Requiescat in pace - Sr. Maria Bernadette O.C.D.

15 Januar, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Predigt von Pater Franz Schmidberger anläßlich der Beerdigung von Sr. Maria Bernadette O.C.D. in der Schlosskapelle St. Petrus Canisius am 21. Dezember 2017.

Hochwürdiger Pater Distriktoberer, werte Angehörige der lieben verstorbenen Schwester Bernadette, liebe Mitbrüder, liebe Brüder und Schwestern, liebe Gläubige,

tief bewegt feiern wir das Requiem für eine außergewöhnliche Persönlichkeit, eine echte Christin, eine hervorragende, treue Ordensfrau. Schmerz und Freude bewegen uns in gleicher Weise in dieser Stunde. Schmerz – weil uns ein solch wertvoller Mensch auf Erden entrissen worden ist. Schmerz auch deshalb, weil die Verstorbene hier auf Erden nicht weiter in ihren Gebeten für uns um Gnade flehen und somit Verdienste sammeln kann. Freude und Dankbarkeit insofern, weil Schwester Bernadette ihre Sendung auf Erden völlig treu erfüllt und jetzt auch abgeschlossen hat. Weil sie darüber hinaus uns ein herrliches Beispiel eines christlichen Lebens hinterlässt und weil sie jetzt ohne Zweifel am Throne Gottes für uns Fürsprache einlegen kann und dies sicher auch tut.

Gehen wir kurz auf ihr Leben ein. Es kann aufgeteilt werden in drei Abschnitte von jeweils ungefähr dreißig Jahren. Sie wurde geboren am 8. Mai 1931 in Wels in eine katholische Familie mit fünf Kindern hinein. Schon vier Tage später wurde sie getauft auf den Namen Theresia. Ihre Jugend, ihre Schulzeit und Lehrzeit fiel genau in die Zeit des Zweiten Weltkriegs; in schwierige Zeiten also, die durch Armut gekennzeichnet waren. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges reiste sie 1951 nach Kanada, nach Montreal in der Provinz Quebec, um dort in einer bürgerlich-jüdischen Familie als Haushälterin zu arbeiten. Die Briefe, die sie von dort ihren Angehörigen sandte, und die Fotos geben Zeugnis davon, dass sie eine völlig entfaltete, fröhliche junge Frau war, die das Singen, Tanzen, Zeichnen, Malen liebte. So dachte niemand daran, dass sie eines Tages in den Karmel eintreten würde. 1961 kehrte sie nach Europa zurück, nach Österreich. Ihre Geschwister freuten sich über diese Rückkehr, aber die Freude war von kurzer Dauer. Denn alsbald offenbarte die Verstorbene ihren Geschwistern und ihrer Familie, dass ihr Entschluss feststehe, in den Karmel in Linz einzutreten. Dort legte sie 1964 die ersten Gelübde ab, 1967 die ewigen Gelübde. Sie bekleidete dort auch das Amt der Priorin, und nichts in ihrem Leben ließ vermuten, dass jetzt irgendwie noch einmal eine einschneidende Veränderung eintreten könnte. Alles schien auf ganz normalen Geleisen zu verlaufen. Aber dann kam das Zweite Vatikanische Konzil und die daraus folgenden Reformen sowohl in der Liturgie als auch im Ordensleben; sie fand sich nicht mehr zurecht in ihrer eigenen Gemeinschaft. So beginnt ihr dritter Lebensabschnitt im März des Jahres 1990, wo sie von Linz aus hierher übersiedelte, nach Jaidhof, wo sie dann in der Folge das Leben einer Einsiedler-Karmelitin führte.

Ihre äußere Tätigkeit hier im Hause bestand darin, sich um die Kirchenwäsche zu kümmern, Messgewänder zu reparieren und vor allem auch Hostien zu backen. Und zwar nicht nur für Österreich und die hiesigen Kapellen, sondern sogar für Deutschland, Frankreich, Ungarn, Australien. Bei all ihrer Arbeit zeichnete sie sich aus durch Sauberkeit, Sorgfalt und Pünktlichkeit. Ihre Gebetsverpflichtung war ihr das Höchste. Schon am frühen Morgen gegen fünf Uhr war sie in der Kapelle um zu beten, ihr Offizium zu verrichten. Ich selbst war hier im Haus als ihr Distriktoberer von Österreich von 1996 bis zum Jahr 2000 tätig und ich konnte sie in diesen Jahren gut kennenlernen. Ich fand nie etwas, wirklich nie etwas an ihr, das zu tadeln gewesen wäre, zu kritisieren, zu verbessern. Ich konnte ihr nur in ihrer Treue Bewunderung entgegenbringen. Sie interessierte sich für das Apostolat in Österreich und für unser Wirken in der Welt, trug alles mit und trug alles im Gebete vor den Thron Gottes hin. Jedes Jahr zum 8. Dezember schrieb sie mir, denn das war mein Weihedatum, und sie war in besonderer Weise mit mir insofern verbunden, als sie selber den Namen trägt „Schwester Bernadette von der Unbefleckten Empfängnis“.

Ihr Sterben war wie ihr Leben. Sie starb am Samstag, dem Muttergottestag, und zwar am Tag nach der Oktav von der Unbefleckten Empfängnis, versehen mit allen Mitteln des Heiles der heiligen Kirche. Am Freitagabend empfing sie die letzte Ölung und den päpstlichen Ablass für die Sterbestunde. Am Samstagmorgen empfing sie noch die heilige Wegzehrung für die große Reise in die Ewigkeit, die sie jetzt antreten sollte. Und heute betten wir sie nach dieser heiligen Messe in Gföhl zur letzten Ruhe am Sterbetag des Patrons dieser Kapelle, des Petrus Canisius, der genau am 21. Dezember 1597 verstorben ist, also heute vor 420 Jahren.

Drei Lichtstrahlen fallen in besonderer Weise auf das Leben dieser außergewöhnlichen Frau. Sie war eine Frau eines bergeversetzenden Glaubens. Gerade in der heutigen Zeit des Glaubensniedergangs, des Glaubensverlustes, des Glaubensverrates hat sie festgehalten am Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit, am Dogma über die göttliche Vorsehung in der ganzen Weltenregierung, am Gedanken eines Retter-Gottes, der die Welt nicht ihrem eigenen Elend und der Sünde überlässt, sondern sie durch die Menschwerdung seines eigenen Sohnes aus diesem Elend herausführt. Ja, sie glaubte an die erlösende Menschwerdung Gottes, an den gekreuzigten und auferstandenen Jesus. Sie bekannte in ihrem ganzen Wesen das Königtum Jesu Christi über die ganze Gesellschaft. Die laizistische Religion, die Religion des Säkularismus war fern von ihrem Geiste. Sie liebte und sie glaubte an die Kirche als den fortlebenden und in Raum und Zeit fortwirkenden Christus mit dem heiligen Messopfer, dem Priestertum, den sieben Sakramenten, der Lehre der Kirche, den unveränderlichen, ewigen Lehren der Kirche. Sie hatte eine tiefe kindliche Verehrung zur allerseligsten Jungfrau Maria und vergaß auch nicht die letzten Dinge, die den Menschen erwarten, nämlich Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Alles das war lebendig ihrem Herzen und ihrer Seele eingeprägt.

Zweitens war Schwester Bernadette von der Unbefleckten Empfängnis eine in Liebe zu Gott brennende Seele, aber auch zum Nächsten. Und daraus floss ihr Weg als Büßerin, ihr Gebetsleben. Sie hat zum Beispiel nie, während sie hier war, Fleisch gegessen, wie es die Ordensregel für die Karmeliten vorschreibt. Und sie bemühte sich jeden Tag um den Fortschritt in der Tugend, sie gab sich nie zufrieden mit dem, was sie erreicht hatte. Sie strebte immer aufwärts und versuchte, Gott immer näher zu kommen. Und so hat sie es tatsächlich erreicht in ihrem Leben. Sie war gekennzeichnet von tiefem Mitleid für das Elend der Menschen, insbesondere das Elend der Sünder. Sie war nicht verbittert über die heutige Situation. Sie hat nicht kritisiert, sie hat sich nicht der Niedergeschlagenheit hingegeben. O nein. Sie hat gleich der heiligen Theresia vom Kinde Jesu gesagt, dass die Kirche ein Herz habe, dass die Kirche liebe und dass sie selber dieses Herz in der Kirche sein wolle. Sie selber wollte die Liebe in der Kirche sein. Also, sie hat es nicht bei den Grundsätzen bewenden lassen. Sie hat konkret um die richtige Art und Weise zu leben gewusst. Sie wollte dort sein, wo man in der heutigen Zeit der Tradition der Kirche die Treue hält, wo das überlieferte heilige Messopfer gefeiert und gelebt wird, wo man die Sakramente spendet, wie unsere Väter sie empfangen haben. Und so verließ sie im März 1990 den Karmel in Linz, gewiss mit großem Schmerz in der Seele - man liebt ja seine Gemeinschaft. Doch schließlich ist sie hier nach Jaidhof übergesiedelt, um in einer Gemeinschaft zu leben, die sich für eine wahre Erneuerung der Kirche an Haupt und Gliedern einsetzt. Sie durchlebte, ja sie durchlitt innerlich das Drama der Krise der Kirche. Den Verlust des Glaubens, nicht nur bei den Laien, sondern auch bei vielen Priestern. Vielleicht ist das heutige Fest des heiligen Apostels Thomas, an dem wir sie zur letzten Ruhe betten, ein wichtiger Hinweis für uns. Dieser Apostel zögerte zunächst und wollte nicht an die Auferstehung Christi glauben, das trifft natürlich nicht auf Schwester Bernadette zu; aber betrachten wir den zweiten Schritt dieses Apostels: Als der Herr wieder erscheint und ihn sofort ruft, um seine Hände in die Seite zu legen, seine Finger in das Mal der Nägel und nicht ungläubig zu sein, sondern gläubig, da ruft dieser Apostel aus: Mein Herr und mein Gott. Es war sozusagen ein Sühnebekenntnis für seinen eigenen vorausgehenden Unglauben. Schwester Bernadette hat nicht den Unglauben ihrer selbst gesühnt, sondern den Unglauben ihrer Mitmenschen und ihrer Zeit. Das war ihre besondere Sendung.

Liebe Gläubige, wer so lebt und stirbt, der stirbt gut. So gibt Schwester Bernadette von der Unbefleckten Empfängnis uns ein herrliches Beispiel eines christlichen Lebens. Denken wir täglich an unseren eigenen Tod, der uns eines Tages treffen wird. Früher oder später. Niemand weiß wann. „Der Menschensohn“, so sagt Christus selber, „kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet. Seid darum wachsam.“ Und am Ölberg mahnte er seine Jünger: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet.“ Die Liturgie der Totenmesse, liebe Gläubige, und der Begräbnisfeierlichkeiten, der Exequien, ist so tröstlich. Es ist da die Rede von der ewigen Ruhe, dem ewigen Licht, dass wir durch die Engel in das Paradies geleitet werden und dass wir unsere Ruhe finden sollen im Schoße Abrahams. Dass wir also hinschreiten sollen zum Throne des dreifaltigen Gottes und ihn in seiner ewigen Seligkeit schauen dürfen und an dieser ewigen Seligkeit für immer teilnehmen dürfen. Aber die Liturgie spricht auf der anderen Seite auch davon, dass es ein mögliches Scheitern im menschlichen Leben geben kann. Sie spricht davon, dass der Herr uns retten möge vom ewigen Tode, vom Rachen des Löwen, damit wir nicht dem ewigen Tode verfallen. Es gibt also einen Himmel, aber es gibt auch eine ewige Verdammnis.

Schließen wir mit dem wunderbaren Grundsatz der heiligen Theresia von Avila, den sie ihren Schwestern hinterlassen hat: Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken, alles vergeht, Gott allein bleibt derselbe. Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem kann nichts fehlen. Gott allein genügt. Amen.