Drittorden: Rundbrief Nr. 41

23 Februar, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

41. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.,

die Mitgliedschaft im Dritten Orden vom hl. Pius X. vollendet sich im äußeren Bereich mit der Ablegung der hl. Profess. Nun wird der Postulant vollständig in den 3. Orden aufgenommen, eingegliedert und ein lebendiges Glied in einem Organismus mit geistig-übernatürlichen Wurzeln, Mitteln und Zielen. Er wird „Sodale“ also so viel wie „Gefährte, Freund, Kamerad“ dieser Gemeinschaft. Deren Ziele und die mit dem Dritten Orden verbundenen eigenen Zwecke und Ziele zu erreichen, das vollendet sich im inneren Bereich für den Sodalen durch die treue Mitgliedschaft, durch die Befolgung des inneren Geistes des Dritten Ordens und dessen Verpflichtungen im Alltag wie am Sonntag. „Profess“ bedeutet ja „öffentliche Angabe, öffentliche Kundgabe, Bekenntnis“, aber auch „Beruf“ und im kirchlichen Bereich „Versprechen, Gelübde“. Der „Professor“ an einer Universität oder Schule ist also eigentlich ein „öffentlicher Lehrer“ und wenn jemand in seinem Beruf „professionell“ ist, dann meint das, er sei „fachkundig, kompetent, qualifiziert und kenne sich berufsmäßig, von Berufs wegen in einer Sache aus“. Nichts anderes soll es eigentlich auch im religiösen Bereich bedeuten. Der Professe bekennt und verspricht die Treue zum Glauben, zur Kirche, zu Christus, und mit und im Dritten Orden bemüht er sich, dies auch professionell zu leben und vor Gott wie vor der Welt, im stillen Kämmerlein wie auch in der Öffentlichkeit zu seinem „Beruf“ im Sinne seiner Berufung zu stehen. Denn er hat sehr wohl verstanden, dass diese Berufung durch den Himmel ein Geschenk, eine Gnade, ja eine Auszeichnung und Adelung beinhaltet, die freilich in der Nachfolge Jesu und Seines Erlöserwerkes stets auch Aufgaben, Kämpfe, Opfer und Überwindungen auferlegt. Daher stützt sich der Professe bei der Professablegung vertrauensvoll auf die Gnade des gekreuzigten Heilandes, auf die Fürsprache Mariens, seiner Mutter und Herrin, auf die Fürbitte des heiligen Papstes Pius X. und die Gebete aller Mitglieder der Bruderschaft und des Dritten Ordens. Denn das Ziel ist unermesslich groß und hehr, ist übernatürlich und von ewiglichem Belang, die eigenen Kräfte aber beschränkt, schwach und mitunter wankelmütig – da braucht es starke, feste, übernatürliche Hilfe. Nur so wird der Professe zur größten Gnade und zur am allermeisten zu ersehnenden Bestimmung gelangen können, dass Gott ihm „durch die Beobachtung meiner Gelübde die Gnade der Beharrlichkeit bis ans Ende, das Heil meiner Seele und das Heil der Seelen, die mir teuer sind“, gewähre.

Nun erst, auf dieses Professversprechen hin, das in Gebetsform gehalten ist, nimmt der zelebrierende Priester diese Profess in Stellvertretung für den Dritten Orden vom hl. Pius X., für die Priesterbruderschaft St. Pius X., der ja dieser 3. Orden angegliedert ist, und damit für die ganze Kirche an, da der Dritte Orden wie die ganze Bruderschaft selbst ja ein Werk der Kirche, in und für die Kirche ist:

„So nehmen wir dich im Namen des hochwürdigen Pater Generaloberen als Mitglied des Dritten Ordens der Priesterbruderschaft St. Pius X. auf …“

Diese Annahme der Gelübdeablegung gehört zur Wirksamkeit der Profess, ist ein wesentlicher Bestandteil. Erst durch die Annahme wird das Versprechen gültig und bindend. Als Ausdruck dafür bleibt der Tabernakel (er wurde unmittelbar vor der Profess geöffnet) noch solange offen, bis der Priester an Stelle des Generaloberen für die Bruderschaft und den Dritten Orden, an Stelle deshalb auch der Kirche vor dem eucharistischen Herrn – Dem natürlich letztlich diese Versprechen abgelegt werden, ist Er doch Haupt, Herr und Bräutigam Seiner Kirche – diese Profess annimmt und bestätigt, ihr damit vor der Kirche  wie vor dem Himmel Rechtskraft verleiht.

Weil diese Vorgehen vor Gott, der Kirche, vor Christus und der Bruderschaft ein so erhabener und bedeutungsvoller Akt ist, deshalb ist er auch himmelhoch von einem bloßen und trotzdem an sich schon sehr lobenswerten guten Vorsatz, von einem allgemeinen Weihegebet oder einer Hingabeerklärung unterschieden und ragt weit über sie hinaus. Daher fügt der Priester im Namen des Generaloberen und infolgedessen im Namen der ganzen Kirche hinzu:

„… und bitten Gott, dass Er dir die Gnaden, die du von Ihm erfleht hast, gewähre. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Also, die Bitte der Kirche, unserer geistlichen Mutter, die uns schon durch die Taufe für Christus und das ewige Leben geboren hat, uns gewappnet hat für den geistlichen Kampf in der Firmung (Stärkung, Befestigung heißt das ja!) durch den Beistand des Hl. Geistes, uns immer wieder reinigt, nährt und kräftigt durch die anderen Sakramente, Sakramentalien, Weihungen und Segnungen, die Fürbitte dieser Mutter unserer Seele und ihren Segen erflehen wir für den Professen am Ende der eigentlichen Versprechensablegung. Und auf die Bitte der Kirche gießt Gott selbst Seinen Segen, Seinen dreifaltigen Segen über das Drittordensmitglied aus, auf dass es die erbetenen Gnaden samt der Gnade aller Gnaden, die Beharrlichkeit bis zum Ende, gewährt erhalte. Denn diese Gnade der Beharrlichkeit im Glauben, in den Geboten, in der Liebe, in der wahren Verbundenheit mit der immerwährenden Kirche Christi, im Dritten Orden und seinen Satzungen wird einstens nicht mehr nur den heiligen Tabernakel, sondern den ganzen Himmel und Jesu Herz öffnen. Allerdings verlangt selbst diese einmalige, erlauchte Gnade das Mittun des Menschen, die Mitarbeit des Sodalen, denn gerade dazu ist er doch berufen und auserwählt, hat sich eben zuvor dem gekreuzigten Heiland und Seiner Gnade in der Profess verschrieben, um Jesus, den Geboten Gottes, der Kirche treu anzuhangen. Darum folgt sogleich anschließend an die Ablegung der Profess, nach ihrer Annahme und Bestätigung durch Kirche und Bruderschaft, nach der Schließung des Tabernakels, sehr sinnreich die Übergabe der zuvor geweihten Gegenstände, der Medaille vom hl. Pius X. und des hl. Kreuzes. Das sind Zeichen, Symbole, aber stets und besonders hier nach der hl. Profess weit mehr als nur Symbole, Zeichen, Andenken oder Erinnerungsstücke, wie im nächsten Rundbrief näher dargelegt werden soll.

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 14. Februar 2018