FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Montag nach dem 2. Fastensonntag

12. März, 2017

«Allmächtiger Gott! wir bitten Dich, laß es in Gnade geschehen, daß dein Volk, welches durch Enthaltsamkeit von Speisen den Leib abtötet, durch Enthaltsamkeit von Sünden und durch Vollbringung guter Werke sein Fasten vollkommen mache. Durch unseren Herrn Jesus Christus ...  Amen.» (Kirchengebet am Montag nach dem II. Fastensonntag) 

Die Station ist in der dem heiligen Papste und Martyrer Clemens geweihten Kirche. Unter allen Kirchen Roms hat San Clemente am meisten die ursprüngliche Einrichtung der altchristlichen Basiliken bewahrt. Unter ihrem Altar ruht der Leib ihres heiligen Patrons samt den Überresten des heiligen Ignatius von Antiochia und des heiligen Konsuls Flavius Clemens.

Die Basilika besteht aus zwei übereinanderliegenden Kirchen, die ihrerseits über älteren Gebäuden errichtet worden sind. Die untere Kirche, in welcher Synoden stattfanden, wurde 1084 von französischen Soldaten zerstört. Paschalis II. baute über die Reste Oberkirche.

Die Unterkirche ist auf einem kaiserlichen Gebäude errichtet.

Nach der Überlieferung versammelte der hl. Clemens, der dritte Papst, vor der neronischen Verfolgung, die Christen in diesem Haus, um sie zu stärken und zur Standhaftigkeit zu ermuntern.

Da man in den frühesten Zeiten den Märtyrern in Rom Kirchen nur über ihren Gräbern oder in ihren Häusern errichtete, so scheint hier das Haus des hl. Papstes gestanden zu haben.

Das hier zu findende heidnische Mithras-Heiligtum wurde vielleicht eingerichtet, um das Andenken an das Christentum zu verdrängen. Konstantin entfernte diese Götzenstätte.

Lesung des Propheten Daniel (9, 15-19):

In jenen Tagen flehte Daniel zum Herrn und sprach: „Herr, unser Gott, Du hast Dein Volk mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt und Dir dadurch bis auf den heutigen Tag einen großen Namen bereitet: wir haben gesündigt und unrecht gehandelt gegen alle Deine Satzungen, o Herr. Ich bitte Dich flehentlich: Möge Dein Zorn und Dein Grimm weichen von Deiner Stadt Jerusalem und von Deinem heiligen Berge; denn wegen unserer Sünden und um der Verschuldungen unserer Väter willen ist Jerusalem und Dein Volk zum Gespötte geworden, allen, die rings um uns wohnen. So erhöre denn, unser Gott, das Gebet Deines Dieners und sein Flehen, und laß um Deiner selbst willen Dein Angesicht leuchten über Deinem Heiligtum, das verwüstet liegt. Neige, mein Gott, Dein Ohr und höre; öffne Deine Augen und schau auf die Verwüstung und die Stadt, die Deinen Namen trögt. Denn nicht im Vertrauen auf unsre Gerechtigkeit bringen wir vor Deinem Angesichte unser Flehen dar, sondern im Vertrauen auf Deine großen Erbarmungen. Erhöre uns, Herr, sei gnädig; hab acht auf uns, o Herr, und handle; um Deiner selbst willen säume nicht, mein Gott. Denn Dein Name ist über Deine Stadt und Dein Volk angerufen, Herr, unser Gott.»

 

Auslegung der Epistel: «Diese flehentliche Bitte, welche Daniel aus den Fesseln der babylonischen Gefangenschaft von Gott richtete, wurde erhöht und nach siebzigjähriger Verbannung sah Israel sein Vaterland wieder. Der Tempel des Herrn erhob sich auf´s Neue und gegen seiner wunderbaren Bestimmung entgegnen. Aber heute noch und nun seit achtzehn Jahrhunderten, sind diese herzzerreißenden Worte des Propheten kaum ein genügender Ausdruck, um die neue Trostlosigkeit zu schildern, welche über Israel gekommen ist. Der Zorn Gottes lastet über Jerusalem, selbst die Trümmer des Tempels sind untergegangen; das immer noch lebendige Volk ist über die ganze Erde zerstreut und dient allen Nationen zum Schauspiel. Ein Fluch lastet auf ihm; das zieht in der Irre umher wie Kain und Gott wacht auf ich; daß es niemals zu Grunde gehe. Diese Erhaltung eines fremden Stammes mitten unter anderen Völkern durch fast zwei Jahrtausende hindurch ist für die klügelnde Wissenschaft ein ungelöstes Rätsel. Der Christ aber erblickt in derselben eine Züchtigung der allmächtigen Hand Gottes. Die Erklärung dieser Erscheinung ist folgende: „Das Licht kam in die Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen (Joh. 1,5).“ Hätte die Finsternis das Licht angenommen, dann wäre es eben heute nicht mehr finster; aber sie hat es von sich gestoßen und so hat Israel verdient, daß es preisgegeben wurde. Mehrere seiner Kinder haben den Gerechten erkannt und wurden so zu Kindern des Lichtes; sie haben dann das Licht über die ganze Welt gebracht. Wann wird der Rest Israels die Augen öffnen? Wann wir dies Volk das Gebet Daniels an den Herrn richten? Es besitzt dasselbe; oft genug liest es dasselbe; aber nie drängt es bis an sein vom Hochmut verstocktes Herz. Wir, die Nachgeborenen, wollen für unsere älteren Brüder beten. Jedes Jahr trennen sich einige unter ihnen von den Übrigen und bitten Jesus, daß er sie in das neue Israel zulasse. Gesegnet sei ihre Ankunft; möge der Herr in seiner Güte bewirken, daß deren Zahl mehr und mehr zunehme, damit endlich alle Menschenkreatur allerorts den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, samt seinem Sohn will Jesus Christus, den er gesandt, anbete!» (Dom Prosper Gueranger OSB, + 1875)

«Das kummervolle Gebet Daniels läßt uns die traurige Lage Roms im 7. Jahrhundert durchkosten. Die Ewige Stadt war schon öfters belagert worden und durch Krieg, Teuerung, Krankheit und Erdbeben so mitgenommen, daß Papst Gregor der Große bereits den Weltuntergang erwartete. Doch spricht aus diesem Gebet auch wieder ein unbegrenztes Vertrauen auf Gott und eine zuversichtliche Hoffnung. Wie einst Daniel in Babylon, so vertrauen die Römer, daß ihre Stadt durch die Verdienste der Apostel gerettet und der Verheißung des göttlichen Heilandes teilhaftig werde.» (Sel. Ildefons Kardinal Schuster OSB, + 1954)

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (8, 21-29):

In jener Zeit sprach Jesus zu den Scharen der Juden: „Ich gehe hin, und ihr werdet Mich suchen, aber in eurer Sünde [des Unglaubens] sterben. Wo Ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen.“ Da sprachen die Juden: „Will Er etwa Sich selbst töten, da Er sagt: Wo Ich hingehen, dahin könnt ihr nicht kommen?“ Er antwortete ihnen: „Ihr seid von unter [von der Erde], Ich vin von oben. Ihr seid von dieser Welt, Ich bin nicht von dieser Welt. Darum habe Ich euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben; wenn ihr nämlich nicht glaubt, daß Ich es bin, so werdet ihr in euern Sünden sterben.“ Da sprachen sie zu Ihm: „Wer bist Du denn?“ Jesus sprach zu ihnen: „Der Anfang [das ewige Wort], der Ich u euch rede. Ich hätte zwar noch vieles über euch zu sagen und zu richten; doch Der Mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was Ich von Ihm gehört habe, das rede Ich in der Welt.“ Sei erkannten aber nicht, daß Er von Gott, Seinem Vater, in ihnen sprach. Jesus fuhr daher fort: „Wenn ihr den Menschensohn [am Kreuze] erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, daß Ich es bin, und daß Ich von Mir selbst nichts tue, sondern nur rede, was Mich Mein Vater gelehrt hat. Ja, Der Mich gesandt hat, Der ist mit Mir, und Er läßt Mich nicht allein, weil Ich stets tue, was Ihm wohlgefällt.»

 

Auslegung des Evangeliums:  «Ich gehe hin, ein furchtbares Wort! Jesus kam, dies Volk zu erlösen; er hat nichts versäumt, ihm seine Liebe zu beweisen. Die letzten Tage noch haben wir gesehen, wie er hart das kananäische Weib zurückstieß mit den Worten, er sei nur für die verlorenen Schafe des Hauses Israel gekommen, und diese verlorenen Schafe erkennen in ihm nicht ihren Hirten. Er benachrichtigt die Juden, daß er sich bald zurückziehen werde und daß sie ihm nicht werden dahin folgen können, wohin er gehe; aber auch dieses Wort leuchtet ihnen nicht. Seine Werke bezeugen, daß er vom Himmel gekommen, und sie denke nur an die Erde. Ihre ganze Hoffnung ist auf einen irdischen Messias gerichtet, welcher nach Art irdischer Eroberer herrlich sein sollte. Vergebens also wandelt Jesus Gutes tuend mitten unter ihnen, vergebens gehorcht die Natur seinen Befehlen, vergebens überragt seine Weisheit und Lehre an Erhabenheit Alles, was die Menschen seither gehört haben, Israel ist taub, blind. In seinem Herzen lohen die wildesten Leidenschaften, es ist nicht eher zufrieden, als an dem Tage, wenn die Synagoge ihre Hände im Blute des Gerechten waschen kann! Aber an diesem Tage wird auch das Maß voll sein und der Zorn Gottes ein Beispiel aufstellen, das die Herzen durch alle Jahrhunderte hindurch erschüttern soll. Das Blut erstarrt, wenn man an die Schrecken jener Belagerung von Jerusalem denkt, an jene Austilgung der Staat und des Volkes, das einst den Tod Jesu verlangt hatte. Der Heiland selbst sagt uns, daß seit Beginn der Welt etwas derartiges nicht dagewesen und bis an das Ende der Welt etwas Derartiges nicht mehr kommen werde. Gott ist geduldig, er wartet mit Langmut; aber wenn dann endlich die Flamme seines Zornes ausbricht, dann verzehrt sie alles und die Denkmale seiner Rache sind der Gegenstand des Entsetzens für kommende Geschlechter! O ihr Sünder, die wir bis heute noch nicht dem Rufe der Kirche gefolgt, die ihr euer Herz immer noch nicht zu Gott dem Herrn bekehrt, zittert bei dem Worte: Ich gehe hin! Wenn diese Fastenzeit, wie die übrigen, vorübergeht, ohne daß ihr euch umgewandelt habt, dann wisset, daß auch das drohende Wort gilt: Ihr werdet in eurer Sünde sterben! Wollet auch ihr in wenigen Tagen den Tod des Gerechten fordern? Werdet auch ihr rufen: An´s Kreuz mit ihm! Hütet euch; in Scherben hat er ein ganzes Volk geschlagenen, das er mit Gnaden überhäuft und tausend Mal beschützt und gerettet hatte. Wiegt euch nicht in der eitlen Täuschung, daß er mit euch milder verfahre. Er muß triumphieren! Entweder übergebt ihr euch seiner Barmherzigkeit oder ihr unterliegt seiner Gerechtigkeit.» (Dom Gueranger)

«Wohin wandte sich Clemens, nachdem er in Rom Bischof gewesen war und das Evangelium verkündet hatte? Eine alte Überlieferung läßt ihn auf dem Chersones sterben. Vielleicht enthält das heutige Evangelium, in welchem Jesus den Juden ankündigt, er werde Judäa verlassen und dorthin gehen, wohin sie ihm nicht folgen könnten, einen Hinweis auf Clemens, der auch nach seinem Tod noch aus Rom verbannt war. Die Heiden, die seine Predigt nicht annehmen wollten, und die ihn in die Bergwerke der Krim schickten, waren ebenso wie die Juden nicht imstande, ihm auf die Höhen des Glaubens und der himmlischen Herrlichkeit zu folgen.» (Kardinal Schuster)

Gebet über das Volk

Lasset uns beten!

Neiget eure Häupter vor Gott!

«Achte gnädig auf unser Flehen, allmächtiger Gott! und laß die allbekannte Fülle deiner Huld Jene erfahren, welchen Du die Zuversicht auf deine Liebe eingeflößt hast. Durch unseren Herrn Jesus Christus ... Amen.»

 

Bild: Basilika San Clemente