Mitteilungsblatt April 2017

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Liebe Freunde und Wohltäter!

Fatima erinnert uns an eine der heutzutage meistvergessensten Wahrheiten: Die Kirche ist die Ecclesia militans1, die streitende Kirche. Sie ist von ihrem Gründer in die Welt gesandt, gegen die Tyrannei des Teufels, der Gottlosigkeit, der Lüge und des Lasters zu kämpfen. Dieser Kampf wurde von Gott selbst bereits im Paradies unserer Stammeltern grundgelegt2 und dauert durch die ganze Menschheitsgeschichte fort. Er wird an Intensität nicht abnehmen, sondern vielmehr gegen das Ende der Zeiten sich zuspitzen: „Der Teufel ist daran, die Entscheidungsschlacht gegen die Madonna zu führen“, sagt Sr. Lucia als Sprachrohr 

U. L. Frau von Fatima. Wo von Entscheidungsschlacht die Rede ist, heißt es, alle Kräfte zu mobilisieren! Die Gottesmutter ruft alle unter ihr Banner, damit wir mit ihr für die Ehre Gottes, das Reich ihres Sohnes und das Heil der Seelen streiten. Kein Katholik darf sich davon dispensieren, die Waffen des Geistes zu ergreifen, insbesondere das Gebet, das Opfer, aber auch das Wort Gottes und nicht zuletzt das Ringen um ein heiliges Leben.

Fatima und die Friedensschalmeien

Es braucht wohl nicht erwähnt werden, wie sehr die kämpferische Sprache von Fatima dem modernen Zeitgeist widerspricht. Heute regiert ein todbringender Pazifismus, der auch ins Innere der Kirche eingedrungen ist, der mit wohlklingenden Schlagworten uns weismachen will, dass es keine Feinde mehr gibt: „Alle sind Brüder“, „die Atheisten sind Kinder Gottes erster Klasse“3, die Freimaurer unsere Freunde, und der Teufel gehört eh dem Reich der Mythen an4. „Friede über alles“, lautet das Losungswort. Darum müssen wir uns mit den Andersgläubigen und Freigeistern verstehen, sie akzeptieren, ihre Werte anerkennen, mit ihnen zusammenarbeiten. Sie bekehren zu wollen, wäre eine Riesendummheit5. Da alle Menschen ohnedies guten Willens sind, bauen wir gemeinsam eine neue Welt des Friedens und des Glücks auf!

Abgesehen davon, dass solche Parolen seit 300 Jahren von den erbittertsten Feinden der Kirche in die Welt posaunt werden, ist eine solche „Verkündigung“ eine verhängnisvolle Irreführung der gutgesinnten Menschen. Es tobt die Entscheidungsschlacht, und viele unserer Generäle strecken nicht nur die Waffen, sondern nennen den Feind Freund, umarmen ihn und realisieren nicht, wie man ihnen raffiniert das Messer in den Rücken stößt. Darin besteht die Krise der Kirche, die die Seelen ungeschützt den Fängen Satans überliefert.

Die Taktik des Teufels besteht darin, sich zu vermummen und unsichtbar zu machen. Seine Versuchungen kommen mit einem Lächeln und eleganter Krawatte daher. „Seid wachsam“, mahnt uns unser Heiland! Je harmloser und raffinierter der Feind auftritt, umso gefährlicher ist er!

Diesen pazifistischen Verführungskünsten tritt U. L. Frau von Fatima entgegen, und gleichfalls die von ihr gegründeten großen marianischen Bewegungen wie die Ritterschaft der Unbefleckten. 

Der hl. Maximilian Kolbe, ihr treuer Diener, begeisterte Millionen von Menschen für ein kämpferisches katholisches Selbstbewusstsein:

„Ritter, Militia, Kampf: das klingt alles sehr kriegerisch, denn es ist Krieg! Nicht Krieg durch Karabiner, Bomben, giftige Gase, aber doch ein echter Krieg. Welche Taktik? Vor allem das Gebet. – Wir müssen heraustreten aus der Erstarrung und der Position der Defensive. Die Freimaurerei und Freigeisterei kämpft gegen Gott und den Glauben, will aus den Menschen niedrige Tiere und die Heiligkeit zerstörende Barbaren machen – kämpfen auch wir, natürlich mit erlaubten Mitteln, nicht nur darum, uns und unsere Mitmenschen vor der Verheidnisierung zu verteidigen, sondern auch darum, dass Maria über die Herzen aller Menschen regiere, denn dann kommt zu ihnen das Königtum Christi.“

„Ist es angesichts solch mächtiger Taten der Feinde der Kirche Gottes erlaubt, tatenlos herumzustehen? Ist es erlaubt, nur zu jammern und Tränen zu vergießen? Nein! Denken wir daran, beim göttlichen Gericht werden wir Rechenschaft ablegen nicht nur darüber, was wir getan haben, sondern Gott wird auch alle jene guten Werke zählen, die wir hätten tun können, die wir aber unterlassen haben. Auf jedem von uns liegt die schwere Pflicht, auf der Schanze zu stehen und die Angriffe des Feindes mit der eigenen Brust abzuwehren. Manchmal kann man den Satz hören: Was vermag ich schon? Dort eine so starke Organisation, ein so mächtiges Kapital usw. Ein solcher hat sicherlich vergessen, was der hl. Paulus sagte: Ich vermag alles in dem, der mich stärkt.“

Rosenkranzkreuzzug

Vom gleichen Geist inspiriert hat unser Generaloberer, Bischof Fellay, im vergangenen Jahr den Rosenkranzkreuzzug ausgerufen, der noch bis zum 22. August andauern wird. Aus den genannten Gründen heraus kommt ihm eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Möge ein weltweit vervielfältigter Eifer im Beten und Opfern reichen Gnadenregen vom Himmel herabströmen lassen, den Intentionen des Kreuzzugs entsprechend den Papst bewegen, die längst verlangte Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen und so dem ersehnten Triumph dieses Herzens den Weg zu bereiten.

Wir feiern an Ostern unseren auferstandenen Erlöser, den die Kirche den „Victor Rex – Siegerkönig“ ehrt. Sein gewaltiger Sieg ist die Frucht des erbitterten Kampfes, den Er zeitlebens gegen Sünde und Teufel durch sein heiliges Leben und Sterben zu führen hatte. Kämpfen auch wir tapfer mit Ihm, damit wir ebenso „zur Glorie der Auferstehung gelangen.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes, gnadenreiches Osterfest!

P. Stefan Frey

  • 1. Der auf den hl. Augustinus zurückgehende Ausdruck fand sich bis zum II. Vat. Konzil in sämtlichen katholischen Katechismen der Welt, seither wurde er ersetzt durch die „pilgernde Kirche“. (siehe Lumen gentium 49)
  • 2. Gen 3,15: „Feindschaft will ich setzen zwischen dir (der Schlange) und der Frau, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft. Sie wird dir das Haupt zertreten und du wirst ihrer Ferse nachstellen.“
  • 3. Papst Franziskus, Predigt vom 23.5.2013
  • 4. Vgl. Herbert Haag und sein Buch „Abschied vom Teufel“
  • 5. Papst Franziskus, Interview mit Eugenio Scalfari in der römischen Tageszeitung La Repubblica vom 1.10.2013