Ziel des Dritten Ordens der FSSPX – Streben nach der christlichen Vollkommenheit

13 Oktober, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

Ziel des Dritten Ordens der FSSPX – Streben nach der christlichen Vollkommenheit

von Hw. Pater Waldemar Schulz

In einem Brief aus dem Jahre 1912 an den 3. Orden des hl. Franziskus, der unter den Dritten Orden der ursprünglichste und auch bei weitem größte war, schrieb unser Patron, der hl. Papst Pius X., es sei vor allem notwendig, dem gläubigen Volke (und die Mitglieder der Dritten Orden gehören ja auch dazu) immer und immer wieder Wesen und Ziel eines 3. Ordens zu erklären. Sein Ziel, so der Papst, ist dasselbe, wie das Ziel der ersten und zweiten Orden: das Streben nach der christlichen Vollkommenheit.

Wohl aber seien die Mittel verschieden, denn ein 3. Orden strebt dieses hehre Ziel an mit Regeln, die dem Leben in der Welt angepaßt seien. Unter der Obhut der 1. und 2. Orden, die den Mitgliedern des 3. Ordens den geistlichen Rahmen und eine gewisse Lebensrichtschnur nach dem Evangelium bieten, streben sie im Geiste der evangelischen Räte der Heiligung zu.

Das sind ja die besonderen Hilfsmittel, die den Drittordensleuten in spezieller Weise zur Verfügung stehen und ihnen zur Heiligung zuerst ihrer selbst und dann auch anderen Rückhalt gewähren sollen: der Anschluß an den Hauptorden, seine Leitung und seine geistlichen Güter, Gnaden und Verdienste; die Hilfe der Regel zur Treue im Dienste Gottes; die geistige Gemeinschaft Gleichgesinnter zur gegenseitigen Stütze und Stärkung in einer heute oft so unchristlichen Welt und einem häufig so unreligiösen Alltag um uns herum.

Erneuerung, die bei sich selbst beginnt – Liebe – Bußgeist

Die Päpste, unter denen in den letzten Jahrhunderten namentlich Leo XIII. die 3. Orden häufig förderte, dann Pius X. das Wesen dieser Berufung noch deutlicher hervorhob, betonten häufig, sehr viel von den 3. Orden zu erwarten: glaubensmäßig, sittlich, karitativ – eine Erneuerung, die bei sich selbst beginnt, also in der Selbstheiligung. Von da aus könnten die Ordensmitglieder viel beitragen zur Vertiefung des religiösen Lebens im Volk, zur Hebung des sittlichen Lebens, zur Erhaltung und Förderung des kirchlichen Sinnes und des kirchlichen Lebens.

Als Haupttugenden und Hauptaufgaben hat unser hl. Patron den Drittordensmitgliedern in erster Linie die Liebe vorgestellt; Pius X. und auch Benedikt XV. (in einer Enzyklika aus dem Jahre 1921) wünschten und verlangten, „daß an Tertiaren die universale brüderliche, Frieden und Eintracht fördernde Liebe gleichsam als Wahrzeichen hervorleuchte“. Daraus erwächst dann nach Pius X. auch ein Apostolat, welches weniger ein „großes“ sein soll, eher ein „kleines“, aber dies sehr intensiv. Solche Nächstenliebe und Karitas fängt an mit dem Gebet, mit guten Werken, Opfern, dem guten Beispiel und Vorbild vor allem; nicht Großveranstaltungen, Missionen in fernen Ländern, Gründung umfangreicher oder berühmter Werke seien Hauptaufgabe der Drittordensleute, sondern Hilfe an Kranken und Notleidenden, Dienst in der Kirche und Gemeinde, ein gutes Beispiel, ein gutes Wort, Förderung von Exerzitienteilnahmen und vieles andere mehr soll sich der Ordensmann, die Ordensfrau angelegen sein lassen, um ihren Beitrag beizusteuern zur sittlichen und religiösen Erneuerung der Nächsten.

Schließlich erwähnt der hl. Papst neben der Liebe (und der daraus fließenden Dienstbereitschaft zum Wohle des Nächsten) als Hauptpflicht noch den Bußgeist, sei doch der 3. Orden nicht zuletzt auch eine Art Bußorden, damit über allem das Hauptziel, die Selbstheiligung, nicht vergessen werde. Im rechten Sinne des Opfers, der Abtötung und Buße wird gerade dieser Bußgeist zur Hilfe für andere werden, zur Sühne für deren Verfehlungen und Irrwege, zur Unterstützung für ihre Bekehrung, zum Beistand für ihre Rettung und so erst recht zu einem wichtigen Apostolat an den Seelen.

Freundschaft mit Gott

Ist die Liebe aber die unverzichtbare Grundlage im Leben des 3. Ordens wie seiner Mitglieder, so lohnt es sich stets neu, über die Natur, die überragende Stellung und die Aufgaben der Liebe als übernatürlicher, göttlicher Tugend nachzusinnen, um jeweils eifriger sich in ihren Dienst zu stellen.

Liebe ist grundsätzlich das innere, geistige Band, das uns mit etwas verbindet, was uns, unserem Verstand und unseren Wünschen, unserem Gefühl oder Geschmack entspricht, wobei speziell der Mensch etwas liebt, weil er in der Sache oder Person etwas erkennt, was ihm selbst wohlgefällt (also zum eigenen Vorteil und Nutzen) oder was er einem anderen (also zum Nutzen des anderen) Gutes will, d. h. jemandem etwas wohlwill. Meistens sind beide Elemente – Wohlgefallen und Wohlwollen – gemeinsam vorhanden, besonders bei der Liebe zwischen zwei Personen. Da wird Liebe erst in vollem Umfang zu jener Liebe, die zwischen Gott und den Menschen bestehen soll: zur Liebe der Freundschaft, die gegenseitig ist und einander an den Gütern des anderen teilnehmen läßt, d. h. man hat mindestens vieles gemeinsam. Das geschieht, wenn wir im Gnadenstand leben und mit Gott in einer überaus tiefen Liebe der Freundschaft verbunden, an Seinen Gütern und Schätzen bis hin zur Erbschaft des ewigen Lebens Teilhabe erhalten, „der göttlichen Natur teilhaftig geworden sind“. Diese Liebe ist eine übernatürliche, weil sie mit der heiligmachenden Gnade notwendig verbunden ist und Gott selbst zum Ziel hat; sie muß dazu aber die höchste, wirksamste Liebe sein, weil Gott das höchste Gut ist und wir Ihn deshalb über alles lieben müssen und gerade um Seinetwillen dann auch den Nächsten wie uns selbst.

Wirksam aber ist die Liebe dann, wenn sie aus festem Willen und höchster Entschlossenheit kommt, denn der Sitz der Liebe ist im Willen, nicht im Gefühl, das mitunter täuschen kann. Deswegen lehrt uns der Heiland ja auch, daß jener es ist, der Ihn liebt, welcher Seine Gebote hält, nicht aber jener, so fügen wir bei, der vielleicht die meisten Gefühle hat. Möge uns als wahren Ordensleuten die treue und wirksame Liebe stets als unser Stern den Weg zu unserem Ziel hin leuchten.

Quelle: 2. Rundbrief für den 3. Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Österreich, 20. Februar 2006