FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Mittwoch nach dem 2. Fastensonntag

14. März, 2017

«Wir bitten Dich, o Herr: schau gnädig auf Dein Volk, und wie Du uns befiehlst, Abbruch zu tun in der Nahrung für den Leib, so verleihe uns auch die Gnade, von verderblichen Leidenschaften abzulassen. Durch unsern Herrn Jesus Christus ... Amen.» (Kirchengebet am Mittwoch nach dem II. Fastensonntag)

Die Gläubigen versammeln sich in der Kirche St. Georg im Stadtbezirk Velabrum. Die Stationskirche ist die der hl. Cäcilia in Trastevere.

«Das Haus der hl. Cäcilia, im Bezirk Trastevere, wurde frühzeitig in einen titulus umgewandelt. Bei den Ausgrabungen in jüngerer Zeit kam ein großer Teil des Gebäudes wieder zum Vorschein, in dem einst Cäcilia ihren Gemahl Valerianus und seinen Bruder Tiburtius zum Glauben bekehrte und dann selbst das Martyrium erduldete. Im Jahr 1595 öffnete Kardinal Sfrondrati den Sarkophag der Heiligen unter dem Hochaltar und fand sie in der nämlichen Stellung, wie sie nach den Streichen des Henkers hingesunken war: ein wenig auf der Seite liegend, die Arme an den Körper geschmiegt und die Knie ein wenig gebeugt. Sie trug kostbare, golddurchwirkte Gewänder, doch konnte man durch die seidene Hülle das Cilicium durchfühlen, mit dem Cäcilia – nach den Akten – ihre Sinne dem Geiste unterwarf. Neben ihr, jedoch in verschiedenen Sarkophagen, barg Papst Paschal I. die Leiber der Martyrer Tiburtius, Valerianus, Maximus und der Päpste Lucius und Urbanus.» (Sel. Ildefons Kardinal Schuster, +1954)

Aus der Lesung (Esther 13, 8-11 und 15-17):

In jenen Tagen [als König Artaxerxes in seinem Reiche die Vernichtung aller Juden angeordnet hatte] flehte Mardochäus zum Herrn und sprach: „Herr, Herr, allmächtiger König! Deiner Macht ist alles unterworfen, und niemand vermag Deinem Willen zu widerstehen, wenn Du beschließest, Israel zu retten. Du hast Himmel und Erde erschaffen und alles, was des Himmels Umkreis umspannt. Du bist Herr über alles, und keiner vermag Deiner Macht zu widerstehen. Und nun, Herr und König, Gott Abrahams, erbarme Dich Deines Volkes; denn unsre Feinde wollen uns verderben und Dein Eigentum vertilgen. Verschmähe Dein Erbteil nicht, das du aus Ägypten Dir errettet hast. Erhöre mein Gebet und sei gnädig Deinem Erbe und Anteil, und wandle unsre Traurigkeit in Freude, auf daß wir leben und Deinen Namen preisen, o Herr. Laß doch nicht verstummen den Mund derer, die Dir lobsingen, Herr, unser Gott.»

Auslegung der Lesung: «Dieser zum Himmel empor gesandte Ruf zu Gunsten eines zum völligen Untergange verdammten Volkes bedeutet die Bitten der Gerechten des alten Bundes für das Heil der Welt. Das Menschengeschlecht war der Wut des höllischen Feindes, der hier durch Aman dargestellt ist, ausgesetzt. Der ewige König hatte das verhängnisvolle Urteil verkündet: Ihr werdet des Todes sterben. Wer konnte nun diesen Spruch noch rückgängig machen? Ester wagte dies beim König und wurde erhört. Am Throne Gottes bringt Maria dieselbe Bitte vor. Sie zertritt durch ihren göttlichen Sohn den Kopf der Schlange, welcher wir überliefert werden sollten. Das Urteil wird demnach vernichtet und keiner wird sterben, der nicht sterben will. Die Kirche, über die Gefahren besorgt, denen eine so große Zahl ihrer Kinder zur Beute fällt, fleht heute für diese, die schon zu lange in Sünden gelebt, und sie entlehnt dazu das Gebet des Mardochäus. Sie bittet demnach ihren Bräutigam daran zu denken, daß er diese Kinder ehedem aus dem Lande Ägypten herausgezogen, daß sie durch die Taufe Glieder Jesus Christi, Erbteil des Herrn geworden sind. Sie beschwört ihn, ihren Kummer in österliche Freuden zu wandeln und nicht durch den Tod den Mund zu schließen, der zwar allzuoft schuldig war, dessen Lippen sich aber heute nur öffnen, um Gnade zu erlangen und welcher Dankgesänge dem göttlichen Erlöser anstimmen wird, wenn die Verzeihung auf ihn herabgestiegen ist.» (Dom Prosper Gueranger, +1875)

«Cäcilia, die wir im Bilde der Apsismosaik Paschals I. als byzantinische Prinzessin, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, erblicken, erinnert an Esther, die vom Perserkönig ihres Volkes Rettung erlangte. Das Gebet des Mardochäus spiegelt die harten Bedrängnisse wider, welche die Römer im 7. Jahrhundert erdulden mußten: Die Ewige Stadt war mehrere Male vom Feinde eingeschlossen worden, die Gräber der Martyrer der Plünderung durch die Langobarden preisgegeben, die Basiliken vor den Stadtmauern verödet. Schmerz und Klagen ließen die frohen Psalmengesänge verstummen, die früher die Liturgie in Freudenfeste verwandelt hatte. Die Worte des Mardochäus: „Verschließe nicht den Mund derer, die dir lobsingen, Herr, unser Gott,“ weisen hin auf die Beziehung der Blutzeugin zur hl. Musik.» (Kardinal Schuster, +1954)

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (20, 17-28):

In jener Zeit, als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm Er die zwölf Jünger beiseite und sprach zu ihnen: „Seht, wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden. Sie werden Ihn zum Tode verurteilen und den Heiden zur Verspottung, Geißelung und Kreuzigung ausliefern, doch am dritten Tage wir Er wieder auferstehen.“ Da trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen [Jakobus und Johannes] herzu, fiel vor Ihm nieder und stellte eine bitte an Ihn. Er sprach zu ihr: „Was willst du?“ Sie antwortete Ihm: „Sprich, daß von diesen meinen zwei Söhnen einer zu Deiner rechten und einer zur Linken in Deinem Reiche sitze.“ Jesus antwortete: „Ihr wißt nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinken werde?“ Sie erwiderten ihm: „Wir können es.“ Da sprach Er zu ihnen: „Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu Meiner Linken habe nicht Ich zu vergeben: das kommt denen zu, für die es von Meinem Vater bestimmt ist.“ Als die Zehn das hörten wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Jesus aber rief sie zu Sich und sprach: „Ihr wißt, daß die Fürsten der Völker über ihre Untertanen herrschen und die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Knecht und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Diener. So ist auch der Menschensohn nicht gekommen, Sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und Sein Leben als Lösepreis hinzugeben für viele.“»

 

Auslegung des Evangeliums: «Ähnlich wie die gute Mutter der Apostel Jakobus und Johannes, so stellt auch Cäcilia ihre beiden geistigen Söhne, den Gemahl Valerianus und den Schwager Tiburtius dem Herrn vor. Cäcilia hatte sie für den Glauben gewonnen und bittet nur, daß sie ihr in den Himmel folgen dürfen. Gott gewährt ihre Bitte, aber unter der Bedingung, daß beide den Kelch des Martyriums trinken: Tiburtius und Valerianus beugen ihr Haupt unter das Schwert des Henkers; ihre Leiber werden neben der Braut und Schwägerin unter dem Altare beigesetzt, ihre Seelen aber weilen auf ewig vereint mit ihr im Himmel.» (Kardinal Schuster, +1954)

«Der Sohn der neuen Esther, zugleich auch der Sohn Gottes, nahet sich, den Hochmut Amans in dem Augenblick zu brechen, wo dieser Elende sich seines Triumphes sicher glaubt. Er lenkt seine Schritte nach Jerusalem, der Stätte des großen Kampfes. Er benachrichtigt seine Jünger von allem, was sich dort zutragen wird. Er wird den Hohenpriestern überliefert, welche ihn des Todes würdig erklären. Sie geben ihn in die Hände des Statthalters und der römischen Soldaten. Er wird mit Beschimpfungen überhäuft, gegeißelt und gekreuzigt. Am dritten Tage wird er glorreich wieder auferstehen. Sämtliche Apostel vernahmen alles, was Jesus ihnen vorher verkündigte. Denn das Evangelium sagt uns ausdrücklich, er habe die Zwölf beiseite genommen und zu ihnen gesprochen. Judas war zugegeben, ebenso Petrus, Jakobus und Johannes, welche letztere drei durch die Verklärung auf dem Berge Tabor über die Jesu innewohnende Herrlichkeit besser noch als die anderen unterrichtet waren. Und dennoch verließen ihn alle. Judas verkaufte ihn, Petrus verleugnete ihn. Und als der Hirte der Gewalt der Feinde preisgegeben war, zerstreute der Schrecken die ganze Herde. Keiner dachte mehr daran, daß Jesus auch seine Auferstehung für den dritten Tag vorhergesagt hatte, ausgenommen vielleicht Judas, der in diesem Gedanken möglicherweise eine Milderung seines niederträchtigen Verrates fand. Er mochte denken, daß der Tod Jesu weniger zu bedeuten habe, da er ja doch nach drei Tagen glorreich wieder auferstehe. Alle anderen Apostel jedoch sahen nichts als das Ärgernis des Kreuzes und das war genug, um ihren Glauben zu ersticken und sie zum Bruche mit ihrem Herrn und Meister zu treiben. Welche Lehre für die Christen aller Zeiten. Wie selten ist die Achtung vor dem Kreuze, das doch für alle und für jeden einzelnen das Siege der göttlichen Liebe ist.» (Dom Gueranger, +1875)

«Als besonderes Vorrecht verleiht Jesus seinen treuesten Freunden, seinen Kelch zu trinken. Zwar ist er bitter, doch heilkräftig für die Seele. Liebe lebt von Opfer und Leid. Je mehr Liebe zu Jesus, desto mehr Liebe zum Leid. Die Seele leidet, weil sie liebt, weil das Leid die Flamme keuscher Liebe nährt. Darum predigte der seraphische Heilige von Assisi durch seine Stigmata an Händen, Füßen und Seite dem Volke Liebe und Leid zugleich mit den Worten: „So groß ist das Gut, das ich mir erwarte, daß jede Pein darum mir lieb ist.“» (Kardinal Schuster, 1954)

Gebet über das Volk

Lasset uns beten.

Neiget in Demut euer Haupt vor Gott.

«Gott, Du Widerhersteller und Freund der Unschuld, gib den Herzen Deiner Knechte die Richtung auf Dich, damit sie von der Glut Deines Geistes entflammt standhaft im Glauben und eifrig in Werken erfunden werden. Durch unsern Herrn Jesus Christus ... Amen.»

Bild: Basilika Santa Cecilia in Trastevere