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Zum Tod von P. Johannes v. Walderdorff

23. April, 2018

Predigt zum Beerdigungsgottesdienst für hw. P. Johannes v. Walderdorff (Bruckmühl OÖ, 17.3.2018)

Sehr geehrte liebe Geschwister und Verwandte unseres lieben verstorbenen Pater Johannes!

Liebe Freunde, Bekannte, Trauergäste! Lieber hw. P. Pfluger, hw. P. Frey, liebe Mitbrüder!

Lieber Johannes!

Magst Du auch körperlich-leiblich nun fern sein, geistig-seelisch bist Du nahe!

Das Leben aus der Hand Gottes hält – so sagt eine Redewendung, die mir bei Deinem Tod bzw. Deiner Todesnachricht ganz unwillkürlich durch den Kopf schoss – zwei Karaffen bereit: Eine ist gefüllt mit Freude, Frieden, Glück, einer frohen Gesinnung, einem frohen Herzen, die andere mit Prüfung, Arbeit, Leid, Kreuz, mit mancher Beschwernis und mancherlei Mühsal.

– Und wen das Leben beschenken will, über dem schüttet es beides aus!

– Bei Dir war das so!

Freilich sind dies geistige Gaben, und von höherer Warte aus gesehen, nicht zu irdisch-menschlich verstanden.

Aber das hat Freunde und Bekannte angezogen, weil es Dich selbst anziehend machte; und auch uns beide in Freundschaft verband: Ich denke, ich darf das sagen, obwohl wir nie ausdrücklich davon redeten, und es war auch nicht nötig, denn sie war einfach da, unsere Freundschaft.

Was viele und auch mich anzog, war sicher Deine reiche, geistige Regsamkeit und in vielen Dingen wirklich bewandertes Wissen, Deine Kenntnisse, Deine Begabung, nicht zuletzt beim Gesang – was mir abging. Dein Interesse an theologischen, philosophischen und überhaupt weltanschaulichen Fragen, vielmehr aber noch Dein Humor, Dein frisches und freundliches und gemütvolles, liebenswürdiges Wesen zogen an, Deine Friedfertigkeit, Bescheidenheit und Gutmütigkeit – die letzten Eigenschaften gingen mitunter sogar vielleicht ein bisserl übers Maß, manchmal... da hättest Du Dir eventuell manches ersparen können. Doch dachte ich dann: Besser, viel besser so als zu hart im Umgang, im Benehmen und vor allem im Urteil! Und gerade Dein Humor half Dir dann. – Und den hast Du Dir bewahrt, selbst in den letzten schweren Zeiten blitzte er immer wieder auf, ehe Du Dein Leben in Gottes Hand und Gottes Güte vollendetest.

Geboren wurde unser lieber Pater Johannes am 20. April 1956 in Wien als 2. Kind von 6 Geschwistern, als einziger Sohn in der Familie des altehrwürdigen Geschlechtes derer von Walderdorff; eine seiner Schwestern lebt als Nonne in einem Karmelkloster in Belgien, aber immer im Gebet ihm nahe, ihm sicher zutiefst verbunden.

– Getauft am 1. Mai in Maria Anzbach, dem damaligen Wohnsitz der Familie.

– Kindergarten daselbst, wo die Leiterin (eine Ordensschwester) ihn und eine seiner Schwestern zur Frühkommunion (er war gerade 5 Jahre alt geworden) Ende April 1961 vorbereitete.

– Gleich darauf im Mai 1961 Übersiedelung der Familie ins Forsthaus Simmering (3 km von Bruckmühl entfernt): Wald, Wiese, Natur und viel Freiheit für die Kinder, wo mit Geschwistern und Nachbarskindern fröhliche Spiele veranstaltet wurden.

– 1962 bis 1966 Volksschule in Bruckmühl, Ministrantendienste hier in der Pfarrkirche (sein Oberministrant Karl Stockinger wurde später Pfarrer hier in Bruckmühl). In dieser Zeit bat der Kaplan der Pfarre seine Mutter um einen kleinen Aufsatz (Artikel) für ein Ministrantenblättchen mit dem Titel „Mein Sohn wird Priester“ – was allerdings damals gar nicht in die Pläne der Familie passte, zunächst! Denn als einziger Sohn sollte Johannes ja als Erbe und Nachfolger das Forstgut übernehmen.

– Dann (mit 10 Jahren) Internatsschüler in Seckau (bei den dortigen Benediktinern), einige frühere Mitschüler haben den weiten Weg nicht gescheut, um unserem Pater Johannes die letzte Ehre zu erweisen. Später dann im Internat in Bad Hall in Tirol (bei Franziskanern, die damals von derselben Provinz auch die Pfarre Bruckmühl betreuten).

– Anschließend die Oberstufe im Bundesgymnasium in Vöcklabruck, die Matura dann in Wien. Seine Lieblingsfächer waren Latein und Französisch.

– 1975: Wallfahrt nach Rom (mit seinem Vater) anlässlich der Hl.-Jahr-Wallfahrt des Priesterseminars von Ecône. Das war für Johannes ein einschneidendes Erlebnis, wie sich auch bald zeigen sollte.

– 1976: Ignatianische Exerzitien und Eintritt ins deutschsprachige Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Weissbad (CH) damals, das später nach Zaitzkofen in Bayern verlegt wurde. Neben dem Studium hatte unser lieber Verstorbener Johannes große Freude und Begeisterung für den gregorianischen Choral, weshalb er auch an einem speziellen Gregorianik-Weiterführungskurs in Frankreich teilnahm; einige Jahre leitete er dann die Schola im Priesterseminar in Zaitzkofen.

Insgesamt gesehen durfte er in diesen Jugend- und Studienjahren eine frohe, schöne und relativ unbeschwerte Zeit erleben.

– 1981 (Samstag, den 27. Juni): Die heilige Priesterweihe für ihn und vier Mitbrüder in Zaitzkofen (im Seminar) durch S. E. Erzbischof Lefebvre, unseren Gründer, den er noch gut kannte.

– 5. Juli: Primiz hier in der Bruckmühler Pfarrkirche

11. Juli: Primiz im Schloss Enns (damals noch im Besitz der Familie) in der dortigen Schlosskapelle, bei der Monseigneur Lefebvre selbst für den ersten gebürtigen österreichischen Priester der Bruderschaft die Primizpredigt hielt.

– Sein erstes Priesterjahr: in Bitche (Frankreich, Lothringen) an unserer dortigen Schule; Deutsch und Religion hatte er zu unterrichten, Internatsaufsicht... Sonntags hielt er den Gottesdienst in Straßburg (mit Predigt in Französisch).

– Ab Sommer 1982 kam dann seine Ernennung nach Wien ins gerade neu gegründete Priorat, zunächst als Vikar von hw. P. Georg Pfluger. Am 14. September 1989, also im Nachhinein, bezeichnenderweise am Fest Kreuzerhöhung wurde er zum Prior ernannt (war also mein Vorvorgänger in Wien), was er bis Ende 1994 blieb; zuerst als Kaplan und dann auch als Prior übernahm er ab und an die Gottesdienste in unseren Kapellen in Graz und Klagenfurt, den quasi Filialkapellen des Wiener Priorates.

Immer bemüht um schöne, würdige Liturgie mit kirchlichem Gesang, Gregorianik, schönen Gewändern, immer um Ausgeglichenheit bemüht – auch in der Predigt, in der Spendung der Sakramente, im Beichtstuhl, im Umgang mit den Mitarbeitern, Helfern, Ministranten, Gläubigen. So gewann er die Herzen.

– Ab Weihnachten 1994 nahmen die Einschränkungen seines Gesundheitszustandes zu. Bei einem Krankenhausaufenthalt Anfang 1995 wurde dann die sehr seltene Krankheit Morbus Refsum diagnostiziert, die sich durch teils schon lange in leichterer Form wahrgenommenen Symptomen bemerkbar machte wie Einschränkungen beim Sehsinn, Gesichtsfeld, beim Empfindungssinn – also Einschränkungen bei der Sensibilität an Händen und Füßen und beim Geruchssinn – und später sich auch auf die Psyche auswirkende Beschwerden.

– Daraufhin wurde er ins Katholische Bildungshaus Jaidhof versetzt, das auch der Distriktsitz der Priesterbruderschaft in Österreich geworden ist, und blieb ein gutes Jahrzehnt dort. Dort vertraute man ihm kleinere, seiner gesundheitlichen Situation angepasste Seelsorgsaufgaben an: Exerzitien predigte er teils noch mit, hielt Sonntags- oder Festtagspredigten (ab und an auch bei seinen Besuchen in Wien), half beim Beichthören aus, etc. Und im Übrigen blieb er auch sonst geistig und von seinen Überzeugungen her der Priesterbruderschaft stets und unerschütterlich verbunden, das haben auch schwierigere Zeiten in seinem Leben, widrige Umstände und Leiden nie zu ändern vermocht. Und auch immer gepaart mit großer, zärtlicher Liebe zur Gottesmutter, von der sein Primizbildchen schon Zeugnis ablegte, ziert jetzt auch den einen Flügel seines Sterbebildchens.

– Von 2005 bis 2009 zog er dann ins Forsthaus Simmering, ins Elternhaus, kam aber aus gesundheitlichen Gründen nach einem neuerlichen Krankenhausaufenthalt nach Weihungszell in Deutschland, in ein Priorat und zugleich Seniorenheim in der Gegend zwischen Ulm und Memmingen, weil es sich für seine Pflege so ergab, wo er bis fast zu seinem Tode lebte – stets geschätzt wegen seines Humors und seiner Höflichkeit, seiner ausgesprochenen Dankbarkeit für Hilfsleistungen, für kleine Geschenke, für Besuch.

Besonders seine Dankbarkeit empfand man als sehr ausgeprägt und sehr freundlich, wenn er sich mehrmals liebenswürdig für eine ihm erwiesene Wohltat, einen Dienst, einen Besuch seinen Dank ausdrückte. Er selber war stets großzügig, dagegen persönlich im Verhalten, in seinem Handeln, im Benehmen immer auch bescheiden. Er liebte Musik und das schöne Feiern von Festtagen, sowohl der kirchlichen wie der privaten Gedenktage und Anlässe.

Seine zugleich ruhige wie überlegte und bedächtige Art schätzen die Gläubigen, die früheren Mitseminaristen, die Mitbrüder, die Schola- und Chorsänger, besonders auch die Ministranten, von denen einer mir schrieb – selbst längst Familienvater mit mehreren Kindern –, dass gerade diese freundliche Art, gepaart eben mit Humor und Liebe zur Liturgie den Ministranten oft geholfen habe, wenn Hektik aufkam und andere etwas cholerisch reagierten. – Sie half ihm vielleicht auch jetzt selbst in den letzten schweren Wochen und Monaten.

– Die letzten 5 Wochen verbrachte er mit fünf Operationen und allerlei Beschwerden im Universitätsklinikum Ulm. Dort für seine bereits bekannte Leidensfähigkeit noch einmal erprobt, schied er am Sonntag, den 4. März gegen die Mittagsstunde von dieser Welt – wir hatten in Wien gerade das hl. Sonntagsamt für ihn, dem ehemaligen Prior, aufgeopfert –, versehen mit den heiligen Sakramenten, von seinen Geschwistern und Verwandten und viel Gebet seiner Freunde und Bekannten begleitet, in den Armen jener seiner Schwestern, die ihm einst auch seine Primizbraut bei seiner ersten feierlichen hl. Messe gewesen war.

Vollendet! – So darf man das schon sagen trotz relativ junger Jahre. Und trotz allem, was er noch hätte erleben, tun und geben können: Es ist ja nicht so sehr das irdische Lebensalter, welches zählt, sondern das Ziel, die Heimat, die wir erstreben, erstreben sollen, müssen und wollen, mit reichlich Aufgaben, Arbeiten, Erfolgen, Niederlagen, Freuden und vor allem tatsächlich – im Sinne des Kreuzes Christi – mit Leiden. Dann aber ist es mit St. Paulus, der es als das weitaus Bessere ansieht und ersehnt, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein.

Bei der Stola-Übergabe während der Priesterweihe sprach der Bischof, als er unserem Pater Johannes die Stola umlegte zum Zeichen seiner damals neuen priesterlichen Vollmacht: „Nimm hin das Joch des Herrn, denn sein Joch ist süß und seine Bürde leicht!“

Gar manches vom Joch und von der Bürde hast Du sehr wohl tragen müssen – und – aus menschlicher Sicht kommt das einem sehr oft nicht besonders süß und leicht vor, sondern schwer und mitunter fast unerträglich.

Und doch, doch: Vom Himmel her, von Jesus her wird das Joch süß werden und die Bürde leicht!

Und das erbitten wir heute für unseren Pater Johannes, das erflehen wir vom Vater im Himmel für seinen Diener und vom Heiland für seinen Priester. Und ich glaube, wir dürfen hoffen (im Sinne fester, übernatürlich begründeter Zuversicht) und in aller Trauer und schwerer Stunde vertrauensvoll und frohen Mutes von Gottes Güte erwarten, dass unser lieber Johannes sein Leben, sein Dasein im wahrsten Sinne vollenden darf – bei Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Hl. Geiste. Amen.