Vorwort: Glaube an die letzten Dinge in der Neuen Messe?

01 November, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • November 2019

Liebe Freunde und Wohltäter!

Im Jahre 1980 gab der ehemalige österreichische Provinzial der Salesianer Don Boscos, P. Josef Pitzl, in seiner Predigt zu Allerseelen merkwürdige Ansichten über das Fegfeuer zum besten. [1] Nach ihm würden wir einen intensiven Reueschmerz erfahren, wenn wir „in unserem Tod Gott endgültig und für immer begegnen“. Von einem zeitweiligen Strafzustand, den die Armen Seelen durch Reinigungsstrafen abbüßen müssen, kann da nicht mehr die Rede sein. Aber genau darin besteht nach dem katholischen Dogma das Fegfeuer. Seit den 1960er Jahren ist es Mode geworden, die ernsten Wahrheiten des Jenseits – die Gefahr der ewigen Verdammung und die Leiden der Armen Seelen – zu verharmlosen oder gar zu leugnen. Kaum ein Pfarrer darf es sich heutzutage leisten darüber zu predigen, wenn ihm seine Stelle lieb ist. Eine solch „rückwärts gewandte Einstellung“ passt einfach nicht mehr zum „zeitgemäßen“ Christentum einer Wellness-Kirche, die das Leben frisch­fröhlich genießen möchte.

Damit ist aber keinem geholfen, im Gegenteil! Das Vergessen der Realität hebt diese doch nicht auf. Wenn nach den Worten Jesu so viele Menschen auf der breiten Straße gehen, die ins Verderben führt [2], niemand sie aber davor warnt, wie sollen sie dann bitte dem Abgrund entgehen können? Wie grausam ist das Schweigen der Hirten! Noch grausamer aber, wenn die Irrenden auf ihrem Weg noch bestärkt werden, indem man ihnen suggeriert, dass ja alle erlöst seien und in den Himmel kommen!

Irreführung in der Neuen Messe

Dieser schlimmen Verführung leistet die Neue Messe [3] leider massiv Vorschub: In den neuen Hochgebeten fehlt der heilsame Gedanke an die „Bewahrung vor der ewigen Verdammnis“, den der uralte Römische Kanon so eindringlich ausspricht. Dabei wäre es gerade in der heutigen Zeit notwendiger denn je, die Gläubigen auf die Gefahr des Verlustes der ewigen Seligkeit aufmerksam zu machen, wo eine vermessene Heilssicherheit fast überall die Gottesfurcht ausgelöscht hat.

Zudem enthalten die neuen Hochgebete auch keinen Hinweis mehr auf den Zustand des Leidens und der Reinigung der Verstorbenen, wie ihn der traditionelle Kanon gibt, wenn er Priester und Gläubige bitten lässt, dass Gott „allen in Christus Ruhenden den Ort der Erquickung, des Lichts und des Friedens“ schenken möge.

Letztlich dürfen uns diese unverzeihlichen Unterlassungen nicht verwundern, ist doch die Neue Liturgie ganz im Geist des allgemeinen Heilsoptimismus des II. Vatikanischen Konzils konstruiert worden, der sich später unter Johannes-Paul II. zur Häresie der Allerlösungslehre entwickelt hat.

Segen des Römischen Kanons

Dabei sind die diesbezüglichen Gebete in der tridentinischen Messe in ihrer knappen Formulierung so inhaltsreich, tröstlich und spornen zu einem Leben christlicher Vollkommenheit an. Der Gedanke an die Qualen der Armen Seelen mahnt uns, die heilsame Buße nicht auf das Jenseits zu verschieben und im Geist echter Barmherzigkeit jenen, die am meisten zu leiden haben, durch Gebete, Ablässe, Verzichte und Aufopferungen zu Hilfe zu eilen. Wobei gerade mit der Darbringung der hl. Messe uns ein so leichtes Mittel geschenkt ist, den Armen Seelen überaus wirksam die Leiden zu lindern und ihre Befreiung zu beschleunigen. Welch ein Schaden, wenn der leidenden Kirche aus Unwissenheit und Unglaube diese Hilfe kaum mehr geleistet wird!

Können Nichtkatholiken gerettet werden?

Der Messbesucher bekommt in den erwähnten Gebeten darüber hinaus glasklar Auskunft über das Schicksal jener, die außerhalb der Kirche standen. Man betet nämlich einerseits für jene, „die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen und im Frieden entschlafen sind“, d. h. für die gläubigen Katholiken. Dann aber werden zusätzlich „aller, die in Christus ruhen“ gedacht, womit alle gemeint sind, die sonst noch im Fegfeuer schmachten, seien es Häretiker, Schismatiker oder Andersgläubige, die durch vollkommene Reue ihre Seele gerettet haben. [4]

Hier sehen wir auch, dass jede Messe allen Seelen im Fegfeuer zum Nutzen gereicht.

Worin besteht das Fegfeuer?

In der hl. Messe erfleht man den leidenden Seelen „den Ort der Erquickung, des Lichts und des Friedens“. Daraus lässt sich die Natur des Fegfeuers erkennen:

1)    Es ist ein Ort, an welchem die Seelen der Erquickung bedürfen, denn die Glut des Feuers macht sich für sie in qualvoller Weise fühlbar.

2) Es ist außerdem ein Ort der Finsternis, an welchem kein tröstendes Licht ihre Aufmerksamkeit von ihren sühnenden Leiden ablenkt.

3) Schließlich ist ein Ort, an dem der Friede nur unvollkommen herrscht. Es gibt zwar keinen Krieg aller gegen alle wie in der Hölle, aber eine fortwährende gewaltige Sehnsucht nach Gott, verbunden mit dem quälenden Bewusstsein, durch die Sünden in Erdentagen Gott überaus beleidigt und diese Trübsal selbst verschuldet zu haben.

Die Schätze heben!

Die tridentinische Messe erteilt uns eine wunderbare Katechese, die den Verstand erleuchtet und den Willen eines jeden aufmerksamen Gottesdienstbesuchers anspornt. Leider wird sie heute den immer noch nach Wahrheit und Lebensfülle hungernden Zeitgenossen vorenthalten. Versäumen wir es nicht, in jeder hl. Messe aus diesen Schätzen dankbar Nutzen zu ziehen, für uns selbst und unsere Mitmenschen, und jetzt im November speziell für all jene, die unserer Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • November 2019

 

[1] Er konnte seine Predigt nicht mehr halten, da er in der Nacht auf Allerseelen eine Gehirnblutung erlitt, die kurz darauf zu seinem Tod führte, sie wurde aber posthum veröffentlicht.
[2] Mt 7,13-14: „Tretet ein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der ins Verderben führt, und gar viele kommen dadurch hinein. Wie eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und nur wenige finden ihn.“
[3] 
Sie wurde vor 50 Jahren, am 30. November 1969, dem 1. Adventsonntag, offiziell eingeführt.
[4] 
Siehe Nikolaus Gihr, Das Hl. Messopfer, Freiburg 1880, S. 632.