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In einem Stall geboren

25. Dezember, 2016

„Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte Ihn in Windeln und legte Ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war'' (Lk 2, 1-14).

In einem Stall geboren - die Selbstentäußerung Gottes

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!

Wir wollen Weihnachten im Geiste der Wahrheit feiern. Darum dürfen wir nicht den wahren Charakter der Geburt Christi vergessen. Wir wollen dabei besonders eine Tatsache nicht übersehen: der Erlöser ist in einem Stall geboren. - Es wird zwar nur die Krippe ausdrücklich erwähnt, doch genügt dieses Wort im Licht der Zeitverhältnisse. Eine Krippe setzt einen Stall voraus.

Der Reine im schmutzigen Stall

Unser Erlöser ist also in einem Stall geboren. Vielleicht wird es uns nicht immer so klar bewußt, daß es etwas sehr Hartes bedeutet, ja, eine grausame Wirklichkeit. Der Stall war ein armseliger Unterschlupf, nichts als vier rauhe Wände, ein schmutziges Pflaster, ein notdürftiges Dach. Sauber darinnen war nur die Krippe, aus der die Tiere fraßen. - In so einem Stall wurde Christus geboren; der schmutzigste Ort in der Welt ist der erste Wohnraum der ewigen Reinheit.

Ist allerdings die ganze Welt nicht ein ungeheuerer Stall, der durch die Sünden der Menschen verschmutzt ist und in den die ewige Reinheit kommt, um uns zu retten, um uns von der Sünde zu reinigen?

Der menschgewordene Sohn Gottes wurde gezwungen, Seine eigene Welt durch eine Hintertür zu betreten. Der Stall war der allerletzte Platz auf Erden, wo einer nach dem neugeborenen König gesucht hätte. Gott verbirgt sich sehr oft dort, wo niemand darauf gefaßt ist, Ihn zu finden.

Nur Tiere als Anbeter

Die ersten Anbeter des Kindes waren, abgesehen von Maria und Joseph, nur Tiere! Genauso wie es der Prophet vorausgesagt hatte: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. Nur Israel hat keine Erkenntnis, mein Volk keine Einsicht!" (Is 1,3)

Kein von irdischer Gesinnung geleiteter Verstand wäre jemals auf den Gedanken gekommen, daß Der, der die Sonne erschuf, um die Erde zu erwärmen, eines Tages eines Ochsen und eines Esels bedürfen würde, damit diese Ihn mit ihrem Atem wärmen.

Jahrhunderte vor der Geburt Christi hatten die Juden das Goldene Kalb und die Griechen und Perser den Esel angebetet. Menschen warfen sich lieber vor diesen nieder als vor dem wahren Gott. Jetzt waren Ochs und Esel da und machten dies unschuldig-unwissend wieder gut: Diesmal warfen sich die Tiere nieder vor ihrem Gott, vor ihren neugeborenen Schöpfer.

Die Tiere waren besser als die meisten Menschen; ein dürftiges Zeichen, daß einmal vertierte Menschen über dieses Gotteskind herfallen und es zerreißen werden am Kreuze.

Harte Wirklichkeit

Das ist das nüchterne Bild von Weihnachten, so war die rauhe, harte Wirklichkeit der Geburt unseres Erlösers. Genau so rauh und hart ist auch unsere Zeit, die Christus durch den Dreck und Schmutz zieht und dem menschgewordenen Gott die Anbetung verweigert.

Um so wichtiger ist unsere Aufgabe, zu der uns die Liturgie aufruft: „Venite adoremus!- Kommet, lasset uns anbeten!" Trösten wir unseren Herrn, leisten wir Sühne für die Hartherzigkeit und Gleichgültigkeit der unbußfertigen Sünder.

Die Selbstentäußerung Gottes

Der Herr ist in einem Stall auf die Welt gekommen, und wir erkennen darin die Selbstentäußerung Gottes, von der der heilige Paulus schreibt. Der Völkerapostel faßt das Geheimnis von Weihnachten mit folgenden Worten zusammen: „Jesus Christus entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an, erniedrigte sich und ward gehorsam" (Phil 2).

Der heilige Paulus erblickt in der Menschwerdung eine große Entäußerung Christi, einen ungeheuren Verzicht.

Der Allmächtige wird hilflos

Geben wir uns auch einmal Rechenschaft über unsere Anschauung: Da liegt das Kind in der Krippe. Ein kleines Kind ist immer etwas, das in seiner Hilflosigkeit unser Herz rührt, das Mitleid weckt, und fast kommt es uns vor, als hätte Christus durch Seine Geburt etwas gewonnen, etwas hinzubekommen: „Zuerst war Er Gott, jetzt ist Er noch Mensch dazu", könnte es uns scheinen. „Zuerst hatte Er nur eine Natur, die göttliche, jetzt bekam Er noch eine menschliche Natur", könnte jemand meinen. Aber nein, so ist es nicht!

Die Menschwerdung und Geburt bedeutete für Gott eine Entäußerung, einen Verzicht, eine Preisgabe. Der König der Könige, der Herr der Herren nahm Knechtsgestalt an, der ewige, allgegenwärtige, unendliche Gott wurde den beschränkten Menschen gleich, der Schöpfer erniedrigte sich auf die Ebene der bloßen Geschöpfe, der Allheilige stieg unter die Sünder herab.

Armut aus Liebe

Der allmächtige Gott wurde für uns ein hilfloses Kind. Wenn Er schon Mensch werden wollte, hätte Er - würden vielleicht einige denken - wenigstens als erwachsener Mann kommen können, als König. Aber das sind nicht die Gedanken Gottes.

Der Herr kam zu uns in Armut und Ohnmacht, als ein kleines hilfloses Kind in einem erbärmlichen, schmutzigen Stall in einem kleinen Städtchen einer römischen Randprovinz. Er hat für uns und für unser Heil alles dahingegeben: die Herrlichkeit des Himmels, die selige Gemeinschaft mit den reinen Geistern; Er hielt auch die Attribute Seiner Gottheit zurück.

Nur eine Seiner göttlichen Eigenschaften hat Er strahlen lassen, die göttlichste von allen, die Liebe. Wie es der heilige Paulus ausdrückt: „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Heilandes" (Tit 3,4-7). Aus Liebe, aus Seiner Menschenfreundlichkeit hat der Herr solche Armut auf Sich genommen.

Knie beugen

Liebe Gläubige, vergessen wir nicht die unverfälschte Wirklichkeit von Weihnachten, haben wir keine kitschige Vorstellung von der Geburt des Herrn. Weihnachten ist in Wahrheit etwas Hartes, Weihnachten ist Verzicht, ist Opfer, ist Selbstentäußerung Gottes. Der eingeborene Sohn Gottes nimmt für uns Knechtsgestalt an, wird für uns ein hilfloses Kind, das in einem erbärmlichen Stall auf die Welt kommt.

Wir sehen, wie sich der Erlöser für uns „entäußerte, Er erniedrigte sich und ward gehorsam bis zum Tod... Darum hat Ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und Ihm den Namen geschenkt, der über alle Namen ist, damit im Namen Jesu jedes Knie sich beuge im Himmel, auf Erden und unter der Erde und jede Zunge ... bekenne: Jesus Christus ist der Herr" (Phil 2).

Das ist die Lehre des schmutzigen Stalls, das ist die Lehre von Weinachten: Der Erhöhung muß die Selbsterniedrigung vorausgehen, vor der Verherrlichung kommt zuerst der Verzicht und das Opfer. Das lehrt uns das göttliche Kind in der Krippe. Lasset auch unsere Knie vor Ihm in Ehrfurcht beugen: Kommet, lasset uns anbeten!

Mit priesterlichem Segensgruß 
Pater Jaromír Kučírek

Quelle: Gottesdienstordnung Priorat Maria Hilf, Innsbruck, Dez. 2016 - Jänner 2017