FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Von Gott und den Menschen geliebt

12. September, 2017

Der heilige Papst Pius X. als Wundertäter

Ständige Gottvereinigung

Die unerschöpfliche Quelle seiner Tugenden, das Geheimnis der Fruchtbarkeit seines Pontifikates aber war seine innige Vereinigung mit Gott. Er durfte das Wort des Apostels auf sich anwenden: «Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.»

Im Wirbel der Ereignisse und der menschlichen Leidenschaften, inmitten der täglichen Beschäftigung mit Menschen und Dingen, mit Arbeit und Sorgen überhäuft, vermochte der heilige Papst ganz in Gott versenkt zu leben. Einhellige Aussagen bezeugen dies.

«Er lebte aus Gott und für Gott», versichert einer seiner diensttuenden Geheimkämmerer.

«Bei allen seinen Handlungen und Entscheidungen war er sich stets der Gegenwart Gottes bewußt», bezeugt einer seiner vertrauten Privatsekretäre. Oft sagte er: «Denken wir daran, daß wir uns in der Gegenwart Gottes befinden und vor Ihm arbeiten müssen.»

«Er war gewohnheitsgemäß in ständiger Vereinigung mit Gott», sagte sein letzter Maestro di Camera aus; und sein Hauskaplan fügte hinzu:

«Jedesmal, wenn Pius X. uns ansah oder mit uns sprach, schien es uns, als sei er in ständigem Kontakt mit der Gottheit: in seinen Worten und Handlungen war etwas Inspiriertes und Übernatürliches.»

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Trotz der schweren Arbeitslast und der Sorgen des Pontifikates blieb der Heilige auch als Papst der Gewohnheit treu, täglich den Rosenkranz zu beten und die Geheimnisse zu betrachten, die er uns vor Augen stellt; dabei schien er die Erde vergessen zu haben. Die Ave Maria sprach er so innig, daß niemand zweifeln konnte: er sah im Geiste die Gottesmutter vor sich, die er mit solcher Liebe anrief

Den Blick auf Maria gerichtet lebte, arbeitete und litt er, bis sie, die er zu seiner Königin erwählt hatte, ihn aus den Kämpfen dieser Erde zu sich ins ewige Licht rief.

Die Gabe der Wunderkraft

Um die lichte Gestalt des Papstes wob sich allmählich ein Heiligenschein; man wußte im Vatikan und in der ganzen Welt, daß auf sein Gebet oder auf seinen Segen hin Wunder geschahen.

Als der Heilige davon hörte, sagte er scherzend: «Jetzt erzählen und drucken sie, daß ich angefangen habe, Wunder zu wirken, als ob ich nichts anderes zu tun hätte.» Und lächelnd fügte er hinzu: «Was wollt ihr. . . auf dieser Welt muß man alles mögliche tun.»

Doch die Gerüchte logen nicht. Der heilige Papst hatte gleich zu Beginn seines Pontifikates den Vatikan in Staunen versetzt. Kardinal Herrero y Espinosa, Erzbischof von Valenzia in Spanien, der schon 80 Jahre zählte, war während des Konklave schwer erkrankt und schien dem Tode nahe. Trotz seiner großen Müdigkeit wollte Pius X. ihn nach seiner Erwählung zum Papst besuchen. Begleitet von den Kardinälen Sanminiatelli und Satolli und von Msgr. Merry del Val betrat er das Zimmer des Kranken, um bei seinem Todeskampfe anwesend zu sein. Als man den Sterbenden aufmerksam machte, daß der neue Papst zugegen sei, öffnete er die Augen und bat mit schwacher Stimme um den Apostolischen Segen. Der Papst sammelte sich einen Augenblick im Gebet. Dann berührte er die Stirn des Kardinals und segnete ihn. Im gleichen Augenblick fühlte dieser eine wesentliche Besserung. Drei Tage später konnte er sich erheben und kehrte bald darauf nach Spanien zurück und erzählte dort, er sei «durch den Segen Pius’ X. zum Leben wiedererweckt» worden.

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Daß durch seinen Segen Wunder geschahen, war nichts Neues im Leben Pius’ X.; schon als er Bischof von Mantua war, hatte er durch eine einfache Segensspendung die Magd eines Pfarrers in Treviso von einer Krankheit geheilt, die von den Ärzten als unheilbar bezeichnet worden war.

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Der Heilige brauchte nur in den großen Audienzsälen zu erscheinen, da sank die Menge spontan in die Knie; niemand konnte seinen Blick losreißen von der weiß­gekleideten Gestalt. Schüchterne Bitten wurden laut: man flehte um Licht, um Trost, um Kraft in den Prüfungen des Lebens. Dann hob der Papst seine strahlenden Augen und wenn er den Segen erteilte, war er wie eine Erscheinung aus einer andern Welt.

Es schien, als ob sich alle Leidenden unwiderstehlich zu ihm hingezogen fühlten, um seine Hilfe zu erbitten; und sie waren sicher, durch die Berührung seiner Hände und seinen Apostolischen Segen Trost in jedem Kummer, Erleichterung in jedem Schmerz, Hilfe in jeder Not zu finden. Es geschahen so viele Wunder, daß man sich in die Tage zurückversetzt glauben konnte, da der göttliche Meister durch Palästina schritt, Wohltaten spendend und alle heilend1. Der Papst aber berief sich demütig auf die «Macht der Schlüsselgewalt»

Der gelähmte Arm

Bei einer der Volksaudienzen, die Pius X. so gern gewährte, befand sich in der Menge ein Mann, dessen rechter Arm vollständig gelähmt war. Er hatte vergeblich bei Ärzten Hilfe gesucht und endlich die Hoffnung aufgegeben, durch natürliche Mittel geheilt zu werden. Nun hatte er großes Vertrauen, durch den heiligen Papst die Gesundheit wiederzuerlangen; mit Sehnsucht wartete er auf sein Kommen.

Der Papst trat ein. Mit gütigem Lächeln schritt er langsam durch den Saal, spendete allen seinen Segen, richtete an den und jenen ein freundliches Wort. Als er in die Nähe des Unglücklichen kam, zeigte dieser ihm den gelähmten Arm und flehte: «Heiliger Vater, heilen Sie mich, damit ich für meine Familie das Brot verdienen kann.»

«Geh nur, hab Vertrauen auf den Herrn», antwortete der Papst. Er berührte den Arm und wiederholte: «Glaube nur, der Herr wird dich heilen.»

In diesem Augenblick kehrte in den gelähmten Arm die Kraft und Bewegungsfähigkeit zurück. Erschüttert rief der Mann ganz laut: «Heiliger Vater . . . Heiliger Vater!» Der Papst blieb stehen, blickte ihn fest an und bedeutete ihm durch ein Zeichen, er solle schweigen.

«Mutti, ich bin gesund!»

Eine junge Irländerin hatte den Kopf ganz mit Wunden bedeckt.

«Wenn du mich nach Rom zum Heiligen Vater bringst», sagte sie oft zu ihrer Mutter, «werde ich gesund, denn wenn Jesus den Aposteln die Macht verlieh, Wunder zu wirken, wird er sie umsomehr seinem Stellvertreter auf Erden geben.»

Die Mutter gab endlich dem Drängen des Töchterchens nach und entschloß sich, die Kranke nach Rom zu begleiten, obwohl die Ärzte von einer so weiten Reise abrieten.

Mutter und Tochter kamen glücklich in Rom an und begaben sich unverzüglich in den Vatikan. Kaum sah das junge Mädchen den Papst vor sich, da bat sie ihn inständig, er möge sie von ihren Wunden heilen.

Pius X. legte ihr lächelnd die Hand auf den Kopf, segnete sie und schritt weiter. Plötzlich rief das Mädchen: «Mutti, ich bin geheilt!»

Kaum waren die beiden Isländerinnen in ihrem Hotel angekommen, da nahm die Mutter die Verbände vom Kopf der Tochter ab. Mit fassungslosem Staunen sah sie, daß die Wunden verschwunden waren, ohne die mindeste Spur zurückgelassen zu haben.

Von Schwindsucht geheilt

Im Jahre 1912 hatte eine Schwester der Kongregation von den heiligen Wundmalen in Florenz, die sich im letzten Stadium der Schwindsucht befand, die Erlaubnis erhalten, nach Rom zu reisen; sie hoffte, von Pius X. geheilt zu werden.

Ohne Schwierigkeiten wurde sie zu einer Audienz zugelassen und bat den Papst, er möge sie heilen.

«Was wollen Sie denn», sagte der Heilige liebenswürdig scherzend, «es geht Ihnen ja besser als mir!» Und er segnete sie. Die Schwester war vollständig geheilt.

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Eine andere Ordensfrau, die an derselben Krankheit litt, war auch nach Rom gekommen, um vom Papst Gesundheit zu erbitten. Ihr Zustand war so ernst, daß sie auf dem Transport von einem Haus ihres Ordens zum Vatikan mehrmals das Bewußtsein verlor.

Wir wissen nicht, was während der Audienz geschah. Tatsache aber ist, daß sie nach Beendigung der Audienz vollständig gesund war.

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Eine unserer Novizinnen, Schwester Maria Frontùto», so schrieb die Oberin der Schwestern von der Heiligen Familie, «wurde schwer krank, und das Leiden machte in wenigen Wochen erschreckende Fortschritte. Ein erstes Blutspucken hatte uns aufmerksam gemacht; andere beunruhigende Symptome folgten. Die Ärzte gaben keine Hoffnung mehr.

Da entschloß ich mich, die arme Novizin zum Heiligen Vater zu bringen, wie es ihr sehnlicher Wunsch war.

Endlich kam der Tag der Audienz; es war der 13. Juli 1913. Wir befanden uns in einem großen Saal. Plötzlich erschien der Papst.

Die Novizin bat inständig: ‘Heiliger Vater, ich bitte, geheilt zu werden.’

‘Aber warum geht es dir denn nicht gut? Man muß gesund sein, hast du verstanden?’ antwortete der Papst, während er ihr die Hand auf den Kopf legte.

Schwester Maria begann bitterlich zu weinen. In dem Augenblick, da sie die Hand des Heiligen Vaters auf ihrem Kopf spürte, war es ihr, als falle etwas von ihren Schultern. Die Krankheit war verschwunden.»

Die Blinden sehen

Einer der diensttuenden Geheimkämmerer des Seligen berichtete:

«Ein ungefähr fünfzigjähriger Deutscher, der blind geboren war, kam zu einer Audienz. Als der Papst vor ihm stand und von seinem Unglück hörte, berührte er seine Augen und ermahnte ihn, Gottvertrauen zu haben.

Bei der Berührung der wundertätigen Hände erlangte der Blindgeborene auf der Stelle die Sehkraft.»

Alle Unglücklichen, alle, die von Schmerzen und Nöten bedrückt waren, hatten ein Anrecht auf das Mitleid des gemeinsamen Vaters; aber leidenden Kindern gegenüber war er von geradezu mütterlicher Zartheit und Güte.

Eine arme Mutter zeigte dem Seligen ihr blindes Kind und beschwor ihn, er möge sich würdigen, es zu heilen.

«Bitten Sie den Herrn und haben Sie Vertrauen!», antwortete Pius X.

Das Kind öffnete die Augen und betrachtete das strahlende Gesicht des Stellvertreters Christi; es war der erste Anblick, der ihm vergönnt war.

Ein Krebsleiden verschwindet

«Was soll ich für dich tun?» fragte der Heilige einmal eine Ordensfrau, die ihm ihre von Krebs befallene Hand zeigte.

«Ich bitte nur um den Segen, Heiliger Vater.»

Der Papst machte langsam das Kreuzzeichen über die Hand.

Nach Hause zurückgekehrt, legte die Schwester den Verband ab: die schreckliche Krankheit war verschwunden!

Lahme gehen

Im Audienzsaal war eines Tages ein trauriges Bild zu sehen: ein gelähmtes Kind, das mit Vater und Mutter aus Deutschland gekommen war, alle drei mit einem Herzen voller Hoffnung.

Als Pius X. an ihnen vorbeischritt und das Kind sah, das auf der Erde lag, fragte er, was es habe.

Als er hörte, es sei gelähmt, neigte er sich in väterlicher Zärtlichkeit zu ihm, faßte es an den Händen, richtete es auf und sagte:

«Aber was ist denn das? Auf, auf ... Du mußt gehen!»

Das Kind stellte sich sofort auf die Füße und war völlig geheilt.

*

Im Jahre 1913 bat eine arme Mutter den heiligen Papst, er möge ihr Töchterlein heilen, das seit langer Zeit gelähmt sei.

«Das kann ich nicht», antwortete der Heilige. «Nur Gott kann Wunder wirken.»

Die arme Frau verzagte nicht, sondern sagte in tiefem Vertrauen:

«Doch, Sie können es; Sie müssen es nur wollen.»

«Ich kann es nicht. . . Nur Gott kann Wunder wirken», wiederholte der Papst.

«Heiliger Vater, Sie sind der Stellvertreter Christi auf Erden. Sie können, Sie müssen das Wunder wirken» beharrte die Mutter.

«Haben Sie Vertrauen», sagte Pius X., «der Herr wird Ihr Töchterlein heilen.»

Das Mädchen überlief ein Schauder. Es erhob sich und begann zum Staunen der Anwesenden zu gehen.

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Ein elfjähriges Mädchen aus Nîmes in Frankreich war seit der Geburt vollständig gelähmt. Alle Kuren und Medikamente waren wirkungslos geblieben. Es war noch nicht imstande gewesen, auch nur einen Schritt zu machen.

Da sie überzeugt war, der Heilige werde sie heilen, entschlossen sich ihre Eltern, die Kleine nach Rom zu bringen.

Man trug sie zu einer Audienz in den Vatikan. Als das Mädchen den Ring des Papstes geküßt hatte, sagte es voll lebendigen Glaubens:

«Heiliger Vater, ich erbitte eine Gnade ...»

«Der Herr gewähre dir das, was du wünschst», antwortete Pius X. einfach.

Plötzlich spürte das Kind, wie es ihm kalt über die Glieder lief. Es erhob sich und ging mit raschen Schritten umher.

Voll Dankbarkeit erbaten die glücklichen Eltern ein paar Tage darauf eine Privataudienz, um dem Heiligen zu danken; doch dieser verweigerte die Audienz und sagte:

«Es ist der Glaube, der alles bewirkt. Es ist die Schlüsselgewalt!»

Gewiß war er Träger der Schlüsselgewalt; aber es war auch seine ganz außergewöhnliche Glaubenskraft, die ihn zu so Wunderbarem befähigte.

Der Strumpf des Papstes

Wunder über Wunder wirkte der Papst mit einer Einfachheit und Natürlichkeit, als ob es die leichteste Sache von der Welt wäre; und oft scherzte er über diese Geschehnisse, die alle verblüfften.

Eine Schülerin in Rom war von einer schweren Knochenhautentzündung an einem Fuß befallen und seit fast einem Jahr zu völliger Bewegungslosigkeit verurteilt.

Eines Tages brachte man ihr einen Strumpf Pius’ X. in der Hoffnung, sie werde Heilung erlangen, wenn sie ihn anzöge. Und so geschah es auch. Das junge Mädchen zog den Strumpf des Papstes an und war im gleichen Augenblick geheilt.

Das Wunder wurde natürlich dem Heiligen berichtet; der sagte lächelnd:

«Das ist ja zum Lachen! Ich ziehe jeden Tag die Strümpfe an und habe dauernd Schmerzen an den Füßen. Wenn andere meine Strümpfe anziehen, verlieren sie die Schmerzen. Das ist wirklich sonderbar.»

Ein wunderbarer Traum

Die Generaloberin der Franziskanerinnen in der Via Castro Pretorio in Rom hatte ein schweres Halsleiden, das ihr Leben gefährdete.

Es sollte so schnell als möglich der Luftröhrenschnitt durchgeführt werden; doch die Ordensfrau hatte mehr Vertrauen auf die Wunderkraft Pius’ X. als auf natürliche Mittel.

Eines Nachts, da es ihr war, als müsse sie von einem Augenblick zum ändern ersticken, erschien ihr im Traum der Papst und versicherte ihr, sie werde genesen.

Am Morgen war das Übel verschwunden.

Ein paar Tage später wollte sie dem Papste danken. Man kann sich ihr Erstaunen vorstellen, als der Heilige sie gleich mit den Worten ansprach: «Ich habe dich geheilt! ... Sei brav!»

Segen in die Ferne

Nach solch wunderbaren Geschehnissen war es nicht verwunderlich, daß — besonders in seinen letzten Lebensjahren — aus der ganzen Welt Bitten um den Apostolischen Segen eintrafen, von dem man Linderung in körperlichen und seelischen Leiden erhoffte. Diese Bitten waren so zahlreich, daß sie zu «einer wahren Überbürdung» des Staatssekretariates führten.

Wir wollen einige Fälle anführen, die zeigen, wie der Herr durch seinen treuen Diener seine Macht kundtat. Nicht nur Menschen, die zu ihm kamen, erfuhren wunderbare Hilfe, sondern auch solche, die aus der Ferne darum gebeten hatten.

«Ein Kind von ungefähr sechs Jahren, der Sohn meines Cousins und meiner Cousine Giuseppe und Anna Corradi», so erzählte ein angesehener römischer Herr, «hatte bei einem Sturz einen Riß in Niere und Harnblase davongetragen. Der Fall war hoffnungslos; die Ärzte sagten, das Kind habe nur noch wenige Stunden zu leben. Gerade an dem Tag, an dem dieses Urteil ausgesprochen wurde, empfing mich der Heilige Vater in Audienz.

Als die Audienz beendet war, fühlte ich mich gedrängt, seinen Segen für jene arme Familie zu erbitten. Er hörte teilnahmsvoll an, was ich ihm erzählte, und sagte: ‘Arme Mutter! Ja, ich sende gern meinen besonderen Segen.’

Nach Hause zurückgekehrt, erzählte ich den trostlosen Eltern sofort vom Segen des Papstes. Als die Mutter des kranken Kindes das hörte, rief sie voll Vertrauen: ‘Pius X. hat seinen Segen gesandt; mein Giorgio wird gerettet werden!

Und so kam es. Entgegen aller Erwartung der Ärzte vernarbte der Nierenriß und die Blase funktionierte normal, ohne daß ein chirurgischer Eingriff nötig gewesen wäre.

Als ich einige Monate später wieder zum Heiligen Vater kam, erinnerte ich ihn an den besonderen Segen, den er damals gespendet hatte.

Lächelnd fragte er: «Ist er gestorben?»

Ich entgegnete, das Kind sei völlig gesund und die Heilung werde dem Segen des Papstes zugeschrieben.

«Der Papst segnet alle; es ist der Glaube der Mutter, der ihn gerettet hat», erwiderte der Papst demütig.

Giorgio Corradi erfreut sich heute noch einer ausgezeichneten Gesundheit, obwohl er den ersten Weltkrieg als Artilleriesoldat mitgemacht hat.

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Ein Domherr der Kathedrale von Trient berichtete: «Anfang November 1908 wurde ich nach Rom gerufen. Ich wollte die Reise nicht antreten, weil meine Mutter seit zwei Monaten schwer krank darniederlag und ich von einem Tag zum andern ihren Tod befürchtete; sie zählte ungefähr 76 Jahre und konnte keine Nahrung mehr zu sich nehmen.

Eines Abends fragte mich die Mutter, warum ich nicht nach Rom führe. Ich antwortete, ich könne es nicht übers Herz bringen, sie in diesem Zustand zu verlassen. Doch sie erwiderte: ‘Fahre sofort, denn du mußt deine Pflicht erfüllen; und sei sicher, wenn du für mich den Segen des Heiligen Vaters erhalten kannst, werde ich gesund.’

Am nächsten Tag reiste ich ab. In Rom angelangt, ging ich sofort zum Majordomus und Maestro di Camera. Msgr. Bisleti, der mir für den nächsten Tag eine Audienz beim Heiligen Vater verschaffte.

Der Diener Gottes hatte mich kaum erblickt, da begrüßte er mich mit großer Herzlichkeit und fragte nach meiner Gesundheit und nach dem Befinden meiner greisen Mutter. Ich antwortete, ich hätte sie sterbend zurückgelassen, und sie hoffe auf den besonderen Segen des Papstes. Da sagte der Diener Gottes: ‘Sehr gern’ — und er hob die Augen zum Himmel und machte das Kreuzzeichen. Dann schlug er mir mit der Hand auf die Schulter und sagte: ‘Ich bitte den Herrn inständig, daß er sie dir noch viele Jahre erhalte.’

Nach der Audienz schrieb ich sofort eine Karte an meine Schwester, auf der ich ihr mitteilte, daß der Heilige Vater der Mutter seinen besonderen Segen gespendet habe. Vierzig Stunden später erhielt ich einen Brief von meiner Schwester, in dem sie schrieb, die Mutter habe sich am Tage zuvor gegen Mittag plötzlich wohl gefühlt, sei aufgestanden und habe Nahrung zu sich genommen. Ich stellte fest, daß die Heilung in der gleichen Stunde erfolgt war, in der ich den Diener Gottes um seinen Segen für meine Mutter gebeten hatte.

Auch meine Mutter und meine Schwester erkannten, daß die Heilung dem Gebet und dem Segen des Dieners Gottes zuzuschreiben war.»

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Die Mutter eines brasilianischen Bischofs war an Aussatz erkrankt. Da der Ruf der Heiligkeit des Papstes auch zu ihm gedrungen war, begab er sich in einem der ersten Monate des Jahres 1914 nach Rom, um von Pius X. die Heilung seiner Mutter zu erbitten.

Er stellte sich dem Heiligen Vater vor und bat mit großer Eindringlichkeit um die so heißersehnte Heilung. Der Papst hörte ihn an und ermahnte ihn, er solle sich an die Madonna und andere Heilige wenden. Doch der Bischof beharrte auf seinen Bitten: «Haben Sie doch die Güte, Heiliger Vater, wenigstens das Wort des Heilands nachzusprechen: ‘Volo, mundare.’» Und der Heilige sprach: ‘Volo, mundare.’

Als der Bischof in seine Heimat zurückkehrte, fand er die Mutter völlig vom Aussatz befreit.

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Die Oberin des Waisenhauses der Schwestern von Canossa in Belgaum, Britisch-Indien, war durch ein chronisches, unheilbares Magenleiden zu einem Schatten ihrer selbst geworden.

Sie hatte die berühmtesten Ärzte am Ort sowie die von Bangalore und Bombay konsultiert, alle Kuren erprobt, sich zwei Operationen unterzogen, doch alles war vergeblich.

Am 18. Januar 1914 entschlossen sich einige der kleinen Schülerinnen und Waisenkinder, die eben die Erstkommunion empfangen hatten, sich an Papst Pius X. zu wenden und die Heilung ihrer Mutter und Oberin von ihm zu erbitten. Sie schrieben ihm folgenden Brief:

Belgaum, St. Josefs-Kloster, 19. Januar 1914

Lieber Heiliger Vater!

Nachdem wir das Glück hatten, die Erstkommunion zu empfangen, wünschen wir von Eurer Heiligkeit ein Geschenk: die Heilung unserer Mutter Oberin, die seit 15 Jahren krank ist und sich seit ungefähr 12 Jahren nur von Milch ernährt. Wir wünschen sie gesund zu sehen.

Wir danken Eurer Heiligkeit, daß Sie uns Kindern gestattet haben, die erste heilige Kommunion so früh zu empfangen. Wir beten für Eure Heiligkeit und singen gern: Erbarme Dich, mein Gott, des Papstes in Rom.

Segnen Sie, Heiliger Vater, unsere Schwestern, die Schülerinnen und die Waisenkinder.

Die Schülerinnen und die Waisen von Belgaum

Der Zustand der Kranken verschlechterte sich unterdessen infolge des Nahrungsmangels, und bald kam es zu einem so großen Kräfteverfall, daß man in der Nacht vom 7. auf den 8. Februar fürchtete, sie werde sterben, und ihr die heilige Ölung spenden ließ.

Am nächsten Tag erhielten die Schwestern von Belgaum folgendes Telegramm:

Rom, 7. Februar 1914

Heilige Vater spendet gern erbetenen Apostolischen Segen.

Kard. Merry del Val

Dieses Telegramm wurde der Kranken sofort übergeben; dann ließ man sie allein, weil sich die Schwestern in den Speisesaal begeben mußten. Die Oberin las es und wagte vertrauensvoll den Versuch, aufzustehen; sie kleidete sich an und setzte sich auf einen Stuhl.

Als die Schwestern sie außerhalb des Bettes sahen, wollten sie ihren Augen nicht trauen; und als sie hörten, sie wolle essen, konnten sie ihr Staunen nicht verbergen. Einige wünschten, daß sie Nahrung zu sich nehme, andere widersetzten sich, weil sie glaubten, es sei besser, einige Tage zu warten. Die Kranke schnitt jedoch jede Diskussion ab und erklärte, sie wolle sofort essen.

Während die einen unschlüssig waren und die andern vertrauten, aß die Oberin Suppe, Brot und Fleisch. Der Magen nahm es auf und behielt es auch.

Von diesem 8. Februar an nahm sie wieder ihren Platz im Refektorium ein und kehrte mit neuer Kraft zu ihrer Arbeit zurück.

Das Innerste der Herren

Unter den Charismen, die Gott unserem Heiligen verliehen hatte, war nach allgemeiner Überzeugung das, mit Sicherheit die innern Regungen der Menschen zu erkennen.

Einer seiner Privatsekretäre bezeugt:

«Es war bekannt, daß der Diener Gottes intuitiv in den Herzen las. Oft kam es vor, daß, wenn jemand zu ihm kam, um über eine bestimmte Angelegenheit mit ihm zu sprechen, er selbst sofort von der betreffenden Sache begann, bevor noch der Besucher sie erwähnt hatte. Diese Tatsache wurde mir von Personen mitgeteilt, die mit ihm in Verbindung standen, während er Bischof von Mantua war.»

Ein anderer Privatsekretär des Papstes fügt hinzu: «Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die in einer Audienz beim Heiligen Vater den Eindruck gewonnen hatten, daß er in ihrem Herzen las, wenn er sie anblickte. Dieser Eindruck war so stark, daß ich nie gewagt hätte, eine Lüge zu sagen, denn ich war sicher, daß er in meinem Herzen den wahren Sachverhalt las.»

Ein Kardinal, der sein Maestro di Camera war, bezeugt: «Mitunter hatte ich den Eindruck, daß der Diener Gottes in meiner Seele las; deshalb befleißigte ich mich skrupelhafter Genauigkeit bezüglich der Tatsachen, die ich ihm zu berichten hatte. Auch besonders begnadete Seelen hatten den gleichen Eindruck wie ich.»

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Eines Tages begab sich der Obere des römischen Trappistenklosters in Tre Fontane zu dem Heiligen, um ihm eine Angelegenheit von großer Tragweite anzuvertrauen und seinen Rat zu erbitten. Doch kaum war er niedergekniet, da sagte Pius X. zu ihm: «In der Angelegenheit, deretwegen du zu mir gekommen bist, gehe in dieser Weise vor.» Und er gab ihm genaue Richtlinien und Ratschläge, bevor der Ordensmann noch zu sprechen begonnen hatte.

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Doch nicht immer waren es tröstliche Geheimnisse, die vor seinen Blicken offenlagen.

Einmal stellte ein angesehener Prälat dem Heiligen einen Priester seiner Diözese vor, spendete ihm das höchste Lob und versicherte, daß er nicht zu den Modernisten gehöre.

Pius X. blickte den Priester traurig an, doch er entgegnete kein Wort.

Die Strenge des Papstes, der bei Audienzen sonst sehr mitteilsam war, versetzte den Prälaten in Bestürzung und er wiederholte seine Lobsprüche und Versicherungen.

Doch es war vergeblich. Bald darauf verstand der Prälat, warum sich der Heilige diesem Priester gegenüber so ganz anders verhalten hatte, als es seine Gewohnheit war.

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Wenn sich der Don Luigi Orione (Schüler Don Boscos, Ordensstifter, 2004 heiliggesprochen) zu einer Audienz zu Pius X. begeben mußte, tat er zuvor zwei Dinge: er brachte sein Äußeres und . . . seine Seele in Ordnung. Er rasierte sich, wechselte Kleider und Schuhe, zog einen Mantel an und setzte einen fast neuen Hut auf. Dann ging er freudestrahlend nach St. Peter, um zu beichten.

Als er einmal in St. Peter keinen Beichtvater antraf, weil er zu einer ungewöhnlichen Stunde kam, ging er eiligst in die Chiesa della Traspontina und beichtete dort bei einem alten Karmeliterpater. Es stand ihm nur ganz kurze Zeit zur Verfügung, wenn er nicht zu spät zur Audienz kommen wollte. Doch der gute Karmeliterpater zog seinen Zuspruch in die Länge, so daß Don Orione wie auf Kohlen kniete.

Endlich unterbrach er den Beichtvater und bat ihn, er möge ihm sogleich die Absolution erteilen, weil er in wenigen Minuten beim Papst sein müsse.

Er verließ die Kirche, lief eilends zum Vatikan, keuchte die Treppen hinauf und kam zwei Minuten vor der festgesetzten Zeit an.

Als er an die Reihe kam, trat er demütig in das Arbeitszimmer des Heiligen ein. Kaum hatte der Heilige Vater ihn erblickt, da sagte er lächelnd zu dem völlig Überraschten: «Du hättest darauf verzichten können, zu beichten, bevor du zum Papst gehst. Wenn du wieder beichtest, laß dir etwas mehr Zeit dazu.»

Und niemand wußte, daß Don Orione vor der Audienz gebeichtet hatte.

Blick in die Zukunft

Der heilige Papst scheint außer der Gabe der Wunderkraft und jener, im Innern der Menschen zu lesen, auch die der Weissagung besessen zu haben.

Sowohl in den bischöflichen als auch in den apostolischen Prozessen sagen Zeugen aus, der Heilige habe familiäre und soziale Geschehnisse vorhergesagt.

Die Geheimnisse der Zukunft lagen vor den Augen Pius’ X. ebenso offen wie die der Herzen. Schon als Bischof von Mantua hatte er dies bewiesen.

Der Sakristan der Kathedrale, ein gewisser Aristide Gregori, war in großer Sorge um seine schwerkranke Schwiegertochter. Drei Ärzte hatten ihr Ende als unmittelbar bevorstehend bezeichnet. Der arme Sakristan lief in aller Morgenfrühe zum Bischof und bat ihn, an diesem Tag die heilige Messe für die Genesung der Kranken aufzuopfern.

Nach der Messe lud der Heilige Herrn Gregori ein, mit ihm zu frühstücken. Er gab ihm das Meßstipendium zurück und sagte: «Nimm das und verwende es für die Kranke und sei ruhig; deine Schwiegertochter wird nicht sterben.»

Die Kranke wurde gesund und lebte noch lange.

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Als Msgr. Sarto anlässlich der Jahrhundertfeier zu Ehren des heiligen Aloisius von Gonzaga in Castiglione delle Stiviere weilte, bemerkte er, daß der Ökonom des Collegio delle Vergini, wo er Wohnung genommen hatte, sehr niedergedrückt war.

«Was hast du denn, Luigi?» fragte er.

«Mein dreijähriges Söhnchen ist in Lebensgefahr», erwiderte der Arme.

«Ich werde es besuchen», versprach der Bischof.

Am nächsten Tag löste er sein Versprechen ein. Er betrachtete den kleinen Sterbenden und segnete ihn. Dann wandte er sich an die trostlosen Eltern und versicherte: «Er stirbt nicht, er stirbt nicht, nein.»

Tatsächlich wurde der kleine Pierino gesund und entwickelte sich zu einem aufgeweckten, intelligenten und kräftigen Jungen.

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Ein vornehmer Herr aus Mantua, der in Rom wohnte, und mit dem Heiligen von der Zeit her befreundet war, da dieser Bischof von Mantua gewesen war, bezeugt: «Am 29. August 1901 starb mein Sohn im blühenden Alter von 18 Jahren. Man kann sich leicht vorstellen, wie sehr meine Gemahlin litt. Sie konnte sich mit dem Verlust nicht abfinden und war so verzweifelt, daß man fürchtete, sie werde den Verstand verlieren.

Der Diener Gottes, der damals Patriarch von Venedig war, schrieb mir einen Trostbrief, und als er bald darauf nach Rom kam, bemühte er sich, meine Gattin aufzurichten und zu christlicher Ergebung zu bewegen. Am Schluß der Unterredung sagte er: ‘Nur Mut! Manchmal nimmt der Herr, um wieder zu geben. Habe Vertrauen, Gaetana! Er wird dir wieder einen Sohn schenken.’

Auf meine Gattin, die ganz in ihren Schmerz vergraben war, machte das keinen Eindruck, denn sie wußte, daß sie als Folge eines im Jahre 1884 vorgenommenen chirurgischen Eingriffes nach dem Urteil erfahrener Ärzte keine Kinder mehr haben konnte.

Doch neunzehn Jahre nach dieser Operation fühlte sie sich plötzlich Mutter.

Im Februar 1903 kam der Diener Gottes wieder nach Rom. Als er an meinem Geschäft vorbeikam, begrüßte er mich und sagte: ‘Du erzählst mir gar nicht, daß deine Gattin bald Mutter wird?’

‘Wer weiß, was noch kommt’, entgegnete ich. ‘Glaubt ihr noch immer nicht?’ fragte er lächelnd. Auf meine Frage, woher er das wisse, antwortete er: ‘Laß dir genug sein, daß ich es weiß. Sag mir lieber: was würde deiner Frau mehr Freude machen, ein Junge oder ein Mädel?’

‘Ein Junge als Ersatz für den verlorenen’, sagte ich. ‘Sag ihr nur, sie werde einen Jungen bekommen. Ihr sollt aber beide größeres Gottvertrauen haben.’

Einige Monate später, am 8. Juli 1903, wurde uns ein Söhnchen geschenkt, das der Diener Gottes — der damals schon Papst war — mit sieben Jahren zur Erstkommunion zuließ.»

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Eines Tages sollte ein Mädchen im Vatikan aus den Händen des Papstes das Sakrament der Firmung empfangen, als es plötzlich in Tränen ausbrach.

Gerührt fragte der Papst, was sie habe. Mit abgebrochenen Worten, von Schluchzen unterbrochen, sagte die Kleine, sie weine, weil sie niemanden habe, der sich um sie kümmere. Die Mutter lebe seit längerer Zeit von ihrem Mann getrennt, und dieser habe eine andere Frau zu sich genommen.

Pius X. tröstete und ermutigte sie: «Habe nur Mut, wenn du nach Hause kommst, wirst du den Papa und die Mama vereint finden.»

Die Vorhersage bewahrheitete sich. Als das Kind nach Hause kam, waren Vater und Mutter dort; sie hatten sich miteinander versöhnt und warteten auf seine Heimkehr.

Der «große Krieg»

Auch die furchtbare Heimsuchung, die 1914 über Europa hereinbrach, sah der Heilige mit Entsetzen voraus.

«Ich sehe einen großen Krieg», sagte er immer wieder in tiefer Traurigkeit zu seinen Schwestern. Und wenn diese ihn aufzuheitern suchten und sagten, man dürfe sich durch die Vorgänge in der Welt nicht beunruhigen lassen, antwortete er: «Leider wird es zu einem großen Krieg kommen.»

«Eminenz, es steht schlecht... es kommt ein großer Krieg», sagte er oft zu seinem Kardinal-Staatssekretär. Dieser war erstaunt, mit welcher Beharrlichkeit und Bestimmtheit der Heilige davon sprach.

«Ich spreche nicht von diesem Krieg», erklärte er 1911, zur Zeit der militärischen Intervention Italiens in Lybien und während des Balkankrieges 1912-1913. — «Das ist alles nichts im Vergleich zu dem großen Krieg, der kommen wird.»

Und jedes Mal, wenn er davon sprach, so berichtet Kardinal Merry del Val, schien es, als könne er die kommenden Ereignisse sehen und mit Händen greifen. Und wenn der Kardinal einwendete, ein Krieg sei nicht zu erwarten, und wenn es zu einem solchen kommen sollte, könne bis dahin noch lange Zeit vergehen oder er könne vielleicht ganz vermieden werden, hob der heilige Seher in ungewöhnlichem Ernst die Hand und versicherte: «Eminenz, bevor das Jahr 1914 vergeht.»

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Die beiden Wunder, die für den Seligsprechungsprozeß berücksichtigt wurden

Die Akten des Seligsprechungsprozesses erwähnen viele Gnaden, die schon zu seinen Lebzeiten durch den Segen oder durch ein Gebet des heiligen Papstes erlangt wurden. Sie zählen nicht weniger Gnaden und Wunder auf, die nach seinem Tode auf seine Fürbitte hin gewährt wurden. Von diesen wurden zwei nach strenger wissenschaftlicher Prüfung vom Urteil der Kirche als wirkliche Wunder anerkannt.

Plötzliche Heilung eines Osteosarkoms an der Hüfte

Das erste dieser Wunder geschah an einer Schwester aus dem Heimsuchungskloster in Dole, Frankreich, namens Marie Francoise Deperras, die am 7. Dezember 1928 von einem Osteosarkom an der Hüfte, einem von den Ärzten sehr gefürchteten Leiden, plötzlich geheilt wurde.

Da die Krankheit von der ersten Diagnose an als unheilbar erklärt worden war, bereitete sich die Schwester auf den Tod vor. Das Ende schien unmittelbar bevorzustehen, die Schmerzen waren unerträglich, als die Krankenpflegerin des Klosters, Schwester Germaine, eine Reliquie Pius’ X. erhielt. Diese Reliquie regte die Schwestern an, sogleich eine Novene zu dem heiligen Papst zu halten, um durch seine Fürbitte die Heilung ihrer Mitschwester zu erlangen. Die Reliquie wurde mit einer Nadel auf der Brust der Kranken befestigt und die ganze Kommunität betete um ihre Genesung.

Aber die Novene ging vorüber, ohne daß sich die geringste Besserung zeigte. Das Befinden der Leidenden schien sich weiter zu verschlechtern. Doch das Vertrauen auf Pius X. war stark; gerade die Verschlimmerung war für die Schwestern ein Grund, noch zuversichtlicher zu hoffen. Ein solcher Glaube konnte nicht enttäuscht werden.

Man begann eine zweite Novene. Der Zustand der Kranken war hoffnungslos. Doch am Morgen des 7. Dezembers fühlte die Sterbende plötzlich, wie neues Leben ihre Glieder durchströmte. Sie fühlte sich wohler, die Schmerzen waren verschwunden. Sie richtete sich auf, setzte sich aufs Bett. Der Körper hatte seine volle Bewegungsfähigkeit wiedererlangt.

Eine Täuschung? Nein — ein Wunder.

Der Arzt, der sie wenige Stunden vorher verlassen und den Schwestern größte Aufmerksamkeit empfohlen hatte, weil der Tod jeden Augenblick eintreten könne, wurde schleunigst zurückgerufen. Er konnte nichts tun, als die Heilung feststellen und versichern, er sehe sich einer Tatsache gegenüber, die für die Wissenschaft unerklärlich sei.

Außer dem genannten Arzt, Henry Sullerot, legten der Chirurg Rene Jennessaux und der praktische Arzt Felicien Bourgeat, mit denen Dr. Sullerot wiederholt den Fall besprochen hatte und die die Kranke öfters besucht hatten, Zeugnis dafür ab, daß das Geschehen vom klinischpathologischen Standpunkt aus unerklärlich sei. Alle drei Ärzte kamen zu der Schlußfolgerung, die auch die Ansicht von berühmten Ärzten des Lyoner Krankenhauses wiedergab: Die Heilung kann nur übernatürlichen Ursprungs sein.

Schwester Marie Francoise erhob sich von ihrem Lager vollständig gesund und konnte sofort das Leben in der Kommunität wiederaufnehmen.

Am 21. März 1950 gaben die ärztlichen Sachverständigen der Ritenkongregation nach sorgfältiger Untersuchung des Falles das Urteil ab, es handle sich um eine plötzliche, vollständige und dauernde Heilung, die als übernatürlich anzusehen sei.

Plötzliche Heilung eines krebsartigen Geschwürs

Das zweite Wunder, das von den behandelnden Ärzten in rechtsgültiger Weise bezeugt und von den medizinischen Sachverständigen der Ritenkongregation nach der üblichen gründlichen Untersuchung anerkannt wurde, geschah in Italien an Schwester Benedicta de Maria im Klarissinnenkloster von Boves in der Provinz Cuneo, die an einem krebsartigen Geschwür im Unterleib litt.

Bevor sie davon befallen wurde und schon vor ihrem Eintritt bei den Klarissinnen hatte sie an einer schweren Magenkrankheit gelitten. Als das Geschwür dazu kam, verschlechterte sich das Befinden der Schwester so sehr, daß man ihren Tod als unmittelbar bevorstehend ansehen mußte.

Aber im Kloster von Boves wußte man, daß der Seligsprechungsprozeß Pius’ X. im Gange war. So beschlossen die Schwestern, ihn zu bitten, der Kranken durch seine Fürsprache Heilung zu erlangen.

Am 26. Februar 1938 begann die Kommunität eine Novene in dieser Meinung. Der behandelnde Arzt hätte eine Operation versuchen wollen, obwohl er selbst über den Ausgang im Zweifel war. Aber die Kranke und ihre Mitschwestern widersetzten sich diesem Plan, indem sie daraufhinwiesen, daß ja der Arzt selber schwere Bedenken hatte. Inzwischen wurde die Novene fortgesetzt.

Eines Tages rief Schwester Benedicta mit lebendigem Glauben den heiligen Papst an und verschluckte ein Stückchen einer Reliquie aus seinen Gewändern.

Wunderbares Heilmittel! Augenblicklich hörten die Schmerzen auf und die Geschwulst, die die Größe einer dicken Orange gehabt hatte, verschwand mit einem Schlage.

Die Schwestern befanden sich gerade im Chor, als plötzlich Schwester Benedicta dort eintrat, die sich ohne fremde Hilfe erhoben und angekleidet hatte. Die Oberin und die Schwestern waren vor Überraschung ganz außer sich und wollten ihren Augen nicht trauen. Aber Schwester Benedicta wiederholte unter einem Strom von Tränen immer wieder die Worte: «Geheilt. . . Geheilt. . . Pius X.!»

Der Arzt, der bald darauf kam, wollte wissen, was sie eingenommen hatte. Als man ihm den Sachverhalt berichtete, war er so betroffen, daß er keine Worte fand.

«Herr Doktor», sagte die Oberin zu ihm, «Sie haben doch noch ein wenig Glauben.»

«Aber hier ist kein Glaube nötig», entgegnete der Arzt. «Hier stehen wir vor einer unleugbaren außerordentlichen Tatsache.»

Der Arzt wartete noch einige Zeit, um mit Sicherheit die volle Heilung der Schwester feststellen zu können. Dann diktierte er sein Zeugnis, in dem er Gott dankte und ihn pries, weil sein Eingreifen auf die Fürbitte Pius’ X. hin bei seiner Patientin offensichtlich war.

Am gleichen Tag, an dem die Heilung erfolgt war, nahm Schwester Benedicta wieder ihr Amt als Pförtnerin auf und verkündete allen, die sich an der Pforte einfanden, was der heilige Papst durch seine Fürsprache an ihr gewirkt hatte.

*

Am 11. Februar 1951 bestätigte Papst Pius XII. mit seiner Autorität als Statthalter Christi die beiden soeben berichteten Wunder. Und am darauffolgenden 4. März erklärte er, daß mit voller Sicherheit zur Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes Pius X. geschritten werden könne.

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Das Zeugnis Gottes

Unter den Wundern, durch die Gott den neuen Seligen verherrlichte, wurden die zwei im folgenden geschilderten für den Heiligsprechungsprozeß berücksichtigt.

1. Die Heilung des Rechtsanwalts Francesco Belsani,

69 Jahre alt, wohnhaft in Neapel, Piazza S. Maria Nuova 12.

Die Diagnose der Krankheit lautete auf ein Krebsgeschwür an der rechten Lunge, das rasch zum Tode führen würde. Der Rechtsanwalt war am 7. Juli 1951 an einer Grippe mit Temperaturen zwischen 38 und 39° erkrankt. Als das Fieber nach zwanzig Tagen noch immer andauerte, wurde Professor De Simone von der Universität Neapel gerufen, der eine grippeartige Erkrankung konstatierte, schweißtreibende Mittel verordnete und dem Kranken Penicillin-Injektionen gab.

Die erhoffte Besserung blieb jedoch aus. Das Fieber hielt an. Es trat hartnäckiger Husten auf. Hustenanfälle, die mehrere Stunden dauerten und überdies von Schlucken begleitet waren, ließen befürchten, daß das Herz versagen würde, zumal sich das Leiden ständig verschlimmerte und die Temperatur auf 40° gestiegen war. Das klinische Bild war sehr ernst und ließ tödlichen Ausgang erwarten.

Da sich Professor De Simone von der Erfolglosigkeit der angewendeten Mittel überzeugt hatte, konsultierte er zwei seiner berühmten Kollegen: nach gründlicher Prüfung des Falles wollte das Ärztekollegium einen operativen Eingriff versuchen. Der Kräfteverfall und die Erschöpfung des Kranken waren jedoch schon so vorgeschritten, daß man darauf verzichten mußte.

Am 23. August hatte Rechtsanwalt Belsani nachts so hohes Fieber und einen so schweren Anfall von Husten und Schlucken, daß unmittelbare Lebensgefahr eintrat. Voll Vertrauen rief er Pius X. an, dessen Bild neben seinem Bett stand. Und im gleichen Augenblick sah er etwas Merkwürdiges: Pius X. saß neben seinem Bett, berührte ihn mit der Hand und sprach: «Morgen früh bist du gesund.»

In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages war Rechtsanwalt Belsani völlig genesen.

«Ich bin überzeugt», so versicherte er, «daß ich auf die Fürbitte des seligen Pius X. hin durch ein Wunder geheilt wurde»

2. Die Heilung der Sr. Maria Luisa,

die in der Welt Grazia Scorcia hieß, 33 Jahre alt, Barmherzige Schwester im Ospedale della Feliciuzza in Palermo.

Die Schwester wurde im Dezember 1951 von einer Hirn- und Rückenmarkentzündung eines neurotropischen Virus befallen.

Vom 4. Januar 1952 an mußte sie das Bett hüten; es traten die ersten Anzeichen von Lähmungen auf: Leichenfarbe der rechten Hand, Absterben der Beine, Sehstörungen.

Professor Vasile vom Medizinischen Pathologischen Institut in Palermo verordnete ihr Lumbalpunktion. Doch die erwartete Wirkung blieb aus. Die Krankheit machte zusehends Fortschritte und hatte schon die Wirbelsäule ergriffen.

Die Mitschwestern der Kranken hielten drei Novenen, um die Fürbitte Pius’ X. zu erlangen. Am 12. Februar war das Befinden der Sr. Maria Luisa sehr ernst; doch sie setzte großes Vertrauen auf den Seligen, von dem sich ein Bild über dem Kopfende ihres Bettes und ein anderes auf ihrem Nachttisch befand, vor dem ein Öllämpchen brannte.

Nach schlaflosen Nächten fand sie am 14. Februar ruhigen Schlaf und am Morgen des 15. Februar «geschah etwas Neues und Großes».

«An jenem Morgen», so bezeugte die Schwester am 18. Juni 1952, «war ich allein; ich befand mich in einem Zustand von Regungslosigkeit und Schläfrigkeit. Da sah ich plötzlich eine Monstranz mit dem Allerheiligsten auf einem Schränkchen vor meinem Bett stehen; von der heiligen Hostie ging helles Licht aus und erfüllte das ganze Zimmer. Von unbeschreiblicher Freude erfüllt, wollte ich mich erheben, doch ich konnte mich nicht bewegen. In diesem Augenblick sah ich eine weiße Gestalt — von der ich schon mehrere Male geträumt hatte — um das Bett herumgehen, und hörte eine Stimme, die zu mir sprach: ‘Steh auf und geh!’

Ich weiß nicht, wie es zuging, daß ich plötzlich auf den Füßen stand und angekleidet war; wie von einer geheimnisvollen Macht gedrängt, ging ich in die Kapelle, wo die Schwestern gerade der heiligen Messe beiwohnten.

Man kann sich das Staunen vorstellen, das mein Erscheinen bei den Schwestern hervorrief, und das noch wuchs, als ich ihnen sagte, daß ich mich völlig wohl fühle und geheilt sei.»

«Ich bin fest überzeugt», versicherte sie, «daß meine vollständige und plötzliche Heilung ein Wunder Pius’ X. ist. Die Schwestern teilten meine Überzeugung.»

Ärzte von internationalem Ansehen wurden von der Ritenkongregation gerufen, um ihr Urteil über diese Geschehnisse abzugeben. Nach gründlicher Prüfung der Tatsachen versicherten sie:

Francesco Belsani von Neapel wurde «auf außernatürliche Weise plötzlich, vollständig und dauernd geheilt».

Die Heilung der Sr. Maria Luisa Scorcia war «plötzlich, vollständig und dauernd, mit einem Wort: wunderbar, nicht anders erklärlich».

Der Heilige Vater Pius XII. bestätigte kraft seiner Autorität das Urteil der Wissenschaft über diese beiden Wunder.

Auszüge aus: Dal Gal – Der heilige Papst Pius X.