Drittorden: Rundbrief Nr. 40

19 Oktober, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

40. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.,

eingerahmt von der Segnung des Kreuzes und der Medaille mit dem Bild des Patrons, des hl. Papstes Pius X., sowie  des flehentlichen Anrufens der allerseligsten Jungfrau um ihren gnadenvollen Beistand in der Lauretanischen Litanei einerseits und andererseits von der Übergabe der geweihten Medaille und des geweihten Kreuzes findet bei der endgültigen Aufnahmefeier für den Dritten Orden vom hl. Pius X. die eigentliche Profeß, also die Versprechensablegung statt. Sie umfasst zwei Abschnitte, nämlich zuerst das vom bisherigen Postulanten vorgetragene Profeßversprechen und dann die Annahme dieses Versprechens durch den Priester, der die Profeß entgegennimmt, und zwar im Namen des Generaloberen der Priesterbruderschaft und damit für die heilige Kirche.

Der Profeßtext selbst, den das neue Mitglied vorträgt und wodurch es sein Versprechen auf den Dritten Orden ablegt, ist wiederum in drei Absätze gegliedert. Der erste Absatz enthält sozusagen den Präsenzort (vor dem Himmel, d.h. vor Gott und dem himmlischen Hofe) der Profeß.  Dann folgt das eigentliche Versprechen seinem wesentlichen Inhalt nach (Beobachtung der Gebote Gottes und der Satzungen des Dritten Ordens), das der neue Sodale im Vertrauen auf Jesu Gnade, auf die Fürsprache Mariens und des hl. Pius X. sowie auf die Gebete aller Mitglieder der Bruderschaft und speziell des Dritten Ordens abgibt. Schließlich erbittet der Professe im dritten Absatz von Gott die große Gnade der Beharrlichkeit bis zum Ende durch die Beobachtung der Gelübde, wie dies Versprechen vor Gott dort an dieser Stelle genannt wird.

„Ich, N.N., verspreche in Gegenwart des allmächtigen Gottes, zur Ehre der allerseligsten und Unbefleckten Jungfrau Maria, des glückseligen heiligen Papstes Pius X. und aller Heiligen:“

Das ist also quasi der Präsenzort, der Ort der Versprechensablegung: Vor Gott, dem Allmächtigen, und dann zur Ehre der heiligsten Jungfrau und des heiligen Patrons Pius X. und der Heiligen, damit aber auch in ihrer Gegenwart und vor dem ganzen himmlischen Hofe. Deshalb geschieht für normal die Profeßablegung auch in der Kirche und, soweit möglich, während der Hl. Messe (vor dem Offertorium – so dass der neue Professe sich quasi sofort danach geistig mit seinem Versprechen auf die Patene und in den Kelch legen kann). Die Aufnahme in den 3. Orden muss daher als Werk der Kirche vor der ganzen Kirche betrachtet werden. Es geschieht nicht nur etwas zur Freude und zur Erbauung der Gemeinde, der Freunde und Bekannten, nicht einmal nur für die Priesterbruderschaft, sondern durch sie für die Kirche vor Gott und den himmlischen Heerscharen, ganz im Sinne der „Gemeinschaft der Heiligen“, die wir ehren und lieben und der wir beigezählt werden möchten.

Es folgt der Inhalt des Versprechens:

„Dass ich die Gebote Gottes und die Satzungen des Dritten Ordens der Priesterbruderschaft St. Pius X. beobachten will im Vertrauen auf die Gnade des gekreuzigten Heilandes, auf die Fürsprache Mariens, meiner Mutter und Herrin, auf die Fürbitte des heiligen Papstes Pius X. und die Gebete aller Mitglieder der Bruderschaft und des Dritten Ordens.“

Die Gebote Gottes, die Er selbst uns in die Natur geschrieben und in der Offenbarung mitgeteilt hat, sind immer das Erste, Grundlegende, das Fundament, auf dem jegliches religiöses Leben aus dem Glauben, das diesen Namen verdienen will, fußen muss. Christliches Dasein schließt für jeden Gläubigen, besonders aber für jene, die Gott in inniger, unbedingter und unauflöslicher Weise angehören möchten, das Verlangen nach der Treue in den Geboten Gottes, den Eifer für die Satzungen Gottes in sich. Denn in den Geboten spricht Gottes Liebe zu uns, da Er sie uns zu unserem zeitlichen und ewigen Wohle schenkt; sie sind inniglicher Ausdruck der innergöttlichen Gutheit wie Seiner daraus fließenden Güte und Liebe zu uns, da sie uns Anteil am göttlichen Leben vermitteln. Erst darauf baut, wie bei einem Gebäude als auf dem Fundament, das übrige, höhere Bauwerke auf; dann kommen die Sakramente, die Segnungen, die Gebete, die Opfer, die Liebe und Herzenshingabe zum Tragen. Als große, wahrhaft starke Hilfe erweist sich dabei die Verpflichtung auf die Statuten und Regeln des Dritten Ordens, denn damit folgt der Professe der Kirche, ihren weisen Vorgaben und Einrichtungen, und nicht nur seinen eigenen, persönlichen Einschätzungen, seiner Vorliebe, seinem Urteilen. Im gewissem Sinne „kreuzigt“ der Sodale seinen eigenen Willen, unterwirft ihn – mindestens in einigen Teilbereichen – der Kirche, damit aber dem Heiland und dem Lieben Gott; so gewinnt er besonderen Anteil am Gekreuzigten und Seiner Gnade (das Mitglied erhält ja eben nicht umsonst gleich nach der Profeß  das Profeßkreuz!) Und der Terziar vereinigt sich mit der Haltung und Gesinnung seiner Mutter und Herrin Maria, Vorbild speziell hinsichtlich der Hingabe, Offenheit der Seele und Herzensneigung für Jesus und Gott: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte“ (Lk. 1,38), weshalb Elisabeth ihr jubelnd zuruft: „Selig, die Du geglaubt hast…“ (Lk. 1, 45). Das Ordensmitglied folgt auch dem Patron, dem hl. Papst Pius X., und darf daher mit Recht auf dessen Fürbitte hoffen, wenn er sich gleich dem heiligen Vorbild in den Dienst Gottes und der Kirche, der Seelen und des religiösen Lebens stellt. Schließlich steht auch die gesamte Gemeinschaft der Heiligen, d.h. der ganzen Kirche und vornehmlich die Gemeinschaft der Priesterbruderschaft mit ihrem Dritten Orden dem neuen Professen in seinen neuen Pflichten wie in seinem ganzen religiösen Leben zur Seite. Er verspricht und gelobt die Beobachtung der Gebote Gottes und der Satzungen des Dritten Ordens nicht auf seine Kraft und Energie, auf seine Vermögen und seine Fähigkeiten hin, als vielmehr auf die Gnade unseres Heilandes, auf die unerschöpfliche Fürsprache Mariens als seiner Mutter und Herrin, der er sich durch die Aufnahme in den Dritten Orden speziell anvertraut (nicht umsonst lautet der 2. Titel der Priesterbruderschaft ja „Bruderschaft der Apostel Jesu und Mariä“), auf die namentlich in der jetzigen Zeit der Kirchenkrise im Zeichen des Modernismus überaus wichtige und starke Fürbitte des hl. Pius X. und auf die Gebete der ganzen Bruderschaft wie insbesondere aller Mitglieder des Dritten Ordens vom hl. Pius X.  Das Versprechen auf die Gebote Gottes und die Satzungen des Dritten Ordens enthält ja schon – gerade im Sinne der Gebote Gottes, wenn wir an unsere Schwächen und an die Wunden unserer Natur infolge der Erbsünde und der eigenen Sünden denken – ein sehr hehres, hohes Ziel. Unterpfänder und Bürgschaften dafür, dass wir das alles überhaupt und sogar frohen Mutes wagen dürfen, sind also nicht so sehr und in erster Linie in unseren Kräften als in den Kräften und Gnaden der heiligen Kirche, der Gemeinschaft der Heiligen, vor allem in der Gnade Unseres Herrn und im mütterlichen Beistand Mariens zu finden. Auf diese Weise wird die Mitgliedschaft uns zur Heiligung (erster Zweck der Mitgliedschaft uns zur Heiligung (erster Zweck der Drittordensmitgliedschaft – vgl. Regel 1 der Regeln für den Dritten Orden des heiligen Pius X.), der Kirche zur Genesung und zum Wohlergehen, den Seelen zur Rettung gereichen:

„Möge Gott mir durch die Beobachtung meiner Gelübde die Gnade der Beharrlichkeit bis ans Ende, das Heil meiner Seele und das Heil der Seelen, die mir teuer sind, gewähren. Amen“

Im 3. Absatz nennt und erfleht der Professe die Ziele, die ihm bei der Ablegung des Versprechens, hier Gelübde genannt – ein Gott gemachtes Versprechen -, besonders bewegen: Die Gnade aller Gnaden, wie sie schon der hl. Augustinus beschrieb, die Gnade der Beharrlichkeit bis ans Ende und damit verbunden das Heil der eigenen Seele als – wie vorhin erwähnt – ohnehin erstes Ziel jedes Dritten Ordens; sodann das Heil der anderen Seelen, wobei, tröstlich genug, insbesondere derer nicht vergessen wird, die uns nahe stehen und in unserem Leben eine vorrangige Rolle spielen.

Dann erst nimmt der Priester in Stellvertretung für die Bruderschaft und für die Kirche die heilige Profeß an, was im nächsten Rundbrief noch näher beschrieben werden soll. 

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 29. September 2017, Hl. Erzengel Michael