Drittorden: Rundbrief Nr. 39

12 Juni, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

39. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.!

Bei der Aufnahme in den 3. Orden vom hl. Pius X. im Rahmen der Hl. Messe nach dem Evangelium und vor der Opferfeier soll schon allein durch diese Konstellation klar werden, dass es sich hier durchaus um einen ganz wichtigen Akt handelt, nämlich um die Übergabe seiner selbst! Bei besonders wichtigen religiösen Lebensabschnitten schreibt die Kirche entweder direkt den Einschub einer heiligen Handlung in die Hl. Messe vor (mindestens für den Normalfall) oder empfiehlt die Verbindung zum Messopfer wenigstens. Die heiligen Priesterweihen, die Aufnahme- und Professzeremonien vieler Orden sind während einer Hl. Messe vorgesehen, um zum Ausdruck zu bringen, dass der Mensch im Begriff steht, etwas zu tun, was ihn viel mehr als bisher Gott nahe bringen soll, wodurch er sich Gott und dem göttlichen Dienste zur Verfügung stellen und sich selbst Ihm darbringen möchte. Auch für die Spendung der hl. Firmung oder des Ehesakramentes ist die Feier der Hl. Messe direkt im Anschluss dieser heiligen Geschehen empfohlen, allerdings nicht verpflichtend oder geboten.

Die Hl. Messe erinnert daran, dass jener, der sich Gott zur Verfügung stellt, eine solche Bereitschaft nur deshalb Gott wohlgefällig anbieten darf, weil uns unser Herr Jesus Christus durch Sein Erlösungswerk, durch Sein Kreuzesopfer wieder dazu befähigt hat. Von dort erwartet der Sodale Gnade, Hilfe, Schutz und Segen. Denn sich Gott zu nahen, bedeutet eigentlich ein unerhörtes Geschehen, das wir nur auf Gottes Güte, Wohlwollen und Seine Einladung hin wagen dürfen. Darum muss der Professe sich bewusst sein, dass ein Dienst vor Gott stets eine Auszeichnung, eine Adelung und ein steter Gewinn für Herz und Seele ist, dass solch ein Dienst aber hier auf Erden auch unausgesetzt unter dem Zeichen des Kreuzes und der Verdienste Unseres Herrn steht. Nachdem im Wortgottesdienst der Heiland und die Kirche uns belehrt, gereinigt und ermutigt haben, legt der bisherige Postulant seine Profess ab, um im Sinne des sogleich folgenden Offertoriums seine Bereitwilligkeit kund zu tun, dem Heiland auch im Kreuz zu folgen, sich Ihm zu vereinen in Arbeit, Gebet, Mühe und Leiden, auf dass der Herr sich würdige, wie in der hl. Kommunion so auch im ganzen weiteren Leben sich Seinem Diener und Freund zu einen, um ihm Gnade, Trost, Auferstehung und ewige Freude zu schenken.

Bei der Professablegung auf den Dritten Orden vom hl. Pius X. kommt dieser Gedanke, dieses Ideal auch dadurch zum Ausdruck, dass am Beginn der Professzeremonie die Abzeichen und Charakteristika für den Professen des Dritten Ordens vom hl. Pius X. geweiht werden. Nach einer Predigt über die große Gnade dieses Dritten Ordens in unserer Zeit, nach der Herabrufung des Hl. Geistes durch das „Veni Creator“ und der Einleitung, bei welcher der Zelebrant den Postulanten fragt, um was er verlangt und der Postulant um Zulassung zu den Gelübden des Dritten Ordens bittet, „um so Gott bis in den Tod zu dienen und mein ewiges Heil zu wirken“, werden das Professkreuz und die Professmedaille des hl. Pius X. geweiht. Schließlich wird die allerseligste Jungfrau Maria in der Lauretanischen Litanei angerufen wird. Medaille und Kreuz werden dann erst nach der Profess überreicht. Die Ablegung der hl. Profess ist somit regelrecht und unmittelbar umrahmt von der Segnung des Kreuzes und der Medaille samt der Anrufung unserer himmlischen Mutter vor der Profess und von der Übergabe der geweihten Medaille und des geweihten Kreuzes direkt nach der eigentlichen Professhandlung.

Es ist also das hl. Kreuz, dem der neue Professe begegnet, das ihn einrahmt. Dies bedeutet aber keineswegs nur Leiden, Mühsal und Sorgen, sondern beinhaltet ja die ganze, unendliche, innigste Liebe Jesu zur Seele, weshalb das Kreuz selbst auch Trost, Ermutigung und Siegeszeichen ist. Ein Siegeszeichen, das uns trägt, wenn wir es mit unserem Erlöser tragen als Zeichen des Sieges über das Böse, die Sünde, den Teufel, die Hölle, ja auch über das rein Weltliche, Sinnliche, Materielle und nicht zuletzt über uns selbst und unsere irdischen Begehren, Wünsche und Pläne; dann wird es im auferstandenen Herrn uns auch zum Zeichen des Sieges über den Tod, diese Welt und ihre Ideale, ein Sieg für die Ewigkeit.

Die Hilfe, der Beistand, um in diesem geistlichen Kampf auszuharren, um in der von Gott gewollten Bewährung standzuhalten, erhält das Drittordensmitglied neben allen anderen geistlichen Mitteln, die der Herrgott uns in reichen Fülle durch die Sakramente, Sakramentalien, das Gebet und die Gemeinschaft der Heiligen mit den hll. Engeln, Seligen und Fürbittern wie durch die heilige Kirche selbst zur Verfügung gestellt hat, im Patronat des hl. Pius X. und dem Schutzmantel der heiligen Gottesmutter. Wie sehr wir auf Maria bauen und vertrauen dürfen und müssen – davon zeugen nicht zuletzt die Mariendogmen der letzten Jahrhunderte, ihre warnenden, ermahnenden und zugleich ermutigenden Erscheinungen zu Lourdes, zu Fatima. Ihr unbeflecktes Herz wird triumphieren, und wir werden nur in ihm und mit ihm siegen! Dazu hilft als zweites ganz besonderes Standbein unter den Fürsprechern das Patronat des hl. Pius X., der unseren Geist und Mut, unsere Festigkeit und Willensstärke im guten Ringen um die heilige Kirche, um den heiligen Glauben, um eine gottgefällige Sitte schulen möge, damit dann auch die heilige Profess das werde und bleibe, was ihr Name ins Deutsche übersetzt sagt, nämlich ein heiliges, feierliches Versprechen, ein Bekenntnis, eine öffentliche Kundmachung, eine verbindliche Erklärung: Ich gehöre Gott! Ich bin Gottes!

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 25. Mai 2017, Christi Himmelfahrt