Herz-Jesu-Familie 2. Rundbrief

22 Juni, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

2. Rundbrief des Sekretariats der Herz-Jesu-Familien, Distrikt Österreich

Liebe Verehrer des Heiligsten Herzens Jesu!

Das heutige Thema des Rundbriefes lautet: „Heidentum und Herz-Jesu“. Das ist ein aktuelles Thema. Dazu ein kurzer historischer Überblick.

I. DAS HEIDENTUM ZUR ZEIT CHRISTI

„Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, wurde die Gnade verliehen, den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkünden…“ (Lesung zum Herz-Jesu Fest, Eph 3,8) Der hl. Paulus spricht von den Heiden. Wer waren damals diese Heiden? Da gab es:

A) die Religion der Griechen: Im Unterschied zur VOLKSRELIGION mit ihrer Personifizierung von Naturkräften und Himmelskörpern (Sonne und Mond) und Begriffen (Streit und Hoffnung) sind in der durch Homers „Ilias“ bezeugten griechischen ADELS-RELIGION die olympischen Götter von menschlicher Gestalt. Der Olymp, ein Gebirgsmassiv mit einem Gipfel von 2985 m Höhe, gilt als Sitz der Götter. Zwölf Götter werden als die olympischen Götter bezeichnet, Zeus gilt darunter als der höchste Gott der Griechen. 

B) die Religion der Römer: Auch die Römer huldigen einem Vielgötterglauben. An der Spitze dieses Pantheon steht Jupiter. Außer den größeren Göttern gibt es eine große Anzahl kleiner Götter. Die Erhebung röm. Kaiser oder ihrer Angehöriger zu göttlichen Würden beginnt mit Julius Cäsar. Kaiser Augustus lässt im Jahre 29 v. Chr. zu Ehren des Julius Cäsar einen Tempel am Forum Romanum erbauen.

Kritik an der antiken Religion kommt von Christen und sogar von prominenten Heiden:

Sokrates stellt in einem Streitgespräch mit Eutyphron die Frage: „Du glaubst, dass wirklich unter den Göttern gegenseitiger Krieg bestehe und furchtbare Feindschaften und Schlachten … Sollten wir wirklich sagen, Eutyphron, das alles sei wahr?“

• Der große röm. Redner und Staatsmann Cicero (106-43 v.Chr.) schreibt: „… und in alledem hat man sie (die Götter) der menschlichen Schwachheit angeglichen. Auch mit Gemütsbewegungen stellt man sie sich vor, denn wir vernahmen von Begierden, Kümmernissen und Zornausbrüchen der Götter. Sogar Kriege und Kämpfe fehlten nicht, wie die Mythen berichten, bei den Göttern.“ (Fiedrowicz, Michael: Christen und Heiden, Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 20014, Nr. 545, S. 429f.)

Augustinus schreibt (De civitate Dei 10,1.3): „Wir entscheiden uns also für die Platoniker, die mit Recht berühmtesten unter allen Philosophen, weil sie zur Einsicht gelangten, dass die unsterbliche, vernünftige, geistbegabte Menschenseele nur durch Teilnahme am Licht jenes Gottes, der sie selbst und die Welt geschaffen hat, glückselig werden kann. …“ („Christen und Heiden“, Nr. 478, S. 590)

II. DER WEG INS NEUHEIDENTUM

Der „DEISMUS“, die Vernunftreligion zur Zeit der Aufklärung, schreibt Gott nur die Weltschöpfung zu. Gott greift aber dann nicht mehr in die Natur und in die Geschichte ein. Es gibt demnach keine Menschwerdung Gottes und keine Erlösung durch Jesus Christus.

Antwort auf das Neuheidentum gibt Gott durch die Herz-Jesu-Verehrung.

Gerade in der Zeit der aufkommenden Naturwissenschaften und des aufkommenden „Deismus“ entsteht auch die HERZ-JESU-VEREHRUNG. Die Namen der hll. Petrus Canisius, Johannes Eudes und Margareta Maria Alacoque sind mit der Verbreitung dieser Andacht verbunden.

Papst Pius VI. sagt: „Unter dem Sinnbild des Herzens betrachten und verehren wir die unendliche Liebe und freigebige Güte unseres göttlichen Erlösers.” 

Was wird die Zukunft bringen?

Im unserem sogenannten „Westen“ hat das Neuheidentum Fuß gefasst. Ein „Pantheon“ der Weltreligionen  wird errichtet. Die Kirche passt sich seit dem 2. Vatikanischen Konzil dem geistigen Milieu des Liberalismus an. S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre enthüllt in seinen Predigten und Schriften deutlich die seit dem 2. Vatikanischen Konzil entfesselte Glaubenskrise.

Im neuen EU-Europa soll das Christentum nicht einmal mehr in der Verfassung stehen. Was kommt auf uns zu? 

Interessanterweise schildert Wladimir Solowjew in seinem bekannten Werk „Kurze Erzählung vom Antichrist“ (Russland, 1899) eine Zukunftsvision. Er schreibt: „Im einundzwanzigsten Jahrhundert war Europa zu einer Union von mehr oder weniger demokratischen Staaten geworden: den Vereinigten Staaten von Europa.“ 

Ein Weltherrscher tritt auf, der ein Weltkonzil einberuft, um auch auf religiösem Gebiet alle Religionen unter seiner Herrschaft zu einigen. Der Herrscher gewinnt die Mehrzahl der Konzilsteilnehmer für sich und wendet sich nun an das verbliebene „Widerstandsnest“:

„Was kann ich noch für Euch tun…? Ich weiß es nicht. Sagt es mir doch selbst. Ihr Christen, die Ihr von der Mehrzahl Eurer Brüder und Eurer Führer verlassen und durch die Stimme der Völker verurteilt seid, sagt es mir doch selbst, was Ihr am Christentum am meisten schätzt!“ Da erhob sich … der greise Vater Johannes …: „Großer Herrscher! Christus selbst ist uns das Teuerste am Christentum. - … Und auf Deine Frage, was Du noch für uns tun könntest, geben wir Dir unsere einfache Antwort: Bekenne offen, jetzt, vor uns, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist, der Mensch wurde, auferstanden ist und wiederkommen wird. Bekenne IHN, und wir werden Dich vom Herzen als den wahren Vorläufer Seiner herrlichen Wiederkunft anerkennen.“ 

Auch wenn es sich bei diesem Werk von Solowjew nur um eine fiktive Erzählung handelt, bringt diese Antwort die Sache auf den Punkt: wir müssen den Wahrheiten des Glaubensbekenntnisses (CREDO) treu bleiben und Jesus Christus als wahren Gott und einzigen Erlöser der Menschen bekennen. 

Die Herz Jesu-Verehrung ist dabei ein großer Schutz gegen das Heidentum und den drohenden Glaubensverlust. Margareta Maria Alacoque sagt:

„Er (Christus) ließ mich mit unzweifelhafter Klarheit erkennen, dass es IHM besondere Freude bereiten werde, von seinen Geschöpfen gekannt, geliebt und geehrt zu werden. Und diese Freude war so unendlich groß, dass es mir schien, er habe mir versprochen, alle die IHM geweiht seien, würden nicht verloren gehen.“ 

Wie ermutigend sind auch die Worte des hl. Pfarrers von Ars:

„Wenn wir wüßten, wie der liebe Heiland uns liebt, wir würden sterben vor Freude! Ich glaube nicht, dass es Herzen gibt, die so hart wären und Ihn nicht liebten, wenn sie sähen, wie sehr das Herz Jesu sie liebt.

O wie schön ist die Liebe! Sie ist ein Ausfluß aus dem Herzen Jesu, welches ganz Liebe ist. Das einzige Glück, das wir auf Erden besitzen, ist: Gott zu lieben und zu wissen, dass Gott uns liebt.“

Vertrauen wir uns, liebe Mitglieder der Herz-Jesu-Familie, unsere Lieben und die Anliegen der Kirche und der Gesellschaft dem Allerheiligsten Herzen Jesu an; Darüberhinaus auch dem Unbefleckten Herzen Mariä. Wenn wir eine fromme Darstellung der Kreuzigungsgruppe betrachten, wird uns jedesmal in Erinnerung gerufen: diese vereinten Herzen schlagen ohne Unterlass aus Liebe zu uns Menschen - und sie warten sehnsüchtig auf die Erwiderung dieser Liebe. 

Pater Klaus Wilhelm