Mitteilungsblatt Dezember 2017

Advent – Bereitung der Herzen • Reise zum Christkind • MI-Wallfahrt nach Rom – Ein Reisebericht • Nachruf auf Pfr. Josef von Zieglauer • Neues Noviziat für die Ordensbrüder in den USA • Wallfahrt nach Lourdes 2017 • Kloster Reichenstein in der Eifel neu besiedelt • Einsegnung der neuen Kirche und Wiedereröffnung des Pilgerhauses • Nachrichten aus der Bruderschaft • Christkönigstreffen der KJB 2017 • Msgr. Marcel Lefebvre – Die Wahrheit Unseres Herrn Jesus Christus bezeugen • Liturgischer Kalender • Termine und Ankündigungen • Exerzitien und Einkehrtage • Heilige Messen • Buch des Monats • Das geistliche Gewand der Kleriker

Advent

Bereitung der Herzen

Liebe Freunde und Wohltäter!

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres von Fatima und zum Beginn des Advents lade ich Sie ein, sich nochmals in die Lehren Unserer Lieben Frau zu vertiefen. Am 10. Dezember 1925 erschien sie mit dem Jesuskind der 18-jährigen Postulantin Sr. Lucia in Pontevedra, um die bereits am 13. Juli 1917 geforderte Andacht der Herz-Mariä-Sühnesamstage näher zu erklären. Dabei gibt sie uns eine Lebensregel der Spiritualität, die man in ihrer Weisheit nicht genug bewundern kann, da sie dem täglichen Frömmigkeitsleben eine ideale und ganz konkrete Gestalt verleiht. Sie scheint mir darum hervorragend geeignet, die Adventzeit zu heiligen und die Herzen für das Weihnachtsfest zu bereiten.

Wie Sr. Lucia wiederholt versicherte, wünscht die Gottesmutter, dass die vier bekannten Übungen der Herz-Mariä-Sühnesamstage nicht nur eine einmalige Angelegenheit im Monat seien, sondern auch ein Modell für das tägliche geistliche Leben bilden und gleichsam den Gebets-Rhythmus eines Marienkindes bestimmen sollen. Natürlich ist es nicht möglich, jeden Tag zu beichten oder zu kommunizieren. Das ist damit auch nicht gemeint, sondern das Wesentliche der Übungen der Sühnesamstage soll auf das alltägliche Leben übertragen werden. Konkret bedeutet dies Folgendes:

1) der Rosenkranz

Die Gottesmutter wünscht in jeder ihrer Erscheinungen von uns den täglichen Rosenkranz. Dieser nachdrückliche Wunsch soll für uns eine selbstverständliche, heilige Verpflichtung sein. Wenn der Himmel es will, wird uns auch ganz gewiss die Gnade zur treuen Erfüllung dieses Willens geschenkt. Am schönsten ist es immer, den Rosenkranz gemeinschaftlich zu beten, woran ja auch ein vollkommener Ablass geknüpft ist. Wenn nicht anders möglich, kann der Rosenkranz natürlich auch aufgeteilt und unterwegs gebetet werden.

2) die hl. Kommunion

Kommunion bedeutet Vereinigung mit Jesus, was in der sakramentalen, aber auch in der geistigen Kommunion geschieht. Jedem, der nicht täglich die hl. Messe besuchen kann, ist es ein Leichtes, beim Morgengebet sich mit dem Opferlamm auf den Altären geistig zu vereinigen und sich selbst mit Jesus sowie das bevorstehende Tageswerk im Geist der Sühne aufzuopfern. Und genauso wie die Danksagung nach der hl. Kommunion während des Tages fortgesetzt werden soll, so auch die geistige Kommunion durch möglichst häufige Erneuerung in den Stoßgebeten und Liebesakten. Auf diese Weise lebt Jesus tatsächlich in uns als bleibender und stets wirksamer Gast in unserer Seele, der uns mit seinen inneren Anregungen leitet und bei dem wir gerne einkehren.

3) die hl. Beichte

Die wesentlichen Akte der Beichte können sehr einfach feste Bestandteile des Abendgebetes werden: eine kurze, sorgfältige Gewissenserforschung, aufrichtige Liebesreue und Erneuerung des Vorsatzes. Unter dieser Voraussetzung brauchen wir nicht zu zweifeln, dass Unser Heiland uns seine milde Verzeihung schenkt.

4) die Betrachtung

Der Gottesmutter 15 Minuten im betrachtenden Gebet Gesellschaft zu leisten, erscheint vielen gewiss als die schwierigste Übung. Darum erscheint dieser Wunsch der Gottesmutter wie ein sanftes Drängen, sich täglich im so überaus wertvollen inneren Gebet zu üben, ohne das man nicht heilig werden kann, wie die Heiligen immer wieder einhellig versichern. U. L. Frau appelliert an unseren guten Willen und auch ein bisschen an unser Organisationstalent. Jeder muss sich seinen Tag einteilen, und wo ein Wille, da ist auch ein Weg – um einige Minuten zu finden, am besten morgens, um im stillen Gebet bei Jesus und Maria zu verweilen. Wenn man einmal die viertel Stunde nicht schafft, so doch wenigstens einen Teil davon! Für jene, die im betrachtenden Gebet noch nicht geübt sind, steht eine sehr einfache Methode zu Verfügung, die man „betrachtende Lesung“ nennt: Man liest aus einem geistlichen Buch einen Satz oder kurzen Abschnitt, verweilt dabei, um darüber nachzudenken, die dargebotene übernatürliche Wahrheit zu vertiefen, aufs eigene Leben anzuwenden und Akte der Anbetung, Dankbarkeit, Reue oder Bitte u. ä. zu erwecken. Dies alles geschieht in einem ganz einfachen, kindlichen Gespräch mit Gott, der hl. Jungfrau, einem Engel oder Heiligen. Gott erwartet von seinen Kindern keine hochgebildeten Formulierungen, die stammelnden Worte der Liebe genügen ihm und erfreuen sein Herz. Er wird es nicht versäumen, die Seele zu erleuchten, damit der Glaube lebendiger und kräftiger werde.

Erfahrungsgemäß kostet die tägliche Betrachtung anfänglich einiges an Überwindung. Doch bedenken wir: Übung macht den Meister! Und: Was nichts kostet, ist nichts wert. Zudem hat der Teufel ein großes Interesse, (Schein-)Hindernisse in den Weg zu legen, um die Menschen von diesem so kostbaren Schatz fernzuhalten, weil er genau weiß, welche Verluste er erleidet, wenn sich jemand ernsthaft dem inneren Gebet widmet. Denn erst das betrachtende Gebet verleiht allen anderen Übungen und Pflichten des christlichen Lebens Tiefe, Intensität und Lebenskraft. Ansonsten bleibt alles zu sehr oberflächlich und mangelhaft.

Diese vier Übungen machen nach dem erklärten Willen der Gottesmutter also den täglichen Rhythmus eines Marienkindes aus. Glücklich jene, die ihrem Wunsch Folge leisten! Innerer Friede und Herzensruhe – auch inmitten aller Aufregungen des Lebens – wird ihr Anteil sein.

Sei die heilige Adventzeit uns allen Ansporn, U. L. Frau zum Abschluss ihres Jubiläumsjahres mit diesen vier heiligen Pflichten Freude zu bereiten. Möge sie dafür unsere Herzen bereiten und uns an ihrer Hand auf dem Weg hin nach Bethlehem zur Krippe ihres göttlichen Sohnes führen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen einen gesegneten Advent und bereits jetzt schon gnadenreiche, frohe Weihnachten!

Pater Stefan Frey