Mitteilungsblatt Februar 2018

Christenverfolgung bei uns?! • Requiescat in pace - Sr. Maria Bernadette O.C.D. • Distrikt-Chronik • 25 Jahre Noviziats-Kloster St. Pius X. in Göffingen • Bischof Fellay zu Besuch im Priesterseminar Zaitzkofen • Die Intention der Kirche für die Fastenzeit • Die zwölf Artikel des Glaubens • Das verborgene Apostolat eines Kapuziners • Liturgischer Kalender • Exerzitien und Einkehrtage • Heilige Messen • Buch des Monats • Vorbild

Christenverfolgung bei uns?!

In der letzten Ausgabe des Mitteilungsblattes wurde das erschütternde Ausmaß der weltweit zunehmenden Christenverfolgung beleuchtet. Doch nicht nur in fernen Ländern, auch über unsere Heimat und die westliche, so genannte freie Welt fegt ein Sturm der Verfolgung, der auf den ersten Blick zwar harmloser, weil unblutig, erscheint, in Wirklichkeit aber gefährlicher, raffinierter und verheerender ist. Was der Modernismus in der Kirche und der Kultur-Marxismus in der Gesellschaft an Schaden angerichtet hat, übertrifft alles bisher Vorstellbare bei weitem. Wenn in der Heiligen Schrift Gott den Mord als himmelschreiende Sünde brandmarkt, so gilt dies umso mehr von der „Ermordung“ und Verwüstung der Seelen.[1]

Der verwüstete Weinberg

Seit Jahrzehnten richtet der Modernismus in der Kirche ein unfassbares Zerstörungswerk an der übernatürlichen Heilsordnung an. Der katholische Glaube ist weithin ruiniert und verschwunden, katholischer Religionsunterricht, der dieses Namens würdig ist, findet seit Generationen nicht mehr statt, die hl. Liturgie wurde profaniert und verfälscht, die christliche Moral der Verachtung und Verspottung preisgegeben.[2] Abermillionen von abgefallenen Katholiken sowie von heilsbegierigen Menschen, denen der Zugang zum Reich Gottes versperrt wurde, sind die Leidtragenden dieser „Verwüstung des Weinbergs“[3]. Insbesondere trifft dies für die wehrlosesten Geschöpfe zu, die Kinder und Jugendlichen, denen das Glück verweigert wird, die wertvollsten Güter kennenzulernen, die ihnen Orientierung und Zufriedenheit im Leben, Entfaltung ihrer Persönlichkeit und den Erwerb der ewigen Seligkeit gewähren würden. Welch ein Verbrechen an all diesen unzähligen Seelen! Zu all dem hinzu kommt die bis heute andauernde gnadenlose Verfolgung jener Priester und Laien, die der immerwährenden Tradition der Kirche die Treue halten. Unbescholtene Menschen werden aus den Kirchen vertrieben, diskriminiert, wie Menschen zweiter Klasse behandelt, am Arbeitsplatz gemobbt, verspottet usw. – nicht irgendwo auf der Welt, sondern bei uns!

Zerrüttung der Gesellschaft

Was der Teufel durch die Modernisten in der übernatürlichen Welt angerichtet hat, das vollzieht er durch linksliberale Kulturmarxisten an der natürlichen Schöpfungsordnung. In seiner Wut ging er hin, mit der Zerschlagung der natürlichen Grundlagen der Schöpfung in Familie, Staat und Gesellschaft womöglich das ganz Werk Gottes zu ruinieren. Damit geht Hand in Hand die systematische Unterdrückung christlicher Positionen in Politik und Gesetzgebung und die vielfache Schändung von Kirchen bei uns in Europa.

Verbrechen an Kindern

Wo es keine Ordnung, Grenzen und Richtlinien mehr gibt, bricht das Chaos aus und verbreitet sich das Laster ungezügelt. Hauptleidtragende sind wiederum die Wehrlosesten und Unschuldigsten, die Kinder. Der Massenmord an den Ungeborenen ist schlimm genug, tragischer indes ist der tausendfache Missbrauch der Kinder, über den gerne ein Tuch des Schweigens gelegt wird, um dieser furchtbaren Realität nicht ins Auge sehen und adäquate Maßnahmen ergreifen zu müssen. Die Täter werden oft nicht bestraft, die Opfer allein gelassen. Letztere sind für immer geschädigt und traumatisiert, nicht oder kaum mehr fähig, ein normales Leben zu führen und zu meistern.[4]

Der Wiederaufbau

Das Jubiläumsjahr von Fatima ist vorüber. Die Botschaft der Gottesmutter bleibt aktuell und muss immer weitere Beachtung finden. Jeder Mensch guten Willens ist angesprochen und hat seine Aufgabe zu erfüllen. Als Werkzeug Gottes soll er der satanischen Verwüstung Einhalt gebieten und das Reich Gottes ausbreiten – mit all seinen Talenten, die ihm Gott gegeben hat, nicht um sie zu begraben, sondern kraftvoll zu entfalten. Soweit wie möglich muss er die Stimme erheben und aktiv werden in der Verteidigung Gottes und seiner wehrlosen Geschöpfe. Geben wir uns nie mit dem Erreichten zufrieden! Der Eifrige soll noch eifriger, der Heilige noch heiliger werden, mahnt uns der Heiland in der Geheimen Offenbarung. Beten, arbeiten und leiden wir mit unerschütterlichem Gottvertrauen! Wir wollen nicht zu jenen gehören, die sich durch Feigheit und Nachlässigkeit am teuflischen Zerstörungswerk mitschuldig machen.[5] Verlieren wir nicht den Mut und beklagen wir uns nicht! In der heutigen Zeit zu leben ist eine gewaltige Herausforderung, aber auch eine große Gnade. „Heilige Kühnheit sollen wir in uns haben, denn Gott hilft den Mutigen!“[6]

Mit herzlichem Gruß und priesterlichem Segen, in der Liebe der heiligsten Herzen Jesu und Mariä

Pater Stefan Frey

[1] Die Verfolgung bei uns in Europa ist „unblutig”, das Ziel ist die Seele und das Herz, schreibt V. Palko, der ehem. tschechische Innenminister in seinem herausragenden Werk „Die Löwen kommen“.
[2] Der renommierte Kirchenrechtler Prof. Georg May ist durch seine minutiösen Analysen und tiefschürfenden Ausführungen einer der aufmerksamen Zeitzeugen.
[3] So der Titel eines Buches des berühmten Philosophen Dietrich von Hildebrand.
[4] Über das unvorstellbare Leid dieser Kinder und die notwendig zu setzenden Maßnahmen berichtet sehr kompetent und ausführlich die Broschüre „Sexueller Kindesmissbrauch“ der Kinder- & Jugendanwaltschaft OÖ, die im Internet abrufbar ist. Erschütternderweise ist die Familie, der Hort der Geborgenheit für die Kinder, der weitaus häufigste Tatort des Kindes-missbrauchs.
[5] „Die ganze Macht der Bösen beruht auf der Feigheit der Guten!“ (Hl. Pius X. anlässlich der Seligsprechung der hl. Jeanne d’Arc).
[6] Hl. Teresa von Avila