt du, was ich tun werde? Ich gehe beichten und kommunizieren, und dann gehe ich bei der Prozession mit!“ – So „rächte“ sich Maria an ihren Feinden.

O ja, Maria ist die mächtige Königin. Doch sie übt ihre Macht nicht aus, um die Menschen zu dominieren, sondern um ihre Herzen zu befreien aus den Verstrickungen des Bösen, um sie für das Gute zu gewinnen und sie zu Gott zu führen, dem höchsten Gut. Wie gut ist es, sich dieser milden Königin ganz zu überlassen und sich von ihr führen zu lassen.

Liebe Marienverehrer, es gäbe noch so viel zu erzählen über die Großtaten der Gottesmutter auf ihrer Reise durch ihre Herrschaftsgebiete. Das Gesagte soll uns aber eine Hilfe sein; eine Hilfe, um in uns den Glauben an die heiligste Jungfrau Maria und die Macht ihrer Gnadenvermittlung zu stärken; eine Hilfe, um unsere Liebe zu diesem reinsten und so liebevollen Herzen Mariä neu zu entflammen.

Prophetischer Charakter der Weltpilgerreise

Die legendären Pilgerfahrten U. L. Frau von Fatima haben einen prophetischen Charakter, verweisen auf die Zukunft. Sie wollen sagen: Das, was man in den Jahren 1947 bis 1959 sehen konnte, ist nur Vorspiel, Zeichen und Unterpfand für das, was der ganzen Welt an Segen bevorsteht, wenn man endlich auf die Forderungen Mariens eingeht, die Verehrung ihres unbefleckten Herzens ernst nimmt. Glücklich wird jener Tag sein, der die gewissenhafte Erfüllung dieser Bedingungen – insbesondere durch die Vertreter der kirchlichen Hierarchie – sehen wird!

Kommen wir darum alle mit großem und unerschütterlichem Vertrauen zu unserer himmlischen Pilgerin, genauso wie es damals jene begeisterten Volksscharen taten. Wie gerne wird sie unsere Huldigungen und Ehrerweise entgegennehmen! Mit welcher Liebe wird sie uns in den kommenden Tagen hier auf ihrem Thron empfangen und auf unsere Gebete hören!

Jeder von uns hat seine Sorgen und Nöte, seine Gebetsanliegen und Wünsche. Jeder hat eine unsterbliche Seele, die er ihr anvertrauen kann, damit sie für das ewige Leben gerettet werde. Nach den unzähligen Beweisen der Güte, welche uns die Gottesmutter gegeben hat, könnten wir jemals daran zweifeln, bei ihr Erhörung, Hilfe und Trost zu finden? Zögern wir also nicht, mit innigen Flehrufen U. L. Frau von Fatima zu bestürmen. Die Not unserer Zeit ist ja gewiss nicht kleiner als jene vor 50 und mehr Jahren, im Gegenteil! Wie schmerzlich ist das Elend der Glaubenslosigkeit so vieler Menschen, die zudem in Gefahr sind, ewig verloren zu gehen. Wie himmelschreiend sind die Verbrechen der heutigen Zeit, insbesondere der Massenmord an den Ungeborenen. Wie grausam und schlimmer als je zuvor werden Christen in allen Teilen der Welt um ihres Glaubens willen verfolgt, ohne dass die Weltöffentlichkeit davon Notiz nähme.

Eilen wir also zur Gottesmutter, um sie um ihre mächtige Hilfe anzurufen. Sie möge ihre Verheißungen bald wahrmachen, auf dass der Tag nicht mehr fern sei, an welchem ihr unbeflecktes Herz tatsächlich triumphieren, alle Bosheit und Gottlosigkeit besiegt und der Welt der Friede in der Wahrheit geschenkt wird. Amen.