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Mächtige Gründe unseres Vertrauens auf Maria

14. September, 2017

nach hl. Pius X.

Unser Vertrauen auf die allerseligste Jungfrau Maria wird aber erst recht gestärkt, wenn wir überdenken, welche „mächtige Gründe“ für Maria selbst bestehen, uns die Gnaden zu erbitten.

Unser heiliger Patron erklärt drei „mächtige Gründe“ für die besondere Zuneigung Mariens zu uns, armen Sündern. Sie ist doch unsere 1. Mutter, 2. Wiederherstellerin und 3. Mittlerin.

Unsere Mutter

Der erste und mächtigste Grund ist ihre Mutterschaft. Maria ist selbstverständlich die Mutter Gottes, sie ist Christi Mutter und dadurch auch die Mutter des mystischen Leibes Christi. Jesus Christus hat als wahrer Mensch einen ganz konkreten physischen Leib angenommen, allerdings „als Erlöser unseres Geschlechtes verfügt Er ebenso über einen geistigen oder mystischen Leib“, d. h. die Gemeinschaft der Gläubigen. Wenn also Maria die Mutter des mystischen Leibes Christi ist, so auch aller Glieder dieses Leibes, somit ist sie wahrhaft auch unsere Mutter.

Sehr schön und deutlich drückt es der heilige Papst aus: „In einem und demselben Schoße der reinsten Mutter hat [der ewige Sohn Gottes] Fleisch angenommen und sich zugleich einen geistigen Leib beigefügt, der aus denen besteht, die an Ihn glauben würden“.

Darum sehnt sich Maria, die hehre Mutter, so sehr danach, die Gnaden vom Haupt (von ihrem eingeborenen Sohn) zu den Gliedern (d. h. uns, den Kindern Mariens) zu vermitteln; damit wir Christus erkennen und so das Leben haben.

Pius X. erklärt es, wie folgt: „So kann man mit Recht sagen: Dadurch, daß Maria in ihrem Schoß den Erlöser umschloß, trug sie in demselben auch die, deren Leben in das Leben des Erlösers einbezogen war. Wir alle also … sind gleichsam aus dem Schoße Mariens hervorgegangen als ein [geheimnisvoller] Leib, der mit dem Haupte vereinigt ist. Somit heißen wir geistiger- und mystischerweise mit Recht Kinder Mariens, und sie ist unser aller Mutter [wie Augustinus präzisiert]: ‚Mutter freilich dem Geiste nach, aber doch durchaus Mutter der Glieder Christi, die wir sind‘(De sancta Virginitate, c. 6). Die allerseligste Jungfrau ist also zugleich Mutter Gottes und Mutter der Menschen. Ohne Zweifel wird sie deshalb alles aufbringen [das ist der mächtige Grund unseres Vertrauens auf Maria], damit Christus, ‚das Haupt des Leibes, der Kirche‘ (Kol 1,18), uns als Seinen Gliedern alle Seine Gnadenschätze mitteile, vor allem, damit wir Ihn erkennen und ‚durch Ihn leben‘ (1Joh 4,9).“

Die Wiederherstellerin der verlorenen Menschenwelt

Der zweite „mächtige Grund“ unseres Vertrauens ergibt sich daraus, daß Maria einen ganz einmaligen Anteil nicht nur am Leben, sondern auch am Leiden und Tod Christi bekam. (Man könnte es mit einem Wort zusammenfassen: sie ist die Miterlöserin; allerdings verwendet Pius X. andere, sehr schöne Titel.)

Wie Christus zugleich Opfer und Priester, zugleich Opfergabe und Opferdarbringer ist, so ist auch die Aufgabe Mariens eine zweifache gewesen. – Erstens, sie bot als Gottesgebärerin dem Sohne Gottes „die Materie ihres Fleisches“ (hl. Beda Venerabilis), um aus demselben die Opfergabe zu bereiten für das Heil der Menschen. Und zweitens übernahm sie als Mutter Christi auch das Amt, dieses Opferlamm zu hüten und zu ernähren, ja es zu seiner Zeit zum Opferaltar des Kreuzes hinzugeleiten. So bestand zwischen dem Sohn und der Mutter eine ununterbrochene Gemeinschaft im Leben und Leiden. Maria „stand“ unter dem Kreuz ihres göttlichen Sohnes (vgl. Joh 19,25), sie brach nicht zusammen, sondern „stand“ und opferte mit dem ewigen Hohenpriester am Altar mit.

Unser heiliger Patron betont mit dem hl. Bonaventura die außerordentliche innere Stärke der Schmerzensmutter: „Sie war keineswegs wie benommen von dem Entsetzlichen, was sie schauen mußte, sondern sie empfand sogar noch Freude, ‚daß ihr Eingeborener für das Heil des Menschengeschlechtes zum Opfer dargebracht wurde; allerdings litt sie [gleichzeitig] so sehr mit, daß sie, wenn dies möglich wäre, alle Marter ihres Sohnes von Herzen gern mitgelitten hätte‘ (hl. Bonaventura).“ Unter dem Kreuz empfand die Gottesmutter sowohl tiefe geistliche Freude über die Erlösung als auch unaussprechliche Schmerzen. (Vielleicht analog zur seligen Schau Christi, die Er auch bei den furchtbarsten Kreuzesqualen genoß.)

„Durch diese [einmalige] Teilnahme am Leiden und Willen Christi – schreibt der heilige Papst – verdiente Maria, daß auch sie mit Recht ‚die Wiederherstellerin [Reparatrix] der verlorenen Menschenwelt‘ (Eadmeri Mon.) wurde und deshalb auch zur Ausspenderin [Dispensatrix] aller Gnadenschätze, die Christus durch … Sein Blut erkaufte, berufen wurde“.

Unsere Mittlerin und Versöhnerin

Der dritte „mächtige Grund“ unseres Vertrauens besteht darin, daß sie das Vorrecht besitzt, „bei ihrem [göttlichen] Sohn nun die mächtige Mittlerin und Versöhnerin der ganzen Welt“ zu sein (vgl. auch Pius IX., Ineffabilis, 8. XII. 1854).

Der hl. Papst Pius X. erklärt dann genau den Unterschied zwischen der Mittlerschaft Christi und Mariens…

Der Heiland ausschließlich „hat durch Seinen Tod uns die Gnaden erworben“; Er ist „von Amts wegen der Mittler zwischen Gott und den Menschen“. Dagegen ist die Mittlerschaft Mariens abgleitet, von Christus abhängig; sie gibt die Gnaden weiter, infolge ihrer einzigartigen Teilnahme am Leiden ihres Sohnes.

Christus ist also „die Quelle, aus deren Fülle wir alle empfangen haben“; Maria ist nur der Wasserkanal [Aquaeductus], wie der hl. Bernhard richtig bemerkt.

Christus ist das Haupt; Maria wieder „der Hals, der den Leib mit dem Haupte verbindet und seinerseits Leben und Kraft vom Haupte weitergibt“, so erklärt es der hl. Bernardin von Siena: „Sie ist der Hals unseres Hauptes, durch den alle geistigen Gaben seinem mystischen Leib mitgeteilt werden“.

Gott allein gehört „die Kraft der übernatürlichen Gnaden-Bewirkung“; Maria ist nur „Mitwirkerin bei der Gnaden-Verteilung“, allerdings die vornehmste; sie „verwaltet“ mit Recht den Schatz der Ver­dienste Christi.

Christus thront im Himmel als König der Könige; „Maria aber steht als Königin zu Seiner Rechten, als ‚die bewährte Schützerin und zuverlässige Helferin aller Gefährdeten‘ (sel. Pius IX.)“.

Der Sohn ist nur bei Seiner Mutter zu finden

Zusammenfassend kann gesagt werden: Maria ist unsere 1. Mutter, 2. Wiederherstellerin und 3. Mittlerin. Aus diesen „mächtigen Gründen“ gibt es „keinen besseren und sichereren Weg zur Erkenntnis und Liebe Christi“ als gerade die jungfräuliche Gottesmutter!

„Ein trauriger Beweis dieser Wahrheit“ sind leider jene Häretiker und Irregeführten, die „meinen, der Hilfe der allerseligsten Jungfrau entraten zu können… Diese Armen und Unglücklichen“ – warnt der heilige Papst – „bilden sich ein, an Maria vorübergehen zu müssen, um angeblich Christus die Ehre zu geben; und sie vergessen dabei, daß der Sohn nicht zu finden ist als bei Maria, Seiner Mutter“.

Quelle: Heiliger Pius X. – marianischer Papst, Vortrag von P. J. Kučírek