FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Seien wir Christus treu – Seinem Reich treu – dem Meßopfer treu

29. Juni, 2017

Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre in Zaitzkofen am 4. Juli 1987

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Meine geliebten Freunde! Meine geliebten Brüder! Erlauben Sie mir, daß ich gelegentlich dieser großartigen Weihezeremonie, einer der größten, die jemals in Zaitzkofen stattgefunden haben, einige Fragen stelle. Warum sind Sie hierhergekommen? Warum sind Sie heute in Zaitzkofen? Warum, liebe Seminaristen, die Sie in wenigen Augenblicken die Priesterweihe empfangen werden, bitten Sie gerade mich, Ihnen die Hände aufzulegen und die Worte der Priesterweihe zu sprechen? Warum diese Zeremonie an diesem Ort und unter diesen Umständen?

Die Gnade, katholisch zu bleiben

Es ist notwendig, daß wir uns bewußt machen, daß das, was wir tun, von der Gnade kommt, die der liebe Gott uns gegeben hat, um katholisch zu bleiben. Deshalb bitte ich Sie, sich in aller Ehrlichkeit und mit voller Bewußtheit über die Motive klar zu werden, die Sie, meine lieben Freunde, bestimmt haben, hierher zu kommen und in diesem Seminar sechs Jahre lang Ihren Studien zu obliegen, und sich dieser Gnade ganz bewußt zu werden, die Sie vom lieben Gott empfangen haben. Es ist eine besondere, eine außerordentliche Gnade. Und dazu möchte ich Ihnen ein Bild vor Augen führen, ein Beispiel. Es steht in der Heiligen Schrift und kann auf die Ereignisse bezogen werden, die wir im letzten Jahr erlebt haben.

Sie wissen es sehr gut, meine lieben Brüder, wir sind „geboren“ mit dem Segen der zuständigen Bischöfe und der Behörde in Rom. Und wir haben gehofft, daß, auch wenn wir an der katholischen Tradition festhalten, das moderne Rom uns eines Tages für dauernd anerkennen werde und nicht nur für einige Jahre, so daß wir unser katholisches Apostolat und besonders unsere katholischen Seminare fortführen können.

Nun sind wir aber gezwungen festzustellen, daß seit bald fünfundzwanzig Jahren, das heißt seit dem Konzil, das moderne Rom sich immer mehr von der katholischen Kirche entfernt. Wir hingegen sind der Tradition der Kirche treugeblieben. Gleichwohl sind wir nach diesen fünfundzwanzig Jahren gezwungen, Probleme zu sehen und öffentlich Fragen zu stellen, um nicht unbegrenzt dieses Verhalten des modernen Rom vor uns haben zu müssen.

Die Anbetung des Lammes

In einem Abschnitt der Apokalypse, in den Kapiteln 5 und 7, zeigt uns der heilige Johannes den Himmel. Er beschreibt die wundervolle Anbetung des Lammes, des Lammes auf Seinem Thron. Wer anders sollte dieses Lamm auf dem Thron sein als Jesus Christus, der gekreuzigte König auf Seinem Thron von Kalvaria, auf dem Thron Seines Kreuzes? Er zeigt Ihn uns glorreich, großartig, leuchtend, umgeben von Engeln, von den Ältesten, von einer unzählbaren Menge von Engeln. Er spricht von „millia millium“, von „tausendmal tausend“ (Apk 5,11). Und wo er von den Auserwählten spricht, die den Thron des Lammes umgeben, ist auch das eine unzählbare Menge – sie ist unmöglich zu zählen – die den Thron des Lammes umgibt, und alle werfen sich zu Boden auf ihr Angesicht und singen: „Unserm Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Lobpreisung und die Herrlichkeit und die Eh-re und die Macht in alle Ewigkeit“ (Apk 7,10f).

Das ist der Himmel, meine lieben Brüder, das ist die Realität, die erhabene Realität, die wir, so hoffen wir, eines Tages sehen werden, diese Realität, die alle Zeiten beherrscht, die alle Jahrhunderte beherrscht. Wir können sie nicht ändern, sie ist ewig. Und der liebe Gott hat von uns verlangt, daß „Sein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden“. Wir müssen daher das, was im Himmel geschieht, auch hier auf Erden tun.

Das Pantheon aller Religionen

Und mit diesem Bild, dem überaus großartigen Bild des Himmels, der das gekreuzigte Lamm als König anbetet, meine lieben Brüder, vergleiche ich das Bild von Assisi, Assisi, das nichts anders ist als das Pantheon aller Religionen, als die Verherrlichung des menschlichen Gewissens: Jeder Mensch hat das Recht, nach seinem freien Gewissen seine Religion zu wählen. Man muß die Freiheit des Menschen respektieren. Unser Herr Jesus Christus ist eine Wahlmöglichkeit, wie die anderen Religionen eine freie Wahlmöglichkeit sind. Diejenigen, die Unseren Herrn ehren wollen, können Unsern Herrn ehren, aber das ist nicht mehr eine Pflicht, die endgültig und für alle Menschen besteht.

Sagen Sie mir also: Zu welcher Familie gehören wir? Gehören wir zur Familie derer, die in der Apokalypse die Herrlichkeit Unseres Herrn Jesus Christus singen, des Königs und Herrn über alle Völker und alle Jahrhunderte, über alle Zeiten, oder gehören wir zur Familie jener Versammlung, jenes Pantheons der Religionen, in welchem jeder von uns seine eigene Religion haben und die Nachbarreligionen gleich der eigenen respektieren würde?

Christus muß herrschen

Es gilt zu wählen: Entweder wir glauben an Jesus Christus den Gekreuzigten als den Herrn aller Zeiten, oder wir nehmen diese liberale Religion an, die den Menschen nicht mehr die Herrschaft Unseres Herrn Jesus Christus auferlegt. Für uns ist Jesus Christus der König und muß herrschen. „Oportet au-tem illum regnare – Er muß aber herrschen“, sagt der heilige Paulus (1Kor 15,25).

Wir haben die Wahl getroffen, auf dem Weg zu bleiben, den die Kirche uns zwei-tausend Jahre, fast zweitausend Jahre hindurch, vorgezeichnet hat, dem Weg Unseres Herrn Jesus Christus, des glorreichen gekreuzigten Königs, die Wahl, Sein Opfer zu bewahren, wie es die Auserwählten im Himmel tun, die die Ehre Gottes, des Gekreuzigten, besingen, wie es die Engel tun. Wir haben dasselbe gewählt wie die Kirche, die Kirche auf Erden, die nur ein Teil der gesamten Kirche ist, die sich mit der triumphierenden Kirche durch dasselbe Opfer vereint. Unser Opfer auf dem Altar, das heilige Meßopfer, ist das Opfer des Himmels! Dort gibt es zwar nicht mehr den Aspekt der Sühne, aber es gibt das Lobopfer und das Dankopfer. Es ist dasselbe Opfer, dasselbe Opferlamm, derselbe Gott, den wir darbringen, den wir ehren, und den wir die ganze Ewigkeit ehren.

Verfolgt um der Wahrheit willen

Und weil wir diesen Glauben gewählt haben, den Glauben der Tradition, den Glauben der wahren Kirche, den Glauben des Himmels, darum werden wir verfolgt. Man hindert uns, die heilige Messe zu feiern, das Opfer fortzusetzen, das das Opfer des Himmels ist. Man will uns zwingen, aus der heiligen Messe eine einfache Volksversammlung zu machen, eine demokratische, eine ökumenische Versammlung. Und deshalb verweigert man uns unsere Kirchen.

Diesen jungen Priestern, die jetzt geweiht werden, wird es nicht beschieden sein, ihre heilige Messe in ihren Pfarrkirchen, in der Kirche ihres Heimatdorfes zu feiern, in den Kirchen also, die für diese heilige Messe gebaut worden sind. Man wird ihnen den Zugang verwehren. Weil sie die Tradition bewahren, haben sie nicht mehr das Recht, in den Kirchen dieser Tradition zu sein.

Angesichts dieser Verfolgung müssen wir uns Problemen stellen und dürfen keine Angst haben vor außergewöhnlichen Lösungen, denn noch niemals hat in der Kirche eine Situation bestanden wie die, welche wir erleben, liebe Gläubige, liebe Seminaristen, liebe Brüder. Noch nie hat sich der Fall ereignet, daß die Autoritäten auf dem Stuhl Petri und auf den Stühlen derer, die in der Kirche in den Diözesen befehlen, Werkzeuge des Irrtums gewesen sind, Werkzeuge der Selbstzerstörung der Kirche, wie Papst Paul VI. es selbst gesagt hat, der auch selbst feststellte, daß der Rauch Satans in die Kirche eingedrungen ist. Sollen wir mit jenen zusammenarbeiten, die die Kirche zerstören?

Gottes Ehre muß unangetastet bleiben – die Kirche muß fortbestehen

Das alles bürdet jenen eine sehr schwere Verantwortung auf, welche die Tradition gewählt haben, um die Kirche fortzusetzen. Die Kirche muß fortbestehen. Die Ehre Gottes muß unangetastet bleiben, die Ehre Jesu Christi muß unangetastet bleiben. Wir stellen Ihn nicht auf dieselbe Stufe wie Buddha, wie Mohammed und alle falschen Religionen, alle falschen Götter der Heiden. Wir wollen das nicht! Das würde gegen unseren Glauben, gegen die Heiligkeit der Kirche verstoßen.

Das ist der Grund dafür, daß Sie von der Möglichkeit von Bischofsweihen reden gehört haben. Denn wenn der liebe Gott es verlangt, damit die katholische Kirche fortbestehe, dann werden wir entsprechend handeln. Der liebe Gott kann nicht wollen, daß Seine Kirche zu bestehen aufhört, daß die, die uns verfolgen, es dahin bringen, daß die ganze Kirche vom Erdboden verschwindet.

Betrachten Sie das Ergebnis dieser liberalen Religion in Südamerika: Man hat allen Sekten, allen Religionen Tür und Tor geöffnet. Unter dem Vorwand der Religionsfreiheit hat man dort alle katholischen Staaten abgeschafft. Und sechzig Millionen südamerikanische Katholiken sind zu den Sekten übergegangen, haben die katholische Kirche verlassen, sind aufgrund dieser liberalen Religion abgefallen! Sechzig Millionen seit 1968, also seit dem Konzil! Wohin steuert die Kirche? Was bleibt noch von der Kirche in zwanzig Jahren, wenn das so weitergeht?

Wir müssen der Kirche die Mittel geben, um fortzubestehen, um in der Wahrheit auszuharren, um die Seelen zu bereiten, damit sie sich zum Himmel wenden, um das wahre Lobopfer auf der Erde fortzuführen und es im Himmel fortzuführen.

Der wahren Messe treu bleiben

Meine lieben Freunde, in wenigen Augenblicken wird die allerseligste Jungfrau Maria, denn durch sie empfangen Sie alle Gnaden des Priestertums, Ihnen Jesus, den Gekreuzigten in die Arme legen, wie sie Ihn selbst nach Seinem Tod in den Armen hatte. Jesus ist die Quelle des Lebens, Sein durchbohrtes Herz ist die Quelle aller Gnaden der Kirche. Die allerseligste Jungfrau Maria wird Ihnen das Lamm anvertrauen, das der ganze Himmel anbetet. Sie wird es Ihnen anvertrauen – für wie viele Jahre wohl? Gott allein weiß es. Bewahren Sie Es mit heiliger Sorgfalt! Bewahren Sie das Lamm! Es wird aufgrund der Worte, die Sie sprechen werden, vom Himmel herabkommen. Und wie Sie es von der allerseligsten Jungfrau Maria und von Gott empfangen haben, so geben Sie es den Gläubigen!

Bleiben Sie Ihrer heiligen Messe treu, treu Unserem Herrn Jesus Christus, treu der Gnade, die Sie in wenigen Augenblicken empfangen werden, treu bis ans Ende Ihrer Tage! Wir haben alle gemeinsam den lieben Gott gebeten, Ihnen diese Gnade zu verleihen, die Gnade, die Ehre, den Reichtum, den Schatz zu begreifen, der Ihnen anvertraut wird, auf daß Sie ihn mit heiliger Sorgfalt bewahren. Mögen Sie nicht jene nachahmen, die in ehebrecherischer Gesinnung Unseren Herrn Jesus Christus verraten, noch jene, die Unseren Herrn Jesus Christus mit jenen auf die gleiche Stufe stellen, welche Betrüger sind, welche Werkzeuge des Teufels sind, um die Seelen zu verderben. Bleiben Sie Unserem Herrn Jesus Christus treu, treu seinem Kreuz, wie alle Apostel es waren, alle Heiligen, alle Märtyrer, alle guten Christen, alle guten Priester. Die Gläubigen erwarten das von Ihnen. Sie erwarten, daß Sie Unserem Herrn Jesus Christus treu sind, treu Seinem Reich, überall! „Zukomme uns Dein Reich“ hat keine Grenzen. So heißt es in dem Gebet, das Unser Herr uns gelehrt hat: „Zukomme uns Dein Reich! Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden!“ Das soll in Ihrem Herzen eingeschrieben sein und das soll die Norm Ihres Apostolates sein.

Möge die allerseligste Jungfrau Maria Sie segnen, möge sie Ihnen nahe bleiben Ihr ganzes Priesterleben lang.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Quelle: Predigt in Zaitzkofen, 4. Juli 1987, DKF S. 651ff.